Was versteht man unter "Klang" oder was ist das ?
"Dieser" Lautsprecher klingt aber nicht gut oder "jener" klingt besonders gut oder jenes Klavier klingt ganz toll. So oder so ähnlich drücken sich Laien und auch Musikliebhaber aus, die den aktuellen Eindruck der Wahrnehmung beschreiben. Dazu kommen Begriffe wie Klangeindruck, Klangfarbe, Klangneutralität, Klangempfinden und andere.
Dann bekommen sie von den Gurus oder "Experten" auch noch erzählt, ein guter Lautsprecher dürfe gar nicht nicht klingen, er solle gespeicherte akustische Informationen nur klangneutral reproduzieren. So sind sie meist grenzenlos verwirrt, wie oder was das nun heißt, das mit dem "klingen".
Ab und zu lesen Sie auch von der Klangfarbe . . .
... eines Instrumentes. Vor langer langer Zeit hatte ich in einer Tanzschule, die auch Balletkurse angeboten hatte, etwas zu reparieren. Da kam ein junger Mann herein, der hier vorspielen sollte, doch der "Chef" war noch nicht da. Ob er sich am Klavier (der Flügel war noch abgeschlossen) etwas einspielen dürfe. Gerne. Und er spielte diverse Etüden und auch eine Serenade, er spielte das alles super toll und sehr angenehm für mein Hifi-Ohr.
Als der "Chef" dann kam, gingen sie beide rüber zu dem Flügel und er spielte fast alles nocheinmal. Ja, der Flügel "klingt" deutlich besser oder anders als das Klavier - die gleichen Stücke, die gleichen Finger und der gleiche Kopf spielten jetzt am Flügel. Beide Instrumente haben die gleichen Tasten mit den gleichen Tonwerten und dennoch, der Flügel "klingt" deutlich besser.
-
Die bekanntesten Beispiele für besondere oder andere Klänge sind die Stradivari Streichinstrumente. Diese extrem teuren Instrumente haben einen (Anmerkung: angeblich) bislang nicht erreichten eigenen Klang. (Anmerkung: Das wurde jetzt nach vielen vielen Jahren der geschickten Legendenbildung von 6 erfahrenen Geigern im Dez. 2011 arg in Zweifel gezogen. (Bericht in der FAZ: 4 der modernen Geigen klingen mindestens gleich gut wie die zwei Stradivaris.))
Aus der Wikipedia entnommen wird es so formuliert:
Der Physiker Heinrich Dünnwald fand durch Klanganalyse heraus, dass das Spektrum der Stradivari-Geigen sehr dem Vokal „E“ bzw. „I“ der menschlichen Stimme ähnelt, wodurch ihr Klang als angenehm und besonders vertraut und emotional bewegend empfunden wird.
Weitere Beispiele bezüglich Klang . . .
Auf einer Hochzeit im Freundeskreis spielte unser Wiesbadener Herbert Siebert (vom Johann Strauss Orchester Wiesbaden) mit 5 weiteren Musikern einen ganzen Abend lang Walzermusik live. Mehr darüber lesen Sie hier. Live-Musik ist ja sowieso immer toll und es "klang" wirklich super.
Da ich aber Wochen vorher ein Streicher-Duett im Sendesaal des Hessischen Rundfunks gehört hatte, verglich ich die beiden Erlebnisse so gut es ging und kam zu dem Schluß, im (akustisch optimalen) Sendesaal "klang" es bedeutend besser als in dem kleinen halligen Saal des Restaurants.
Dann habe ich bei mir einige Lautsprecher, die nachweislich die Frequenzen von etwa 35 Hz bis etwa 14.ooo Hz reproduzieren können. Und laut Hersteller und laut der diversen Tests seien die Frequenzgänge dieser Boxen durchaus als linear zu betrachten. Dennoch ist der "klangliche Eindruck" sehr sehr unterschiedlich.
-
Ein Negativbeispiel eines großen Wiesbadener Tanzsaales
Wir haben hier in Wiesbaden im Kurhaus einen wunderschönen Ballsaal mit Bühne und grandioser eingebauter Orgel, alles vergoldet mit riesigen Marmorsäulen und tollen Bildern an Decke und Wänden. Als Besucher-Neuling kommen Sie da rein und sind vom Glanz und Gloria geblendet und schrauben die akustische Erwartungshaltung auch ganz nach oben. Und dann legt das Orchester auf der Bühne los und . . . . . . . es klingt nicht.
Sie stochern erst mal in den (eigenen) Ohren, ob da etwas nicht stimmt, schneuzen sich vorsichtig leise die Nase und dann folgt die Bestätigung der Enttäuschung. Die gleichen Instrumente (wie nebenan im Wiesbadener Opernhaus, dem Staatstheater) klingen hier nur mittelmäßig. Es ist schön laut, es sind die Geigen alle da, die Chelli, die Bratschen und die Kontabässe, auch die Kesselpauke macht einen mords Wumm, doch in der Summe klingt es nicht. Es ist eben kein Konzertsaal.
-
Die Schlussfolgerung daraus . . .
Es kann also vorkommen, daß nahezu gleiche Schallquellen in verschiedenen Umgebungen unterschiedlich "klingen". Der "Klangeindruck" ist also subjektiv und kaum messbar.
Ich für meinen Teil assoziiere die Aussage:
"Es klingt." mit "Diese Wiedergabe trifft mein subjektives Klangempfingen, es gefällt mir."
Doch bei den Profis im Studio ist das völlig anders.
Die Tonmeister und Toningenieure verlangen nämlich deshalb eine neutrale Instanz in ihrer Umgebung, die eben nicht "klingt" !
Dieser (Referenz-) Lautsprecher (ein Studiomonitor) darf keinen eigenen Klang reproduzieren, wie es die allermeisten Lautsprecher tun. Der Studio-Monitor soll nicht nur, er muß Töne wertneutral reproduzieren.
Bei uns Hifi-Fans ist das anders. Am Ende muß Ihnen die Musik aus dem Lautsprecher gefallen, also der subjektive Klang muß Ihnen gefallen. Werfen Sie deshalb mal einen Blick auf die Bose Boxen Typ 901 von 1971, die damals absolut beeindruckend und super "geklungen" hatten.
Es muß Ihnen gefallen . . . das da aus der Box kommt.
Mir zum Beispiel gefallen seit über 20 Jahren die beiden JBL Ti250 in meinem Musikraum. Sie klingen dort oben einfach toll. Nur hat mich inzwischen die Neugierde gepackt, heraus- zufinden, wie denn diese so gelobten IRT Referenzlautsprecher die gleiche Musik im gleichen Raum wiedergeben.
Unterscheiden Sie daher bitte zwischen Schallwandler und Lautsprecher und wofür solch eine Box gebaut wurde.
Die Heco P7302 SLV/K und /K2 wurde etwa 1974 als Abhörlautsprecher vom IRT für sehr gut befunden und der Hessische Rundfunk hatte nahezu seine ganzen Studios und 1000 Produktionsräume damit ausgestattet. Wir haben in 2011 ein solches letztes intaktes Heco Pärchen vom HR bekommen (vielen vielen Dank dafür). Inzwischen (lange vor 2010) sind dort andere Lautsprecher die Referenz, die Entwicklung schreitet unaufhaltsam voran.
-










