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Hier etwas mehr über die Schneidtechnik im Mai 2010

In den noch kommenden Berichten auch mit Zitaten aus diversen Fachzeitschriften wird die Entwicklung der Qualität bei den Schallplatten noch richtig tief beleuchtet.

Ich hatte im März 2010 die Gelegenheit, durch reinen Zufall und höfliches Nachfragen die Koryphähen der akustischen Superqualität kennenzulernen. Neben den beiden Chefs der beiden Neumann Firmen (Ost und West) war auch der Chef von Schöpps dabei und weiterhin hier aus Frankfurt der Herr Brüggemann.

Nach meinem Wissensstand gab es hier in Deutschland keinen Vollprofi mehr, der edle 33er Platten schneiden konnte. Bei der DGG /Teldec usw. hatten sie alles bereits eingemottet oder verschrottet, das hatte ich 2007 in Berlin von Prof. Feldgen gesagt bekommen.

Also wieder etwas gelernt. Da blüht etwas im Verborgenen.

Herr Brüggemann hat die beiden Letzten . . .

Hier im Norden von Frankfurt stehen die beiden letzten und "jüngsten" Neumann Schneidemaschinen betriebsfertig mit der notwendigen Studiotechnik in zwei Schneidestudios und laufen nahezu täglich (immer noch).

Laut Herrn Brüggemann konnte er die beiden "Neumänner" kurz vor Toresschluß retten bzw. kaufen und bei sich aufstellen. Was Sie da rechts im Bild sehen, war das Edelste und Teuerste an analogen Vinyl-Schneidemaschinen, das es auf der Welt gab.

Wertvoll natürlich nur (oder leider nur) in Verbindung mit dem Fachmann, der sie bedienen kann, und da sind sie nahezu unendlich wertvoll. Herr Brüggemann hat über 30 Jahre alles, aber auch alles, für CBS aus den USA geschnitten und wieder rüber gschickt. Das ging schon los, als er noch in der HR (Hessischer Rundfunk) Tonmeßtechnik beschäftigt war.

Das aufwendige und komplexe Bedienteil für den Schneidevorgang ist noch auf der Maschine selbst (in Griffhöhe) angebracht.

Ein Teil der Steuer-Elektronik der Maschine, also des Vorschubs usw. mit den Netzteilen ist im Fuß der Maschine untergebracht.

Die dicken 250 Watt Sinus Leistungsverstärker sind in einem separaten Rack untergebracht und müssen bereits gekühlt werden.

Das hier ist das Neumann-Geheimnis, der Schneid-Kopf

Der Stichel in diesem Schneidkopf muß die Rille "kratzen", die ganze Platte am Stück, also manches Mal bis 30 Minuten lang und das immer mit volle Pulle, also mit der vollen Schneidleistung.

Die Antriebselemente (es ist quasi die Umkehrung eines Movingcoil Magnetsystems) werden dabei mit Helium Gas gekühlt, sonst würden sie verbrennen bzw. abrauchen. Für die beiden Kanäle werden zum Schneiden satte 250 Watt Sinsuleistung im gesamten Frequenzbereich gebraucht und zwar edle Leistung.

Es gibt zwar den Spruch, "Was bereits auf dem angelieferten Magnetband nicht drauf ist ....", was aber vom perfekten Band käme und dann doch nicht von der Schneidelektronik in die Rille geschnitten würde, das ist später auch nicht drauf. Ein Glied in der Kette würde die Qualität am Ende erheblich beeinträchtigen.

Das war ja auch der Unterscheid zu Consumerschneid- maschinen, amerikanischen Schneidmaschinen und Neumann Berlin. Neumann Berlin hatte Weltruf bei Studio-Schneidmaschinen (und natürlich bei Kondensatormikrofonen) und war quasi weltweit das Gegenstück zu Willi Studers Bandmaschinen.

Geschnitten werden "Folien"

Als ich diese "Folie" in der Hand hatte, war da nichts von Folie, es war wie eine Platte, also ziemlich hart. Man "nennt" die Rohlinge nur Folie, es sind aber Platten.

Auf diesem schweren Metall-Teller werden sie mit Unterdruck angesogen und liegen felsenfest dann auf den Metall-Rillen.

Hier eine Folie, die schon zur Hälfte "Schall-" Rillen enthält. Es ist ein Muster zum Probieren, bevor die richtge leere Folie drauf kommt.

Und so liegen die neuen leeren Folien in der Schublade.

Es gibt Vorräte an 25cm Folien und 30cm Folien.

Die anderen Formate sind bereits ausgestorben.

Während des Scheidevorgangs kann der Bediener auf den Skalen genau sehen, wie weit der Kopf bereits vorgefahren ist.

Die Qualitätskontrolle

Es ist selbstverständlich, daß der Bediener lückenlos und hochpräzise prüfen können muß, was er da eben geschnitten hat.

Dazu hat er ein Rillenmikroskop mit einer Videokamera drauf, die das Bild auf einen Monitor gibt. (Hier steht etwas mehr über Mikroskope.)

Sie sehen auf dem Bild, daß unter der Staubabsaugvorrichtung ein kleiner hellbrauner Fleck ist, die Beleuchtung der Rillen, damit man im Mikroskop überhaupt etwas auf der schwarzen Plattenoberfläche sehen kann. Das Mikroskop muß auch noch eine gewisse Tiefenschärfe besitzen, damit man in die Rillen auch rein gucken kann.

Auf dem Monitorbild sieht man sofort, ob der Stichel z.B. schon stumpf wäre, also ob damit die Rillenflanken ausreissen würden. Dafür gibt es den kurzen Probeschnitt.

Die Tontechnik

Das Tonmischpult muß eigentlich nichts mischen, es muß nur die Pegel der Quelle an den optimalen Pegel der Schneidmaschine anpassen und alles ganz genau anzeigen.

Oft sind noch Dolby Decoder oder andere Geräte dazwischen zu schalten, je nachdem, womit solch ein Band aufgenommen wurde.

Früher war es sogar essentiell notwendig, im Ausland aufgenommene Magnetbänder nocheinmal "kalibriert" zu entzerren. Dazu hatte Herr Brüggeman damals diese zwei sündhaft teuren K&H UE 1000 Entzerrer kaufen müssen.

Das beste Meßgerät ist immer noch das eigene Ohr

und dafür braucht man Lautsprecher "ohne Klang". Die allermeisten Schallwandler haben einen Eigenklang. Die Hifi-Käufer wollen das so und lieben das so und gewöhnen sich dran. Ein Studio-Monitor sollte bzw. darf nicht "klingen", er sollte bzw. muß absolut neutral genau das laut wiedergeben, das "von draußen" vom Verstärker rein kommt.

Auch da hatte sich K&H damals profiliert mit den berühmten OX und OY Studiolautsprechern. Neben dran steht dann noch der aktive HECO P7302SLV Lautsprecher.

Und damit auch die eigene Magnetband- und sonstige Studiotechnik immer wieder qualifiziert überprüft werden konnte, (die Auftraggeber setzten das nämlich voraus) mußte Herr Brüggemann auch hier nochmal gnadenlos zuschlagen. Hier in diesen beiden Studios stehen jetzt also mehr als zwei (ehemalige) Eigenheime.

Und wenn es dann geklappt hatte, . . . . .

bekommt der Auftraggeber die geschnittene Folie zur Weiterverarbeitung und Herr Brüggemann behält die Späne (als Andenken). Es ist übrigens (meistens) ein einziger langer Span pro Folie.

Und hier noch ein Blick auf die "zweite"

Die Maschine ist nahezu baugleich, nur stehen hier die Gasflaschen links unter dem Bedienpult. Wenn sie also ihr Privatkonzert auf Platte in Edel-Hifi von 20 bis 20.000 Hz haben möchten, Herr Brüggemann wartet gerne auf Sie.

Nachtrag:

Es gibt nur noch 2 oder 3 Hersteller von Rohmaterial auf der Welt, also von Schneidfolien. Damit ist es fast so schwer, gute Schneidfolien zu kaufen wie gute Magnetbänder. Auch bei ganz normalen 1/4" Magnetbändern wird es langsam sehr dünn auf dem Weltmarkt.

Trauriger Nachtrag:

Herr Brüggemann ist leider im Spätsommer 2011 durch einen tragischen Unfall in einem Hotel ganz plötzlich verstorben. Ich konnte meine vielen offenen Fagen leider nicht mehr anbringen, ein herber Verlust an Wissen und Erfahrung.

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