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Die Betrachtung des Begriffs "Klang" - subjektiv oder objektiv

Hier haben wir einen der wenigen weitestgehend objektiven Artikel über den Klang als Solchen - aus der Sicht des Hifi-Spezialisten mit Tonstudio-Erfahrung, also nicht aus dem Bereich der Spinner und nicht einer der sogenannten High-Ender.

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HiFi on the Rocks - aus März 1979
Der Klang : subjektiv - objektiv

Die HiFi-Technik hat in den letzten zehn Jahren - angefangen vom Standard der Mikrofone bis hin zu immer besseren Lautsprechern -enorme Fortschritte gemacht. Trotzdem würde nur ein Narr behaupten, daß alle HiFi-Geräte gleich gut „klingen".

Neben der Meßtechnik hat die subjektive Beurteilung von HiFi-Komponenten nach wie vor ihre Berechtigung behalten. Denn ein musikalisch geschultes Ohr reagiert auf Klangverfälschungen genauer und differenzierter als viele Meßgeräte. Der folgende Beitrag setzt sich mit den Problemen des subjektiven Hörempfindens auseinander und nennt Ursachen und Beispiele für Verfärbungen im Klangbild.

von Franz Schöler im März 1979 KlangBild

Das Aha-Erlebnis

Das Aha-Erlebnis kennt vermutlich jeder Musik-Liebhaber, der sich nach sorgfältiger Wahl und vielen Vergleichen eine hochwertige HiFi-Anlage zulegte, den alten Tonabnehmer gegen einen besseren austauschte oder sich endlich den lang gehegten Wunsch erfüllte und bessere Lautsprecher kaufte: Plötzlich hört er nicht nur mehr von dem, was auf seinen Schallplatten gespeichert ist, die aufgezeichnete Information wird aus der Rille klarer und unverzerrter, differenzierter und merklich weniger verfärbt reproduziert.

Da klingt's auf einmal nicht mehr blechern, grell, näselnd, scharf, bumsig oder verwaschen, da besitzen die Instrumente plötzlich viel mehr an natürlicher Klangfarbe und Vibrato, und anders als früher zerrt und knistert's nicht mehr so wie bisher.

Beginnen wir mit dem Urerlebnis

Man hört es ganz deutlich : Diese HiFi-Anlage „klingt" einfach besser als das, was man bisher an Abspielgeräten besaß. Und bisweilen wundert man sich gar, was tatsächlich alles auf einer Schallplatte aufgezeichnet ist, das man zuvor nie oder jedenfalls nie so klar und sauber wahrgenommen hat.

Dieses eigentliche Urerlebnis des HiFi-Fans kann allerdings auch einige weniger angenehme Aspekte haben. Denn jetzt hört man nicht nur die aufnahmetechnischen und mechanischen Mängel der Tonkonserve viel deutlicher, man vermißt womöglich die vorher so schön dröhnenden oberen Bässe, die überbrillanten Höhen. Auch die kräftig dominierenden Mitten oder die vorher so präsent klingenden Obertöne, von denen man meinte, daß sie wirklich zur Charakteristik der bestimmten Instrumente in dieser speziellen Aufnahme gehören.

Irgendwo scheint dann plötzlich etwas zu fehlen, das vorher da war, etwa die „Wärme" und die Halligkeit bei Gesangsaufnahmen, die durch Gehäuseresonanzen des Lautsprechers und nachschwingende Tieftöner erzeugten virtuellen Bässe (bei denen auf einmal 80 Hz nach 40 Hz klingen) oder der Super-3D-Klang, bei dem man das Empfinden hatte, das Orchester würde mindestens noch fünf Meter neben und hinter den Lautsprechern musizieren.

All das ist weg. Statt dessen hört man klar konturiert, wie die Instrumentengruppen positioniert sind, wo der Solist bei der Aufnahme stärker hervorgeholt wurde, daß hier „trocken" und mit wenig Hall-Zumischung gearbeitet wurde und vieles ähnliches mehr.

Und dann kommen aber doch die Zweifel

Da beginnen sich dann die ersten Zweifel zu regen: War einem der Klang der alten Anlage nicht doch lieber? Wieso klingt denn jetzt die Gitarre nicht mehr so scharf, sondern viel weicher? Sollte man nicht vielleicht doch die Loudness-Taste drücken und das Höhenfilter einschalten, um ein wenig mehr zum gewohnten Klang zurückzukehren?

Und überhaupt: Wieso hört man plötzlich aus dem rechten Lautsprecher im Hintergrund einen gestrichenen Kontrabaß, den man vorher für ein leichtes Brummeln gehalten und der Plattenpressung als Mangel angelastet hatte ?

So genau, sagt sich dann mancher verwirrte HiFi-Fan, wollte man es dann doch nicht von der Platte wissen. Jetzt plätschert nämlich die Musik nicht mehr als angenehmes Hintergrundgeräusch dahin, die Anlage ist leider (!) so gut, daß sie zum konzentrierteren Zuhören beinahe zwingt.

Aus Erfahrung mit Bekannten und Freunden weiß ich, daß viele, die sich endlich eine viel bessere Anlage kauften, weil sie das nötige Kleingeld beisammen hatten, nichts Eiligeres zu tun hatten, als mit Hilfe der Klangregler am Verstärker und den Lautsprechern den alten und liebgewordenen Klang-Zustand wiederherzustellen.

Der Mensch, das Gewohnheitstier

Anleitungen für ein besseres Hören und die Schulung des Hörempfindens zu geben ist sehr schwer, wenn nicht beinahe unmöglich. Denn abgesehen davon, daß mancher den grellen Trompetenklang, hart einschwingende Violinen oder bumsig klingende Fußtrommeln als „richtig" wiedergegeben empfindet, steht man vor dem Problem, Höreindrücke sprachlich sehr differenziert formulieren zu müssen.

Dieses Problem kennt jeder, der einmal Tester-Aussagen in internationalen Zeitschriften über Lautsprecher und Tonabnehmer gelesen hat und die geradezu babylonische Sprachverwirrung bemerkt hat.

Es ist nicht erstaunlich, daß man das, was man sieht, meist sehr schön anschaulich in Worten formulieren kann. Schwieriger wird es, wenn man andere Sinnesempfindungen wie die beim Riechen, Schmecken oder Tasten verbal ausdrücken soll. Aber bei Musik als der (angeblich) irrationalsten aller Künste wird man fast immer auf Vergleiche zurückgeworfen und muß mit Begriffen einen Sachverhalt umschreiben, den man am liebsten im direkten akustischen Vergleich vorführen möchte !
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Scharf nicht gleich scharf

Zur Erläuterung des Sachverhalts möchte ich ein schon früher mal an dieser Stelle genanntes Beispiel wieder anführen. Ob ein Foto scharf (und tiefenscharf) aufgenommen wurde, ob eine Filmprojektion im Kino oder auf dem Fernsehschirm wirklich scharf ist, erkennt man mit dem Auge sehr rasch; denn erstens gibt es da nur die Ja/Nein- Alternative, und zweitens trainiert man offenbar seinen Gesichtssinn täglich so gut, daß einem das Urteil scharf/unscharf ziemlich leicht fällt.


Wenn man dagegen ein Klang-„Bild" auf seine im gleichen Sinne verstandene „Schärfe", nämlich Präzision, Konturiertheit und räumliche Dimension hin bewerten soll, ist man sich längst nicht so sicher im Urteil. Denn da spielen sehr viele Aspekte mit, bei denen man sich mehr oder weniger auf Erinnerung und noch mehr auf sein (Hör-)Gefühl verläßt.

Man glaubt zu wissen, wie ein Instrument, eine Stimme, ein Orchester oder Geräusche zu klingen haben, weil man sie unter bestimmten Bedingungen (Konzertsaal, Straße, Wald, eigene vier Wände usw.) nun mal so gehört hat. Genau diesen Eindruck, also denselben Klang, möchte man über die eigene HiFi-Anlage wieder hören; denn das muß ja wohl das Nonplusultra an Klangtreue sein, oder ?
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Ein Blick in ein Tonstudio (der Link kommt noch)

Nun wurde in unserer letzten Januar-Ausgabe im Interview mit einem Musikproduzenten schon dargelegt, daß jede Aufnahme entweder bis zu einem gewissen Grad eine Manipulation des „Originals" darstellt (wie's bei Klassik-Einspielungen der Fall ist) oder die Aufnahme selber von vornherein einen synthetischen Charakter besitzt (wie bei der Rock-, Pop- und überhaupt der sogenannten U-Musik).

Ob und wieweit man dann noch von absoluter „Natürlichkeit" und vollendeter „Klangtreue" sprechen kann, soll gleich noch einmal zur Sprache kommen. Zunächst noch zwei in diesem Zusammenhang wichtige Vorbemerkungen.
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Große Qualitätsunterschiede ...

Wie jeder, der mehr als eine einzige Schallplatte besitzt, weiß, gibt es bei der Klangqualität von Tonkonserven große Unterschiede. Manche Aufnahmen klingen einfach grauenhaft, andere hervorragend. Eine gute Abspielanlage wird diese Qualitätsunterschiede in jedem Fall deutlicher zu Gehör bringen als eine mittelmäßige oder "schlechte" (vermtlich zu billige) Stereo-Anlage.

Das Klangbild einer Aufnahme wird - angefangen von den verwendeten Mikrofonen bis zur Überspielung und Pressung der Schallplatte - von sehr vielen Faktoren beeinflußt. Die HiFi-Anlage ihrerseits soll nur die Aufnahme möglichst optimal reproduzieren. Je besser diese Anlage ist, um so klarer sind die Vorzüge und Schwächen der Aufnahme hörbar.
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merkwürdige Unterschiede ..... bei denselben Modellen

Andererseits weiß jeder, der seine Platten nicht nur mit einem einzigen Tonabnehmer abgespielt hat, daß das Abtastsystem das Klangbild stark beeinflussen kann. Als ich kürzlich eine Serie von zehn Tonabnehmern desselben Modells meßtechnisch überprüfte, stellte ich unter anderem eine bis zu 14dB unterschiedliche Übersprechdämpfung (verkantete Nadelträger!), ein bis zu 40um unterschiedliches Baß-Abtastverhalten, Kanalunterschiede bis zu 2,5dB und geringfügig verschiedene Höhenabtastung fest. Die schwankende Fertigungsqualität äußerte sich beim Hörtest in einem subtil bis stark veränderten Klangbild.

Wenn das bei Tonabnehmern desselben Modells der Fall ist (und auch bei Lautsprecher-Paaren nachweisbar ist), kann man sich vorstellen, wie groß die klanglichen Unterschiede sind, die bei Verwendung verschiedener Abtastsysteme zwangsläufig mit ins gehörte Klangbild eingehen.
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Nur theoretisch minimale Serienstreuungen bei den Abtastern

Man sollte eigentlich erwarten, daß innerhalb größerer Fertigungsserien bestenfalls minimale Klangunterschiede zu hören sind, die im Zweifelsfall auf eine nicht optimale Montage zurückgeführt werden können. Leider ist das nicht immer der Fall.

Aber kommen wir zu dem Punkt, an dem das Klangbild zunächst am nachhaltigsten für die Tonkonserve manipuliert werden muß, nämlich bei der Aufnahme. Bei fast allen Tonaufzeichnungen wird eine Vielzahl von Mikrofonen mit unterschiedlicher Charakteristik verwendet.

Das gilt für das Wandlerprinzip (dynamische, Kondensator-, Bändchen- Mikrofone usw.) ebenso wie für die spezifische Richtcharakteristik, die Linearität beziehungsweise Welligkeiten des Frequenzgangs und die schon für bestimmte Anwendungszwecke konzipierten Klangeigenschaften dieser Wandler, etwa eine bewußte Präsenz- und Brillanz-Anhebung, Abschwächung des Baßbereichs oder Betonung der unteren Mitten/oberen Bässe, um dem Klang eine gewisse „Wärme" zu geben.

Für die Aufnahme einer Baßtrommel werden Musiker oder Tontechnikerein anderes Mikrofon nehmen als für eine Posaune, ein Cello, ein Klavier, einen großen Chor oder eine Holzbläser-Gruppe.

Ein Gesangs-Star hat oft andere Vorstellungen davon, wie er/sie klingen sollte, als der Dirigent oder der Tonmeister, der am Mischpult die Aufnahme aussteuert und über eine Vielzahl von Möglichkeiten für die „Entzerrung" des vom Mikrofon kommenden Signals verfügt.
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Entzerrte Mikrofone

Für die Zwecke der Aufnahme müssen die meisten Mikrofone „entzerrt" werden, weil man fast immer möchte, daß bestimmte Frequenzbereiche stärker betont und andere abgesenkt werden.

  • • Zum einen haben weder Stimmen noch Instrumente, physikalisch betrachtet, einen „glatten" Frequenzgang (dann würden sie nämlich alle gleich wie Signale aus einem Computer oder Synthesizer klingen),
  • • zweitens muß man zur Interpretation einer Partitur tontechnisch eine ganze Reihe von Manipulationen vornehmen, und
  • • drittens will man - zumindest bei der Klassik fast immer - den Aufnahmeraum mit seiner Nachhall-Charakteristik nachbilden oder - bei Rockmusik, Jazz und der mit Gags arbeitenden U-Musik - ganz bestimmte Klangeffekte erzielen.


Hinzu kommt, daß die Instrumente sehr stark unterschiedliche Abstrahlcharakteristika haben. Darum spielen bei der Aufnahme nicht nur die eigentümlichen Frequenzgang- Welligkeiten, sondern auch die Positionierung der Mikrofone eine ganz entscheidende Rolle.

Optimales „Miking" ist eine Geheimwissenschaft, in der sich längst nicht alle Musiker und/oder Tonmeister gleichermaßen gutauskennen.
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Radikale Unterschiede

Die Aufnahmebedingungen unterscheiden sich bei Klassik- und U-Musik-Produktionen auch ziemlich radikal voneinander. Klassik wird im Prinzip „akustisch" aufgenommen, will sagen, mit Ausnahme einer gezielten Entzerrung der Mikrofone werden vor der letzten Abmischung so gut wie kaum elektronische Hilfsmittel benutzt.

Anders dagegen die Aufzeichnung elektronisch verstärkter Instrumente. Das relativ schwache Signal wird hier oft mit Hilfe eines Pickup abgenommen, der an einen Instrumentenverstärker angeschlossen ist. Vor und nach diesem Verstärker kann der Musiker eine Vielzahl von Verzerrer-Apparaturen einschleifen, um die von ihm gewünschten Klangeffekte zu produzieren.

An den Verstärker angeschlossen ist der Instrumenten-Lautsprecher, von dem das vorverzerrte Signal mit einem Mikrofon abgenommen und unter Umständen zur Erzeugung von Rückkopplungs-Effekten wieder in den Signalweg eingeschleift wird.
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beliebig klanglich manipuliert

Die vom Band aufgezeichnete Aufnahme kann dann nachträglich mit Hilfe von Equalizern und Trick-Apparaturen noch einmal fast beliebig klanglich manipuliert werden. Zumal programmierbare Musik-Synthesizer bieten da praktisch unbegrenzte Möglichkeiten der Klang beeinflussung.

Was am Ende aus den Monitor-Lautsprechern kommt, hat mit dem „originalen" Klang oft nichts mehr zu tun. Denn „den" Originalklang einer elektrisch verstärkten Gitarre gibt es im eigentlichen Sinne überhaupt nicht : Dieses Instrument ist überhaupt nur denkbar als Einheit mit all den Elektronik-Apparaten, mit denen der Spieler seine musikalischen Vorstellungen verwirklicht.

Man kann sich vorstellen, daß innerhalb dieser Aufnahmekette vom Mikrofon über das Band und die Monitoren Verzerrungen in der Praxis unvermeidlich sind. Der im Verlauf der Aufnahme auftretende Klirrfaktor kann verschwindend gering sein wie bei hochwertigen Kondensatormikrofonen oder sogar gewollt extrem hoch wie bei elektrisch verzerrten und mit Rückkopplung und Verzerrern („Fuzz") operierenden E-Gitarren. In jedem Fall findet eine klangliche Beeinflussung statt.
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Kein Ideal

Klassik-Fans werden jetzt behaupten, hier versuche man wenigstens im Gegensatz zur Popmusik dem Ideal einer originalgetreuen Nachbildung so nahe wie möglich zu kommen.

Ich möchte aber behaupten, daß die XY-Stereofonie in der Klassik-Aufnahmetechnik ebenso einen Eingriff in die „originale" Aufführung eines Werks darstellt wie die heute oft übertriebene Multimikrofonie, deren sich auch die Tontechniker beim Rundfunk immer mehr bedienen, weil sie sich als Idealkonkurrenz zu den Plattenherstellern begreifen und ihrem Kunden dieselbe Technik bieten wollen.

Der technische Standard von Klassik-Aufnahmen mit ihrem - pardon - geradezu „matschigen", wenig differenzierten, oft wenig transparenten und in einer akustischen Mehlsoße eingedickten Klangbild mag vielleicht dem tradierten ästhetischen Empfinden von Klassik-Fans entgegenkommen.

Er ist trotzdem längst nicht mehr auf demselben Niveau wie die Aufnahmetechnik guter Jazz-, Rock- und Pop- Produktionen, bei denen die Tontechniker spätestens in den letzten zehn Jahren lernen mußten, umzudenken und die neuen Klänge auch optimal aufzuzeichnen.

Natürlich sind die Voraussetzungen für die Aufnahmen andere, und selbstverständlich hat die Technik nur dem Werk zu dienen, anstatt sich - wie manchmal in der Popmusik - in Klangspielereien zu verselbständigen. Aber bei Jazz-, Rock- und Pop-Einspielungen wendet man heute doch die Möglichkeiten der Aufnahmetechnik weit experimentierfreudiger und gezielter an.

Die Abmischung entscheidet

Der Klang, den man daheim hören darf, hängt nicht zuletzt von der Charakteristik der für die Abmischung benutzten Monitor-Lautsprecher im Tonstudio ab. (Nicht zu vergessen die Monitore, die dem Tontechniker bei der Überspielung auf die Lackfolie als Kontroll-Lautsprecher dienen.)

Wie stark auf das spezifische Klangbild von solchen Monitoren hin abgemischt wird, kann man hören, wenn man über Jahre hinweg Aufnahmen aus den verschiedensten Tonstudios in England, Deutschland und den USA miteinander vergleicht.

Nicht nur die Klangphilosophien des Dirigenten, Produzenten und Chef-Tontechnikers bestimmen da, wie und wo entzerrt wird, sondern auch die eigentümlichen Klangeigenschaften der Monitore und des Regieraums, in dem die Aufnahmen abgehört werden.

Der Klanggeschmack hat sich allerdings über die Jahre genauso geändert wie diese Lautsprecher. Entsprechend unterschiedlich können aufnahmetechnisch Einspielungen ein und desselben Interpreten, Orchesters oder Dirigenten ausfallen, weil er Dynamik, Balance und das Klangbild insgesamt auf Monitore hin abmischte, die das Studio zu dem Zeitpunkt für die besten hielt.
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Der gewisse Sound

Da hört man dann den JBL-Sound (weithin in der Rockmusik) genauso heraus wie die Klangvorstellungen von BBC-Toningenieuren von Klassik-Aufnahmen oder die von Tonmeistern bei der ARD, für die der schwäbisehe Hersteller Klein+Hummel die Monitore liefert.

Klangneutral sind solche Monitor-Lautsprecher im professionellen Betrieb bestenfalls genauso wie sehr gute HiFi-Lautsprecher -womöglich sogar schlechter.

Oft genug werden nämlich Aufnahmen über Mini-Boxen im selben Regieraum so abgemischt, daß sie auf mittelmäßigen oder sehr billigen Stereo-Anlagen noch „gut" klingen und keinen Autolautsprecher überfordern, der bei großen Pegelsprüngen und ausgezeichneter Dynamik möglicherweise stark verzerren könnte.

Ähnlich wie bei der Fertigung vorbespielter Kassetten geht man technische Kompromisse ein, damit die Software an das breitest-mögliche Publikum verkäuflich bleibt. Als HiFi-Liebhaber hat man auf die Herstellung dieser Software keinerlei Einfluß. Zu Recht kann man bemängeln, daß die Qualität des Programmangebots (Schallplatten, vorbespielte Kassetten und Rundfunksendungen), technisch gesehen, in den letzten Jahren von den besten HiFi-Geräten längst überholt wurde. Denn die brauchen - vom meßtechnischen Standpunkt betrachtet - keinen Vergleich mit der professionellen Elektronik und den Aufzeichnungsgeräten der Produktionsstätten zu scheuen.
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So perfekt denn doch nicht

Das gilt, und das möchte ich betonen, für die Top-Modelle der renommiertesten Firmen der HiFi-Branche, die nicht die marktführenden Unternehmen sein müssen. So perfekt, daß man sich über eine heile HiFi-Geräte-Welt freuen könnte, sind nämlich die meisten Lautsprecher und Tonabnehmer, Receiver und Bandmaschinen, UKW-Empfangsteile und Verstärker denn doch nicht.

Zugegeben: Es gibt mittlerweile rund ein Dutzend Tonabnehmer vom AKG P8ES bis zum Ultimo 20C, denen ich ein kaum noch zu verbesserndes Maß an Klangneutralität als Abtaster bescheinigen würde.

Es gibt Verstärker und Tuner, die um eine Größenordnung klirrärmer und rauschfreier arbeiten als jegliches Programm-Material, das sie verarbeiten müssen. Und es gibt Plattenspieler, deren Rumpelfreiheit und Gleichlauf um ein Vielfaches besser sind als die der Platten selbst. Und demnächst sogar für den Heimgebrauch Bandmaschinen, deren Rauschfreiheit, Gleichlaufkonstanz, Höhendynamik und Klirrarmut die Grenzen des praktisch überhaupt noch Sinnvollen längst erreichen.

Zum Kern der Überlegungen dieses Aufsatzes

Aber man sollte sich nichts vormachen und nüchtern sehen, daß das Gros der Lautsprecher von dem (theoretisch längst möglichen und in vielen Geräten auch schon erreichten) Ideal einer extrem hohen Klangtreue doch noch um einiges entfernt ist.

Auch bei der durchschnittlichen und der HiFi-Elektronik der gehobenen Mittelklasse kann man ohne Übertreibung von relevanten Klangunterschieden sprechen. Was sind die Gründe dafür? Und - damit kommen wir zum Kern der Überlegungen dieses Aufsatzes - wie kann man die subjektiv wahrgenommenen Unterschiede kritisch bewerten, ohne in das Spinnertum mancher HiFi-Undergroundblätter zu verfallen, in denen jeden Monat die neueste „Schönheitskönigin" unter den Verstärkern, Tonabnehmern, Tunern, Plattenspielern und Bandmaschinen gekürt wird ?
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Mögliche Fehlerquellen

Wer sich über das enttäuschende Klangbild seiner eigenen HiFi-Anlage ärgert, sollte zunächst einmal die möglichen Fehlerquellen beseitigen, die dazu führen können, und sich fragen :

• Wieweit geht mein Raum in das reproduzierte Klangbild mit ein? Bedingen die geometrischen Abmessungen und die Bedämpfung, die Nachhallzeiten und die Resonanzen, die stehenden Wellen und die Auslöschungen des Raums, daß die Anlage schlechter klingt, als sie klingen müßte ? Denn in Zimmern mit niedrigen Decken und ungünstiger Geometrie, in Räumen mit zu geringer oder zu starker Dämpfung wird eine HiFi-Anlage nie so gut klingen können, wie sie könnte. Auch mit Hilfe von Equalizern wird man solche Mängel nicht wirklich ausräumen können.

  • • Sind alle HiFi-Geräte bezüglich ihrer erforderlichen elektrischen Werte (Ein- und Ausgangsimpedanzen, Kapazitäten und feste Kontakte, Querschnitt der Lautsprecherzuleitungen und mögliche Brummausstreuungen) auch optimal miteinander verkabelt ? Jeder Brumm, falsch angepaßte Widerstand oder oxidierte Kontakt führt notwendigerweise zu Beeinträchtigungen des Klangbilds.
  • • Bringt der Verstärker auch bei hohen Pegeln die kurzfristig benötigte Leistung, oder fährt er kurzfristig ins Clipping, so daß man - wenn auch nur kurz - Verzerrungen wahrnimmt, die man sich nicht erklären kann ?
  • • Haben die mit Mechanik behafteten Abspielgeräte (Plattenspieler und Bandmaschinen) auch nach Jahren noch ihre ursprünglich geringen Tonhöhenschwankungen, oder haben sich im Lauf der Zeit Verschleißerscheinungen eingestellt, auf die man nicht achtete, die sich aber als merkbare Verschlechterung im Klangeindruck äußerten ?
  • • Ist der Tonabnehmer wirklich optimal justiert? Stimmt der Auflagedruck noch? Benutzt man auch wirklich beim Recorder das vom Hersteller als optimal empfohlene Bandmaterial, auf das die Maschine eingemessen wurde? Ist vielleicht nicht doch der Abtastdiamant mit der Zeit verschliffen? Benötigt der Tuner einen neuen Abgleich? Ist der Tonkopf der Bandmaschine oder des Kassettenrecorders nach all den Spielstunden so eingeschliffen, daß man ihn gegen einen neuen auswechseln muß ?

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Nicht ärgern !

Das sind nur einige von vielen möglichen Fehlerquellen, die Anlaß zum Ärger über eine HiFi-Anlage geben können, die früher doch so „super" klang! (Auf das Thema „Ärger mit HiFi" werden wir noch ausführlich zurückkommen.) Und es sind nicht die am geringsten einzuschätzenden, wie ich selber bei der Überprüfung meiner Anlage bisweilen feststellen mußte:

Die Welligkeiten und Exzentrizitäten von Schallplatten können manchmal in kurzer Zeit dazu führen, daß der Nadelträger hoffnungslos verkantet ist, der Tonabnehmer-Körper periodisch auf der Plattenoberfläche schleift und die Gummilagerung förmlich ausgeleiert ist.

Genauso unangenehm ist in der Praxis ein erhöhtes Rauschen beim Abspielen von Kassetten infolge von Aufmagnetisierung des Tonkopfs und der bandführenden Teile, ganz zu schweigen von Verzerrungen durch Staubpartikel am Abtastdiamanten oder auf den Tonköpfen, die HiFi zum Alptraum machen können. Denn man hat schließlich eine Menge Geld in eine Abspielapparatur investiert, von der man Klanggenuß und nicht Ärger erwartet!

Wenn nach Beseitigung all dieser möglichen Fehlerquellen die eigene Anlage immer noch enttäuschend klingt, sollte man allerdings anfangen, darüber nachzudenken, wo die Schwachstellen in der Wiedergabekette liegen. Das eigene Ohr ist dazu das ungeeignetste Instrument nicht.
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Die Schwachstellen

Schwachstelle Nr. 1 vieler Anlagen dürften die Lautsprecher sein. Aber beginnen wir bei klanglichen Mängeln, die durch die Elektronik entstehen können. Sie sind zumindest in der Spitzenklasse weit geringer, als etwa amerikanische HiFi-Undergroundblätter ihre Leser glauben machen wollen, aber dennoch vorhanden. Ursache für Klangverfälschungen sind unter anderem
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  • • ungenau arbeitende Phono-Entzerrung und solche Entzerrer-Vorverstärker, die den Tonabnehmer als eine frequenzabhängige Impedanz „sehen". Erzielbar ist heute längst eine bis auf ±0,2dB exakte Phonoentzerrung (und besser), so daß gut konzipierte Vorverstärker eigentlich keinerlei lineare Verzerrungen aufweisen müssen. Unterschiede in der Genauigkeit der Entzerrung sind nur im direkten Vergleich hörbar.
  • • zu geringe Übersteuerungsfestigkeit der Phonoeingänge, so daß bei weit ausgesteuerten Platten beispielsweise hörbare Verzerrungen auftreten können.
  • • Verzerrungen im Aufsprechverstärker von Bandmaschinen und bei Tunern
  • • kurzfristige Überlastungen der Endstufen, im Fach-Chinesisch Clipping genannt und dort ein hörbar klirrendes Ärgernis, wo beispielsweise Lautsprecher mit geringem Wirkungsgrad wie die Mini-Boxen oder „Acoustic-Suspension" Typen an Receivern mit 2 x 20 oder 2 x 30 Watt betrieben werden.

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Das kann man alles messen

Solche möglichen Fehlerquellen sind durchaus meßbar. Wenn also Receiver X, Tuner Y oder Verstärker Z im Hörvergleich subtile Klangunterschiede aufweisen, dürften dafür einmal eine nicht optimale Schaltungstechnik und zum zweiten lineare und nichtlineare Verzerrungen verantwortlich sein.

Auch die Nichtlinearitäten im Frequenzgang von Tonabnehmern und die auftretenden Intermodulations- und Klirrprodukte kann man heute ermitteln. Dazu bedarf es ausgesuchter Meßplatten, die selbst optimal geschnitten sind (in Meßlabors müssen dazu aus 30 Exemplaren oft zwei ausgesucht werden!).

Geringfügige Frequenzgangabweichungen machen sich im Präsenz- und Brillanzbereich (800 Hz bis 6 kHz) gehörmäßig viel stärker bemerkbar als etwa ein Frequenzgang, der ab 12 kHz bis 20 kHz beispielsweise um 3dB langsam ansteigt. Denn das Ohr ist nicht in allen Frequenzbereichen gleich empfindlich.
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Nicht alle Gründe scheinen logisch

Im übrigen können die Gründe dafür, daß der Tonabnehmer X ein ausgesprochen helles und enges, das Modell Y dagegen ein recht dunkles, aber weiträumiges und gut gestaffeltes Klangbild besitzt, sehr vielfältig sein und von einer Menge Faktoren abhängen, die nicht unmittelbar aus dem Frequenzgang oder Verzerrungsmessungen ersichtlich sind.

Oft genug spekuliert man noch anhand empirischer Erfahrungen darüber, warum ein Tonabnehmer mit 0,65% FIM ausgewogener, plastischer zeichnend und transparenter klingen kann als ein anderer mit nur 0,3% FIM. Erst die Summe sehr vieler Einzelmessungen erlaubt ungefähre Rückschlüsse auf das Klangbild.

Hier bewegt man sich noch auf teilweise unsicherem Boden. Wie sonst soll man es erklären, daß beispielsweise das Top-Modell von Shure (V15/V) bei absolut glatt gemessenem Frequenzgang eine leichte Schärfe in den Höhen aufweist, während der Spitzen-Abtaster von Satin (M18BX) trotz eines ab circa 10kHz um 5 bis 7dB ansteigenden Frequenzgangs diese subtile Schärfe nicht aufweist ?

Offenbar spielen hier Aspekte der mechanischen Konstruktion und der Qualität des Abtastdiamanten mit hinein, die sich in Messungen nur wenig, im Höreindruck aber doch ziemlich klar auswirken.
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Fragwürdige Lautsprechermessungen

Noch fragwürdiger sind viele heute publizierte Lautsprecher-Messungen, wenn sie dem Leser als Richtschnur für die Klangqualität dieser so entscheidenen HiFi-Komponente angeboten werden. Hier ist und bleibt der vergleichende Hörtest das wichtigste Mittel zur Beurteilung der Wiedergabeeigenschaften *).

*) Demnächst wird KLANGBILD einen Beitrag darüber veröffentlichen, wie diese Zeitschrift Lautsprecherboxen testet und damit bewertet.

Wie eingangs gesagt, ist es einigermaßen schwierig, Klangeindrücke verbal zu formulieren. Das Vokabular, das man dazu verwendet, ist in Japan ein ganz anderes als in Großbritannien und in europäischen Ländern ein anderes als in den USA. Mit den blumigen Ausdrücken, mit denen Japaner einen Klang umschreiben, können wir wenig anfangen - und vermutlich verhält es sich umgekehrt genauso. Einige der wesentlichen Begriffspaare, die sich hierzulande bei der Beschreibung eines Lautsprecher- und Tonabnehmer-Klangs eingebürgert haben, sind
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hart - weich
räumlich - zweidimensional
baßkräftig - weich bis „bumsig"
durchsichtig - belegt
scharf - weich
lästig - angenehm
konturiert - verschwommen
voluminös - schlank

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Keine dieser subjektiven Beurteilungen kann man isoliert voneinander sehen. Denn ein Lautsprecher kann scharf klingen in den Höhen und doch ein gutes räumliches Auflösungsvermögen (Transparenz, Konturiertheit und Räumlichkeit) besitzen, während ein anderer, der für viele Ohren angenehm weich klingt, ein verschwommenes und leicht belegtes Klangbild besitzen kann. Darum möchte ich im folgenden einmal zehn Punkte nennen, die bei der klanglichen Beurteilung aufschlußreich sind.
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Mehrere Schallplatten zum Vergleich

Wenn man sichergehen will, daß der subjektive Klangeindruck nicht täuscht, nimmt man zum Vergleich am besten mehrere Schallplatten, die man sehr gut kennt, nach Möglichkeit solche, bei denen auf dem Cover die Positionen der Instrumente, Gruppen und Solisten und auch die zur Aufnahme verwendeten Mikrofone notiert sind.

Denn wie der Produzent Manfred Eicher im KLANG-BILD-Interview vom Januar 1979 darlegte, kann es einen großen Unterschied machen, welche Mikrofone bei welchen Instrumenten eingesetzt wurden.

Sechs bis zwölf Platten mit unterschiedlichstem Programm-Material sollte man schon deswegen zum Hörtest mitbringen, damit man aufnahmetechnische Mängel, die man möglicherweise zum erstenmal bemerkt, nicht dem Lautsprecher anlastet.

Außerdem steht zu bedenken, daß bestimmte Tonabnehmer und Lautsprecher besser miteinander harmonieren als andere Kombinationen, weil die Mängel gegenseitig kompensiert werden können.

Darum sind solche Hörvergleiche mit den folgenden subjektiven Urteilen nur sinnvoll, wenn man erstens identische Bedingungen bezüglich der Abhörlautstärke schafft und als Referenzsystem einen einzigen Tonabnehmer hernimmt, dessen - bitteschön - hervorragende Qualitäten außer Zweifel stehen und sich in vielen Tests erwiesen haben. Ohne ein Gesamt-Referenzsystem vom Laufwerk bis zum ausreichend leistungsfähigen Endverstärker werden subjektive Hörtests illusorisch.
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"Anschauliche" Begriffe aus der amerikanischen "Stereophile"

Eine sehr hübsche und detaillierte Anleitung zum besseren Hören gab vor zwei Jahren die amerikanische Underground- HiFi-Publikation "Stereophile". Sie unterteilte den Frequenzbereich von 20 Hz bis 20.480 Hz in 10 Oktaven und notierte in anschaulichen Begriffen, wie ein Lautsprecher klingt, der in diesen 10 Oktaven jeweils zu viel oder zu wenig bringt.

Diese in jahrelangen Hörvergleichen gewonnenen Begriffe erscheinen mir so plausibel, daß ich hier kurz ein Resümee dieser gewiß lobenswerten Arbeit geben möchte.

Der tiefste Baß

Der tiefste Baß von 20 bis 40 Hz kann laut Stereophile donnernd und übermächtig (thunderous), etwas schlaff und schwach (flaccid) oder ganz verhalten (shuddery) kommen, sofern auf der Platte solche Frequenzen (Baßtrommel, ganz tiefe Orgeltöne, Kontrabaß) aufgezeichnet sind. Abwesenheit des tiefsten Baß-Fundaments bei Lautsprechern bemerkt man nur im direkten Vergleich.

Der Bereich der mittleren Bässe (40 bis 80 Hz) kann zu weich, etwas unkontrolliert und leicht bumsig (billowing), zu weich einschwingend (sodden) oder dumpf bis dröhnig (thuddy) klingen, wenn der Tieftöner wie bei manchen Baßreflexboxen stark nachschwingt und das Signal nicht sauber verarbeitet.

Andererseits fehlt es den mittleren Bässen an Fülle, wenn sie zwar gerade noch voll, aber etwas knapp (tight), etwas dünn (sparse) oder gar flach (shallow) kommen.

„Farbliche" oder perspektivische Unterscheidungen macht der Autor in diesem Frequenzbereich noch nicht, weil solche Bässe sich als Kugelwelle ausbreiten und nicht stärker gerichtet sind als die Mitten und vor allem als die Höhen.

Der Bereich der oberen Bässe (80 bis 160 Hz), so der Autor, gibt dem Tieftonbereich die „Wärme". Hier reicht die Skala seiner Bewertungen von dröhnend/bumsig (boomy) und fett (fat) bis trocken, kalt und dünn.
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Die unteren Mitten

Die unteren Mitten im Bereich von 160 bis 320 Hz können in seinen Begriffen bei Überbetonung hohl (cavernous) oder hölzern (wooden), bei dort abfallendem Frequenzgang dagegen zu verhalten bis näselnd (pinched) klingen.

In diesem und dem nächsten Frequenzbereich (320 bis 640 Hz) manifestieren sich seiner Meinung nach „Reichtum", Fülle und Kraft des Klangbildes. Fehlt es daran, so ist der Klang eingeengt, ohne Perspektive und gepreßt (constricted), während Überbetonung dort zu einem rauhen, stark vorwärts gerichteten (grunty) oder gar hallig-hohlen (hollow) Klangbild führt.

Die perspektivische Auflösung des Klangs findet nach dieser Listung in hohem Maße zwischen 640 und 1.280 Hz statt. Das Klangbild kann hier Unterschiede von verhallt und überräumlich (hollow) und entfernt (distant) einerseits bis zu stark nach vorn gerichtet (forward), gleich einer Hupe oder einem Hörn klingend (honky) und rauh bis heiser (raucous) andererseits reichen.

Für einen zu stark zurückgenommenen Präsenzbereich (die unteren Höhen) nimmt der Autor den Begriff „strangled", also gewürgt, womit er wohl im Deutschen am ehesten ein sehr flaches, dort wenig konturierendes Klangbild meint. Überbetonung dieses Bereichs führt zu einem überpräsenten, blechernen und fast grellen (brassy), zu einem nasalen oder gar dünnen Klang (hier nennt er den Begriff „tinny", also wie Zinn klingend).

Ein Abfall im Brillanzbereich (2.560 bis 5.120 Hz), in dem sich normalerweise viele Obertöne entfalten, führt zu einem stark belegten, gedämpften und übermäßig weichen Klangbild ohne Transparenz (muted), während sich Überhöhungen und andere Fehler gerade in diesem Bereich, in welchem das menschliche Ohr eine hohe Empfindlichkeit für Unterschiede besitzt, in einem zu hellen, harten, gläsernen, stählernen oder schrillen Klang äußern.
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Und jetzt die "Höhen"

Sehr hübsche Begriffe fand der Autor für den Klang in der Oktave von 5.120 bis 10.240 Hz, in dem man beispielsweise die Obertöne von Percussion- Instrumenten, Pikkolo-Flöte und Violine, aber auch Triangel und Schlüsselklirren beachten sollte. Fehlt es hier, ist der Klang langweilig (dull) und muffig (muffled). Klingt's gut, dann kommen diese Obertöne sauber, ohne jede Lästigkeit oder leichte Verzerrungen.

Kommt der Lautsprecher oder der Tonabnehmer hier in Probleme, ist der Klang nicht mehr „crisp", sondern zischelnd wie leicht verzerrte S-Laute (sibilant), hört man Geräusche, die wie ein schwirrender Draht (wiry) klingen oder ist das erste Einschwingen sogar einem scharfen Spuck-Geräusch vergleichbar.

Die schwierigste Bestimmung in Begriffen war die der obersten Oktave bis 20.480 Hz. Der extreme Hochtonbereich, der dem Klang seinen strahlenden Glanz vermittelt, kann angenehm weich (soft) und süß (sweet) kommen, sehr luftig (airy), aber auch verwischt (whiskery) oder gar zischig (zippy) klingen.
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Keine restlose Objektivierung

Eine restlose Objektivierung von solch subjektiven, noch dazu in vergleichenden Begriffen formulierten Empfindungen und Höreindrücken wird leider kaum jemals möglich sein.

Das beginnt ganz banal damit, daß Musiker ihre ganz eigenwilligen Klangvorstellungen von dem Instrument, das sie spielen, realisiert wissen wollen, aber viele einfach andere Vorstellungen haben, wie der Bösendorfer- oder Steinway-Flügel auf der Aufnahme klingen sollte. Es hat damit zu tun, daß die Tontechniker mit ihren vielen Mikrofonen und Aufnahmeapparaturen klanglich bis zu einem gewissen Grad Manipulationen des „Originals" vornehmen müssen und auch eigene „Sound"- Vorstellungen haben.

Beim Schneiden der Schallplatte können nicht unbeträchtliche Veränderungen des auf Band aufgezeichneten Klangs eintreten, wie man beim Vergleich von Pressungen desselben Werks aus verschiedenen Ländern eindeutig hören kann. Selbst wenn man davon ausgeht, daß HiFi-Elektronik und sogar ein Dutzend Tonabnehmer einen extrem hohen Standard der Klangtreue erreicht haben, daß Lautsprecher und normale Hörräume alles andere als perfekt sind. Selbst 27-kanalige Equalizer können perfekte akustische Bedingungen nicht herbeizaubern.
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Kein Größenwahn

Deswegen muß man das Perfektionsstreben der HiFi-Entwickler nicht als überflüssig oder Größenwahn abtun. Sie arbeiten im Grunde nur daran, dem Musikliebhaber einen wiedergabetechnisch höheren Klanggenuß zu ermöglichen. Das Problem scheint mir nicht in der subjektiven Empfindung für größere Klangtreue zu liegen, sondern
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  • a) in der Qualität der Schallplatte, die oft nicht mehr mit dem Stand der HiFi-Technik Schritt gehalten hat, und
  • b) in der Qualität der Lautsprecher, die in ihrer Wiedergabequalität fast durchweg ziemlich hinter der Perfektion der Aufnahme-Technologie herhinken.

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Die Subjektivität des Klangempfindens, die ja auch eine Freiheit zum individuellen Genuß darstellt, hätte erst dann keine Berechtigung mehr, wenn der absolut perfekte Lautsprecher erfunden würde.Der dürfte allerdings nicht mehr nach Lautsprecher klingen: Man dürfte nur noch die Musik und keinerlei Verfärbungen des Wandlers hören. So weit sind wir - leider oder Gott sei Dank ? - noch nicht.

Ein Artikel von Frank Schöler im März 1978
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