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1968 - mein 3. Jahr mit Hifi oder was wir dafür hielten

In 1968 war ich 19 Jahre alt und wußte "ganz genau Bescheid" - über Hifi natürlich. Heute würde ich diese Zeit am liebsten symbolisch ausradieren, doch so war es nun mal.

Wir wußten, was der Unterschied zwischen einem Shure Abtastsystem M75G und M75E war und daß die Type M75 mit dem "E" selbstverständlich !!! besser sein müßte, denn dieses war ja teurer. Aha.
Außerdem wurden inzwischen hochqualitative moderne Meßschallplatten propagiert und die wurden natürlich - wie damals üblich - "inhaliert". Von den Spezial-Schallplatten der Platten-Spezialisten wie der DGG, RCA, DECCA, EMI oder Shure wußten wir vorerst noch nichts, aber die in der Hifi-Stereophonie beworbenen DHFI-Testplatten (die kamen ja von einem "Institut", dem DHFI), die waren die Krönung unseres Wissens. Jetzt konnten wir unsere bislang einfach nur geglaubten (hifimäßigen) Wertvorstellungen endlich mal nachprüfen.

Im Februar 1968 kaufte ich mir die DHFI Platte (Nummer 1)

Es gab sie aber schon ab Januar 1966

Diese (erste) Platte wurde 1965 zusammen- gestellt und ab Jan 1966 beworben bzw. - auch in der Funkschau - publiziert. Sie hatte anfänglich gar keine Nummer und erst mit der Nummer 2 fingen sie beim DHFI an, zu zählen, genau wie bei BOSE, als die erste BOSE 901 auf den Markt kam, die später von der 901/Serie II ersetzt wurde. Und jetzt ging es richtig los.

Jetzt wurde gelauscht und getestet und natürlich justiert !!!, "was das Zeug hielt", also bis die Ohren glühten und man am Ende sowieso nichts Vernünftiges mehr unterscheiden konnte. Und das Ganze ging ganze Nächte lang. Über die bescheidenen Grenzen der Schallplatten-Technik an sich stand natürlich nichts auf dem Cover bzw. den Beiblättern. Uns wurde (erfolgreich) suggeriert, das hier ist jetzt die Krönung, weißer geht es nicht. (Und das obwohl der Chefredakteur und Physiker Karl Breh damals schon um diese Schwächen wußte.)

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Die dhfi Schallplatte (es ist die Allererste vom Jan. 1966 !!)
HIGH FIDELITY - Versuch einer Dokumentation

Die DHFI 1 vom Jan. 1966

Eine Einführung in die Hi-Fi-Stereophonie von Ing. D. Ludenia und Dietrich Hahn

High Fidelity und Stereophonie sind Fachausdrücke der modernen Musikwiedergabe-Technik. Was diese neue Technik dem Musikfreund bringt, was die Fachausdrücke besagen und wie sie zusammenpassen, das soll die dhfi-Schallplatte einem interessierten Publikum darlegen. Stereophonie heißt wörtlich „Raumklang", High Fidelity bedeutet - It. Oxford Dictionary - „höchster Grad von Naturtreue bei der Wiedergabe eines Originals".

Linker und rechter Kanal

Die Stereophonie arbeitet bei der Aufnahme mit mindestens zwei Mikrophonen und zwei Verstärkern. Stereogeräte für die Wiedergabe haben darum zwei getrennte „Kanäle" und brauchen zwei räumlich getrennte Lautsprecher-Systeme. Mit den Trommelwirbeln auf der Platte können Sie prüfen, ob die Lautsprecher für „links" und „rechts" richtig angeschlossen sind.

Stereophonie

Die Stereophonie ermöglicht das räumliche Hören. Wir können wahrnehmen, aus welcher Richtung Töne zu uns dringen, weil wir zwei Ohren haben. Kommt ein Schall z. B. von links, so erreicht er das linke Ohr ein wenig früher und ein wenig kräftiger als das rechte. Diese sehr geringen Unterschiede reichen aus, um die Schallquelle zu „orten".

Wird nun Musik mit zwei Mikrophonen wie mit zwei Ohren aufgenommen, und wird jede dieser Aufnahmen für sich übertragen und in geeigneter Weise wiedergegeben, so hören wir bei der Wiedergabe die Klänge auch aus den Richtungen, aus denen die Mikrophone sie aufgenommen haben.

Wir können rechts und links unterscheiden, aber auch vorn und hinten. Die Opernszene auf d(ies)er dhfi-Schallplatte ist ein schönes Beispiel. Mit nur zwei Mikrophonen bei der Aufnahme war es dabei allerdings nicht getan. Derart vollendete Stereophonie erfordert einen wesentlich größeren technischen Aufwand!

Durch die Stereo-Technik gewinnt die Wiedergabe räumliche Tiefe und Breite, sie wird plastisch und zugleich durchsichtig. Die Stimmen lösen sich vom Hintergrund, die Instrumente klingen klarer artikuliert, wir können den Standort jedes einzelnen auf der Bühne bestimmen. Vor unserem Ohr entfaltet sich ein ganzes Panorama von Klängen - geordnet und gegliedert.

High Fidelity

Die High Fidelity bringt uns - unabhängig von Stereo-Effekten - die perfekte Wiedergabe der Klänge an sich. Um den Unterschied klarzustellen:
Stereophonie ist ein Problem der Aufnahme- und Wiedergabe-Technik.

Wir können High Fidelity ohne Stereophonie haben, und wir können Stereophonie ohne High Fidelity haben. Erst aus dem Zusammenwirken beider ergibt sich jedoch die Durchsichtigkeit und der Reichtum des Klangbildes, das in nichts mehr an das gute alte Grammophon oder „Dampfradio" erinnert.

Als um 1930 die ersten elektro-akustischen Schallplatten herauskamen, glaubte man ernsthaft an einen Fortschritt, der nicht mehr zu übertreffen war. Unser Musikbeispiel bringt den „Klang" jener Zeit wieder - mit Lautsprecher-Klirren und stark eingeengtem Frequenzumfang. Der plötzliche Schnitt zur High Fidelity kommt als ein erlösender Schock.

Frequenzen

Um das Phänomen der High Fidelity recht zu verstehen, müssen wir uns etwas mit der Akustik befassen.

Töne entstehen, wenn ein Klangerzeuger zum Schwingen gebracht wird. Diese Schwingungen übertragen sich auf die Luft, die ihrerseits auf das menschliche Ohr einwirkt. Gemessen werden die Schwingungen in „Hertz", abgekürzt Hz.

Eine Schwingung je Sekunde heißt 1 Hz; der Kammerton "a" hat 440 Hz - das sind 440 Schwingungen je Sekunde. Je kleiner die Zahl, desto tiefer ist der Ton. Der tiefste Ton des Kontrafagotts im Beispiel auf der dhfi-Platte hat 43 Hz. Die Piccoloflöte klettert in der Figur aus der Nußknacker-Suite bis auf etwa 3.500 Hz. Ihre Grenze liegt ein Quart höher, bei etwa 4.700 Hz.

Sehr große Orgeln haben einen noch größeren Frequenzumfang. Die kleinsten Pfeifen können bis über 8.000 Hz heraufkommen, und die größte Pfeife, die man kennt, erzeugt einen Ton von 16 Hz.

„Ton" ist hier allerdings falsch ausgedrückt: Dieser Ton ist so tief, daß wir ihn nicht mehr hören können. Wir spüren ihn statt dessen auf der Haut - ein Effekt, dessen sich die Baumeister alter Kirchenorgeln wohl bewußt waren. Die Töne, die von den Instrumenten des Orchesters direkt erzeugt werden, reichen von etwa 30 bis 4.500 Hz.

Dazu kommen noch Ober- und Untertöne, die von den Instrumenten selbst („Klangfarbe") und beim Zusammenwirken mehrerer Instrumente („Differenz- und Summentöne") erzeugt werden. Sie überschreiten den Hörbereich des menschlichen Ohres.

Dieser Hörbereich geht von etwa 20 bis etwa 20.000 Hz. Das sind rund zehn Oktaven; die Frequenz verdoppelt sich von einer Oktave zur anderen. Die High Fidelity überträgt diesen ganzen Bereich, wie man bei dem Musikbeispiel auf der dhfi-Schallplatte kontrollieren kann.

Frequenzabschnitte

Die Musik auf der dhfi-Platte wird derart „abgeschnitten", daß nur die tiefen Töne unterhalb 480 Hz zu hören sind. Das Verfahren wird schrittweise fortgesetzt, über 240 Hz und 120 Hz jedesmal eine Oktave mehr unterdrückt, bis schließlich nur noch die ganz tiefen Töne unterhalb 60 Hz übrigbleiben.

Hier hören wir nur mehr die Kontrabässe und die große Trommel. Es braucht aber eine sehr gute HiFi-Anlage, wenn man mehr als ein gestaltloses Brummen hören will.

Die Komponisten setzen die Baß-Instrumente - Kontrabaß, Kontrafagott, Tuba - ein, weil sie wissen, wie wichtig das Baß-Fundament für die Harmonie und die Fülle des Klangbildes ist.

Veraltete Wiedergabe-Geräte und mäßige Lautsprecher stehlen uns glatt zwei Oktaven in der Tiefe - das ist fast die gesamte, kontrapunktisch so wesentliche Baß-Lage.

Jetzt zu den hohen Frequenzen

Anschließend werden auf unserer Platte die hohen Frequenzen der gleichen Prozedur unterworfen. Es beginnt mit dem Abschnitt oberhalb 2.500 Hz. Bei der nächsten Stufe - oberhalb 5.000 Hz - hören wir bereits nur noch Obertöne.

Die dann folgende Oktave ist in Quinte (5.000-7.500 Hz) und Quart (7.500-10.000 Hz) unterteilt. Der letzte Abschnitt - oberhalb 10.000 Hz - bringt u. a. Summentöne zum Vorschein, die ihrerseits erst aus dem Zusammenwirken verschiedener Obertöne entstanden. Ein interessantes akustisches Phänomen!

Ältere Leute werden bei der letzten Stufe möglicherweise nicht mehr viel hören. Die Aufnahmefähigkeit des menschlichen Ohres nimmt mit zunehmendem Alter ab. Man nimmt an, daß ein erwachsener Mann bei etwa 14.000 Hz die Grenze seiner Hörfähigkeit erreicht. Das ist individuell verschieden; auch vermögen Frauen höhere Töne als Männer wahrzunehmen.

Frequenzumfänge

Welche Bedeutung die vorher dargestellten Frequenzabschnitte für die Musik haben, zeigen die folgenden Beispiele auf der dhfi-Schallplatte.

Es beginnt mit dem vollen Frequenzumfang; dann wird das Klangspektrum auf den Bereich von 480 bis 2.500 Hz beschnitten. Nun wird eine Oktave in den Tiefen dazugegeben, Frequenzumfang also 240-2.500 Hz. Das ist in etwa der Übertragungsbereich des Telefons. Durch weiteres Zugeben von Oktaven in der Höhe und in der Tiefe gewinnt die Musik Schritt um Schritt an Klangfülle und Schönheit, bis sie schließlich wieder im vollen Frequenzumfang erstrahlt.

Man tut gut, diesen Ablauf wiederholt anzuhören. Wir erkennen, wie Baß-Fundament und höchste Obertöne gleichermaßen den Klangcharakter eines Musikstückes formen, obwohl die einzelnen Töne der extremen Lagen niemals bewußt „gehört" werden. Ihr Fehlen wirkt jedoch auf eine eigene Art.

Vielleicht hat hier das abwertende Wort von der „Musikkonserve" seinen Ursprung? Solche Abwertung verliert jeden Sinn, wenn gute Schallplatten über eine High-Fidelity-Anlage abgespielt werden. Es ist erst wenige Jahre her, daß einer leitenden Persönlichkeit eines Schallplattenkonzerns eine Platte seiner eigenen Produktion naturgetreu vorgespielt wurde.

Seine Reaktion: „Ich habe nie gewußt, was alles auf unseren Platten drauf ist!" - In der Tat: Die Technik der Schallplatten-Herstellung hat immense Fortschritte gemacht. Wir brauchen heute erstklassige Geräte, um alles herauszuholen, was in die geheimnisvollen Rillen gebannt ist. Wer keine HiFi-Anlage besitzt, verschenkt ein gutes Drittel der Musik, die die Schallplatte eingefangen hat. Für die Tonbandtechnik gilt Entsprechendes. Beim Rundfunk sind nur die modernen UKW-Sender in der Lage, den vollen Frequenzumfang der Musik abzustrahlen. Die Mittelwelle muß aus technischen und politischen Gründen das Frequenzspektrum bei etwa 7.500 Hz abschneiden.

Rumpeln

Zur High Fidelity gehört jedoch mehr, als nur die Wiedergabe des gesamten Frequenzbereiches. Die Wiedergabe soll ja rundum naturgetreu sein - also auch frei von Fremdfrequenzen und Verzerrungen.

Dieses Problem läßt sich in dem hier gesteckten Rahmen nicht abhandeln. Wer Näheres wissen will, sei auf die einschlägigen Veröffentlichungen hingewiesen - die dhfi-Broschüre „Einführung in die High Fidelity und Stereophonie" und das „High Fidelity Jahrbuch". Die dhfi-Schallplatte muß sich darauf beschränken, einige Leerrillen für den Rumpeltest und einige Beispiele für das Klirren zu bringen.

Das Geräusch aus dem Lautsprecher beim „Abspielen" der Leerrillen ist die Summe von (elektrischem) Rauschen und (mechanischem) Rumpeln. Wer mehr als ein schwaches Geräusch hört, hat keine High-Fidelity-Anlage, oder einer der Bausteine ist nicht in Ordnung. Ist das Geräusch bei abgehobenem Tonarm nicht mehr zu hören, so „rumpelt" der Plattenspieler.

Bleibt es unverändert stark, so handelt es sich um Rauschen. Dann ist einer der elektrischen Bausteine verantwortlich. Bei schlechter Wiedergabe-Anlage werden sowohl Rauschen als auch Rumpeln auftreten; bei abgehobenem Tonarm ist dann das Gesamt-Geräusch um so viel schwächer, wie der Rumpel-Anteil ausmacht.

Klirren

Unter „Klirren" verstehen wir Fremdfrequenzen, die sich dem ursprünglichen Klangbild beimischen. Der Klirrgrad wird in Prozenten vom Gesamtklang angegeben. Die dhfi-Schallplatte bringt ein Musikstück, dem die Ingenieure nacheinander steigende Klirrgrade beigemischt haben. Die Abschnitte sind durch Signaltöne getrennt. Der erste Abschnitt ist unverzerrt aufgespielt, die folgenden weisen Klirrgrade von etwa 3%, 10% und 30% auf. Wer beim Abspielen keinen deutlichen Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Abschnitt hört, hat keine High-Fidelity-Anlage.

Lautsprecher-Phasentest

Die beiden Lautsprecher, die für die Stereophonie notwendig sind, bescheren uns noch ein kleines Problem am Rande.

Die Lautsprecher-Membranen schwingen bekanntlich nach vorn und zurück, versetzen dadurch die Luft in Schwingungen, die nun ihrerseits das Trommelfell anregt. Bei der stereophonen Wiedergabe über zwei Lautsprecher müssen sich die Membranen offensichtlich im Gleichtakt bewegen, sonst heben sich die Schwingungen in der Luft gegenseitig auf. Bei tiefen Tönen ist dies besonders auffällig.

Auf der dhfi-Schallplatte ist ein tiefer Ton auf beiden Kanälen zunächst im Gleichtakt aufgenommen, danach im Gegentakt. Bei „phasenrichtigem" Anschluß der Lautsprecher muß der Ton also beim erstenmal merklich lauter sein. Ist er beim zweiten Mal lauter, muß man einen Lautsprecher umpolen. (Wer es nicht selbst tun will, zieht einen Fachmann zu Rate.) - Ganz besonders deutlich wird der Test, wenn man die beiden Lautsprecher direkt nebeneinander aufstellt.

Musik ist zum Anhören da!

Die High Fidelity verbessert die Musikwiedergabe. Die Technik ist ein Mittel zum Zweck. Der Musikfreund braucht deshalb die Technik nicht zu studieren. Die anerkannten High-Fidelity-Fachhändler beschäftigen qualifizierte Fachleute, die jeden Interessierten gern objektiv beraten.

Der Liebhaber kann sich auf seine Ohren verlassen, und das ist ein guter Tip für alle, die sich für eine High-Fidelity-Anlage oder einzelne Bausteine interessieren: Lassen Sie sich verschiedene Geräte vorführen, am besten mit einer Musik, die Sie kennen.

Sie werden schnell heraushören, welche Anlage für die naturgetreue Musikwiedergabe am besten geeignet ist!

Anmerkungen zur 2. Seite (der dhfi-Platte Nummer 1) :
"Hi-Fi-Stereophonie, an Musikbeispielen belegt"

High Fidelity und Stereophonie sowie das, was aus der Verbindung dieser Errungenschaften moderner Elektroakustik entsteht, zu definieren und mittels geeigneter Beispiele direkt hörbar zu machen, ist die Aufgabe der A-Seite der dhfi-Schallplatte. Sie wird ihren Zweck allerdings nur dann erfüllen können, wenn die Eigenschaften der zur Demonstration benutzten Anlage auch wirklich die Qualitätsbezeichnung „High Fidelity" rechtfertigen.

Eine solche Anlage muß neutraler Übermittler sein und als solcher die Fähigkeit haben, alles Tönende aus dem weitverzweigten Imperium der Musik unverfälscht zu übertragen. Sie hat die spezifischen Klangfarben einzelner und zusammenwirkender Instrumente oder das kennzeichnende Timbre der menschlichen Stimme nicht nur naturgetreu wiederzugeben, sie muß überdies noch Informationen über die Gliederung eines Klangkörpers und über den diesen umgebenden Raum vermitteln, der jeglicher Musik erst ihr akustisches Kleid verleiht.

So verwandeln sich Anlage und Wohnraum bald in ein hohes Kirchenschiff, von dessen Empore eine machtvolle Orgel erklingt, bald in einen Kammermusiksaal, wo ein Streichquartett mit feinster Präzision und Durchsichtigkeit musiziert, und bald in ein Opernhaus mit breiter und tiefer Bühne, auf der szenisch gegliedert, das musikalische Geschehen ebenso plastisch verfolgt werden kann wie die von Gesangssolisten und Chören getragene Handlung. Aber auch die Vertreter des Jazz und der leichten Muse können wir einladen, und sie werden in unseren eigenen vier Wänden musizieren, als ob sie leibhaftig zu Gast wären.

Eine hochentwickelte, jeder Musikart angepaßte Aufnahmetechnik einerseits und die Hi-Fi-Stereophonie andererseits sind die Zauberformeln, die mit Hilfe des Mediums Schallplatte solcher Metamorphosen fähig sind. Sie erschließen uns die Welt der Musik, indem sie uns die Macht verleihen, die Musik der Welt mit allen ihren Dimensionen nach freier Auswahl und Verfügung in unserem Heim erklingen zu lassen.

Zu den Beispielen :

An Hand weniger Musikbeispiele, die für die große Zahl hochwertiger, in den letzten Jahren erschienener Schallplatten stehen, sei mit der B-Seite dieser Platte der Versuch gewagt, aufzuzeigen, was Hi-Fi-Stereophonie zu leisten vermag.

1. Band: CEMBALOMUSIK

Allegro „Aufzug der Türken", aus der Sonate D-Dur von Domenico Scarlatti (1685-1757). Cembalo: Ingrid Heiler von der Marburg.

Es gibt Schallplattenfreunde und Schallplattenkritiker, die heute noch hartnäckig die Auffassung vertreten, bei Aufnahmen von Soloinstrumenten sei Stereophonie im Grunde überflüssig, ja unter Umständen sogar schädlich, weil sie das Instrument künstlich vergrößere.

Dieser Meinung liegt eine falsche Einschätzung der Aufgaben der Stereophonie zugrunde, die allerdings durch anfängliche Spielereien mit dieser Erfindung gefördert wurden. Die Hauptsache der Stereophonie ist es, einen natürlichen Eindruck des Raumes zu vermitteln, in dem Musik aufgeführt wird, und nicht etwa, wie es schon fälschlicherweise gemacht wurde, einen vordergründigen links-rechts-Effekt zu demonstrieren. Auch ein Cembalo steht in einem Raum, und die von ihm ausgehenden Schallwellen treten mit diesem in Wechselwirkung.

Diese Wechselwirkung vermag die Stereophonie einzufangen und gestattet daher, quasi um das Instrument herumzuhören. Dadurch ergibt sich der Eindruck, als stünde das Instrument in unserem Zimmer. Eine Mono-Aufnahme kann zwar den Abglanz eines solchen Eindruckes dadurch vermitteln, daß die Aufnahme künstlich mit Nachhall versehen wird. Dies beeinträchtigt jedoch nicht unerheblich die Durchsichtigkeit schneller Läufe und den natürlichen Klang des Instruments.

Man wird beim Anhören dieser Kostprobe hervorragend interpretierter Cembalomusik leicht feststellen, daß ein links-rechts-Effekt nur geringfügig zwischen äußerster Sopranlage und Baßlage des Instruments hörbar ist. Das Ziehen der verschiedenen Register verursacht typische Geräusche, die zum Cembalo ebenso gehören wie der silberhelle, obertonreiche Klang des Instruments. Diese vorbildliche Stereoaufnahme wurde übrigens schon im März 1960 gemacht.

2. Band: ORGELMUSIK

„Christe Redemptor" von Girolamo Cavazzoni (1525-60). Rudolf Ewerhardt spielt auf der Orgel der ehemaligen Zisterzienserkirche Marienfeld. Aufgenommen im Mai 1965.

Die ganze mächtige Klangfülle einer Orgel in ihrem Kirchenraum vermag die Stereophonie in unser Heim zu zaubern, wobei, wie das ausgewählte Beispiel zeigt, die Durchsichtigkeit des mehrstimmigen Choralsatzes bewundernswert erhalten bleibt. Entsprechend dem Volumen des Instrumentes konnte hier die Basis der Stereophonie breiter gewählt werden.

3. Band: KAMMERMUSIK

Anfang des 2. Satzes (Andante ma moderato) aus dem Sextett Nr. 1 in B-Dur op, 18 für zwei Violinen, zwei Violen und zwei Violoncelli von Johannes Brahms (1833 bis 1897). Yehudi Menuhin und Robert Masters, Violine; Cecil Aronowitz und Ernst Wallfisch, Viola; Maurice Gendron und Derek Simpson, Violoncello. Aufnahme: Herbst 1963.

Wenn es die Stereophonie nicht schon gäbe, müßte sie eigens für die Wiedergabe von Kammermusik erfunden werden. Sie ist vielleicht die reinste und konzentrierteste Form jeglichen Musizierens. Daher verlangt sie vom Zuhörer bedingungslose Hingabe. Wo aber könnte er diese besser finden als im ungestörten Alleinsein mit der Musik! Wir haben dieses Andante aus einem der schönsten Meisterwerke romantischer Kammermusik gewählt, weil es in vorzüglicher Weise zwei der Hauptkriterien gattungsgerechter Wiedergabe offenbart: Homogenität im akkordischen Zusammenklang der Streichinstrumente und die absolute Transparenz der melodischen Linien der Einzelstimmen. Die Plastizität des Klangbildes ist so natürlich, daß wir vor unserem geistigen Auge die Musiker fast in greifbarer Nähe spielen sehen.

4. Band: KONZERTANTE MUSIK

Beginn des 3. Satzes (Allegretto) aus dem Konzert für Klavier und Orchester Nr. 25 in C-Dur KV 503 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791). Karl Engel, Klavier; Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks; Dirigent: Felix Prohaska. Aufgenommen im Januar 1963 im akustisch vorzüglich geeigneten Bürgerbräu-Saal, München.

Nun holen wir uns den Konzertsaal ins Zimmer. Im Halbrund sitzen links die ersten und zweiten Violinen, und über die Bratschen gleitet das Auge zu den Violoncelli und Kontrabässen auf der rechten Seite; dahinter, von links zur Mitte, die Holzbläser und halbrechts die Hörner. Ziemlich in der Mitte des Halbkreises, neben dem Dirigenten, steht der schwarze Flügel mit offenem Deckel.

Die Stereophonie orientiert uns in eindeutiger Weise über die Anordnung des Orchesters. Sie sorgt ferner für das richtige Gleichgewicht zwischen Orchester und Soloinstrument. Und weil sie dies alles vermag, ersteht die Partitur dem unabgelenkt Lauschenden in einer fast idealen Klanggestalt, wie sie im Konzertsaal nicht oder nur auf wenigen bevorzugten Plätzen zu vernehmen ist. Den klaren, unverfälschten Klang des trefflich gespielten Flügels verdanken wir ebenso der guten Arbeit der Aufnahmeingenieure wie den HiFi-Eigenschaften unserer Wiedergabeanlage.

5. Band: SYMPHONISCHE MUSIK

Anfang des 1. Satzes (Feierlich, Misterioso) der Symphonie Nr. 9 in d-Moll von Anton Bruckner (1824-1896). Die Wiener Philharmoniker; Dirigent: Carl Schuricht.

Oft hört man den Einwand, daß es wohl auch der High Fidelity samt der Stereophonie nicht möglich sein könne, das Klangvolumen eines großen symphonischen Werkes - und hier wird gerne Bruckner genannt - ohne Einbußen in einem Wohnraum zu reproduzieren. Nun, ohne das Problem der Pflege gutnachbarlicher Beziehungen erörtern zu wollen - als letzter Ausweg bliebe auch zu nachtschlafender Zeit noch die Zuflucht zu guten Kopfhörern -, dürfen wir behaupten, daß elektroakustisch gesehen, der vollwertigen Wiedergabe symphonischer Musik nichts im Wege steht.

Die Probe aufs Exempel wird der den ganzen Bruckner enthaltende, auf einen ersten Höhepunkt zutreibende Anfang des ersten Satzes der 9. Symphonie unschwer zu leisten vermögen. Die Interpretation des fünfundachtzigjährigen Carl Schuricht und der Wiener Philharmoniker ist wohl die eindrucksvollste, die es auf Schallplatten gibt.

6. Band: OPER

Entführungsszene. Schluß des zweiten Aktes aus der Oper Rigoletto von Giuseppe Verdi (1813-1901). Robert Titze, Bariton; Theo Zilliken, Baß u. a.; Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper München; Dirigent: Alceo Galliera. Aufgenommen im Juni 1963.

Man darf sagen, daß die Stereophonie der Oper auf Schallplatten neue und sehr wesentliche Impulse verliehen hat. Hier bietet das räumliche Hören die Möglichkeit, das Bühnengeschehen in entsprechende Stereo-Regie umzusetzen. Die Entführungsszene aus Rigoletto ist hierfür nur ein Beispiel.

Ein weiterer Vorteil, den die Stereophonie zu bieten vermag, ist das im Opernhaus praktisch nie für alle Plätze erzielbare Gleichgewicht zwischen Gesangssolisten einerseits und Chören und Orchester andererseits. Die konsequente Ausnutzung dieser Möglichkeiten in enger Zusammenarbeit zwischen Produktionsstäben und Dirigenten wird unter dem Begriff „Stereo-Oper" zusammengefaßt.
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  • Anmerkung : Absolut hörenswert - aus 1963 !!!!!

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7. Band: UNTERHALTUNGSMUSIK

Humoreske von Anton Dvorak in delikatem Swing-Stil, arrangiert von Billy May und dargebeten von Glen Gray mit dem Casa Loma Orchestra; wahrscheinlich Anfang 1962 aufgenommen.

Mit dieser charmanten Bearbeitung von Dvoraks berühmter Humoreske leiten wir zur leichteren Muse über, ohne den Boden der gemeinhin als „ernst" bezeichneten Musik ganz zu verlassen. Hätte Dvorak geahnt, wie humorvoll seine Humoreske in diesem Arrangement für großes Tanzorchester erst klingt, er würde sie vielleicht gleich so niedergeschrieben haben.

Im Bereich der Unterhaltungsmusik ist natürlich gestattet, was bei klassischer Musik abzulehnen wäre: Die bewußte Betonung von links-rechts-Effekten nebst anderen Stereo-Spielereien.

8. Band: JAZZ

H.-G.-Blues von Hans Koller, interpretiert vom Workshop-Ensemble der Ruhr-Festspiele 1962 in Recklinghausen. Die Zeitschrift HiFi-STEREOPHONIE urteilte in Heft 1/63 über die Platte, der das Stück entnommen ist: „Die, dynamischen Nuancierungen zwischen den einzelnen Bläsergruppen und die Gegenüberstellungen von Soloinstrumenten werden in der stereophonen Fassung zum mitreißenden Erlebnis . . ."

9. Band: MUSICAL

„With a little bit of luck" aus My Fair Lady von Lerner und Loewe.
Als spritzigen Kehraus dieser Platte haben wir eine der bekanntesten Nummern aus dem populären Musical gewählt. Es handelt sich um eine sehr originelle Version der Nummer mit dem am 15. Februar 1965 verstorbenen weltbekannten Sänger und Pianisten Nat King Cole. Wenn diese Einführungsplatte möglichst vielen Musikfreunden helfen könnte, mit etwas Umsicht und „a little bit of luck" in den Besitz einer HiFi-Anlage zu gelangen, die ihnen ungetrübte Freude bereitet, so wird sie ihre Aufgabe erfüllt haben.

Karl Breh im Jahr 1968

Ein Wort zu den angespielten Musikbeispielen der Seite 1

Um einen einheitlichen Klangcharakter zu wahren, wurden für die Orchestermusik nur Aufnahmen ein und desselben Klangkörpers verwendet: es spielt das Philharmonia-Orchester London. Im einzelnen sind Ausschnitte aus folgenden Schallplatten zu hören:
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  • Einleitung
    Joh. Strauß (Sohn): „Unter Donner und Blitz", Polka (aus: „Philharmonia Promenaden-Konzert") Herbert von Karajan
  • Stereophonie
    Friedrich Smetana: Auftritt der Komödianten, Szene (aus: „Die verkaufte Braut", Ges.imtaufnahme) Ivan Sardi, Baß RIAS Kammerchor. BambergerSymphoniker/Rudolf Kempe
  • High Fidelity
    Gioacchino Rossini: „Die diebische Elster", Ouvertüre (aus: Rossini-Ouvertüren) Herbert von Karajan
  • Frequenzen
    Kontrafagott und Piccoloflöte (aus: „Die Instrumente des Orchesters",erläutert von Yehudi Menuhin) Orgel: Joh. Seb. Bach: Toccata C-Dur BWV 564 (aus: Great Cathedral Organ Series No. 2) Douglas Guest an der Orgel der Westminster-Abtei
  • Frequenzabschnitte
    Hector Berlioz: „Symphonie fantestique", 4. Satz Otto Klemperer
  • Frequenzumfänge
    J. Offenbach: „Orpheus in der Unterwelt", Ouvertüre (aus: „Philharmonia Promenaden-Konzert") Herbert von Karajan
  • Klirrgrade
    Peter I. Tschaikcwsky: Klavierkonzert Nr. 1 in b-Moll - John Ogdon, Klavier/Sir John Barbirolli
  • Ausklang
    Johann Strauß (Vater): „ Rad etzky-Marsch" (aus: „Philharmonia Promenaden-Konzert") Herbert von Karajan

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Herausgeber:
dhfi Deutsches High-Fidelity Institut e. V.

Idee: Ing. D. Ludenia, Düsseldorf
Buch und Text: Dietrich Hahn, Düsseldorf
Beratung: Hermann P. Kaercher, Düsseldorf
Auswahl der Musikbeispiele der zweiten Plattenseite:
Dipl.-Phys. Karl Breh, Karlsruhe
Herstellung und technische Beratung:
Carl Lindström Gesellschaft m. b. H., Köln
Entwurf der Plattentasche: Wolfgang Garbotz, Krefeld

Verlag und Vertrieb: Hi-Fi-STEREOPHONIE, Verlag G. Braun, Karlsruhe

Diese Stereo-Schallplatte kann mit jedem Leichtgewicht-Tonarm mit Stereo-Abtastsystem abgespielt werden. Zur größtmöglichen Plattenschonung wird eine Auflagekraft von 3 p oder weniger empfohlen. Tonabnehmer behutsam aufsetzen und abheben, Platte und Abtastspitze sauber und staubfrei halten!

Für beste Wiedergabe Diamant-Abtastspitze mit 13-15um Spitzenverrundung oder biradialem (elliptischem) Querschnitt verwenden.

Und dann kam dieser Unsinn :

Das Überspielen dieser Schallplatte sowie das Mitschneiden von Sendungen der Schallplatte auf Band oder Draht, auch zum privaten Gebrauch, ist verboten. Zur Vermeidung unerlaubter Überspielungen sind den Händlern Verleih, Vermietung und Auswahlsendungen untersagt. In Deutschland hergestellt • Made in Germany - Fabrique en Allemagne

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