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Etwas über den Mythos : "Röhren klingen einfach besser."

Viele Hifi-Freunde behaupten stur und steif :
"Röhren klingen einfach besser".

Diese Aussage kann ich nach wie vor voll und ganz unterstützen. Auf der Seite über den Klang habe ich beschrieben, daß der Klangeindruck einer Wiedergabe . . . .

absolut subjektiv ist.

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Der "Klang" oder ein "Klangeindruck" ist also kein !! objektives Kriterium.
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Wann wird solch eine Aussage (klingt besser) zum Unsinn ?

die QUAD II Endstufe

Wenn sich aber die Behauptung (bzw. die Aussage) daraufhin versteift, nur Röhrenverstärker machen "richtiges Hifi" oder gar "das beste Hifi", oder sogar "Röhren klingen sowieso besser als Transistoren", dann widerspreche ich vehement und führe diese Behauptung "ad absurdum".

Denn die Röhre als Verstärkerelement hat gegenüber dem Transistor mehrere erhebliche Schwächen, die der Physiker und Elektroniker alle kennt und die nur in der jeweils eigenen Psyche geleugnet werden können.
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Die seltene Lieben-Röhre von 1907
Röhren werden sehr heiß

Die ersten Röhrenverstärker

Die "Röhre" war das erste elektronische Verstärker- element, ein steuerbarer Widerstand, der die geringen elektrischen Signale von Mikrofon oder Platte oder Magnetband oder der Photozelle des Filmprojektors so verstärken konnte, daß Töne aus einem Lautsprecher "laut" zu hören waren. Wie die Röhre im einzelnen funktioniert und warum sie verschleißt und welche Effekte das hat, kommt in Kürze auf einer anderen Seite.

Ab den 1930er Jahren wurde die Röhre so weit optimiert
, daß schon recht gute Töne aus dem Lautsprecher kamen. Hören konnte man das zuerst im Kino, später in den wenigen Rundfunkstudios. Erst nach dem 2.Weltkrieg mit der Entwicklung der 33er Vinyl-Langspielplatte und bei uns in "old" Germany mit dem neuen UKW Rundfunk kam auch der normale Mensch (bzw. Mitbürger) mit besserer Qualität in Berührung - deutlich besser als die Mittelwelle (einschließlich Lang- und Kurzwelle) oder deutlich besser als die dann 1949 abgelöste Schellackplatte.

Damit ergab sich die Notwendigkeit, die Qualität der (besser gesagt "aller") Verstärker (-Elemente) deutlich "aufzubohren", um die mögliche Qualität der Aufnahme so originalgetreu wie möglich wiederzugeben. Eines der besten Beispiele jener Zeit war um 1955 der Röhrenverstärker QUAD II und später um 1963 war es der legendäre McIntosch MC-275 Endverstärker.

Mit den verfügbaren Schallplatten- und Studio-Tonbandaufnahmen
war jetzt auch für den Normalsterblichen Zuhause in den eigenen 4 Wänden eine ganz erstaunlich naturgetreue Reproduktion möglich - jeweils dem "Stand der Zeit" und dem "Stand der Technik" entsprechend.
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1954 - Telefunken M5
1961 - Telefunken M10
Telefunken M15

Was bedeutet "Stand der Technik" ?

Die "ultimative" Studio-Qualität wurde vor und nach 1945 mit den damals höchstwertigen Kondensator-Mikrofonen und Studio-Mischpulten auf alte AEG Magnetophone (oder nach 1947 auf AMPEX- oder STUDER- Bandmaschinen) aufgenommen und dann ab 1950 auf unseren neuen Telefunken M5 oder M10 Magnetophonen - und natürlich noch auf Röhrenbasis.

Bereits die Wiedergabe von solch einem Bandgerät im Studio war meßtechnisch und auch akustisch geringfügig schlechter als das Original, denn es kam jetzt das Bandrauschen und der Klirrfaktor dazu. Alles, das danach kam - wie das Schneiden der "Folien" und dann das Pressen der Schallplatten und später das Abspielen - verschlechterte die Qualität merklich. Dieser abgestufte (und in der Reihenfolge verkettete) Vorgang ist unter allen Fachleuten absolut unstrittig.

Die Tonmeister und Toningenieure mit ihren ganz speziellen gehörpsychologischen Ausbildungen waren sich darüber im Klaren, daß sie "das Original" nur bedingt abbilden konnten. Insbesondere die Tonigenieure waren darauf "gedrillt", "das Original" zu kennen und so gut wie möglich zu konservieren. Lesen Sie hierzu die 100 Seiten von Tonmeister Burkowitz.

Und dann kamen 1956/58 die ersten Germanium-Transistoren. Die waren aber noch nicht so richtig hifi-tauglich. Erst 1965/66 mit der zweiten Generation von Silizium- Transistoren kamen neue Verstärker auf den Markt und die wurden im IRT (Institut für Rundfunktechnik) genau unter die Lupe genommen. Und jetzt stellten die Toningenieure etwas Neues - eine neue Qualität - fest.
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Wie beschreibt oder erklärt man "den Röhrenklang" ?

Telefunken M10 - Stereo-Elektronik mit Transistoren

In der konservativen deutschen Studiotechnik muß(te) alles an Innovationen zig mal bewiesen werden und dazu auf den Tonmeistertagungen vorgeführt und genauestens dargestellt werden. So war es mit der ersten "Hall-Platte", die den "Hall-Raum" ablöste, dann mit den digitalen Hallsystemen und mit vielen anderen Dingen auch.

Dann kamen die ersten transistorisierten Einschübe für die Studiotechnik, natürlich wie immer vom Allerfeinsten. Die Entwickler und Hersteller waren die wenigen Spezialisten wie Telefunken, Neumann, EMT und Studer zum Beispiel. Und ! Geld spielte anfänglich fast keine Rolle.

Ich möchte hier nocheinmal betonen,
daß die Tonmeister und Ingenieure damals von einem linearen Frequenzgang von 40 bis 15.000Hz als absolut ausreichend ausgingen. Alles da drüber und drunter wurde steilflankig abgeschnitten bzw. weggefiltert. (Siehe K+H Filter UE100)

Ergebnis der ersten Vergleiche : Die Transistor-Verstärker der Studioklasse wandeln die Signale "sauberer" und "freier" und "transparenter" als die (beinahe gleich guten) Röhrenverstärker. Im direkten Vergleich wären die Röhrenverstärker ganz leicht verschleiert oder vernebelt, - so hieß es damals.

In einem der frühen Berichte habe ich einen treffenden Vergleich gefunden:

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  • Bei der Fotografie und beim Film- und Fernsehen werden bei Gesichts- bzw. Portrait-Aufnahmen sehr oft sogenannte "Weichzeichner" unterschiedlicher Stärke verwendet, um zum Beispiel bei Ansagerinnen oder Moderatorinnen 10 bis 15 "Jahre" herauszuholen !!. Das Fernseh-Bild bzw. die Fotogafie sieht einfach besser aus, das Gesicht "erscheint" jünger.

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Dieser Eindruck ist subjektiv ! Es ist also nicht mehr das Originalgesicht der Person, es ist "nur fast" das Original, - etwas geschönt.

Bei den Unterschieden von Röhren- und Transistor-Verstärkern ist es sehr ähnlich. Röhren-verstärker wandeln/verstärken die Musik (also die Signale an sich) weicher und langsamer. Das klingt angenehmer. Und darum sprechen wir vom Klang, dem subjektiven Klang-Eindruck der Wiedergabe.

Könnte man das auch messen ?

Man kann (konnte) es fast nicht messen, jedenfalls damals nicht. Nehmen wir den damals extrem teuren McIntosch MC-275, ein amerikanisches Referenzgerät der 1963er Epoche, dann wird es deutlich. Dieser Stereo-Verstärker verstärkt Frequenzen von 20Hz bis 60.000Hz mit irrer Linearität von ±0,2db und 0,1% Klirrfaktor und nahzu keiner Phasendrehung. Und er macht das mit bis zu 75 Watt Sinusleistung pro Kanal und darüber - an allen Impedanzen - jedenfalls, wenn er noch neu ist.

Der transistorisierte Nachfolger - dann mit 100 Watt Sinus an 8 Ohm - klingt laut der Aussage von Toningenieuren ein deutliches Stück "besser". Wie viel besser, kann ich nicht beurteilen. Die technischen Daten sind weitgehend identisch.

Ich habe nur noch in Erinnerung, daß er an den großen Klipschhörnern und den Tannoy Berkely Boxen einen Tick besser klang (aber auch nur diesen einen Tick), nach meinem damaligen Klang-Empfinden.

Nachtrag : Ab etwa 1990 kann man mit extrem teuren Echtzeitanalysatoren die Schaltgeschwindigkeiten sowie die Durchlaufgeschwindigkeiten von Verstärkern schon messen. Wieviel Aussagekraft solche Mesungen haben, sei dahingestellt. Das geschulte und geübte menschliche Ohr ist da immer noch mehrere "Ticks" besser.

Mögliche physikalische Gründe


Röhren sind prinzipbedingt ein klein wenig "langsamer"
bei der Verstärkung als Transistoren. Und Röhren verändern ihre Eigenschaften mit zunehmender Erwärmung erheblich stärker als Transistoren. Röhrenverstärkern sollte daher eine ca. 30 Minuten lange Anwärmzeit gegönnt werden.

Die in den Röhenverstärkern prinzipbedingt verwendeten Eingangs- und Ausgangsübertrager (auch die mit höchster Baugüte) können nicht beliebig hohe oder gar niedrige Frequenzen übertragen.

Und : Röhren sind Verschleißteile und altern schneller als alle anderen Bauteile.
Im Laufe der Alterung ändert sich manche Eigenschaft des Verstärkers - und fast immer nachteilig.
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Hier geht es zu der Seite, auf der die Ideen und Voraussetzungen für ernsthafte und gaubwürdige Messungen formuliert sind.
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