Sie sind hier : Startseite →  Hifi Hersteller Lautsprecher→  Tannoy (England)

Juni 2010 - Tannoy Lautsprecher, 1975 etwas wirklich Feines.

eine exponentielle Verlängerung des innenliegenden Druckkamer-Hornes
die Verstärkungen der Membrane

Über die Tannoy Lautsprecher bin ich gestolpert, als ich einen Opernchor mit vollem Streichorchester aus zwei Tannoy Berkeley Boxen gehört hatte.

Das war 1974. Und alles zusammen mit dem Quad 303 Verstärker, der ja "nur" 2 x 45 Watt Sinus an 8 und/oder 16 Ohm lieferte.

Zu der Zeit hatte ich dann mehrere Tanzschulen mit 2 oder 4 solcher Berkeleys ausgestattet und der Sound war umwerfend, bei recht "kleinen" Verstärkern und auch bei mehr als 120 Tanzschülern im Saal.

Und ein solches Chassis und eine solche Box hatte ich mir aufgehoben, über 30 Jahre lang, das Gehäuse war damals ein Transportschaden und sollte weggeworfen werden.

ein gewaltiger Alnico Magnet
Vergleich mit dem Braun L710 Chassis

Bemerkenswert ist das 15" Chassis

Bei meinen Erfahrungs-Geschichten über die Braun L710 kamen ein paar Echos zurück, die von der soliden und qualitativ hochwertigen Machart der beiden 130cm Tieftöner samt angeblich solidem Blechkorb schwärmten. Ich dagegen hatte die preiswerte (fast schon billige) Machart dieser Heco/Isophon ähnlichen 17,5cm Basschassis für den nur mäßigen Bass der L710 verantwortlich gemacht.

Hier kommen jetzt ein paar Fotos, wie wirklich edle Bass-Lautsprecher ausgesehen haben, auch bereits 1974. Dieses bei mir verbliebene Chassis ist das "Monitor HPD (High Performance Dual) HPD-385 (15 inch)" Chassis von Tannoy, das letzte dieser Coaxial Serie aus den 70er Jahren. Das Chassis mit 38,5cm Aussenmaß hat einen realen Membrandurchmesser von 30cm.

Die dauerelastische Außensicke
Die aufgeklebten Membranversteifungen
Der Magnet im Vergleich zu den Braun L710 Chassis
Das ist Alu Druckguss massiv

Und davon gibt es ein paar Fotos

Im Unterschied zu den (späteren) dicken JBL Power Bass Chassis mit 10cm Schwingspulen auf Aluspulenkörpern ist dieses Chassis hier für Hifi Musikwiedergabe konstruiert worden. Die 5cm Schwingspule verträgt laut Datenblatt etwa 85 Watt Musikleistung.

Die große Bassmenbrane war anfänglich schon sehr weich aufgehängt und ist im Laufe der Zeit noch weicher geworden. Die äußere Sicke ist aus Schaumstoff, der mit einer dauerelastischen Gummi-"farbe" versehen ist. Bei manchen Discoboxen in Tanzschulen, die unter der Decke hingen, war das unglücklich, daß die Membranen nach 3 Jahren dann unten heraus hingen und bei zuviel Bass angeschlagen hatten. Die Rückholfähigkeit der Außensicke ließ nach.

Da ich auch mal 2 riesige Tannoy Arden gehabt hatte, kann ich von der gewaltigen Dynamik von damals nur "verklärt" schwärmen. In größeren Räumen konnte man die dennoch "tot" powern. Mit CD Musik hätten die Basschassis dieser Boxen bei sehr hohen Lautstärken wenig Überlebenschancen gehabt.

Auf den Bildern sieht man den gewaltigen massiven Druckguss Korb und die gegen Partialschwingungen verstärkte Bass-Membrane.

Dieser Lautsprecher ist ein Breitbandsystem höchster Güte

Im inneren Konus ist ein Druckkammer- Hochmitteltöner eingebaut, der die exponentiell verformte Bassmembrane als Exponentialhorn mitbenutzt. Es ist ein geniales Patent gewesen, denn dadurch war die breite Höhenabstrahlung nahezu perfekt. Und natürlich gab es dazu die optimal abgestimmte Frequenzweiche. Man hätte diesen Strahler auch zweiwegeaktiv betreiben können. Doch es war 1975.

Die volle laute Wiedergabe von Sprache und Gesang war damals außergewöhnlich und das Alles hatte auch seinen Preis. Beim Discounter in London-Süd kosteten diese Tannoy Berkely genau die Hälfte im Vergleich zu unseren Preisen.

Darum sind mein Freund Rainer Pohl und ich damals 1975 mit dem alten klapprigen VW-Bus nach London "geritten" und haben ein Auto voller Tannoy Boxen und Quad Verstärker geholt. Von der völlig irren und wirren (Zoll-) Geschichte an der Französisch- Belgischen Grenze frotzeln wir heute noch.

Meinen hinterlegten Personalausweis hatte mir die Deutsche Botschaft in Brüssel ein Jahr später nachgeschickt.

Die Kondensatoren der Frequenzweiche habe ich mit dem ELV Kondensatortester geprüft, es scheint alles ok zu sein. Auch diese Box hatte jetzt ein 15jähriges "Schläfchen" hinter sich.

Der Grössen-Vergleich mit dem Bass- Chassis der Braun L710

Aufgrund von diversen Mails hier nocheinmal ein Foto des Basschassis der so viel gerühmten Braun L710/LV720 im Vergleich. Mit diesem Foto wird es selbst Laien einleuchtend sein, daß zwei von den kleinen 130cm Chassis es niemals mit einem solch großen 380cm Chassis aufnehmen konnten.

Natürlich ist das kein wirklich ernsthafter Vergleich . . .

5cm Spule bei Tannoy aus Gründen der Isolation auf lackierte Pappe gewickelt

doch es straft jeden selbsternannten "Experten" Lügen, der bei dem Braun L710 Chassis von "allerhöchster" Qualität träumt und das dann auch noch in Foren verkündet.

Sicher hat das Bass-Chassis der Braun L710 (in seiner Klasse) seine Qualitäten.
Die Schwingspule auf gelochte Alufolie zu wickeln, war zu der Zeit mutig und nur in der Klasse ganz oben usus. Herr Hasselbach erzählte mir von dem Kleber aus der Scheibenbremsenproduktion, der bei Alfred Teves in Frankfurt entwickelt worden war und im ausgehärteten Zustand seine Festigkeit noch bis 180 Grad bewahrt hatte. Auch hatte die Alufolien Spulenkörper weitere Probleme bereitet, denn der Kupferlackdraht musste eine verbesserte Isolation bekommen als es bei nur lackierten Pappspulenkörpern normalerweise nötig war.

Der Stanzkorb des Chassi ist stabil genug, um den Job zu machen, doch mit den großen professionellen Hochleistungs-Lautsprechern kann es nicht mithalten.

Und ich habe noch nicht einmal die 38cm JBL Bühnen Bass-Chassis mit den mit Vierkantdraht gewickelten 10cm Aluspulenkörpern zum Vergleich herangezogen. Dochda kostet solch ein Chassis mit 450 Dollar (damals !!!!) mehr als die ganze Braunbox.

Der Hörtest in 2010 war wie bei der Braun L710 enttäuschend.

Bei der Tannoy kommt die Musik klanglich auch leicht verfärbt und aus einer Holz-Kiste, genau aus der Mitte des Lautsprechers. Im Vergleich zu der JBL L90 hat die Tannoy Berkely in der (klanglichen) Mitte ein Loch, dort fehlt vielleicht ein guter Mitteltöner. Und obwohl dort ein ebenso riesiges Basschassis pumpt, hat die JBL L90 einen stärkeren oder zumindest tieferen Bass und klingt im Vergleich zu den beiden Anderen ausgeglichen und nahezu klangneutral.


- Werbung Dezent -
Zurück zur Startseite ----- © 2012 - Copyright by Dipl. Ing. G. Redlich - D-65191 Wiesbaden - hier gehts zum Telefon der Redaktion
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos.