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Die Story über den DUAL 1009 - aus meiner Sicht (gr)

seltenes Hifi Schaufenster in ????
der 1009 aus dem Grundig Studio 50

Frühjahr 2011 - von Gert Redlich. 1964 war ich ein junger Bub von 15 und wohnte bereits mitten in einer recht großen Stadt (in Wiesbaden). Und ich "streunte" (nachmittags nach der Schule) auch durch die Kaufhäuser und vor die Schaufenster der Rundfunk(fach!!)geschäfte.

Dort gab es tolle Sachen, Musiktruhen von gewaltigen Ausmaßen, Lautsprecher und Plattenspieler, so wie ich sie in den Wiesbadener Kinos kennengelernt hatte.

Und dann auf einmal stand dort in einem der Schaufenster ein Plattenspieler in einer neuen, ganz anderen und ungewohnten Art. Kein Plastik-Tonarm mehr, keine Plastikhebel oder Plastik-Drucktasten, nein, es war alles anders und es wurde mit "Hifi" angepriesen, dieses neue Teil. Der Plattenspieler hatte einen riesigen Teller und alles sah "richtig technisch gut" aus. Heute in 2012 würde soetwas vielleicht als "geil" oder "voll krass" bezeichet.

Es war der Beginn einer neuen Zeitrechnung für angehende 15 jährige Hifi-Fans in einer Großstadt.

Der brandneue DUAL 1009
das ganz neue Grundig Studio

Und ich glaube, das Teil kostete weniger als 300.- Mark. In unseren wenigen Edelläden (Hifi Studio am Kureck und Radio Leffler) stand immer (oder oft) ein Thorens TD124 im Schaufenster für 599.- zuzüglich "einiger" Kleinigkeiten für weitere 1.500 Mark; - einfach unerschwinglich.

Und jetzt dieses neue Teil eines Hifi-Plattenspielers. Und auf einmal war der "sogar" in einer Grundig Hifi-Truhe, aber nicht in "irgendeiner" Truhe, nein, in der Top-Spitzentruhe "Studio 50" von Grundig, und !! er wurde in der Grundg Revue 1965 erfreulich ausführlich beschrieben. Das war der Startschuss.

Grundig Geräte waren nämlich bei uns Hifi-Jüngern das Maß der Dinge. Diese kostenlose Grundig Zeitung war für damalige Zeiten so außergewöhnlich gut gemacht, es mußte einfach alles dort drinnen "wahr" sein, das hat doch der "alte Mann" (also Max Grundig selbst) gleich auf Seite 2 versprochen. Und natürlich haben wir das auch geglaubt.
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Für Dual begann der grandiose Aufstieg in die Weltspitzenklasse.

eine nahezu perfekte Mechanik
Eine DUAL Anzeige USA 1965
Der US Dual 1009 mit Zarge

Waren vorher ELAC und PE und Telefunken und Philips mit den jeweiligen Produkten noch ernsthafte Wettbewerber, jetzt drehte sich das Blatt zugunsten einer einzigen Firma mit dem Slogan: Qualität aus dem Schwarzwald. Und der Schwarzwald hatte in den USA (als Blackwoodforest) einen Status oder Nimbus, ähnlich dem Schloss in Heidelberg und der Drosselgasse in Rüdesheim, warum auch immer. Die Amerikaner (und die Japaner und jetzt auch die Chinesen) kommen ja heute noch nach Wiesbaden, um die "größte Kuckucksclock of the world" zu sehen.

Und irgendwer ganz oben bei DUAL hatte es bereits kapiert (ganz ähnlich wie ein paar Jahre vorher der Japaner Akio Morita, Gründer von SONY). Der Weltmarkt wird in den USA erkämpft, über den Preis, das Image und die Qualität. Von den Japanern war bei uns damals um 1963 noch wenig zu sehen und zu befürchten.

Der Dollar stand immer noch bei fast 1:4 (1 US$ = 4 DM) und der DUAL 1009 sollte in den USA nur 99.- US $ kosten, ein (selbst für Amerikaner) völlig irres Angebot. Ich kann mir heute noch gut vorstellen, wie viele Amerikaner fassungslos vor den Anzeigen gestanden hatten, die Endkunden wie auch die Wettbewerber. Und derer gab es drüben viele. Um 1963/64/65 verschwanden erstaunlich viele Plattenspieler still und leise aus den amerikanischen Prospekten.

Die USA hatten damals auch schon 240 Millionen Einwohner. Die neuen Hifi-Magazine stürzten sich auf dieses völlig andere neue Gerät aus "Old Germany", um es zu testen und vielleicht zu verreißen. Doch da war nichts zu verreißen, es war wirklich so gut wie angepriesen. Und innerhalb von 18 Monaten verkaufte Dual alleine in den USA 200.000 von den 1009 Laufwerken.

Vieleicht haben wirklich einige besonders patriotische Rezensenten vor Wut oder Ärger oder verhaltener Begeisterung in die Tischkante gebissen, wie es eine alte Satire gezeigt hatte. Der Dual 1009 war für Amerikaner einmalig gut und ein Wechsler. Als Wechsler spielte er hier in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. In Amerika war das ganz wichtig. Für DUAL war es einfach nur das lang ersehnte Sprungbrett in eine neue Dimension.

Ein "Deal" mit Max Grundig

1963 - Ein optisches Glanzstück von Max GRUNDIG für damals sagenhafte 2.500.- DM
völlig neu - mit Transistoren

Max Grundig war den Anderen immer eine Nasenlänge, manchmal sogar 3 Nasenlängen, voraus. So auch mit dem Dual 1009, der vorzüglich zu seinen ebenfalls völlig neuen RT50 und SV50 passte. Der Grundig SV50 war Europas erster Transistor Hifi-Vollverstärker.
 
Als "die Anderen" noch darüber nachdachten, wie sie dem DUAL 1009 Paroli bieten könnten, hat der Max seine Spitzengeräte damit bereits ausgestattet und, wie so oft, gewonnen. Natürlich hatte auch DUAL von der Popularität der Grundig Marke gewaltig profitiert. Der Betriebswirtschaftler spricht dabei ganz offen von gefährlicher Monokultur und Max Grundig wurde zum "Mister 50%" von DUAL. Etwa 50% aller DUAL Einbauchassis gingen an Grundig nach Fürth.

Doch es etablierte sich damit eine gefährliche Abhängigkeit, die DUAL später mal zum Verhängnis werden sollte. Dual "durfte" zum Beispiel im (vom Max mündlich geforderten) Gegenzug keine Bandgeräte bauen. Und da in dieser (vermutlich ungeschriebenen) Vereinbarung das Wort "bauen" enthalten war (und nicht "vertreiben"), ließ sich Dual später welche von den "Kollegen" bei Schaub Lorenz entwickeln und bauen und vertrieb die unter dem DUAL Namen. Und schon war der Knartsch mit dem Max, dem mit Abstand größten Abnehmer, da. Und als der Max von einem seiner Direktoren einmal erzählt bekam, daß das Chassiss des 1229 (oder von einem ähnlichen Modell) im Kaufhaus weniger koste, als die Grundig-Werke bei ihren Abnahmemengen dafür im Einkauf bezahlten, war der Knartsch abrupt und endgültig da.
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Ein paar Schwächen hatte der 1009 schon noch.

Nicht alle Benutzer wollten ihre teuren Platten der Automatik einer Maschine anvertrauen. Es gehörte zum Nimbus eines angehenden Hifi-Feaks, den Tonarm eigenhändig aufzusetzen und dann dem Erfolg zu Lauschen. Doch mit zittrigen Händen in gespannter Erwartungshaltung war das oft schwer, ein Tonarm-Lift fehlte.

Und manchmal rumpelte es im Lautsprecher, wenn das Innenloch der LP zu knapp oder zu eng war und gerade so über die kleine Achse drüber passte. Die Achse drehte sich nämlich (noch) nicht mit dem Plattenteller mit.

Weiterhin waren bei weniger als 2 bis maximal 4 Pond Auflagekraft die sogenannten Querkräfte nicht zu vernachlässigen. Je weniger Auflagekraft, desto empfindlicher waren die Auswirkungen auf die Stereobalance und die erhöhten Verzerrungen in einem Kanal. Man nannte es auch Skating Kräfte. Eine Antiskating Feder (eine Gegenkraft) musste integriert werden.

Das alles kam mit dem DUAL 1019 etwa 2 Jahre später.
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