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Musik- oder Radiohören sollte man geniessen können.

Am Anfang gab es die höherwertigen Radios mit Plattenspieler - das war 1955.

Am Beispiel von Braun- (und Grundig-) Geräten möchte ich zeigen, wie sich die Bedienbarkeit verändert und gesteigert hat.

Das Bild rechts war der Stand 1955. Der blaue Design-Stuhl rechts im Bild spricht dazu Bände, der Hörer war auch zugleich der Bediener und mußte quasi in der Nähe der "Apparatur" sitzen. Nicht alle Plattenspieler hatten eine Endabschaltung. Und die Lautstärke mußte öfter mal korrigiert werden.

Das änderte sich auch nicht mit dem ersten Schneewitchensarg (SK4 von 1956). So war es weder bequem noch komfortabel.

Und dann brachte Braun etwas Neues, für uns jedenfalls.

Das Stereo Radio, jetzt also das Stereo-"Steuergerät" hatte keine Lautsprecher mehr im eigenen Gehäuse. Die beiden (Stereo-) Lautsprecher waren in eigene weiße Holz-Kisten verbannt und über lange Leitungen angeschlossen. Das waren jetzt die Boxen.

Braun nannte es Atelier 1. Daß das alles mit Hifi immer noch recht wenig zu tun hatte, ist uns klar. Doch damals war Hifi und Stereo das Gleiche, warum auch immer. Es war ja erst 1958 !! Zu dem Schneewitchensarg SK5 gab es dann schon einen zweiten (Stereo-) Lautsprecher.

1959 - Es gab Atelier 1 und Studio 1

In dem Foto recht sieht man, wie sich die Architekten damals das moderne Musik-Ambiente Zuhause vorstellten. Natürlich war das immer noch ein "ergonomischer" Krampf, den die Fotografen da dargestellt hatten. So konnte man die neue Stereo-Musik immer noch nicht geniessen.

Ende 1959 eine verbesserte Variante und eine Neuheit - richtiges Hifi-Stereo

So könnte man es bereits aushalten, mal ein 20 Minuten Konzert zu geniessen. Das mit dem Küchstuhl im Bild weiter oben war schon eine Zumutung.

Doch Braun entwickelte ununterbrochen weiter. Der mit der Entwicklung beauftragte Wolfgang Hasselbach reiste nach USA und nach England, um sich dort kundig zu machen, wie die es mit der Zukunft halten.

Als Ergebnis kam Ende 1959 die erste richtige Hifi-Anlage bei Braun raus, natürlich mit getrennten Komponenten. Die Entwickler waren von der Qualität der englischen Elektrostaten begeistert und lizensierten von Quad die Braun LE1.

1961 hatte Braun eine ganze Reihe von Hifi Komponenten fertig.

Die Konstrukteure bei Braun mussten sich nach den Designern richten und die hatten für die damalige Zeit "sehr eigene" Vorstellungen von Design Optik und auch Bedienbarkeit.

Noch lästerte die Konkurrenz und baute den alten braun-schwarz-goldenen "Radio-Kram" weiter, doch insgeheim mussten sie alle zugeben, die Ergonomie war als Kaufargument durchaus schlagkräftig.
Und . . . . Braun hatte Erfolg.

Hier wurde der Braun-Weg aufgezeigt

Das Wohnzimmer im Bild war noch konventionell konservativ, die Hifi-Stereo Anlage war aber bereits hochmodern. Das Stereo Steuergerät "Audio 2" steht natürlich links neben "Vaters" Stammplatz, auf dem (zumindest) er die Stereo-Musik optimal geniessen konnte. "Die Anderen" , auch die Gäste, durften oft nur "mithören"und vor allem "loben", wie gut das alles klingt.

damals herausragende Qualität
und damals ein tolles Design

1962 - Grundig steigt ein mit seiner Bausteinserie und ersten "Receivern".

Selbstverständlich schielte der Marktführer Max Grundig auf die kleinen "Klitschen", die ihm gefährlich werden konnten. Und die kleine Firma Braun war gefährlich. Braun machte die gesamten damaligen Medien verrückt (und für Neues sensibel) und auf jeder Messe stürzte "Alles" erst mal zu Braun, um eventuell auf dem Rückweg auch mal bei Grundig und Telefunken und den anderen vorbeizuschaun.

So nahm Grundig seine damals sicherlich hochwertigen (Röhren-) Hifi- Konzertschrankmodule und bot sie als Einzelgeräte an und hatte damit ebensogroßen Erfolg. Denn der Max Grundig machte es über die unschlagbaren Preise, Braun über die progressiv dynamische Exklusivität seines Designs.

1964/65 - Und hier gab es natürlich auch völligen Blödsinn . . .

Typische Grundig Schrankwand

Ein hübsches junges Gesicht, ein super toller ahnungsloser Fotograf und fertig. Dieses Bild offenbart den Unsinn eines Promotion-Fotos (übrigens nur eines von Vielen und nicht nur von Grundig) so deutlich, daß es sogar dem Laien sofort auffällt.
Denn nicht nur dieser DUAL 1019 Plattenspieler mit Shure Magnetsystem verträgt gar kein so langes Phono-Kabel zum Vorverstärker und solch komfortable Bedienung ist damit reiner Bluff. So sollte man es ja gerade nicht machen.
Daß das niemandem bei Grundig aufgefallen war ? Oder der große Max wollte es so, wie man es ihm gerne nachsagte. Auf jeden Fall hätte diese Anlage so nie richtig funktioniert.

Etwa 1966 starteten die edlen bunten Promotion-Bilder.

Braun PS-500 Promotionfoto

Mit dem DUAL 1009 im Aug. 1963 fing es nämlich an, das mit dem Komfort und der leichten Bedienbarkeit bei den Schallplatten. Die Fernseher hatten übrigens bereits ihre Fernbedienung bekommen, die Radios und Stereoanlagen mußten noch etwas warten.

Präzises automatisches Aufsetzen, also nicht mit einem hörbaren "Plums", nein, mit einem hochwertigen Hydraulik-Lift natürlich, und präzises (Hoch-) Liften am Ende und die Rückführung zur Ausgangslage waren jetzt gefragt.

Mitte der 70er Jahre - jetzt auch für Hifi-Receiver - völlig irre

Völlig aus dem Ruder gelaufen und noch lange nicht alle, die Anzahl der Fernbedienungen, jedenfalls die, die in 2011 noch überlebt haben

Mit der überbordenden Größe der jetzt neu aufkommenden japanischen Super-Hifi-Receiver (auch Monster-Receiver genannt) mit deutlich über 50 Kilo war die Toleranzschwelle der Damen (das waren die "Mitbewohner" in den Hifi-Wohnungen) überschritten. Diese klobigen Teile sollten nicht mehr im Mittelpunkt des Wohnzimmers an bedienungsgünstiger Stelle stehen. Die Kisten, und waren sie noch so "schön", mußten in irgend eine Ecke rein.

Jetzt war die moderne Fernbedienung wirklich sinnvoll. Doch auch hier kollidierten bald die Interessen der Mitbewohner und mündeten in eine ergonomische Fast-Katastrophe. Denn nicht nur die neuen CD Player hatten jetzt auch eine eigene Fernbedienung, die Cassettenspieler auch und der Fernseher sowieso und der SAT-Empfänger auch. Dazu kam der oder die neuen Videorecorder, auch wieder von einer anderen Firma und so lagen auf den Couchtischen irgendwann nur noch Fernbedienungen rum.

1984/85 - total übertrieben : Fernbedienungen sogar für japanische CD-Spieler in Kofferradios.

Das Komfortdenken (oder die Forderung danach) wurden natürlich von der ewig nach Umsatz hungernden oder gierenden Industrie "gefördert".

Einige Hersteller priesen diese neue "Errungenschaft" an und der Rest sprang auf den fahrenden Zug auf, auch wenn es ein noch so großer Unsinn war. Bei einem der ersten tragbaren Radios mit CD-Spieler war solch eine Fernbedienung dabei. Gebraucht hatte ich sie nie !!

Etwa 1995 - Eine spartanische "Muß-" Fernbedienung von Accuphase

Auch die Edelhersteller wie Accuphase konnten sich diesem Trend nicht mehr lange widersetzen. Obwohl jahrelang gegenteilig propagert, wurden dann doch spartanische Bedienteile mitgeliefert.

Später hat sich das dann noch weiter geändert, der Kunde wollte die moderne Bequemlichkeit schon haben, auch bei Anlagen um 15.000.- Euro und aufwärts.

Jetzt lichtet sich der Dschungel endlich und es gibt vielleicht das universelle Bedienteil für Alles, jedenfalls theoretisch.

Dez. 2011 - Es geht also weiter mit den "Tablet"-Computern.

Dez. 2011 - ein Motorola Xoom
auch 2011 - ein Apple iPad
in 2009 - ein HDMI Monitor

Mit der modernen Computertechnik bieten sich heutzutage ganz andere - neue - Möglichkeiten an, von denen die alten Hifi-Veteranen nicht mal zu träumen gewagt hatten.

Die vollständige Bedienung sämtlicher Teile einer Hifi-Anlage
, samt dem "Multimedia"- Bildschirm (also dem alten "Fernseher") von einem grafischen Bedienbildschirm auf dem Schoß liegend, gelingt nun (bald) super bedienbar per Tippen mit den Fingern.

Das klingt nach der inzwischen belächelten futuristischen Fernsehserie "Raumschiff Enterprise" aus den Jahren nach 1960, als so manches Bügeleisen zu einem hypermodernen Hebel in den "tollen Kulissen der Kommandobrücke" verarbeitet wurde.

Heute ist es Wirklichkeit geworden, man kann die ganze Hifi-Anlage, angefangen von Eingangsumschalter, Lautstäke, Höhen und Tiefen, wenn überhaupt gewünscht, bis zu den letzten Knöpfen vom "Tablet" aus bedienen. Bei den hochwertigen Labormeßgeräten ist das mit der visuellen PC-Steurung (mit der Maus des PCs) seit einigen Jahren schon gang und gäbe.

Doch vorerst sind sie noch am Basteln, die Softwerker. Den ganz neuen Philips Network Player kann ich vom Tablet nicht steuern, noch nicht, Es scheint ein Bug in dem APP zu sein. Die Linn i-Pad APP-Technik kann das aber bereits schon.

Es ist also nur noch eine Frage der Zeit.

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