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März 2009 - Die Qualität der analogen schwarzen Scheiben.

ein DGG PLatte auf dem B795
ebenso teuer, eine CBS LP

Wenn man im Jahre 2009 den Diskussionen zweier Analog- Gurus unbemerkt lauscht, kommt immer und immer wieder heraus, die wollen das "so" hören und "so" haben und diese Gruppen der analogen Enthusiasten entfernen sich teilweise bewußt von der Realität - hinein in eine virtuelle (analoge vergangene) Traumwelt.

Da wird von alten Decca Aufnahmen und von CBS, EMI, Philips und Teldec geschwärmt
und daß die DGG (Deutsche Grammophon Gesellschaft Hannover) ja sowieso die edelsten Aufnahmen in den Archiven hat und man nur dort die ultimative Qualität mit dem 12.000 Euro Plattenspieler und den 60.000 Euro Mono-Röhren-Endstufen heraushören könne.

Doch das sind Träumer
(andere sagen Spinner dazu), die sehr sehr oft nie einen Konzertbesuch real mit einer Aufzeichnung verglichen haben oder vergleichen konnten.

Auch haben sie sich nie mit der (damaligen) realen Technik befaßt, denn sonst wären sie aus ihren Wolken ganz schnell wieder zurück auf die harte Erde geplumst.

Das Maß der Dinge in Deutschland (West) war ab 1960 die Telefunken M10 Stereo Studiobandmaschine, vorher die M5.

ca. 1965 Telefunken M10
ca. 1975 Telefunken M15
eines der Studio Standard-Bänder
Aufdruck auf dem 1000m Bandwickel

In den deutschen Aufnahmestudios standen überwiegend deutsche Telefunken Bandmaschinen von edelster Qualität. Sicher haben sich später auch mal Studer Geräte dorthin verirrt, aber heute wissen wir Aktiven vom Magnetband- und vom Fernsehmuseum, wo in welchen Studios die vielen Telefunken M10 und Telefunken M15 gestanden hatten und wer diese jetzt in Mengen loswerden möchte. Eine Telefunken M15 Halbspur Stereo habe ich hier.

Insbesondere in den deutschen Rundfunk-"anstalten" wurden deutsche Fabrikate gekauft, wir hatten ja (damals noch) genügend Geld. Die Tonmeister und Tontechniker wurden schon früh mit diesen Boliden vertraut gemacht und die Geräte waren ja auch wirklich besonders edel, also nicht nur besonders schwer.

Dann wurden diese Geräte von den sogenannten "Erbsenpubsern" noch einmal mit besonderen Kondensatoren und selektierten Röhren ge"tuned" und danach auch noch genauestens (auf ein ganz spezielles Band) eingemessen, sodaß eine Stereo M10 bei 38cm/s angeblich saubere 78 db Rauschabstand "hergab", also angeblich.

Ob bei diesen Angaben getürkt wurde oder nicht, mancher Chef(ton)techniker konnte sogar die Physik überlisten.

Bei diesen "Fanatikern" wurde auch kein Blick auf die BASF oder AGFA Spezifikationen (für Studioband) geworfen, sie wußten das alles natürlich viel viel besser. In 2009 habe ich übrigens das AGFA Tonband-Erbe angetreten und ein ganzes Auto voller technischer Unterlagen und Marketing- Ordnern mit Original- Streifen von Muster- Studiobändern geerbt.

Bei allen Zweifeln an den fiktiven 78db, jede dieser Maschinen machte bei 38cm/s und Halbspur ihre realen 65db bis 68db Rauschabstand und das war super. Bis etwa 1950 waren 58db die absolute Krönung. Dolby, DBX und sonstige Hilfmittel gab es damals noch nicht.

Also damit konnte man damals leben und bei jedem Kopiervorgang gingen wieder 2 bis 3 db verloren. Und man mußte sehr oft mindestens 1 mal kopieren und dann noch schneiden.

ein langer Shure SME Arm
die Waage für das Auflagegewicht
EMT 930 Standard in den Studios
Welterfolg Lenco Clean

So mancher Traum scheiterte am Granulat der schwarzen Scheiben.

Unsere modernen schwarzen Vinyl-Scheiben werden ja aus einem Haufen warmen Granulats unter hohem Druck gepresst. Und wie beim Film das Korn der Emulsion ist bei den Schall- platten das Granulat das Maß der Dinge.

Und dieses Granulat läßt von der Festigkeit her
nur eine bestimmte Rillenauslenkung zu und damit ist der physikalisch machbare, in elektrische Signale umsetzbare, Dynamikumfang vorgegeben. Ist die Auslenkung der Rille zu groß, springt die Nadel des Abtasters raus aus der Rille, ist das Material zu weich, rasiert der Diamant die Rillenflanken, ist das Material zu hart, erhöht sich das Granulat-Rauschen und die Nadel (selbst ein Diamant) nutzt sich exorbitant ab.

Auch mit erhöhter Auflagekraft kann man das nur bedingt optimieren.
Hatten wir bei den Hobby- und Homeplattenspielern am Ende der analogen Aera das Shure V15-III mit 1 Pond Auflagedruck, so spielte man in den Rundfunk-Studios mit den großen EMT Laufwerken immer noch anfänglich mit 4 bis 5 Pond (später auch nur noch 1 bis 2 Pond) dieselben Platten ab.

Hatten wir Hobbyisten die Platten dazu auch noch naß gefahren
, damit sowohl das Rauschen wie auch die Reibung reduziert werden sollten, wurde in den Rundfunk-Studios immer trocken gefahren. Und die gelernten Toningenieure wußten es alle, die ultimative Qualität (also das technische Maximum) kam am besten vom Mutterband auf der "Mutter-Maschine" runter, damals jedenfalls.

Es gab da Meßschallplatten zur Selbstkontrolle

Die DHFI Meßschallplatte Nr.1
Die DHFI Meßschallplatte Nr.2
eine der ersten "Direct Cut" Platten

Mit (nur?) etwas Geschick und Gefühl konnte man selbst herausfinden, auf welch schmalem Grat die Einstellungen eines wirklich sehr guten SME-3012 Tonarmes justiert wurden. Gleiches galt natürlich auch für die Thorens, Dual, Lenco und anderen Tonarme.

Ein wenig zu viel Antiskating und schon zerrte ein Kanal mehr als der andere.
Auch das Nachjustieren der Tonarmgeometrie war immer nur mit mühsamer sofortiger Kontrolle aller Parameter zu schaffen und dauerte Nächte. Im Prinzip war es genauso mühsam wie das Einmessen einer Revox Bandmaschine auf eine (einzige!) Bandtype, die man dann auch nie mehr wechseln durfte !! bzw. sollte.

55 Dezibel war das Maß der Dinge.

Die aufkommenden "Direct Cut" Schallplatten versprachen eine höhere Dynamik und eine "völlig neue" phantastische Klangqualität. Doch warum wurde überwiegend Jazz und Solo Musik verlegt ? Das klang wirklich gut. Denn beim Konzert mit 120 Musikern war der Unterscheid auf einmal nur noch marginal.

Der technische Grund hatte sich mir jedenfalls nicht erschlossen. Der akustische Grund war, leiser als leise kann das menschliche Ohr nichts mehr wahrnehmen. Also mussten die Toningenieure die Dynamik - auch auf den besten Schallplaten - künstlich auf die nominellen 55 db verringern.

Doch eine ganz andere Bedeutung hatte auf einmal die Auflagekraft. Mit dem nächtelang optimierten einem (= 1) Pond des Shure V15-III konnte man diese Sheffield Platten nun nicht mehr abspielen, der Klirrfaktur war unerträglich. Zwei Pond waren das Mindeste und damit war das "Ideal" natürlich im Eimer.

Im Prinzip war diese mechanische Technik genauso am Ende wie damals das mechanische Fernsehen des Paul Nipkow (mit der drehenden Scheibe), als 1927 die ersten elektronischen Bildaufnahmeröhren etwickelt wurden.

Auch die Telefunken TED Bildplatte von 1972/74 war eine mechanische Krampflösung, die natürlich auch an der Mechanik gescheitert war.

Das erste digitale Bandgerät machte den Anfang

Studer Digital Bandmaschine D827

Ich kann mich noch erinnern, es gab da etwa 1982 für einen (sowieso schon großen) VHS Videorecorder ein nahezu gleich großes Zusatz-Gerät, den PCM Wandler. Wer wußte damals schon etwas von "Puls Code Modulation" ?

Ein Freund mit viel Geld hatte damals solch ein Teil und so konnte er 4 Stunden Musik vermeintlich verlustfrei auf eine VHS Kassette aufnehmen. Doch woher kam diese Musik für uns Normalos ?? Doch von der "Platte" oder ?

Erst, als in den Konzertsälen diese neue Technik (natürlich auf wesentlich höherem Niveau) eingeführt wurde, SONY und JVC hatten 1980 so ziemlich die ersten professionellen digitalen Mehrspurbandmachinen, da wurde das Original in höhrenswert besserer Qualität aufgezeichnet.

Und von da an konnten die Tonmeister wirklich erleben
, wie kraß der Unterschied zwischen einer analogen Bandmaschine und einer digitalen Studiomaschine wirklich war.

Und zwischen 1980 und 2005 sind nochmals Generationen an neuen Digital-Wandlern entwickelt worden, sodaß man heute mit guten Anlagen deutliche Unterschiede zwischen den ersten digitalen Konzertaufnahmen der 80er und den ganz modernen Aufnahmen nach 2000 hören kann.

Der reale Vergleich ist nicht unmöglich . . . .

der große Sendesaal des HR im Sept 2008 - beachten Sie die Wand- und Deckenvertäfelung
2 Solisten mit Mikrofon ebenfalls 2008

Wir hier in Frankfurt haben das große Glück, daß es den Sendesaal des Hessischen Rundfunks gibt und dazu auch noch die Frankfurter "Alte Oper", beide mit herausragender Akustik.

Für mich war es ein besonderes Erlebnis, ein Solo- Klavierkonzert ohne Lautsprecherunterstützung in diesem riesigen Saal zu "belauschen". Es war akustisch absolut super, also sauber und klar, ausgewogen und unverzerrt und wirklich laut genug bis in die hintersten Reihen.

Und dann der Vergleich mit der CD zuhause
mit etwas Abstand natürlich, es war schon erstaunlich, was da noch rüber kam.

In Kürze wird sich für uns eine Vorführung ergeben, bei der wir direkt im HR den Mitschnitt mit dem Original vergleichen dürfen. Versprochen wurde uns Hifi Gurus, wir würden blaß werden, wenn wir nicht mehr zwischen Original und gespeicherter Aufnahme unterscheiden könnten.

Wir werden sehen bzw. hören und ich werde berichten.


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