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Die verklärte Wahrheit der Erinnerung (ist keine Glosse !!)

April 2010 - Ich habe es mir gegönnt, 55 Euro für zwei Braun L710 auszugeben, in schneeweiß natürlich. Ich wollte es wissen, wie das ist (also bei einem selbst) mit der "verklärten Wahrheit der Erinnerung", also mit der Kritik an der altersbedingten Verklärung der Erinnerungen.

Auf der Braun/ASC Seite im Tonbandmuseum hatte ich bereits vor Jahren berichtet, daß ich so um 1970 das erste Mal mit Braun Hifi so richtig in Berührung kam. Zu meiner Zeit gab es ein elitäres Braun Hifi-Studio in Frankfurt in der Kaiserstraße Ecke Kaiserplatz gegenüber dem Hotel Frankfurter Hof.

Nachdem mir mehrere "Kenner" der Szene ausreden (eigentlich einreden) wollten, das Braun-Studio sei ganz woanders gewesen (nämlich am Opernplatz) und ich nach wie vor hartnäckig darauf beharrte, es war in dem Spitzen Eck gegenüber von diesem Hotel, kam heraus, ich lag doch richtig. (Ach, tat das gut.)
Das damalige High-End Vorführ-Studio von Braun war damals wirklich dort. Es soll aber vorher über Jahre am Opernplatz gewesen sein. Also soweit hatte die Erinnerung nach 38 Jahren in 2008 noch funktioniert.

Die audiophile Erinnerung an "Damals".

Weiterhin hatte ich in Erinnerung, daß an dem bewußten Samstag etwa 50 bis 60 Besucher dort Platz genommen hatten und daß die Musik von einem TG 1000 über einen dem CSV-60 ähnlichen Verstärker und dann diesen beiden L710 grandios geklungen hatte. Ich weiß nicht mehr, welche Klassik gespielt wurde, aber es war damals absolut beeinduckend und das blieb in meiner Erinnerung "kleben".

Der Raum damals war asymmetrisch und recht groß und es waren große Schaufensterscheiben zu beiden Seiten. Die (verklärte) Erinnerung "glänzt" mit einem Super-Klang. Das war alles etwa 40 Jahre her.

Und jetzt der audiophile Vergleich.

Was habe ich heute an Hifi-Geräten zur Verfügung ?

Wir schreiben inzwischen 2010 und es sind fast 40 Jahre rum, übrigens verdammt schnell rum gegangen. Die Braun L710 sind also in der Regel ca. 40 Jahre alt. Wie klingen die im Vergleich zu meiner heutigen Anlage ?

Heute habe ich an meinem Arbeitsplatz im oberen Studio-Bereich seit langem einen Revox B-251 Vollverstärker mit dem Sony DAT DTC-55-ES und zwei JBL L90 Boxen samt einem Revox B795 Tangential-Spieler, einem CDP-557-ES CD Spieler und weiteren Komponenten.

Der Revox B-251 Verstärker hat 2 x 110 Watt Sinusleistung und eine gesunde Relais-Umschaltung für zwei Lautsprecherpaare. Das bietet sich natürlich an, denn damit ist zumindest genügend Kraft da. Die braune Braun L710 oben auf der weißen Box hatte ich bereits von vor 30 Jahren in meinem Labor.

Als Referenz geht auch ein Kopfhörer der Referenzklasse.

Hat der Verstärker keine Klangregler, kann man bei mir auch gleich an den DAT Wandler ran gehen und den Kopfhörer dort einstecken. Der Sony DTC 55-ES hat einen eingebauten erstaunlich guten Kopfhörerverstärker und da der Beyer DT931 nur 200 Ohm Lastwiderstand hat, geht er sehr sehr laut und dabei völlig unverzerrt.

vom "SPDIF out" durch den DTC hindurch
und dann linear zum Kopfhörer

Die große Accuphase / JBL Anlage:

Und unten im noch größeren Hörbereich steht als AD Wandler ebenfalls der DTC-55-ES, der Accuphase C280L (aus 1989), die Endstufe Accuphase P800 mit nahezu unendlich viel Leistung  (aus 1989) und zwei JBL Ti250 (Urversion aus 1987).

Weiterhin stehen an beiden Stellen zwei relativ moderne AMD64 PCs mit SPDIF Glasfaser Out, die die beiden A/D Wandler (bei mir Sony DTC-55-ES) mit digitaler Musik füttern. Auch gibt es noch einen SONY XA-50-ES CD Player. Das ist also schon etwas aus der sehr gehobenen Hifi-Klasse.

Die beiden "neuen" Errungenschaften:

Natürlich bin ich mir bewußt, daß die beiden Braun L710 Boxen aus den 70er Jahren stammen und daß die Membranen je nach Sonneneinstrahlung mehr oder weniger durch die UV Belastung gelitten haben können.

Auch wurde ich vorgewarnt, daß einige Serien ähnlich wie die Bose 901 und die Arcon Boxen Schaumstoffsicken in den Baßchassis hätten und sich diese durch Aushärten und Zerbröseln auflösen würden.

Bei mir ist dem nicht so. Die vier Baßchassis haben Gummisicken und scheinen oberflächlich noch intakt zu sein. Trauen kann ich dem (optischen) Frieden aber nicht.

Die Befestigungsschrauben sind übrigens alle noch mit dem originalen schwarzen Farbtupfer gekennzeichnet. Es sind also überall noch die originalen Chassis drinnen.

Der erste Klangeindruck (nachts am 16. April 2010)

dieser Vergleich mit der JBL ti 250 wäre unfair

Mein Hörempfinden ist von diesen großen JBL Lautsprechern (rechts im Bild) geprägt. Der erste Klangeindruck der beiden L710 war sehr bescheiden. Obwohl die Gehäuse der JBL L90 und der Braun L710 ähnlich groß sind, (L710 etwa 25 Liter netto) haben die Braun Boxen im Vergleich so gut wie keinen Bass. Die Braun- Boxen klingen arg hölzern und Mitten scheinen überbetont. Die Musik kommt aus der Holzkiste und der Klangkörper spielt vor den Boxen im Gegensatz zu den JBL L90. Dort spielt das Orchster zwischen den Boxen. Bei den JBL Boxen kann ich "kein Gehäuse" heraushören.

Bei aktueller oder älterer CD Musik wie "Vaya Con Dios" oder Farfarello oder Joe Cockers "Noubliez Jamais" ist der Unterschied gravierend. Bei reiner Gitarrenmusik oder einem Saxophon oder einem Streichquartet fällt es nicht so auf. Eine Auflistung schöner Beispiele finden Sie hier.

Alles in allem ist die (meine) verklärte Erinnerung ziemlich hart auf den Boden der Realität zurück geplumst. Die (mitternächtliche) Enttäuschung soeben war schon sehr groß, das Alles mal im direkten Vergleich zu hören.

Jetzt will ich mal versuchen, diese Lautsprecher, so wie sie sind, bei den Braun Fachleuten mit deren "neuwertigen" L710s akustisch zu vergleichen. Vielleicht haben ja die Freqenzweichen "gelitten".

Anmerkung: Ein Vergleich mit den Ti250 wäre unfair wegen des gewaltigen Preisunterschiedes. Der Unterschied ist absolut gewaltig. Selbst die schlanken Castle Boxen mit Namen Harlech (rechts im Bild) klingen nicht nach Holzkiste.

Nachtrag vom 1. Mai 2010 - Hören ohne vorherigen Vergleich

Bassregler volle Pulle am Anschlag

Um ernsthaft und weitgehend unvoreingenommen an die verklärte Erinnerung anzuknüpfen, habe ich mit zwei Wochen Abstand und ohne vorher andere Anlagen zu hören, die Braun L710 mit obigem Revox B-251 Verstärker eingeschaltet.

Das Hörerlebnis war durchaus noch beeindruckend. Der schwache Bass (obwohl Bassregler volle Pulle am Anschlag) fiel gar nicht so sehr auf. Er ist einfach nicht da. Vor 40 Jahren fiel das nie auf, da gab es solchen Bass nicht.

Laut ging es auch und Celine Dion klang wie auf der Bühne. Aber schon bei John Miles - "Mr. blue Sky" mit großem Orchester bei "Night of the Proms" klang es schon nach Holzkiste. Das Paradestück von John Miles - "Music" war dann doch schon etwas dünn.

Die große Royal Albert Hall war geschrumpft auf eine Kleinstadtbühne. Nichts war mehr da von den gewaltigen Dimensionen dieser Halle. Die Aufnahmen sind laut Tonmeister ohne künstlichen Nachhall aufgezeichnet.

Das hatte ich vergessen

Nach einigen Kritiken, die Boxen würden doch einen tollen Bass machen, will ich es nochmals herausstellen: Meine erste Berührung mit der L710 datiert aus 1970 bis 1972. Und der Raum im Frankfurter Braun Studio war damals schon sehr groß, mehr als 80 qm und über 3m hoch und es waren zwischen 60 und 80 Personen anwesend. Der erinnerte Klangeindruck von damals war phänomenal. Mein jetziger Hörraum ist etwa 7m x 14m groß, in der Mitte etwa 6m hoch und damit nicht mit einem 20qm Raum vergleichbar. Weiterhin sind immer Vergleichslautsprecherboxen mit dabei, sonst ist der Klangeindruck überhaupt nicht vernünftig (also nicht mal subjektiv) zu bewerten.

Und jetzt die gleiche Musik noch einmal mit den JBL L90:

Die Wiederholung dieses Stückes mit den JBL L90 zeigte die doch erheblichen Unterschiede in der Darstellung der Räumlichkeit und dem unverfärbtem Klang und der gewaltigen Bassfülle dieser Bassreflexboxen.

Das Gehäusevolumen werde ich auch noch nachmessen.
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  • JBL L90 Abmessungen: 400 x 600 x 340 mm (HxBxT) und 4 Ohm
  • Braun L710 Abmessungen:  310 x 550 x 240 mm (H x B x T) und 4 Ohm

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Auch hier: Es war einmal . . . . und ist nicht mehr.

Facit: Verehrte ebay Indianer (Bieter), lasst Euch von Ruhm und Glorie der Vergangenheit bloß nicht verblenden.

Dem ist nicht so. Wie z.B. auch bei Telefunken.

All die Sprüche und Lobpreisungen wie diese hier (es sind Originale !!) . . . .
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  • Absolut hochwertige Lautsprecher mit einem fantastischem Klang!!! Das Lautsprecherpaar macht einen schönen satten und reinen Klang, die Membrane haben keinerlei Risse und sind voll in Ordnung.
  • oder hier
    BRAUN TYP: L710 1 Paar  Lautsprecher 100 % Funktion TOP!! Wer diese Lautsprecher einmal gehört hat, der weiß wie Lautsprecher klingen müssen !!! Sie werden begeistert sein, wenn Sie tollen Sound u.Profi - Qualität lieben. Die Boxen Sind sehr gut gepflegt, auf die Geheuser keine kratzer,  sind so gut wie neue!

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sind leider historischer Humbug aus 1969/1970 und die Lautsprecher entsprechen heute nicht mal mehr aktuellen Mittelklasselautsprechern aus dem Blödmarkt.

Und ob ein Basschassis bereits knistert und kratzt (wie bei mir), das wissen Sie erst, wenn sie vor Ihnen stehen, Sie mit einem guten 80 Watt Verstärker einen aktuellen Fullsound Song spielen und Ihr Lieferant womöglich dann alles abstreitet. Ich wußte, was ich für 55 Euronen gekauft hatte.

Mehr steht hier auf der Braun L710 Seite und auf der JBL L90 Seite.

Schwachsinnige Verkäufersprüche im ebay

Die Braun Boxen seien von Professor Dieter Rams "designed" und darum seien die so gut und genau deshalb solle man so viel wie möglich bieten. Doch Schwachsinn bleibt Schwachsinn, das "Designen" (übersetzt= entwickeln, konstruieren) hat nichts mir dem bei uns in Deutschland gebräuchlichen (modischen) Design zu tun. In den englischsprachigen Ländern spricht man daher vom Styling. Dieter Rams war ganz sicher "der Designer" so wie Joop und Hugo Boss Kleidung designen. Doch auch der Designer Hugo Boss hatte nicht die Hose erfunden oder gar entwickelt.

Die Arbeit von Dieter Rams hatte überhaupt nichts mit der Klangqualität zu tun, eher im Gegenteil. Das Alulochgitter hat die Klangqualität eher leicht gemindert als verbessert. Es war von jeher ein Kompromiss von Optik und Akustik.

Finger weg von allen Braun L710 und L710/1 über !! 50.- Euro.

Ob weiß, ob braun, ob schwarz angemalt, diese Boxen sind 40 Jahre alt und es ist der historische Sound von früher.

Und wenn Sie es nicht glauben,
kommen Sie mal nach Wiesbaden. Bringen Sie ein paar Tonträger Ihrer Wahl mit und lauschen Sie . . . . . .

Auch die L710 Hoch- und Mitteltöner einzeln für 35.- bzw. 39.- pro Stück
sind hammerharte Ebay-Preise. Finger weg, das ist völlig überteuert.

Mai 2010 - Sie haben es nicht gelesen ?? . . . . .

oder vielleicht doch ?

  • Der Bieter (Nr. 12) hat das Pärchen L710/1 am Ende für 76.- Euro + 20.- Euro Fracht gesteigert. Artikelnummer:190393459214 . Knapp 100.- Euro sind wirklich zu viel.
  • Ein weiterer Bieter (Nr. 14) hat am 9.5.2010 sogar 122.- Euro +20 Euro Fracht für Artikel 260595750603 ein Pärchen L710 (erste Ausführung) geboten. Das grenzt jetzt langsam an Schwachsinn.
  • Er hat es gelesen, Bieter (Nr. 7): ebay Nr. 190393396748 ein Paar BRAUN Typ: L 710/1 in weiß - erfolgreiches Gebot: EUR 25,49 per Abholung. Das scheint realistisch. Nun müssen sie auch noch funktionieren.




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