1968 - Hilfe, die Japaner kommen (mit Pioneer)
Pioneer war meiner Erinnerung nach der erste Japaner, der uns frühen Hifi Freaks so richtig ins Auge fiel. Es gab zwar irgendiwe schon Kenwood und Sony und noch ein paar andere Japaner, doch Pioneer blieb in Erinnerung. Die Optik war total anders als die der deutschen Grundigs, Körtings, Loewes, Wegas, Telefunkens oder gar Siemens. Und die technischen Daten waren ganz erstaunlich für den kleinen Preis.
Die Firma Pioneer war schon immer ein Audio- Vollsortimenter, "die" hatten einfach alles.
Pioneer tauchte etwa 1968 mit ersten Röhren-Receivern bei uns auf und gleich danach kamen lustige Röhren-Vollverstärker mit polierten silbernen Aluminium-Fronplatten und so komischen Gnubbel-Knöpfen dran.
Die Receiver hatten teilweise echte 2 x 30 Watt Sinus an 8 Ohm und laut Hifi Stereophonie hatten die das wirklich, sogar mit Röhren. Das war zu der Zeit, als ich im Bieberhaus in Frankfurt ganz hinten auf der Zeil die ersten Aushilfs-Samstage verbrachte und über diese neuen Geräte staunte.
In Verbindung mit einem Thorens Plattenspieler (natürlich schon mit Magnetsystem) und zwei Goodmans Magnum K Lautsprecherboxen hörte sich eine Oper so toll an, daß Kunden aus der Waschmaschinenabteilung im Erdgeschoss nach oben kamen und mehrere 10 Minuten begeistert zuhörten.
Einige kaufte sich daraufhin sogar eine richtige Hifi-Anlage.
Natürlich gab es auch Probleme, denn diese Dinger da hatten so komische amerikanische Plattenspieler- und Tonband- Doppel-Stecker, die Amis sagten "Kinsch" dazu. Und von da an boomte der Verkauf von sogenannten Adapterkabeln von DIN auf Cinch. Und diese Kabel waren so begehrt, daß damit richtig Profit gemacht wurde.
Und was es 1968/69 alles gab.
Das gab es neben den Receivern und Vollverstärkern auch Tuner und separate Stereo-decoder, große Plattenspieler, riesige Trümmer von Japan-Boxen, Lautsprecherbausätze und einzelne Chassis, Kopfhörer noch so manch anderes Gerät.
Bei den großen Lautsprechern war der in japanischem Stil geschnitze Holzgrill deutlich schöner als der Klang der Box. Das galt eigentlich für alle frühen Boxen aus Japan.
Pioneer zielte erst noch auf den amerikanischen Markt
Der Verkauf nach Europa war vorerst ein Abfallprodukt und Pioneer wurde viele lange Jahre von einer Firma Melchers Import/Export aus Bremen vertrieben. Wie bei vielen Japaner änderte sich die Produktlinie von 1968 an sehr schnell, die Transistoren zogen ein, das Design wurde gefälliger und die Qualität war ganz oben angesiedelt. Es gab nur noch selten Japan-Schrott, der kam dann schon aus Hongkong oder Taiwan.
Fatal war für uns Europäer, unsere Führungsspitzen einschließlich des Max Grundig mit dem goldenen Händchen verkannten den Ideenreichtum und die Schnelligkeit der Japaner, fast aller Japaner. Auch deren Fleiß und deren Arbeitswut waren uns fast schon befremdend geworden. Wir Europäer schwelgten im Wohlstandswunder und konsumierten Japan-Hifi. Das ging so lange, bis die großen Deutschen Firmen der Reihe nach Pleite machten.





