Sie sind hier : Homepage →  Hifi Psyche

Die Psychologie bei den Edel-HiFi Gourmets :

Bei der Hifi Euphorie der 60er und 70er Jahre gab es, wie anderswo auch, mehrere Spezies in der Kundschaft. Ich hatte als Student (und auch noch später) in mehreren Hifi-Studios im Raum Wiesbaden ganze Nachmittage "im Laden" gestanden und potentielle "Kunden" und deren Wünsche angehört. Dabei kam Folgendes heraus:

  • Der "Normalo" wollte nur gute Musik hören und ein bißchen Spass an den Geräten haben. Naja, schön solllten sie auch sein, aber in Maßen und für den kleinen Geldbeutel.

  • Der "Prozzo-Prozzo" wollte damit vor Freunden und Nachbarn angeben, wer immer die höchsten Wattzahlen (laut Prospekt) vorzeigen konnte. Das war übrigens bei den Tonbandgeräten im Speziellen so auch der Fall, alle wollten 26er ALU-Spulen und möglichst viel Chrom und haufenweise Knöpfe und Schalter auf den großen Kisten.

  • Der "Gourmet" legte auf das Äußere fast keinen Wert, er wollte die ultimative Klangqualität mit wenig, viel oder ganz viel Aufwand haben. Das ging dann durchaus von 3.000.- Mark bis 100.000.- Mark, war aber optisch völlig unspektakulär.

  • Der "Spezialist" hatte dann mindestens aktive 3-Wege Lautsprecher mit einem oder mehreren Dynamik-Expander(n) und einen 12-fach Equalizer und hörte sich tagelang Schlagzeug- oder Saxophon-Musik an. Konzertante Musik war da gar nicht gefordert, denn dynamisch und laut sollte es zugehen. Eigentlich hörte er nur die Lautsprecher und db's.

  • Der "Progressiv-dynamische Gourmet" hatte weiße (und erst später schwarze) Design Elektronik und auch die weißen Lautsprecher, damals von der Braun AG aus Kronberg. Natürlich war das edel, sowohl von der Qualität wie auch vom Preis. Und es war exklusiv modern, das konnte sich bestimmt nicht jeder leisten. Auch hatte nicht "Jeder" ein 168 Quadratmeter Wohnzimmer aus dem Braun Prospekt zusammen mit den dicken gemütlichen weißen Ledergarnituren darinnen und der edlen Schrankwand in mattem Schleiflack in weiß (zur Braun Anlage passend). Doch bald hatten auch die Japaner dieses Segment im Visier und 1990 war es dann zuende mit weißem und schwarzem Braun Hifi.

  • Der "Understatement Gourmet" hatte eine Anlage, die man fast nicht sah (und auch nicht sehen sollte), die aber fantastisch gut klang (die also von einem wirklichen Fachmann installiert worden war) und dabei nicht mal Klangregler hatte. So zum Beispiel die legendären Quad Verstärker und deren Elektrostaten (die gabs auch von Braun!!). Später gab es dann zum Beispiel die getrennten Komponeten von Linn völlig unspektakulär ganz in schwarz, wenige Regler und fast keine Knöpfe, mit denen man daher überhaupt nicht prozzen konnte (und auch nicht mußte), die aber richtig gute Musik machen.

  • Das "Hifi Genie" hatte dann nur noch teuerste Einzel-Komponenten mit speziellen Netz-Schaltleisten, dicksten Vorverstärker- Cinch-Kabeln und 10quadrat Lautspecherkabeln mit Gold, Platin, Chrome und Sauerstoff im Kupfer und oder im dazu gemischten Aluminium. Natürlich standen alle Komponenten auf Spikes und waren dezent von Halogenlampen angestrahlt. Denn jetzt konnte man endlich Hifi sehen und (im Geldbeutel) fühlen. Nicht zu vergessen, als Quellen kamen nur edelste schwarze Scheiben in Betracht, denn die CD (selbst die Super CD) konnte (oder durfte) gar nicht klingen.

  • Und schon sind wir bei dem "militanten Analog Gourmet". Ausschließlich analoge Scheiben aus analogen Aufnahmestudios werden da akzeptiert, und seien sie noch so merkwürdig flau und verrauscht. Und die klingen natürlich nur mit Röhren-Verstärkern.

  • Dann wäre da noch der "Röhren Guru". Denn die Transistoren klingen alle so hart, heißt es vom "Röhren-Fachmann". Und wenn selbst chinesische Hersteller seit 2006 auf diesen engen Markt drängen, dann muß da ja etwas dran sein.

-

"objektiv" und "subjektiv"

Bei einer Vielzahl der Mitglieder der obigen Gourmets wurden und werden reale Kriterien nie akzeptiert. Auch die Unterscheidung zwischen "objektiv" und "subjektiv" ist ihnen fremd. Alleine der eigene Maßstab ist das Maß aller Dinge und damit die ganze "richtige" und volle Wahrheit.

Zum Glück ist das alles im Bereich Hobby angesiedelt und nicht in der Politik oder in der Wirtschaft. Und somit gibt es bei den verbalen Internet Kriegen und globalen Schlachten in den diversen Foren auch keine Toten, sondern nur seelisch Leichtverletzte und natürlich massenweise "Sieger".


Und zu Guterletzt ist das oben Geschriebene sowieso alles gar nicht wahr, es ist "nähmlich" auch (nur) subjektiv.

Wußten sie es noch ?? Wer nähmlich mit "h" schreibt, ist däm.........

- Werbung Dezent -
Zurück zur Homepage ----- © 2010 - Copyright by Dipl. Ing. G. Redlich - D-65191 Wiesbaden - Tel. 0611 - 950 31-0 (bitte erst nach 18.00 bis etwa 22.oo Uhr)