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Etwas Wissen über die Carl Lindström AG

Die Benecke & Rehse AG vertreibt alte historische Aktien über www.aktiensammler.de

Die Carl Lindström AG war einmal der oder einer von Europas größten Schallplattenherstellern in Berlin. Damit bestimmte sie auch Teile der Technik (deren Entwicklung) und bestimmt auch die Titel, die auf den Markt kamen.
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In einer kleinen Broschüre über historische Aktien für Sammler - also von Firmen, die es schon ganz lange nicht mehr gibt, fand ein Freund und Besucher eine aussagekräftige Zusammenfassung der wichtigen Zeitmarken der Lindström AG und brachte sie mit.

Zusammengestellt bzw. recherchiert haben diesen Text (bzw. die Daten) Herr Benecke und Herr Weingarten, beide im Vorstand der Benecke und Rehse AG.

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Carl Lindström: Der Schallplattenkönig

Carl Elöf Lindström (geboren am 26.6.1869 im schwedischen Södertälje, gestorben am 29.12.1932 in Berlin) schuf in Deutschland einen der ersten international operierenden und den zeitweise größten Schallplatten-Konzern in ganz Europa.

Er verließ seine Heimat 1892 zunächst Richtung Stettin und gründete dann 1897 in Berlin eine mechanische Werkstätte, die bald vornehmlich Phonographen herstellte, ferner Diktiergeräte der Marke "Parlograph".

Den ersten Apparat zur Wiedergabe von Schallplatten nach dem Prinzip des Grammophons von Emil Berliner brachte Lindström unter dem Namen "Lynophone" heraus. Der Betrieb expandierte rasend schnell.
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Ab 1904 ging es aufwärts

Historische Bilder aus der Broschüre - Legende siehe unten . . .

1904 nahm Lindström die bereits in der Branche als weniger erfolgreiche Wettbewerber tätigen Bankiers Max Straus und Heinrich Zuntz als Kapitalgeber auf und gründete die Carl Lindström GmbH. Nicht ganz freiwillig, denn die Bankiers hatten Lindström in der Hand, weil er sich zuvor bei einem Großauftrag für Salon-Kinematographen verkalkuliert hatte.

1905 brachte die Firma den "Record-Plattenapparat" heraus, weswegen Carl Lindström als Erfinder des Grammophons mit beweglichem Tonarm und fest montiertem Trichter gilt.

1908 erfolgte die Umwandlung in eine AG.

1911 Erwerb der "International Talking Machine Company" mit der Plattenmarke "Odeon", einem der bekanntesten Labels der Vorkriegs-Schellack-Zeit. Dazu kamen die Labels Jumbo, Jumbola, Fonotipia, Beka, Lyraphon, Dakapo und Favorit durch Übernahme der Dr. Grünbaum & Thomas AG, Berlin (1913), der Favorite-Record AG, Hannover (1915) und der Beka-Rekord AG, Berlin (1917).

Fabriken bestanden in Berlin SO 33 (Schlesische Str. 26/27), Neukölln (Heidelberger Str. 75/76), Weissensee (Lehder Str. 20/25), die große Schallplattenfabrik war in Treptow (Bouchestr. 35/36).

Bis zu 3.000 Mitarbeiter waren beim "Schallplattenkönig" beschäftigt. Hergestellt wurden Phonographen, Sprechmaschinen, Schallplatten, Rechenmaschinen und Kinematographen. Zweigwerke befanden sich in Clichy bei Paris und Hartford bei London, die aber ebenso wie die Agenturen in vielen europäischen Hauptstädten, inRußland, Südamerika, den USA und Kanada als Folge des 1. Weltkrieges verloren gingen.

Lindström hat sogar die UFA mitbegründet

1917 war Lindström einer der Mitbegründer der UFA. 1921 schied Carl Lindström als technischer Direktor aus der Firma aus, während sein Kompagnon der ersten Stunde, Max Straus, kaufmännischer Vorstand blieb (und als Jude erst 1931 in den Aufsichtsrat überwechseln musste, bevor er 1936 nach England emigrierte).

Im Aufsichtsrat der bis 1935 (danach Einsetzung eines Treuhänders für das Feindvermögen) in Berlin börsennotierten Lindström AG saßen nun auch der spätere Reichsfinanzminister und Reichsbankpräsident Dr. Hjalmar Schacht sowie der Vorstandssprecher der Deutschen Bank Emil Georg von Stauss.

1925 Abschluss eines Interessenvertrages mit der Columbia Graphophone Comp. in London, die 1926 auch die Aktienmehrheit der in Berlin börsennotierten Lindström AG übernahm.

Von 1931 bis 1934 war Lindström kurz vor dem Bankrott


1931 Die Columbia Graphophone Comp. London ging im EMI-Konzern auf. Die Weltwirtschaftskrise brachte Lindström an den Rand des Ruins, das Unternehmen musste saniert werden, die Fabrik in Treptow wurde ebenso verkauft wie grosse Teile des Titelbestandes.

1936 Ausgründung der Sprechmaschinenfabrikation in die neugegründete 100% Tochter "Brandenburgische Metallverarbeitungs-GmbH", auch Radiogeräte wurden seit 1930 hergestellt.
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Super : bereits 1926 - 150.000 Schellackplatten pro Tag

Die "Tagesleistung" !! der Fabrik an der Schlesischen Strasse betrug nun 150.000 Schallplatten und 1.000 Sprechmaschinen - beachten Sie : pro Tag.

Noch ein paar historische Daten:

1931 Die Columbia Graphophone Comp. London ging 1931 im EMI-Konzern auf. Die Weltwirtschaftskrise brachte Lindström an den Rand des Ruins, das Unternehmen musste saniert werden, die Fabrik in Treptow wurde ebenso verkauft wie grosse Teile des Titelbestandes.

1936 Ausgründung der Sprechmaschinenfabrikation in die neugegründete 100% Tochter "Brandenburgische Metallverarbeitungs-GmbH", auch Radiogeräte wurden seit 1930 hergestellt.

Im Dritten Reich stand die Gesellschaft wegen des britischen Großaktionärs EMI unter Feindvermögensverwaltung, hinterher übernahmen die Alliierten die Kontrolle. Trotz starker Kriegsschäden konnte die im amerikanischen Sektor liegende Fabrik schon wenige Monate nach Kriegsende die Produktion von Schallplatten und Plattenspielern wieder aufnehmen.

1949 Gründung einer Zweigniederlassung in Nürnberg.

1951 Umwandlung in eine GmbH, 1953 Sitzverlegung nach Köln-Braunsfeld. Den Markennamen "Lindström" benutzte der EMI-Konzern weiter bis . . . .

1972, als die Carl Lindström GmbH und die Electrola GmbH zur EMI Electrola GmbH verschmolzen wurden.

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Legende zu den Bildern :

  • 1 Lindströmwerke, Luftaufnahme 1929
  • 2 Werk Berlin
  • 3 Press-Saal für Schallplatten
  • 4 Blätter-Schellack, wichtigstes Rohmaterial für Schallplatten
  • 5 Verwaltungsgebäude
  • 6 Saal der Buchhaltung
  • 7 Odeon-Musik-Haus in Berlin W8
  • 8 Gebäude der BEKA-Records
  • 9 Trichterlautsprecher Odeon 1925
  • 10 Parlograph Diktiergerät 1905

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