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Erfahrungen und Hintergründe der analogen Vinylschallplatte

Im Juni 2011 hat mich ein Leser angesprochen, man müsse sich hier im virtuellen Hifi-Museum zu viele Seiten anlesen, um die Hintergründe über die maximal mögliche Hifi-Qualität der analogen Scheiben zu erfahren.

Darum hier ein wenig zusammengefaßtes Wissen
aus den Erzählungen der wenigen glaubwürdigen Zeitzeugen, die ich in den letzen Jahren besucht und ausgiebig befragt hatte.

Die Qualitätskriterien beim Scheiden und Pressen

Bei der gesamten Produktion (= Produktionskette) einer Vinyl-Schallplatte (auch der 33er LPs) war der statistische Anteil der bundesdeutschen "Normalos" (also der ganz normalen potentiellen Platten-Käufer) mit einem 95.- D-Mark Dual Kofferplattenspieler bis etwa Ende der 70er Jahre wirklich "das Maß der Dinge".

Das klingt verwerflich, doch so gut wie jeder Platten-Produzent verlangte von "seinem" Aufnahme- und Schneid- Studio und "seinem" Presswerk, daß jede seiner Schallplatten, auch die 33er Stereo Langspielplatten, auf einem ganz normalen Plattenspieler mit Kristallsystem sauber abspielbar sein mußten !!

Na und ? werden Sie fragen. Doch so einfach war das nicht. Die Nadel durfte nämlich bei Fortissimostellen nicht aus der Rille springen. Damit war aber die maximale Amplitude der Rillenauslenkung definiert und fest vorgegeben und damit auch die tiefste und die höchste Frequenz.

Ich habe nicht herausbekommen, wie groß dieser Wert der Rillenauslenkung sein durfte bzw. wirklich war, doch die möglichen Fähigkeiten eines superteuren MM- oder MC-Sytems wurden mit Sicherheit nicht ausgereizt.

Dann spezifizierten die renomierten Firmen wie DGG, DECCA, EMI oder Teldec usw. eine auch nicht offiziell bekannte Qualitätsgrenze von etwa 8.000 bis 10.000 Pressungen je "Sohn", (manches Mal schon ab Nummer 6000) nach der die Matrizen dann "hinüber seien" und die dann folgenden Pressungen nur noch 2. oder 3. Wahl oder sogar völlig unbrauchbar "seien".

Die Preisfrage: Woher wissen Sie also, ob nicht gerade "Sie" die 9.999ste Pressung Ihrer "kostbaren" Platte erhalten haben, die jetzt knistert, zerrt und knackt, weil die qualitativ an der Grenze zum Ausschuss lag ?

Die Grenzen des Füllschriftverfahrens

Beim Füllschriftverfahren (nach Eduard Rhein) versuchte man, mit damals analoger Technik, eine (Platten-) Runde in die Zukunft zu sehen und die dort kommende maximale Amplitude der folgenden Umdrehung zu ermitteln, um die Plattenbreite optimal mit möglichst "vielen Rillen" auszunutzen.

Ok, wir wissen, es gibt ja pro Plattenseite wirklich nur eine Rille, doch sägen (oder brechen) wir die Platte mittig durch, sieht man ganz viele Rillen dicht an dicht.

Der Nachteil einer fest definierten maximalen Breite jeder Rille pro Umdrehung ist die mögliche Platzverschwendung bei langen leisen Passagen, bei der die maximale Rillenbreite gar nicht ausgenutzt wird.
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Die Rille und der Rillenrücken

Der Nachteil beim Füllschriftverfahren ist jedoch, daß dann der Rillenrücken zwischen zwei Rillentälern ganz schön dünn werden kann. Es obliegt dem peniblen Ingenieur oder Operator im Schneidstudio, wie optimal er die technisch perfekte Neumann Schneidmaschine und den intelligenten Vorlauf der Vorschau einstellt.

Die Laufzeit der Rille in Sekunden pro Umdrehung
wird nämlich zur Plattenmitte immer kürzer und damit auch die (Vorlauf-) Zeit pro Umdrehung. Das Studio- Bandgerät, das mit einem speziellen zusätzlichen Vorhör-Magnetkopf "in die Zukunft" schaut, soll der Mechanik ja sagen, wie es mit der Amplitude in der nächsten Rille aussieht - also wie viel weiter der Schneidkopf nach innen gefahren werden kann oder muß. Doch der sogenannte "Vorhörkopf" ist nicht überall mechanisch (und damit zeitlich) verschiebbar.

Wie ich selbst mitbekommen habe, ist das viel zu oft ein mühseliges Verfahren und so manche Plattenseite wird viele viele Male neu "geschnitten", bevor sie "perfekt" ist, sagen wir besser "nahezu perfekt".

Der Frequenzgang im Schneidstudio

In fast allen seriösen Plattenschneidstudios "wohnten" zwei UE1000 von Klein & Hummel (edle höchstwertige Universalentzerrer für je mindestens DM 15.000), um die Frequenzgänge der angelieferten Mutterbänder (später sogar der CDs) zu korrigieren und auch, um sie zu begrenzen.

Die billigen DM 5.- K-tel und Europa Platten zum Beispiel hatten so gut wie nie Frequenzen unter 80 Hz und über 12 KHz. Das war schlichtweg zu aufwendig und damit zu teuer und so konnte man bis zu 12 Schlager oder Sampler a 3,5 Minuten pro Seite !! unterbringen.

Auch auf den DGG Platten wurde unterhalb von 40 Hz alles abgeschnitten, denn dort kam das Rumpeln der Laufwerke ins Ohr und das wurde bei den allermeisten Hörern weggefiltert. Also warum etwas drauf machen, das 95% der Käufer doch nicht hören.
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Das angelieferte "Mutter-" Band aus USA

Herr Brüggeman aus Frankfurt bekam von den New Yorker Platten-Studios sehr oft Mutterbänder von amerikanischen Ampex Maschinen, die zwar 6,3mm Studio Standard Bänder waren, auch in Halbspur Stereo und mit 38cm/s. Doch mit welcher Aufnahmeentzerrung bzw. auf welches Bandmaterial das dortige Bandgerät eingemessen war und wie es hier zu entzerren war, war selbst auf mehrfache Nachfrage nicht herauszfinden.

Also hörte er sich mit seinen K&H und alternativ seinen HECO P7302 Abhörmonitoren die Quellen sorgfältig an und entzerrte oder verzerrte die Quelle solange, bis sie nach seiner langjährigen Erfahrung optimal wäre. Bei klassischer Musik, und die wurde sogar in 2011 noch vornehmlich von drüben nach Frankfurt geschickt, hatter er fast immer Erfolg. Die Auftraggeber waren über Jahrzehnte von seinen "Schneidkünsten" begeistert.

Doch wie klang oder klingt die Originalaufnahme wirklich ? Wer will das jetzt noch beurteilen oder gar festlegen ?

Und Herr Brüggemann hatte mir stolz die Lieferscheine für tausende von klassischen Aufnahmen für so gut wie alle großen amerikanische Labels gezeigt. Warum lassen die Amerikaner "ihre" Press-Master in Deutschland schneiden und nicht sonstwo ? Sind "die" Deutschen etwa doch besonders penibel und anspruchsvoll und sorgfältig ?

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