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Dick, dicker - Prozzo prozzo

bearbeitet im Dez. 2016 von Gert Redlich - Wenn ein Hifigerät die Netzsicherung "rausbläst", dann hat es mehr zu bieten als nur "Radio". Meist ist da eine ganz dicke Endstufe am Starten. Doch wieviel Watt braucht der Mensch wirklich. Darüber stritten die echten Hifi-Experten recht lange, bis sie eine Formel fanden, bei der der Wirkungsgrad der Lautsprecher eine herausragende Rolle spielt.

Und natürlich muss auch dieses Gerät wieder ganz super toll aussehen und alle Träume des Käufers abdecken. Das hat man bei Pioneer mit diesem Monster-Receiver SX-1980 auch wieder versucht. Der Hifi-Markt war am "abklingen" (andere sprachen 1978 bereits vom Zusammenbrechen) und so gut wie alle Firmen - vor allem die Firmen mit gigantischen Produktionskapazitäten - mußten die restlichen (und kleinsten) Marktnischen besetzen.
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Über "Tests" und deren Bewertungen

Über die Tests in den verschiedenen Hifi- Magazinen hatte ich mich bereits auf mehreren Seiten ausgelassen und daß man diese "Tests" oder auch Beschreibungen sehr genau beäugen und selbst bewerten muß. Als bei den Hifi-Magazinen die Titelblatt-Inflation kam, war fast überall Gigantomanie angesagt und so wurden immer öfter diese dicken Boliden erst einmal genial leuchtend fotografiert und dann auf den eigenen Prüfstand geholt oder zu fremden Prüfern abgegeben. So auch dieser Pioneer SX-1980 von 1977/78 und auch der Marantz 2500 Monster-Receiver und diese ganzen Sansui, AKAI, Technics und Onkyo und sonstigen Monster-Kraftwerke. Doch lesen Sie selbst.
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Der Receiver Pioneer SX-1980 - Über die Ausstattung

Mit 35 Kilogramm netto ein Receiver der Schwer- gewichtsklasse. Ein edelholzfurniertes Gehäuse faßt die silbrig-metallene Frontplatte ein.

Die Beschriftung und die Skalierung der Bedienungselemente sind eingraviert. (Anmerkung : meist ware es eingestanzt und nicht eingraviert)
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Der Tuner-Teil

Das Gerät ist für UKW- und Mittelwellenempfang eingerichtet. Schwungradantrieb, langgestreckte Skala, Signalstärke- und Ratiomitte-Instrument erleichtern die Abstimmung.

Eine spezielle "APC"-Schaltung synchronisiert den eingestellten Sender mit einer Quarzreferenz. Dadurch wird jede Frequenzdrift ausgeschaltet und außerdem eine automatische Scharfabstimmung erreicht. Diese Schaltung spricht aber nur bei solchen (UKW-) Sendern an, die im 100-kHz-Raster arbeiten. Ist ein solcher Sender manuell genügend fein abgestimmt, dann leuchtet das Kontrollämpchen "Fine Tune". Beim Loslassen des Senderwahl-Drehknopfes schaltet sich die Quarzuhr-Automatik zu und „rastet" den Sender ein. Dies wird durch das Lämpchen "Quarz Locked" signalisiert. Eine Multipath-Taste dient dazu, Mehrwegempfangsstörungen akustisch zu erkennen.

Eine abschaltbare Stummabstimmung unterdrückt das Zwischenstationsrauschen. Für zukünftige Dolby-FM-Sendungen kann die Deemphasis auf 25 Mikrosekunden umgeschaltet werden. Der Dolby-Prozessor ist als Zubehör erhältlich, er wird in die „Adaptor"-Buchse eingeschleift.
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Die Eingänge

Der Pioneer-Receiver hat zwei Phono-Eingänge, einen Mikrofon- und einen Hochpegel- (Reserve-) Eingang, die durch Tastendruck gewählt werden. Außerdem lassen sich zwei Bandgeräte für Aufnahme und Wiedergabe anschließen. Volle Überspiel-und Monitormöglichkeit ist gewährleistet, Umstecken nicht erforderlich. Der Phono-Eingang wartet mit umschaltbarer Eingangsimpedanz auf: 10, 50 oder 100 kOhm beziehungsweise 100, 200, 300 oder 400 Pikofarad. Der Mikrofoneingang ist für hochohmige dynamische Wandler ausgelegt, sie werden über eine Klinkenbuchse an der Frontplatte angeschlossen.

Die Klangregler

Lautstärke- und Klangregler arbeiten als Rastpotentiometer, sie beeinflussen beide Kanäle gemeinsam. Je zwei Klangregler stehen für Bässe und Höhen zur Verfügung, sie wirken bei verschiedenen Frequenzen: 50 Hz und 100 Hz im Baß, 10 kHz und 20 kHz in den Höhen. Ein „Flat"-Schalter überbrückt wahlweise die gesamte Klangregelstufe.

Die Loudness-Regelung

Die zuschaltbare Loudness-Entzerrung wirkt pegelabhängig, sie hebt bei kleinen Lautstärken Bässe und Höhen an. Zur Unterdrückung von tiefstfrequenten Störgeräuschen kann man ein Subsonic-Filter einschalten, das Frequenzen unterhalb 15Hz mit einer Flankensteilheit von 12dB pro Oktave abschneidet.

Ein Rauschfilter dämpft auf Wunsch Frequenzen oberhalb 8kHz; auch hier beträgt die Flankensteilheit 12dB pro Oktave. Weitere Bedienungselemente des NF-Teils: Balance-Regler, Mono-Schalter, Muting-Schalter (dämpft den Pegel um 20dB) sowie drei Tasten, mit denen die Lautsprecherpaare A, B oder C angewählt werden.
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Die Anzeigeinstrumente

Zwei Pegelmesser zeigen die Ausgangsleistung der beiden Kanäle an. Die Skaleneichung gilt für 8-Ohm-Lautsprecherboxen. Eine Reihe von farbigen Leuchtfeldern gibt an, welche Programmquelle und welche Lautsprecherausgänge gerade in Betrieb sind.

  • Anmerkung : Über die Aussagewertigkeit der zappelnden Instrumente bei Musik wird kein Wort verloren. Bei den damaligen Quadro-Vorverstärkern mit sogar 4 Instrumenten zappelten diese Dinger wie wild und es war einfach nur "schön", hatte aber mit Musik nichts zu tun und war im Prinzip völlig überflüssig. Bei Tonbandaufnahmen hatten solche Zeiger-Instrumente bestimmte Eigenschaften, die der Charakteristik der Musikimpulse und deren Gewichtung bezüglich der Aussteuerbarkeit des jeweilgen Bandes angepaßt war, hier war nur ein optisches "Zappeln" gefragt.

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Die Rückseite

die amerikanische Ausführung ohne DIN

Am rückwärtigen Anschlußfeld steht neben den Ein- und Ausgängen in Cinch auch eine fünfpolige DIN-Buchse für Tape 2 zur Verfügung. Vorverstärker-Ausgang und Endstufen-Eingang sind an Cinchbuchsen zugänglich. Hier können gegebenenfalls Equalizer oder ähnliche Zusatzgeräte eingeschleift werden. Für den Lautsprecheranschluß sind Druckklemmen vorgesehen, in die die blanken Kabelenden eingesteckt werden. Einen Kopfhörer kann man an der frontseitigen Klinkenbuchse betreiben.

Die Antenneneingänge für AM und FM sind an symmetrische Schraubklemmen geführt (300 Ohm), daneben gibt es für FM eine Koaxialbuchse nach IEC-Norm. Bei Mittelwellenempfang kann die an der Rückwand angebrachte Ferritantenne geschwenkt und optimal ausgerichtet werden. Ein ungewöhnliches Extra findet man ebenfalls an der Rückwand: den „Phono-Interference-Schalter". Er soll hochfrequente Störsignale auf den Phono-Eingängen unterdrücken, also dem leidigen "Radioempfang über den Plattenspieler" entgegenwirken.

Die Beurteilung

Ein kleines Kraftwerk steckt in diesem Receiver: Mit rund dreihundert Watt Sinusleistung je Kanal dürfte er wohl selbst die ausgefallensten Wünsche von Leistungsfanatikern erfüllen. Da 8-Ohm-Boxen noch mehr „Power" aus der Endstufe herausholen als solche mit 4 Ohm, spricht viel dafür, speziell solche Lautsprecher zu verwenden. In jedem Fall bleiben die nichtlinearen Verzerrungen äußerst gering. Der Dämpfungsfaktor reicht völlig aus.

Die Qualität der Eingänge

Empfindlichkeit und Übersteuerungsfestigkeit kann man allen Eingängen bescheinigen. Ganz exakt stimmen bei diesem Gerät die drei wählbaren Phono-Impedanzen mit den Nennwerten überein. Die Hochpegeleingänge sind ausreichend hochohmig. Bei Mikrofonbetrieb wird man allerdings kaum die volle Ausgangsleistung ausschöpfen können, dazu müßte der Mikro-Eingang empfindlicher sein. Mit hochohmigen Mikrofonen - für diese ist der Eingang konzipiert - wird man ohnehin nicht sonderlich glücklich, weil man sie nur an kurzen Kabeln betreiben kann. Daher kann man dieser Einrichtung skeptisch gegenüberstehen.

Über die Ausgänge

Die Ausgangsspannungen für Bandaufnahme haben vernünftige und normgerechte Werte. Der Pegel an den Pre-Out-Buchsen ist dagegen eine Nummer zu groß geraten. Viele handelsübliche Equalizer können Spannungen von 20 Volt nicht verzerrungsfrei verkraften.

Anmerkung zur Kühltechnik

Eine Seite des SX-1980 außen
Endstufe oben offen
und hier von unten

Kein Wort verliert der "Tester" über wirklich gesunde Konzepte mit erfreulichen Qualitäten. Das sind zum Beispiel die großen beidseitigen Kühlkörper des SX-1980, die die Ab-Wärme der beiden 300Watt Endstufen aus dem Gerät nach draussen abführen und somit das Leben der dicken Kondensatoren innen drinnen deutlich verlängern. Bei den allermeisten Receivern der Amerikaner und auch der Japaner wurden innenliegende Kühlkörper plaziert bzw. montiert, die bei höhreren Leistungen die Abwärme durch die normale "Konvektion" nicht mehr (schnell genug) nach oben abführten und die Geräte im Inneren deutlich aufheizen.

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Die Loudness-"Verzerrung"

Gute Werte haben wir durchweg für die Fremdspannungsabstände gemessen. Speziell der Phono-Eingang rauscht erstaunlich wenig. Die Loudness-Korrektur ist im wesentlichen gehörrichtig ausgelegt, man sollte aber bei eingeschalteter Loudness auf jeden Fall auch die Muting-Dämpfung einschalten, sonst wird aus der Loudness-Entzerrung eine Loudness-Verzerrung!

Nochmal die Klangregler und die Filter

Die Klangregler arbeiten anständig, durch die Aufteilung auf insgesamt vier Steller hat man umfangreiche Möglichkeiten der Frequenzgang-Beeinflussung. Lobenswert: die steilflankigen Filter. Das "Low"-Filter unterdrückt Subsonic-Störungen wirksam, das Höhenfilter, das tunlichst ausgeschaltet bleiben soll, schneidet zu viel vom wichtigen Übertragungsbereich ab, um noch als hifigerecht eingestuft zu werden.

Der Phono-Eingang

Perfektionisten werden die vielfach umschaltbare Phono-Impedanz begrüßen, mit der sie Frequenzgang-Eigenarten ihres Tonabnehmers glattbügeln können. Noch eine Angabe für Audiophile: Die dB-Werte am Lautstärkesteller stimmen außerordentlich exakt, fast wie bei einem Meßgerät!

Zum Empfangsteil des SX 1980

Die Skala ist genau geeicht, die Abweichungen betragen maximal 50 kHz. Nicht ganz so einverstanden sind wir mit der Auslegung des Feldstärkeinstruments. Kleine Antennenspannungen kann man kaum unterscheiden, bei Spannungen über 1 Millivolt klebt der Zeiger schon am rechten Anschlag. Das Ratiomitte-Instrument ermöglicht eine sehr genaue Feinabstimmung, Verstimmungen um 10 kHz können schon deutlich abgelesen werden. Darüber hinaus ist dieses Instrument sehr exakt eingestellt. Klirrminimum und Rauschminimum fallen haarscharf mit der Ratiomittenanzeige zusammen. Die Klirrverzerrungen bleiben selbst bei großen Frequenzhüben sehr gering. Störend können sich unter Umständen die Pilottonverzerrungen bemerkbar machen, die mit 40dB relativ hoch liegen. AM-Störungen werden dagegen sehr gut gedämpft.

Als gut können Eingangsempfindlichkeit und Fremdspannungsabstand gewertet werden. In diesem Punkt waren beim Empfangstest keine Unterschiede zu unserem Referenztuner auszumachen. Die Empfindlichkeit läßt allerdings am unteren Ende der Skala um bis zu 5dB, das heißt fast um das Doppelte, nach. Auf den Geräuschspannungsabstand wirkt sich die Quarz-Automatik nachteilig aus: Sie erhöht das Rauschen bei Mono um 5dB, was im HiFi-Betrieb allerdings von akademischen Interesse sein kann. Pilotton und Hilfsträger werden sehr gut unterdrückt. Die Muting-Schwelle ist vernünftig gewählt, der Stereo-Umschaltpunkt sollte dagegen höher liegen.

Bei der Übersprechdämpfung schießt das Pioneer-Empfangsteil den Vogel ab: Hier werden bei 15kHz sage und schreibe 40dB erreicht, bei mittleren Frequenzen sogar 50dB ! Diese Werte grenzen an das Leistungsvermögen unserer Meßgeräte.
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Der Frequenzgang bei UKW

Daß der Frequenzgang absolut flach verläuft, muß kaum mehr erwähnt werden. Unser Empfangstest reiht den Pioneer eindeutig in die Empfänger-Spitzenklasse ein. In puncto Trennschärfe stand er dem Referenzgerät nur unwesentlich nach, beim Fernempfang lieferte er völlig gleichwertige Qualität. Merklich anfälliger reagierte der Pioneer auf Gleichkanalstörungen, Störimpulse von elektrischen Geräten unterdrückte er bei kleinen Antennenspannungen jedoch besser als der Vergleichstuner.
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Teil 1
Teil 2

Die technischen Daten und der Preis

Für uns als "Spätbewunderer" dieser Monster-Receiver fällt auf, daß die Ausgangsleistung dieses Gerätes bei 8 Ohm Lastwiderstand erheblich höher ist als bei 4 Ohm.

Das ist nicht normal, weil es physikalisch schwer zu erklären ist. Alleine bei QUAD Endstufen war das bekannt. So gut wie alle anderen Endstufenkonzepte liefern bei geringeren Lastwiderständen höhere Ausgangsleistungen.

Der CROWN DC 300A lieferte bei 8 Ohm etwa 190 Watt, bei 4 Ohm etwa 300 Watt und bei 2 Ohm etwa 500 Watt Sinus Dauerton Leistung beim Betrieb von beiden Kanälen gleichzeitig. Die Werksangabe lag bei 2 x 150 Watt unter allen Bedingungen von 0 Hz bis 100 kHz. Das war damals schon Understatement pur.
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Zusammenfassung

Ohne Zweifel ein hochwertiges Gerät, der Pioneer SX 1980. Tuner- und Verstärkerteil leisten meßtechnisch und selbstverständlich auch klanglich Ausgezeichnetes.

Der Preis dürfte in erster Linie durch die enorme Ausgangsleistung bestimmt sein.

Wer auf Leistung besteht, bekommt mit diesem Receiver einen angemessenen Gegenwert für sein Geld - seine DM 4.000.-.

Wagner/ Ulrich Wienforth
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Mein Kommentar

Gelockt mit einem tollen und ohne Zweifel fotografisch brillianten Bild vorne drauf auf der Cover-Seite, hat sich der Tester gewunden, wie er am Ende das Preis-Leistungsverhältnis "kundenverträglich" (bzw. auftraggeberfreundlich) formuliert. Das Preis-Leistungsverhältnis auch dieses Boliden ist eigentlich miserabel. In Wohnräumen bis ca. 32m² sind 2 x 300 Watt eine Menge, die der Normalo in normalen Häusern nie ausfahren kann, mit Zimmerlautstärke schon gar nicht. Allein in solchen Räumen wie in meinem Studio mit 120m² Fläche und 6m Firsthöhe wäre das vielleicht sinnvoll. Von dem Ruhestromverbrauch wollen wir dabei in 2016 nicht mehr reden, der ist mit über 120 Watt absolut zu viel. Alleine die wirklich eindrucksvolle Optik begeistert die Fans und Prozzo Prozzo Liebhaber immer noch, doch das hat mit Musik nichts zu tun.

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den Sie sich mal anschaun sollten.
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