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1964 - Tontechnik für Schallplattenhändler - Seite 4 (von 4)

Die (kleine) "Phono Fibel" 1964 - Erläuterung von Begriffen

von Peter Burkowitz - Diese Auflistung enstammt den Electrola Unterlagen "von 1964" !! zur Information und Schulung von Plattenverkäufern.
Sie ist für die High Fidelity als solche bei weitem nicht vollständig. Es sind meist Spezialbegriffe aus der Schallplattentechnik.
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Die Phono Fibel 1964 - alphabetisch geordnet

Abtastnadel

der Teil des Tonabnehmers, der in der Tonrille gleitet. Kann ein Saphir oder Diamant sein.

Abtastsystem (der Wandler)

1. Kristallsystem: hier ist die Abtastnadel mit einem Kristall gekoppelt. Durch die Schwingungen, die die Abtastnadel von der Rille auf den Kristall überträgt, werden in diesem elektrische Ströme erzeugt. Diese Ströme werden verstärkt (Verstärker) und im Lautsprecher zu Tönen umgewandelt.

2. Das Magnetsystem
arbeitet nach dem elektromagnetischen bzw. elektrodynamischen Prinzip. Die elektromagnetischen Systeme besitzen starke, sehr kleine Magnete. Zwischen diesen Magneten schwingt das mit der Abtastnadel gekoppelte Wandlerelement, z. B. eine Spule, und wandelt somit die mechanischen Schwingungen um, die im Lautsprecher zu Tönen werden. Diese Systeme gehören zu den besten Tonabnehmern und sollten in hochwertigen Anlagen (Hi-Fi) nicht fehlen.

Abtastverzerrungen

Da die Rille in ihrer Breite, bedingt durch die Form des Schneidstichels, etwas schwankt, wird die kugelförmige Abtastspitze nicht nur seitlich, sondern im geringeren Maße auch auf und ab bewegt. Dieser sogenannte „Klemm-Effekt" läßt sich durch Tonabnehmer, die auf senkrechte Bewegung der Abtastspitze nur wenig reagieren, d. h. wenig Spannung abgeben, verringern. Besonders vorteilhaft sind hierfür die mono-zusammengeschalteten Stereotonabnehmer.

Eine weitere Verzerrungsart ist die „geometrische Abtastverzerrung" (Verzerrung der Wellenform). Sie tritt auf, wenn die Abtastnadel nicht mehr exakt dem Verlauf der Rille folgen kann. Also dann, wenn der Verrundungsradius der Nadel größer ist als der Krümmungsradius der Rille bei den größten Auslenkungen. Dieser Fehler kann bei sehr lauten und hohen Tönen in Erscheinung treten. Eine weitere Verzerrung kann auftreten, wenn der Tonabnehmer an der Abtaststelle nicht genau tangential zur Rille steht. Durch abgewinkelte Tonarme wird dieser sogenannte Fehlwinkel sehr klein gehalten.

Alle diese Abtastverzerrungen sind jedoch bei Norm-Schallplatten auf ein praktisch nicht vernehmbares Maß reduziert und treten hinter den sonst noch möglichen Verzerrungen der Wiedergabeapparatur zurück (z. B. Lautsprecher).

Akustische Rückkopplung

entsteht, wenn Schwingungen der Lautsprecher-Membrane durch die Luft oder durch Körperschalleitung auf den Tonabnehmer zurückwirken und führen dann zu Heulgeräuschen. Das Gerät muß gut akustisch isoliert werden.

Amplitude

Schwingungsweite, bei der Schallplatte ist es der Abstand der ausgelenkten Rille von ihrer Null-Lage.

Auflagekraft

(Auflagegewicht oder Auflagedruck) ist die Kraft, mit der die Abtastspitze auf der Platte aufliegt. Je niedriger die Auflagekraft, um so mehr werden die Platten geschont. Auflagekraft ist aber abhängig von der Rückstellkraft des Tonabnehmer-Systems.

Zu leichte Einstellung der Auflagekraft birgt die Gefahr, daß der Tonarm aus der Rille springt.

Auslenkung

Die Abtastspitze bewegt sich beim Abspielen einer Schallplatte quer zur Längsrichtung. Diese Bewegung nennt man Auslenkung. In der Stereo-Rille macht die Abtastnadel nicht nur seitliche, also waagerechte, sondern auch senkrechte Bewegungen, bzw. alle Kombinationen aus beiden Richtungen.

BIEM

Abkürzung für „Bureau International d l'Edition Mecanique". Dieses Büro verwaltet auf internationaler Ebene die Rechte der Autoren. Autorenvereinigung für Deutschland ist die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte).

D.P.

„domaine public", die Abkürzung befindet sich auf dem Etikett an Stelle des BIEM-Zeichens und bedeutet, für diese Schallplatte besteht keine Lizenzverpflichtung. Die Platte ist also „frei".

Dynamik

Lautstärke-Umfang eines Musikstückes, von den Pianissimo- bis zu den Fortissimo-Stellen.

Frequenzbereich

der Musik 16 bis 16 000 Hz, der Sprache 300 bis 3000 Hz. Um den vollen Frequenzbereich der Musik dem menschlichen Ohr zugänglich zu machen, müssen nicht nur die Schallplatte, sondern alle Glieder einer Übertragungsanlage (Lautsprecher, Verstärker, Tonabnehmer-System) diesen Frequenzumfang besitzen.

High Fidelity

Kurz Hi-Fi, bedeutet höchste Wiedergabetreue.

Diamant

als Abtastnadel übertrifft durch seine Härte die Saphiernadel um ein Vielfaches und hat natürlich eine längere Lebensdauer. Normalerweise hält er zwanzigmal so lange wie ein Saphir. Weiterhin liegt ein Vorteil darin, daß die Platten durch den Diamanten viel weniger abgenutzt werden als durch einen Saphir.

Klirrfaktor

sind Neben-Frequenzen (Nebentöne) die ursprünglich nicht vorhanden waren. Man spricht von „nicht linearen Verzerrungen" oder „Klirr-Verzerrungen". Sie werden durch nicht lineare Übertragungsvorgänge verursacht und bedeuten, daß die vom Lautsprecher abgestrahlten Töne nicht der ursprünglichen Schwingungsform entsprechen. Ganz vermeiden lassen sich diese Verzerrungen nicht, der Klirrfaktor sollte aber unter 5% betragen.

Kompatibilität

weist darauf hin, daß auf einem Stereowiedergabegerät sowohl monaurale als auch Stereo-Platten gespielt werden können.

Matrize

oder auch "Sohn" genannt, ist die galvanische Abformung von der "Mutter", hat negative Tonschrift, also Erhöhungen. Mit dieser Matrize werden Schallplatten gepreßt.

Modulation

die der Rillenspirale überlagerte Tonaufzeichnung, die mit bloßem Auge als irreguläre Schlangenlinie wahrnehmbar ist.

Monaurale Tonwiedergabe

Übertragung erfolgt einkanalig. Die musikalische Darbietung ist in einer Tonrille auf die Schallplatte aufgezeichnet und wird über einen Verstärker und einen Lautsprecher abgestrahlt. Im Gegensatz zur Stereo-Tonwiedergabe.

Mutter

ist die Bezeichnung für den galvanischen Abzug vom "Vater" (Original). Die Tonschrift ist positiv, hat somit also die Form von Rillen. Die "Mutter" läßt sich abspielen, kann also mit Spezialsaphiren (oder Diamanten) abgehört und auf Fehler überprüft werden.

Original

oder auch „Vater" genannt (siehe „Vater").

Play-back

ist eine Zwischenaufzeichnung, d. h. als erstes wird die Orchesterbegleitung auf Magnetband aufgenommen. In einem zweiten, dritten usw. Arbeitsgang wird dann der oder die Solisten auf das bestehende Band „draufsynchronisiert" und dann zum Schluß erst die fertige Aufnahme gemischt.

Rückstellkraft

ist die Kraft, welche die Nadel der seitlichen Auslenkung entgegensetzt.

Rumpeln

ist das im Lautsprecher hörbare Laufgeräusch des Antriebsaggregates vom Laufwerk.

Seitenschrift

auch „Berliner-Schrift" nach dem Erfinder Emil Berliner benannt, die übliche Art der Schallaufzeichnung, wobei die Schallplattenrille — den Schallschwingungen entsprechend — seitlich ausgelenkt wird.

Stereo-Tonwiedergabe

ist eine zweikanalige Wiedergabe über zwei Lautsprecher mit getrennten Verstärkern, d. h. für jeden Kanal ein gesonderter Verstärker. Auf der Platte befinden sich zwei unabhängige Tonaufzeichnungen in einer Rille, eine Doppelflankenschrift. Die Doppelflankenschrift der Stereo-Platte besteht also aus Seiten- und Tiefenschrift. Der Saphir läuft gleichzeitig in einer Berg-, Tal- und Horizontalen-Schlangenlinie. Unter anderem sind aus diesem Grunde Stereoplatten auschließlich mit Stereoköpfen abzutasten.

Saphir

als Abtastnadel ist ein Edelstein mit einem Spezialschiff und nicht unbegrenzt haltbar. Er nutzt sich ab und sollte spätestens nach 120—150 Stunden Musik (rund 500 Langspielplatten bzw. 1500 45er Plattenseiten) ausgewechselt werden.

Tiefenschrift

oder „Edison-Schrift" eine Art der Tonaufzeichnung bei der die Schallplattenrille — den Schallschwingungen entsprechend — in ihrer Tiefe verändert wird.

Tonhöhen-Schwankungen

sind Abweichungen von der konstanten gewünschten Umdrehungsgeschwindigkeit. Das „Jaulen" (langsames Auf- und Abschwellen des Tones) tritt auf, wenn das Loch der Platte nicht zentrisch ist. „Wimmern" (schnelle Tonhöhenschwankungen) ist meist ein Fehler der Reibradgetriebe.

Überspielung

Das Überspielen ist der umgekehrte Vorgang des Abspielens einer Schallplatte. Ein elektromechanischer Schreiber schneidet mittels eines Spezialsaphirs die elektrischen Schwingungen des Tonbandes, also den Klang als mechanische Auslenkungen in eine Lackfolie ein. Die Lackfolie ist eine Metallplatte, die mit einem Speziallack überzogen ist. Von dieser Lackfolie wird auf galvanischem Wege das Original oder der „Vater" abgeformt.

Vater

in der Schallplattenherstellung gebräuchliche Bezeichnung für Original. Er ist (die erste) die galvanische Abformung von der geschnittenen Folie. Die Tonschrift ist negativ, d. h. Rillen sind Erhebungen. Ein weiterer Abzug vom "Vater" ist die "Mutter" - siehe weiter oben.

So weit die kleine Phono-Fibel aus 1964 -
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