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Schallplatten sollten sauber sein.

Im Schneidestudio müssen sie sogar absolut sauber sein, die gerade geschnittenen Matrizen. Darum werden die hier (bei Bedarf) besonders sorgfältig gewaschen. Und dafür gibt es ausgereifte Waschmaschinen in der 4.000 Euro (und aufwärts-) Klasse.
Hier ein Beispiel aus dem Schneidstudio Brüggemann aus Frankfurt.

Was außer Musik auch noch auf der Platte drauf ist.

Die schwarzen Scheiben sind das Synonym für Musik als Konserve. Die CD (oder DVD) ist wesentlich weniger aufregend und der USB Stick ist eigentlich völlig nichtssagend. Keiner verbindet einen USB Stick mit Musik.

Darum heißt oder hieß es im Volksmund, da ist Musik drauf, auf der schwarzen Scheibe. Doch da ist mehr drauf und das an "Mehr" erfreut unser Hifi-Herz überhaupt nicht. Da ist nämlich der gesammelte Staub aus der Vergangenheit mit drauf. Wenn die schwarze Scheibe nämlich auch nur eine Tag offen auf dem (Platten-) Teller lag, hatte sie schon reichlich Staub "angesogen", oder elektrostaisch aufgesaugt.

Man sagt, die Platte knistert oder knackt.

Dieser Staub kann das Vergnügen einer einwandfreien Musikaufnahme ganz schön trüben, zumal, wenn das Knistern und Knacken immer lauter wird. Doch dagegen gibt es Abhilfe. Man könnte den Staub aufsaugen oder mit einem Antistatik-Tuch auffischen. Es gab auch sogenannte Antistatik Walzen und Besen und und und und . . . . .

Das alles war aber mühsam und immer nur von kurzer Dauer, die Vinyl-Platten haben sich wieder und wieder statisch aufgeladen und den Staub aus der gesamten Wohnung angezogen.
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Die Platte naß "fahren", eine Alternative.

Das legendäre Lenco Clean Röhrchen
Ein Verteil-Besen verteilt den Saft
Blick von oben auf den Dual 1219

Es gab andere Methoden, dem Knistern zu Leibe zu rücken. Die Schallplatte wurde mit einem Verteil-Besen oder (Lenco Clean) Röhrchen mit einer Wasser-Alkohol Mischung befeuchtet oder sogar eingeschwemmt. Dadurch wurden (werden immer noch) die kleinen Staubpartikel erstens statisch entladen, dazu teilweise aufgeweicht und am Ende auch noch auf die Oberfläche der Flüssigkeit in den Rillen hoch getragen oder dorthin aufgeschwemmt. Der Alkohol Anteil in dieser Flüssigkeit diente dem (späteren) schnelleren Verdunsten des Wassers. Das ganz normale Wasser, natürlich destilliiert aber ohne Spülmittelzusatz, also eingermaßen rein, war der Weichmacher für den Staub und zugleich auch das Schmiermitel für die Nadel (den Diamanten).

Doch es gibt auch hier keinen Vorteil ohne einen Nachteil. Einmal naß gefahren, mußte diese Platte dann immer naß gefahren werden. Denn der aufgeschwemmte Staub oder Schmutz war ja nicht weg, im Gegenteil. Beim Abtrocknen sammelte sich der Staub jetzt ganz unten in der Rille und knisterte im trockenen Zustand noch fürchterlicher als vorher.

Und manche Abtastsysteme vertrugen den Alkohol überhaupt nicht, der Diamant löste sich aus seiner "geklebten" Halterung und war damit hin. Ein normaler Mensch konnte das nie wieder ankleben.

Darum gibt es Schallplatten- Reinigungsmaschinen.

Unser Autor Horst Böttcher hat uns im Feb 2010 Bilder von seinem Schmuckstück gemacht.

Die Platten werden Seite für Seite eingesprüht oder eingeschwemmt und dann gebürstet und gebürstet, also geschrubbt.

Am Ende wird die Reinigungsflüssigkeit wieder komplett abgesaugt, natürlich jetzt mit dem Schmutz. Man braucht also nahezu keinen Alkohol als Verdunstungshilfe.

In diese Flüssigkeit könnte man sogar noch etwas Spülmittel hinzufügen, denn der Staub soll ja aufgeweicht und gelöst werden und das Wasser braucht dazu keine Oberflächen- spannung. Beim Absaugen wird über den entsprechenden Saugdruck die gesamte Flüssigkeit wieder mitgenommen.

Die Platte ist am Ende nahezu trocken und glänzt wie neu. Auch eventuelle Fettfinger-Tapser sind entfernt.

Und das bleibt übrig von der Reinigung von mehreren Platten:

Herr Bötcher hat für uns den Inhalt des Auffangbehälters nicht gleich entsorgt, sondern zum Fotografieren in ein Glas geschüttet. Dort muß sich der Schmutz natürlich erst mal absetzen und das dauert viele Stunden.
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Jetzt kann oder könnte man die schwarzen Scheiben sogar wieder trocken "fahren".

Dennoch, aus physikalischer Sicht ist "Naßfahren" der bessere Weg, sowohl für den Diamant als auch für die Platte selbst.

Die Reibung wird deutlich reduziert und man kann die Auflagekraft auch nochmal runter setzen, alles bei gleicher Abtastfähigkeit.

Dennoch muß man beim Naß-Fahren ganz schön aufpassen, damit man keine(n) Abtastdiamanten hat, dessen (deren) Kleber sich durch den Alkohol Zusatz aufweicht oder sogar auflöst.
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