1964 - Tontechnik für Schallplattenhändler - Seite 2a (von 4)

3. Gerätekunde (über die Wiedergabe-Geräte)

von Peter Burkowitz - Unbedingt kennen muß der Schallplattenverkäufer die wichtigsten Merkmale und technischen Eigentümlichkeiten der Nadelton-Abtastgeräte. Es hat keinen Zweck, dabei die derzeitigen Fabrikate zu analysieren, weil diese Unterrichtsschrift auch noch in einigen Jahren gültig sein soll.
Wir müssen uns also vom einzelnen Fabrikat lösen und auf die grundsätzlichen Dinge eingehen, die allen Geräten gemeinsam sind oder sein sollten.

3.1. Bestandteile handelsüblicher Anlagen, Eigenschaften, Funktion und Qualitätskriterien.

-

3.1.1. Das Laufwerk

Das Laufwerk, bestehend aus der Laufwerkplatte (manchmal auch Werkboden genannt), dem Antriebsaggregat und dem Plattenteller samt Lager, ist nach der Schallplatte einer der Eckpfeiler einer guten Wiedergabe. Die Konstruktion der ganzen Einheit soll die gleichmäßige und erschütterungsarme Umdrehung der Platte bewerkstelligen.

Um das zu erreichen,
müssen die Laufwerkplatte, der Motor und das Übersetzungsgetriebe - meist Reibrad oder Riementriebe - in ausgeklügelter Weise aufeinander abgestimmt und miteinander verbunden sein. Durch drei einfache Proben können Sie selber feststellen, ob die Konstruktion bzw. das Exemplar in Ordnung ist:

1. Spielen Sie mit dem zu prüfenden Chassis
in ordnungsgemäß eingebauter Anordnung eine gute Platte mit normaler Zimmerlautstärke. Setzen Sie dann die Abtasterspitze vorsichtig mittels eines geeigneten Zwischenstückes - z. B. mittels eines Korkens - auf die Laufwerkplatte. Sie sollten jetzt kein auffälliges Brummen oder Rumpeln hören (Plattenteller weiter laufen lassen, nichts an der Lautstärkeneinstellung ändern!).

2. Legen Sie statt der Musikplatte eine technische Platte
mit einem Meßton mittlerer Tonhöhe auf (so etwa um 400 Hz), zentrieren Sie die Platte auf dem Mittellochzapfen mittels eines Zentrierkonus, setzen Sie den Tonabnehmer außen auf und beobachten Sie zunächst, ob der Abtaster nicht hin und her tanzt (evtl. Fertigungsfehler der Platte). Wenn bis hierher alles in Ordnung ist, muß der Meßton einen klaren, schwankungsfreien Klang haben.

Er darf weder jaulen (langsame Tonhöhenschwankungen), noch wimmern (schnelle Tonhöhenschwankungen). Beide Arten von Tonhöhenschwankungen werden mit dem Gattungsbegriff „Gleichlauffehler" bezeichnet. Sie sind stets ein Gerätefehler, es sei denn die Platte läuft sichtbar exzentrisch.

3. Stellen Sie genau fest oder lassen Sie es sich nachmessen, welche exakte Tonhöhe Ihr Meßton auf der Platte hat. Vergleichen Sie diese Angabe mit der Tonhöhe, die tatsächlich aus ihrem zu prüfenden Gerät herauskommt.
Falls Sie unter Ihren Kunden solche mit absolutem Gehör haben, werden Sie nicht selten in die Verlegenheit kommen, gerade diesen Test zu erläutern oder seine Ausführung zu empfehlen. Einige Geräte haben Nachstellvorrichtungen, die dann ihre Aufgabe erfüllen, wenn es dem Hersteller gelungen ist, den Bremseffekt stabil zu machen.

Mit vorgenannten 3 Versuchen können Sie herausfinden, was ein Laufwerk taugt. Außerdem werden Sie noch feststellen, daß solche Laufwerke alle Proben am besten bestehen, von denen man im eingeschalteten Zustand auch so schon nichts oder kaum etwas hört. Das ist ganz logisch, denn wo etwas rattert, sind Teile in außerplanmäßiger Weise in Bewegung, sonst könnten sie kein Geräusch machen.

Alle Tests bestanden ?

Wenn ein Laufwerk alle 3 Proben und den Geräuschtest vorbildlich besteht, ist es studioreif — und entsprechend teuer.

Einfache und handelsübliche Geräte bemühen sich um einen anständigen Kompromiß. Dabei ist es Geschmackssache, welcher Eigenschaft man den Vorzug gibt. Der eine kann Jaulen nicht ausstehen, der andere Rumpeln, der dritte legt Wert auf genaueste absolute Tonhöhe. Der Verkäufer ist am besten dran, der sich über diese spezifischen Unterschiede der Fabrikate Informationen verschafft und seinem Kunden empfehlen kann, was zu dessen Vorstellungen am besten paßt.

Das gleiche gilt übrigens für die folgend zu behandelnden . . .

3.1.2. Tonabnehmer

Der Tonabnehmer besteht aus den drei wichtigsten Teilen:

  • 1. Abtastsystem mit Abtastspitze, Nadelhalter (hierfür verwendet man noch immer das alte Wort, obwohls es „Nadeln" schon lange nicht mehr gibt) und Wandler,
  • 2. Tonarm und
  • 3. Tonarmlager.


Alle drei Elemente müssen aufeinander abgestimmt sein, wobei die Regel gilt, daß die der Abtastspitze nachfolgenden Teile besser sein dürfen, als für die Güte des Anfangsgliedes — also für die Abtastspitze — nötig wäre. Nie umgekehrt! In einen erstklassigen Studiotonarm kann man also ohne Schaden ein dürftiges Abtastsystem einsetzen. Die Wiedergabe wird dann auch nur um soviel mäßiger, wie es dem Abtastsystem entspricht. Hingegen kann man nicht ein erstklassiges Abtastsystem in einen dürftigen Tonarm einsetzen und nun erwarten wollen, daß die Wiedergabe so gut wird wie das Abtastsystem es ist.

Eine sehr diffizile Technik

Es war schon darauf hingewiesen, welche enorme Anzahl an Bewegungen die Abtastspitze von der Rille auf den Wandler weiterleiten soll und daß sie das um so besser kann, je genauer sie den Rillenbewegungen zu folgen vermag.

Hierzu ist es notwendig, daß die halbkugelförmige Spitze klein genug ist - fachgerecht ausgedrückt, daß der Radius der „Spitzenverrundung" ein bestimmtes Maß nicht überschreitet - und daß die Kraft, die die Rillenwand aufbringen muß, um die Abtastspitze hin und her zu bewegen ebenfalls klein genug ist, damit einerseits die Rillenwand nicht beschädigt und andererseits der Tonabnehmer nicht nach oben aus der Rille gedrückt wird.

Fachgerecht ausgedrückt: die „Auslenkkraft"
darf einen bestimmten Höchstwert nicht überschreiten. Je leichter der Tonarm aufliegt - was man mit „statischer Auflagekraft" bezeichnet - um so geringer braucht folglich auch nur die Auslenkkraft zu sein, die die Rillenwand aufbringen muß, um die Abtastspitze um ein definiertes Stück aus der Ruhelage zu drücken.

Wenn die hierfür erforderliche Kraft aber geringer ist
, kann auch die Abtastspitze feiner sein. Man sieht also, es stehen die drei Eigenschaften „Verrundungsradius", „Auslenkkraft" und „statische Auflagekraft" in einer strengen Wechselbeziehung.

Und nun kommt das Tonarmlager noch dazu, denn: ein hochempfindliches gutes Abtastsystem, welches man mit kleiner statischer Auflagekraft betreiben könnte, braucht ein Tonarmlager, das in allen Richtungen sehr leicht beweglich sein muß. Das wird um so kritischer, je kleiner die statische Auflagekraft sein soll. Man kann etwa davon ausgehen, daß statische Auflagekräfte von weniger als 3p (entspricht in unseren Breitengraden etwa 3 Gramm) einwandfrei nur noch von den Lagern allerbester Studiotonarme beherrscht werden.

Wenn Ihnen ein Gerät für DM 60,- angeboten
und dazu behauptet wird, die Auflagekraft sei bei diesem Modell weniger als 3p, dann dürfen Sie ziemlich mißtrauisch sein.

Einfachspieler oder Wechsler

Nicht unwichtig ist noch die Frage, ob Einfachspieler oder Wechsler. Die Wechsler haben sich so sehr eingebürgert als es noch keine Langspielplatten gab, daß es heute, da sie eigentlich keine vernünftige Aufgabe mehr zu erfüllen haben, schwer sein dürfte, sie in Mißkredit zu bringen. Die Bequemlichkeit ist doch eben zu verlockend, auch nach 30 Minuten noch nicht zum Plattenwechseln aufstehen zu müssen. Dabei muß man es sowieso, weil die meisten aus mehreren Plattenseiten bestehenden Werke die Fortsetzung auf der Rückseite haben.

Für diese Bequemlichkeit
muß man nun wenigstens einen erklecklichen Mehrbetrag und größeres Rumpeln in Kauf nehmen, denn der ganze komplizierte Wechselmechanismus bezieht seine Arbeitskraft ja schließlich aus dem Laufwerkmotor und wird gesteuert vom Tonarm aus. Das bleibt nicht ohne Folgen. Nur allerneueste semiprofessionelle Konstruktionen, die auch entsprechend viel kosten, kommen mit diesen Nachteilen einigermaßen zurecht.

Wenn Sie also einem hörkundigen Experten unter Ihren Kunden
wirklich einen sachkundigen Rat geben wollen, dann empfehlen Sie ihm tunlichst ein Modell, das möglichst „viel Plattenspieler für's Geld" bietet. Auch die Einfachspieler bieten heute soviel Bedienungskomfort einschließlich der praktischen Aufsetzmechanik, daß sie auch äußerlich gar nicht nach so viel weniger aussehen.

Dieser obige Text hat sich sogar schon 1964 überholt, weil im August 1963 zur Fuunkausstellung DUAL mit dem völlig neuen DUAL 1009 auftrat und von nun an anfing, Weltgeschichte zu schreiben. Ein deutscher Hifi-Wechsler vom Feinsten, der alle die oben genannten Bedenken in Luft auflöste und hervorragend funktionierte.

-

Und die vierte Umdrehungszahl - 16 2/3 U/min ?

Das ist eine ganz dunkle Affaire. Platten dafür gibt es nicht, jedenfalls nicht so viele, daß sich auch nur bei einem einzigen Gerätehersteller die Werkzeugkosten gelohnt hätten. Es wird auch keine 16 2/3 Platten geben, solange kein größerer Bedarf für technisch ausgesprochen minderwertige Wiedergabe besteht. Dennoch aber hat nahezu jeder Plattenspieler 16 2/3. Sowohl die plattenherstellende als auch die geräteherstellende Industrie, die Normungsgremien und auch die Fachverbände haben manche Anstrengungen auf sich genommen, um dieses Mysterium zu durchleuchten. Sie waren damit aber nicht sehr erfolgreich.

Jedenfalls ließen sich die gefundenen Erklärungen nicht an rationellen Maßstäben messen. Wenn es nach diesen Erklärungen ginge, müßte man nämlich glauben, daß es auf den meisten heutigen Plattenspielern 16 2/3 nur deshalb gibt, weil vor Jahren einmal eine amerikanische Firma einen kleinen Auto-Plattenspieler für lange Spielzeiten entwickelt hat.

Man kann daraus lernen, daß die Phonogerätehersteller bemüht sind, ihre Produkte dem Tagesbedarf vorgreifen zu lassen. Wenn dieser Grundsatz auch den übrigen technischen Daten zugute kommt, ist nichts gegen das Fortbestehen der 16 2/3 zu sagen.

3.1.3. Einen Verstärker braucht man

Der Plattenspieler liefert an seinen Ausgangsklemmen eine sehr kleine Tonfrequenzspannung, die verstärkt werden muß, um einen oder mehrere Lautsprecher antreiben zu können.

Diesen Verstärker teilt man in zwei Teile auf, wenn die vom Tonabnehmer abgegebene Spannung sehr niedrig ist. Sie ist sehr niedrig bei den guten und besten Systemen, den dynamischen, magnetischen und keramischen Wandlern. Die Ausgangsspannungen dieser Systeme müssen erst noch nach der Schneidkennlinie korrigiert werden. Beides, die Vorverstärkung und die Entzerrung faßt man für solche Systeme daher in einem „Vorverstärker" zusammen.

Dabei ist es unbedeutend, ob dafür eine gesonderte Geräteeinheit aufgebaut oder der Vorverstärker mit dem Leistungsverstärker zusammengebaut oder ob dafür ein Platz bereits im Laufwerk eingerichtet wird. Der Vorverstärker besitzt meist verschiedene Einstelimöglichkeiten für Lautstärke, Klangfarbe (Hoch-Tief-Entzerrung), Stereo-Balance, Polwender und anderes.

Einfache Kristalltonabnehmer liefern soviel Spannung und haben die Eigentümlichkeit, die Schneidkennlinie schon von sich aus genügend zu kompensieren, daß sie prinzipiell einen Leistungsverstärker unmittelbar aussteuern können.

Der Leistungsverstärker

Der „Leistungsverstärker" schließlich verstärkt die vom Vorverstärker gelieferten Spannungen bis sie zum Antrieb der Lautsprecher ausreichen. Hier ist es ganz persönliche Geschmackssache, ob man bei gleicher Lautstärke mit 2 x 4 Watt auskommt oder ob man sich erst bei einer Reserve von 2 x 50 Watt sicher fühlt. Bekommen kann man alles — zu entsprechenden Preisen natürlich.

Tatsächlich nötig hat man in einem Wohnzimmer
2 x 4 Watt, womit man die Nachbarn schon erheblich belästigen kann. Baßfanatikern kann man bis zu 2 x 10 Watt anraten, wenn sie zum Wohlbefinden tektonischen Fühlschall benötigen.

Das war natürlich auch damals 1964 eine sehr ideelle Sicht der Dinge. Denn mit erst einem McIntosh 275 mit 2 x 75 Watt ließen sich ernsthafte konzertgerechte Lautstärken verzerrungsfrei erzeugen.

-

3.1.4. Die Lautsprecher

Beim Abtastvorgang der Schallplatte war gesagt worden, daß dieser ein erster wunder Punkt ist.

Der nächste und letzte kritische Punkt sind die Lautsprecher. Der Lautsprecher hat eine bewegliche Membranfläche, die von einer Treibspule angetrieben wird, die ihrerseits in einem permanenten Magnetfeld den antreibenden Strom vom Leistungsverstärker erhält. Das, was der Treibspule angeboten wird, sind die gleichen Tonfrequenzströme, die ursprünglich das Mikrophon aus den Schallschwingungen umgewandelt hat.

Für die Abstrahlung des Schalles von einer Lautsprechermembran gelten im Prinzip die gleichen Gesetze wie für die Schallabstrahlung von Musikinstrumenten. Nur ist die Schallabstrahlung von der Lautsprechermembran wegen ihrer einfacheren Form und Bewegung etwas übersichtlicher.

Die Gesetze der Physik besagen, daß zur Erreichung einer bestimmten Lautstärke im Raum eine gegebene Membran eine ganz bestimmte Schnelle (d.h. wieder wie beim Schneidstichel: Größe der Auslenkung — oder Amplitude mal Frequenz) ausführen muß. Dabei wird die unmittelbar vor der Membran lagernde Luftmenge — das sogenannte „Pulsationsvolumen" — entsprechend den musikalischen Schwingungen hin und her gepumpt.

Es entstehen dadurch
im gleichen Rhythmus Überdrücke und Unterdrücke vor bzw. hinter der Membran, die sich nach der umgebenden Luft auszugleichen trachten.

Die Membranfläche

Auf diese Weise entstehen vom Lautsprecher ausgehend die Schallwellen, die sich nun wieder nach den Ausbreitungsgesetzen fortpflanzen. Je größer im Verhältnis zur Membranfläche die Schallwellenlänge ist, um so mehr nimmt die Welle Kugelgestalt an, also nach tiefen Tönen hin. Nach den hohen Tönen hin tritt zunehmende Richtwirkung auf, wie bei einem Scheinwerfer. Will man letztere vermeiden, muß man besondere Zerstreuungselemente anbringen.

Will man gleiche Lautstärke bei allen Tonhöhen erhalten
, (jetzt einmal ohne Beachtung der Richtwirkung) muß man also vom Lautsprecher verlangen, daß er bei allen Tonhöhen mit konstanter Schnelle arbeitet. Glücklicherweise tut er das als dynamisch-mechanischer Wandler von selbst. Das bedeutet aber, daß die Membran nach tiefen Tönen hin immer größere Auslenkungen macht. Hier ist sehr bald eine Grenze gesetzt in den mechanischen Möglichkeiten. Es bleibt also nur übrig, die Membranfläche so groß zu machen, daß das Pulsationsvolumen auch bei mäßigen Membranamplituden noch genügend Energie übernimmt.

Große Membranen aber sind schwer
und nicht leicht über die ganze Fläche hinweg genügend steif zu machen. Sie setzen daher den hohen Frequenzen entweder einen zu hohen Trägheitswiderstand entgegen oder folgen der Antriebsbewegung nicht mehr mit der ganzen Fläche. Unnatürliche Teilschwingungen, ein verstellter Klang und unproportionale Lautstärken sind die Folge.

Mehrwegesysteme

Man teilt deshalb gute Lautsprecher in zwei oder mehrere Konstruktionen für verschiedene Tonhöhenbereiche und macht jeden für seinen Tonbereich so gut wie möglich.

Da die Lautsprechermembran samt Antriebsspule
(„Schwingspule") Masse und Gewicht hat und da sie in irgendeiner Weise elastisch aufgehängt sein muß, ergibt sich aus Masse und Elastizität ein schwingungsfähiges System, das eine definierte Eigenfrequenz hat, mit der es ausschwingt, wenn es nur einmal kurz angestoßen wird.

Wäre dieses System vollkommen ungedämpft,
würde es nach einmaligem Anstoß unendlich lange mit der angestoßenen Amplitude und in seiner Eigenfrequenz weiterschwingen. Tatsächlich aber werden die Schwingungen durch mechanische Reibung und durch Luftwiderstand schnell gebremst und klingen nach wenigen Oszillationen aus.

Für die Musikwiedergabe besteht nun die logische Forderung, daß die Eigenfrequenz der Membran so wenig wie möglich in Erscheinung treten darf, denn sie würde einen einzelnen Tonbereich ständig verfälschen. Deshalb trachtet man danach, die Eigenfrequenz so stark wie möglich zu dämpfen. Hierfür gibt es elektrische und mechanische Möglichkeiten.

Zwei Möglichkeiten

-

  • Elektrisch: niedriger oder auf Null trimmbarer Innenwiderstand des Verstärkerausganges, Wirbelstrombremse (Kurzschlußwicklung) auf der Schwingspule, Gegenkopplung von der Schwingspule zurück in den Verstärker.
  • Mechanisch: Verringerung der Elastizität der äußeren und inneren Membranaufhängung durch Aufweichen und Tränken, Anbringung von Luftpolstern, etc. Diese Maßnahmen stehen in enger Wechselbeziehung zur Gehäusekonstruktion. Der Bau guter Lautsprecher ist daher eine Kunst für sich.


Unterhalb der Eigenfrequenz fällt die abgegebene akustische Leistung sehr rasch ab. Es ist deshalb einerseits wenig sinnvoll, kleine Lautsprecher auf extrem tiefe Eigenresonanzen zu züchten, oder andererseits durch hohe elektrische Leistungszufuhr von einem hoch abgestimmten System die Abgabe guter Lautstärke unterhalb seiner Eigenfrequenz zu verlangen.

Die Schallwand

Eine andere Schwierigkeit gibt es bei den tiefen Tönen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Richtungen der Luftbewegung vor und hinter der Membran entgegengesetztes Vorzeichen haben. Sie werden natürlich versuchen, sich gleich um den Membranrand herum auszugleichen. Das muß man jedoch verhindern, weil sonst keine Leistung mehr für die Abstrahlung zur Verfügung steht.

Man unterbindet diesen „Kurzschluß" mittels der Gehäuse oder Schallwände. Es ist sofort klar, daß die Abstrahlung der tiefen Töne demnach ganz entscheidend davon abhängt, wie weitgehend man diesen akustischen Kurzschluß beseitigen kann. Offenbar gelingt das um so besser, je länger der Umweg ist, d. h. je größer die Schallwand gemacht wird.

Das Ideal ist die unendliche Schallwand, z. B. Einbau in eine Zimmerwand. Es hat schon spleenige Fans gegeben, die sich erst um eine solche Wand herum ihr übriges Haus gebaut haben. Die unendliche Schallwand kann man durch ein Gehäuse annähern, am besten mit einem hermetisch geschlossenen Kasten. In dessen Innern muß dann aber die Schallausbreitung so weit wie möglich gedämpft werden, damit nicht starke Kostenresonanzen entstehen.

Außerdem steht bei diesem Prinzip grundsätzlich nur die halbe Lautsprecherleistung für die Abstrahlung zur Verfügung. Die andere Hälfte wird vom geschlossenen Kasten geschluckt. Der Wirkungsgrad ist also schlecht.

Überall Kompromisse

Daher verwendet man in der Praxis eine unübersehbare Anzahl von Zwischenformen, die alle einen Kompromiß zwischen dem einen und dem anderen Extrem darstellen.

Man kann nach dem Gesagten etwa folgende grobe Formel für die Beurteilung einer Konstruktion aufstellen:

  • 1. kleine Bauform guter Wirkungsgrad mäßiger Klang
  • 2. kleine Bauform schlechter Wirkungsgrad guter Klang
  • 3. große Bauform guter Wirkungsgrad guter Klang


Es wurde hier so ausführlich auf Lautsprecherfragen eingegangen, weil der Lautsprecher in einer Anlage dasjenige Element ist, das am meisten der subjektiven Kritik unterworfen ist. Es ist deshalb auch für den Nichttechniker, der jedoch beruflich mit diesen Dingen in Berührung kommen kann, sehr nützlich, die objektiven Zusammenhänge zu kennen. Er ist dann gefeit gegen Mystifikationen und prahlerische Anpreisungen.

Verkaufspsychologische Gesichtspunkte für die Zusammenstellung und Anordnung von Hif-Stereo Anlagen

Nicht jeder Hörer erwartet von einer Musikwiedergabe den gleichen Klangeindruck, wie unter Punkt 4.3.1. noch näher ausgeführt wird. Der eine liebt einen dezenten Klangteppich in behutsamer Zimmerlautstärke, der andere möchte die Schallmasse als physisches Erlebnis. Jedem kann geholfen werden. Es kommt da nur darauf an, die richtige Einrichtung zu empfehlen. Für den ersten genügt eine Anlage mit kleinen Lautsprechern, der zweite muß schon mehr anlegen, besonders, wenn die Klangmasse auch im Baßbereich beeindruckend sein soll.

Wem die echte Stereowirkung nicht besonders wichtig ist, dem kann man auch zu einer kleineren Truhe raten, in der beide Lautsprecher nicht so weit voneinander entfernt sitzen. Kunden, die Hörtalent und Geschmack erkennen lassen und eine Anlage wirklich zum Zuhören erwerben wollen, sollte man zwecks Vermeidung künftiger Reklamationen zu einem angemessen guten Kauf raten. Auch hier ist das Billige letzten Endes kostspieliger.

Auf die verschiedenen Fabrikate kann hier nicht näher eingegangen werden, wie anfangs schon betont. Es gibt so viele Modelle und jährlich kommen neue dazu.

Bei fertigen Anlagen hat man überdies keine Wahl in der Zusammenstellung der Komponenten, es sei denn man möchte ein bestimmtes Laufwerk haben oder einen bestimmten Tonabnehmer und so fort. Dann muß man die restlichen Teile so nehmen wie sie sind. Neuerdings beginnt für den wählerischen Hörer, der ein wenig Basteltalent hat, auch in Deutschland der Komponenten-Markt interessant zu werden.

Es macht Freude, regt das Wissen und das Verständnis an
, sich eine vollständige Anlage aus Bauteilen selber zusammenzusetzen. Man kann dann für insgesamt die gleiche Ausgabe sich schon ein anspruchsvolleres Laufwerk mit einem guten Tonarm, ausgesuchte Verstärker und Lautsprecher nach jeweils eigenem Geschmack leisten.

Worauf es besonders ankommt — und das sei hier nochmals betont — das sind vor allem des Laufwerk mit Tonabnehmer und die Lautsprecher.

Die Anordnung und Aufstellung der Anlagen

Die Anordnung und Aufstellung der Anlagen ist nur dann kein Problem, wenn es den Besitzern auf die räumliche Anordnung ihrer Inneneinrichtung nicht so besonders ankommt. Wer da unverrückbare Prinzipien hat — und das sind meist die Hausfrauen — ist schwer zur Einordnung einer neuen Stereoanlage, womöglich noch mit getrennten Lautsprechern zu bewegen. Hier hilft nur zähe Beharrlichkeit und häufige Konfrontierung mit dem ersehnten Hörgenuß.

Das kann bei Musikliebhabern mit Stereoverständnis schließlich doch zur Aufgabe der architektonischen Bedenken führen. Kommt man dann in die Verlegenheit, bei der Aufstellung einer Stereoanlage zu beraten, so sei man dessen eingedenk, daß der beste Platz in der Mitte vor beiden Lautsprechern ist.

Wenn also schon jemand seine Inneneinrichtung der neuen Anlage zuliebe verrückt, dann sollte er es gleich so tun, daß der Platz an dem er am häufigsten sitzt auch dieser beste Platz ist und daß er von da aus bequem die Platten auflegen und die Knöpfe bedienen kann, ohne aufstehen zu müssen.

Deswegen sind für kundige Hörer die geteilten Anlagen unbedingt zu bevorzugen. Erst wenn er so hören kann, wird der anspruchsvollere Kunde lange zufrieden sein und mehr Freude an seinen Platten haben, als mit jeder noch so guten, anders aufgebauten Anlage. Auch fordert eine speziell und offensichtlich für beste Plattenwiedergabe aufgestellte Anlage weit mehr zum Plattenhören heraus, als eine Anlage, die als parasitäres Beiwerk in irgendeinem anderen Möbel versteckt ist.

Und das ist ja auch der Sinn der Sache: wer gute Schallplatten kauft, möchte das Anhören der Werke zu einem bewußt gestalteten Teil seiner Freizeit machen. Erst eine angemessen gute Anlage wird diesen Hörer veranlassen können, sich diesem Hobby intensiv zu widmen.

4. Betriebskunde
4.1 Handhabung von Platten und Gerät, Vorführungen

Hierüber ist schon oft in verschiedenen Druckschriften das Wichtigste gesagt worden. Man muß sich vergegenwärtigen, daß die Plattenmasse ein thermoplastischer Stoff ist. Das bedeutet, daß er unter Wärmezufuhr verformbar ist. Der Zustand der Festigkeit oder Flüssigkeit ist kein absoluter. Es geht lediglich der eine Zustand in einem je nach Material mehr oder weniger breiten Temperaturbereich in den anderen über, ohne ihn jedoch streng genommen jemals absolut zu erreichen.

Das ist ähnlich bei allen Stoffen, die flüssige und feste Form annehmen können. Sogar eine kalte Glasscheibe wird sich herabbiegen, wenn man sie jahrelang über eine Tischkante hinausragen läßt. Das bedeutet bei Schallplatten, daß man sie nicht beliebig lange ohne Flächenunterstützung schräg stehen lassen darf. Auch große Platten längere Zeit auf kleine zu legen ist nicht gut. Wenn man die Eigenschaften des Materials kennt, erübrigt sich eigentlich jede weitere Vorschrift, und man kann sich allein ausrechnen, wie man die Platten behandeln sollte.

Viel wird über den Staub gesagt. Tatsächlich ist nicht jeder Staub Anlaß zu Störgeräuschen. Nur harter, körniger Staub, wie er z. B. in der Nähe von Verkehrsstraßen und in Industriegebieten entsteht, setzt sich gern in die Rillenflanken und wird beim Abspielen nur noch fester eingedrückt.

Leichter Textil- und Flugstaub ist kaum schädlich, da er von der Abtastspitze weggefegt wird. Da es für den Benutzer aber schwer sein dürfte, diese Sorten zu unterscheiden, ist es natürlich schon ganz richtig, wenn man jeden Staubniederschlag verhütet und die Platten vor dem Abspielen mit einem hierfür geeigneten Mittel vorsorglich reinigt.

Sehr brauchbar sind für diesen Zweck kleine Bürsten, die man so am Tonabnehmerkopf befestigt, daß sie die unmittelbar vor der Abtastung liegenden Rillen reinigen. Nur muß man dann den effektiven Auflagedruck des Abtasters neu einstellen.

Folgt dem Plattenspieler ein Vorverstärker und ein Leistungsverstärker, so ist es für den Benutzer unter Umständen schwierig zu erkennen, welchen der Lautstärkenregler er wie weit aufdrehen soll, wenn an jedem der beiden Geräte einer vorhanden ist. In diesem Falle gibt es einen simplen Trick: man hört sich das Leerlaufgeräusch des Leistungsverstärkers zunächst nahe am Lautsprecher an und dreht den Regler des Leistungsverstärkers so weit auf, daß eben eine Zunahme des Geräusches bemerkbar wird. So läßt man diesen Regler stehen.

Für die Lautstärkeneinstellung der Wiedergabe benutzt man dann nur noch den Regler des Vorverstärkers. So kann man grobe Fehler ziemlich sicher vermeiden.
Will man es genauer haben, muß man die Geräte mittels Meßplatte oder Tongenerator und Röhrenvoltmeter auf den vorgeschriebenen Arbeitspunkt einmessen.

Über die Plattenspieler

Plattenspieler soll man nie mit eingerücktem Reibradgetriebe längere Zeit stehen lassen, weil dann die Motorwelle eine Mulde in den Laufrand des Übersetzungsrades drückt.

Fängt ein Laufwerk an, seine Drehbewegung durch mahlende Geräusche kund zu tun, ist es dringend an der Zeit nachzusehen, welche Lager trocken geworden sind. Wenige Tropfen öl können da Wunder wirken.

Das Aufsetzen und Abheben des Tonabnehmers ist manchen Hörern ein Verdruß, sei es wegen zittriger Hand, sei es wegen mangelnder Sicht. Auch wer noch keine Aufsetzmechanik sein eigen nennt, kann sich die Sache leichter machen, wenn er die Hand, in der er die Tonarmnase hält, z. B. mit dem kleinen Finger gegen einen festen Punkt abstützt oder sonst irgendwie den Hebelarm verkürzt und stützt.

Weiter ist es empfehlenswert, den Griff am Tonarm unmittelbar vor dem Aufsetzen und bis kurz nach dem Abheben nur noch mit einem Finger von unten zu halten. Hält man ihn nämlich während dieser Momente noch mit Zeigefinger und Daumen gepackt, dann kann es leicht passieren, daß man mit dem Daumen noch nachdrückt, während die Abtastspitze die Rille schon berührt. Ein Stereosystem z. B. kann dabei leicht kaputt gehen.

Die Vorführung

Bei einer Vorführung muß man bedenken, daß der Hörgeschmack desjenigen, dem man etwas vorführen möchte, ganz anders sein kann als der eigene. Leute, die berufsmäßig mit reproduzierter Musik zu tun haben, hören gerne laut, ausübende Musiker und Musikliebhaber etwas weniger und Frauen entschieden leise.

Es ist klug, eine Vorführung auf diese Unterschiede abzustimmen. Auch zeugt es von Geschick, den Lautstärkenregler erst nach dem Aufsetzen des Tonabnehmers aufzudrehen und vor dem Abheben wieder zuzudrehen. Muß man zwei Platten miteinander vergleichen, so kann man mit ziemlicher Sicherheit den überraschenden Effekt erzielen, daß diejenige Platte für besser gehalten wird, bei der die Vorführlautstärke eine Spur größer war, sei es mit oder ohne Absicht. Soll der Vergleich also fair sein, muß man auf genau gleiche subjektive Lautstärkenempfindung achten. Das verlangt vom Vorführenden schon einiges Hörtalent und Aufmerksamkeit.

4.2. Beanstandungsgespräche

Diese sind bei jedem Geschäft eine unerfreuliche Beigabe. Ihre Anzahl ist gemessen an der Menge der verkauften Platten zu vernachlässigen. Jedoch haben sie eine grundsätzliche Kontaktbedeutung zwischen Käufer und Händler, so daß man hier nicht nur nach dem Gesetz der Zahl verfahren kann.

Es gibt vernünftige Argumente, die mit Maß vorgebracht werden und es gibt grundlose Beschwerden, die sich selbst dem technisch wenig beschlagenen Verkäufer auf den ersten Blick als Irrtum offenbaren.

Solange die Dinge so einfach liegen, ist es nicht schwer, eine Antwort zu finden. Grundsätzlich sollte man alle Beanstandungen mit wohlwollend distanzierter Höflichkeit entgegennehmen. Aus dem mündlichen Bericht oder der Fehlerbeschreibung des Kunden ist nur selten ein brauchbarer Anhaltspunkt zu gewinnen. Meist erschöpfen sich die Angaben in nichtssagenden allgemeinen Redensarten.

Man höre sich das beanstandete Exemplar erst einmal an — und zwar auf einem wirklich einwandfreien Gerät — und beurteile dann den eventuellen Fehler an Hand der vorliegenden Ausführungen. Genauere Anhaltspunkte gibt hierzu auch der Anhang über Fehlerbeurteilung. Wenn kein sachlicher Grund für die Beanstandung zu finden ist, empfiehlt es sich, eine andere Platte als Ersatz anzubieten.

Es hat bei so sehr geschmacksbedingten Empfindungen, wie es das Hören nun einmal ist, wenig Zweck zu sagen: „Das ist nicht so!"

Dagegen sind die meisten Kunden sich ihrer Hörwahrnehmung durchaus nicht so sicher, als daß sie nicht durch einen geschickten Überzeugungsversuch an Hand der hier in den verschiedenen Kapiteln dargestellten Zusammenhänge von einem persönlichen Irrtum abgebracht werden könnten. Dann kann man ihnen unter Umständen die beanstandete Platte wieder mitgeben. Das erfordert natürlich gewisse Anstrengungen und Zeit.

Läßt die Beanstandung eindeutig auf Laufwerkursachen schließen (Rumpeln z. B.), dann läßt sich das mit wenigen fachgerechten Worten erklären. Falsch wäre es jedoch, der Bequemlichkeit halber alles zunächst auf den Gegenstand zu schieben, den der Kunde gerade nicht beanstandet.

Wenn das der Geräteverkäufer täte, wäre das unfair gegenüber dem Schallplattenhandel und wenn das der Schallplattenverkäufer täte, wäre das ebenso unfair gegenüber dem Gerätehandel. Wichtiger als fair oder unfair ist vielleicht für den realistischen Händler, daß man damit keinen frohen Käufer gewinnt — weder für die Platte, noch für das Gerät — und beide gehören nun mal zusammen. Also ist fair doch besser!

4.2.1. Die Hörer-Kategorien

Eine wichtige Grundlage für Gespräche über Musik und Klang und damit auch über Beanstandungen ist das Wissen um die verschiedenartigen Hörerveranlagungen.

In der Vor-Stereozeit hat man hierüber nicht viel nachgedacht, weil sich die Wahrnehmungen auf verhältnismäßig wenige technisch definierbare Parameter bezog. Das ist nun anders geworden. Neben die technisch erklärbaren Wahrnehmungen sind auf einmal eine ganze Anzahl neuer subjektiver Eindrücke getreten und nun offenbart sich, daß die Menschen hierfür ganz unterschiedliche und unterscheidbare Empfindlichkeiten besitzen.

So stellt man fest, daß die schon früher beobachtete Teilung der Interessenten in Klang-Interessierte, Werk-Interessierte und Star-Interessierte ganz analog auch für Stereoaufnahmen gilt, hier jedoch mit einer noch weitergehenden Unterteilung.

Natürlich sind meistens alle drei Interessen gemischt vertreten und es kommt darauf an herauszufinden, welches Interesse überwiegt. Auch ist, absolut gesehen, die Intensität des Interesses von Hörer zu Hörer verschieden.

Die Klang-Interessenten

Zunächst die Klang-Interessenten: Ihnen kommt es auf die emotionelle berauschende, allgemein gesagt auf die sensologische Wirkung der Darbietung und der Wiedergabe an. Sie sind die begeisterten Anhänger der Stereophonie, wobei man noch feine Unterschiede antreffen kann. Der eine ist von dem Reiz des breiten Klangraumes zwischen den Lautsprechern gefesselt, der andere vielleicht mehr von dem Wechselspiel der Richtungen. Diesen Hörern kommt es oft auf das Werk und die Interpreten gar nicht so sehr an, wenn nur die Darbietung gut gespielt, interessant aufgenommen und technisch perfekt ist. Diese Hörer können, was das anbelangt, sehr kritisch sein und wünschen sich von der Apparatur immer noch etwas mehr, als sie gerade kann. Die HI-FI Fans gehören hierher.

Die Werk-Interessierten

Der Werk-Interessierte ist oft nur sekundär an einem besonderen Klang interessiert. Ihn berührt die Stereophonie nur insoweit, als sie die Erfassung des Werkes, genauer gesagt, die Konstruktion des Werkes verdeutlicht. Sie verkörpern in ihrer Extremform den unsinnlichen Hörer, der sich mit kühlem Intellekt an der musikalischen Architektur erfreut. Sie bekommen bei einem in Breitwand schwelgenden Geigenchor keine Gänsehaut.

Es ist deshalb mißlich, diesem Hörertyp auf dem Umweg über den Klangeffekt ein Stereogerät schmackhaft machen zu wollen. Ihm muß man vorführen, wie die Struktur einer Partitur durch Stereophonie blosgelegt wird. Allerdings kann man auch damit Pech haben, wenn er zu der Spezies der Mixturbeflissenen gehört, die es hassen, Musik in gleichzeitigen aber räumlich entflochtenen Fragmenten zu hören. Diesem tut ein einziger guter alter Lautsprecher mit einem soliden MonoPlattenspieler den größten Gefallen.

Die Star-Interessierten

Der Star-Interessierte schließlich nimmt seinen Star, wie er ihn am besten kriegen kann, ob mit oder ohne Stereo. Hauptsache, die Begleitung ist nicht zu laut. Das, das die Stimme oder das Instrument am besten zur Geltung bringt, ist gerade richtig. Das kann je nach Aufnahme und Geschmack des Produzenten sowohl eine Mono- als auch eine Stereo-Version gewesen sein.

Wie vorhin schon gesagt, dies sind drei Extreme. Jeder Hörer hat von allen dreien etwas, sowohl dem Anteil als auch dem Grade nach verschieden. Wenn man diese Zusammenhänge beherzigt und nicht davon ausgeht, daß doch die anderen vermutlich ebenso hören wie man selber, wird man über manche bisher unverständliche Äußerung eines Käufers anders urteilen.

5. Normungsorganisation
5.1 Organisafion, Aufgaben und Zweck der Normung

Im Anfang der Phonographie gab es keine Verabredungen und keine Normen. Jeder hatte seine eigenen Plattendurchmesser, Drehzahlen und Laufwerkmodelle. Wer nichts besonders Neues hatte, machte andere nach, wenn er verkaufen wollte.

Innerhalb weniger Jahrzehnte nach Erfindung des Phonographen wurde dieser Zustand unhaltbar und es setzten sich nach dem einfachen und wirksamen Gesetz der Zahl - wer das Meiste herstellt, hat Recht - bestimmte Abmessungen durch. Diese sind bis heute ohne große Änderungen erhalten geblieben.

Heute bemüht man sich in fest installierten internationalen Gremien, denen die meisten Kulturstaaten angehören, die eingeführten Verfahren und Einrichtungen durch genaue Maßempfehlungen austauschbar zu machen und bei Neuerungen schon im Vorbereitungsstadium alle Festlegungen verbindlich zu verabreden.

Vorbildlich hat diese Zusammenarbeit bei der Stereophonie geklappt, bei der mehrere Systeme mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen zur Debatte standen.
Unter einem internationalen Dach hat jedes Land einen Normenausschuß. Dieser gliedert sich wieder in zahlreiche Fach-Normenausschüsse für fast jedes industrielle Fertigungsgebiet.

Innerhalb der Fach-Normenausschüsse leisten die Detailarbeit in den einzelnen Warengattungen die Arbeitsausschüsse.

Der Fachnormenausschuß

Die Anliegen der Phonotechnik z.B. werden bearbeitet vom Arbeitsausschuß FNE 316.4 (Phonotechnik) im Fachnormenausschuß Elektrotechnik FNE des Deutschen Nomenausschusses (DNA).

Die Normung zielt nur auf die Maße und Passungen, also die mechanische Austauschbarkeit gleichartiger Artikel verschiedener Hersteller. Entgegen der Auffassung in einigen anderen Ländern ist man bei uns der Ansicht, daß es nicht die Aufgabe der Normung ist, Mindestqualitäten zu empfehlen.

Wir halten das für die Aufgabe des natürlichen Ausleseprinzips in einer freien Wirtschaft.

Literaturhinweise

1. Grundlagen der praktischen Elektroakustik
(Prof. Dr.-Ing. W. Bürck, Verlag Sachon, Mindelheim)
2. Moderne Schallplattentechnik
(Dr.-Ing. E Bergtold, Franzis Verlag, 1958)
3. Elektroakustik
(Ing. Heinz Richter, Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgart)
4. Tonaufnahme
(Ing. Heinz Richter, Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgart)
5. Das Magnetband
(E. Altrichter, Berliner Union, Stuttgart)
6. Magnetische Tonaufzeichnung
(Snel, Philips Technische Bibliothek)
7. Tonbandgeräte-Meßpraxis
(Ing. Heinz Schröder, Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart)
8. Stereotechnik
(Ing. Heinz Schröder, Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart)
9. Hi-Fi Technik
(Dipl.-Ing. Oskar Stürzinger, Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart)
10. Die magnetische Schallaufzeichnung
(Dr. F. Krones, Wien, Technischer Zeitschriftenverlag B. Erb)
11. Technik der Matgnetspeicher
(Prof. Dr. F. Winckel, Berlin/Göttinger/Heidelberg, Springer-Verlag, 1960)
12. Elektrische Schallübertragung
(Dr. Neckenbürger, Westermann Verlag)
13. Handbuch für Hochfrequenz- und Elektrotechniker
(Verlag für Radio-Foto-Kinotechnik, 1952)
14. Hi-Fi-Verstärkerschalfungen
(Rodenhuis, Philips Technische Bibliothek, 1960)
15. Mathematik für Radiotechniker und Elektroniker
(Dr.-Ing. F. Bergtold, Franzis Verlag, 1958)

-

- Werbung Dezent -
Zurück zur Startseite © 2007/2019 - Deutsches Hifi-Museum Wiesbaden - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - DSGVO - Privatsphäre - Zum Telefon der Redaktion - Zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos natürlich.

Privatsphäre : Auf unseren Seiten werden keine Informationen an google, twitter, facebook oder andere US-Konzerne weitergegeben.