Die siebte Bilanz für 1968 stammt vom März 1969
Bericht des Vorstands zur Gesamtentwicklung

Für Braun war auch das am 30. September 1968 abgelaufene Geschäftsjahr insgesamt erfolgreich. Bei der Braun AG war zwischen Oktober 1967 und Frühjahr 1968 noch die allgemeine deutsche Konjunkturschwäche spürbar. Das Auslandsgeschäft hat sich dagegen wiederum besonders gut entwickelt.

Umsatz
Die Braun-Gruppe (Braun AG mit in- und ausländischen Tochtergesellschaften) steigerte ihren Umsatz von 276 auf 279 Mio. DM. Unter Berücksichtigung der seit dem 1. Januar 1968 in dieser Zahl nicht mehr enthaltenen Umsatzsteuer und einiger weiterer Änderungen im neuen Aktiengesetz entspricht das einem Zuwachs von 6,5%. Der Umsatz der Braun AG betrug 215,5 Mio. DM. Nach Berücksichtigung der durch die Umsatzsteuer bereinigten Umsätze ergibt sich eine Steigerung um rund 6% gegenüber der vergleichbaren Zahl des Vorjahres.

Die einzelnen Artikelbereiche — Elektronik, Foto, Haushalt und Rasierer — waren unterschiedlich an der Umsatzentwicklung beteiligt. Der Erfolg der Verkaufsbemühungen wirkte sich vor allem in der Steigerung des Auslandsumsatzes aus. Sein Anteil am Gesamtumsatz nahm in der Gruppe von 53% im Vorjahr auf 55% zu. Die Braun AG verkaufte 42% (Vorjahr 39%) an das Ausland. In europäischen Ländern wurden wiederum die höchsten Zuwachsraten erzielt.

Anmerkung:

Braun ist jetzt ein Jahr unter den Fittichen der Gillette mit dem neuen amerikanischen Chef Vincent Ziegler und muß die 1968er Zahlen auf den Tisch legen. Sicher gibt es schon interne Grafiken, welcher Bereich welche Gewinnne abwirft und welcher Bereich defizitär arbeitet. Leider haben wir da (noch) keinen Einblick. Das Einzige ist Fakt: die erfolgreichen Rasierer reißen alles raus. Deutschland (West) ist nach wie vor Brauns wichtigster und größter Markt. Dennoch ist höchst bemerkenswert, daß in Japan teilweise mehr Braun Rasierer verkauft wurden als im Heimatland Deutschland.

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Ertrag
Die Ergebnisse der Braun AG haben mit der Umsatzentwicklung nicht Schritt gehalten. Der Jahresüberschuss betrug 7,0 Mio. DM gegenüber 7,7 Mio. DM im Vorjahr. Beim Braun Konzern (Braun AG mit inländischen Tochtergesellschaften) liegt der Jahresüberschuss entsprechend der Geschäftsentwicklung mit 8,8 Mio. DM etwas über dem Vorjahr (8,5 Mio. DM).

  • Anmerkung:
    Banker sprechen hier von einem mißlichen Ertragseinbruch.


Investitionen

Für Sachinvestitionen in Deutschland wurden im Berichtsjahr knapp 6 Mio. DM aufgewandt. Im Rahmen einer längerfristigen Planung wurde zu Beginn des laufenden Geschäftsjahres der Bau eines neuen Fertigungsgebäudes im Werk Kronberg begonnen. Es soll dem steigenden Produktionsbedarf vor allem des Artikelbereichs Rasierer gerecht werden. Die gesamte Fertigung des Bereichs Foto wird in diesem Geschäftsjahr in einer neuen gepachteten Produktionsstätte in München-Allach zusammengefasst. Hier soll auch die wachsende Nachfrage nach Nizo-Kameras befriedigt werden, die die Braun-Tochtergesellschaft Niezoldi & Krämer GmbH, München, herstellt.

Kapital
Seit der Kapitalerhöhung auf 30 Mio. DM im Juni 1967 und der Übernahme der Aktienmehrheit durch The Gillette Company, Boston/USA, im Dezember 1967 haben sich die Kapital- und Beteiligungsverhältnisse des Unternehmens nicht geändert.
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The Gillette Company besitzt über ihre Tochtergesellschaft Gillette International Capital Corp. sämtliche 18 Mio. Stammaktien und weitere ca. 8,8 Mio. stimmrechtslose Vorzugsaktien. Das entspricht insgesamt einem Anteil von etwa 89%. Die Gesellschaft ist hiernach von Gillette abhängig.

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Auszeichnungen, Braun-Preis
Braun-Geräte wurden auch im Jahre 1968 wieder für ihre technische Qualität und ihre Gestaltung ausgezeichnet. Auf der amerikanischen Haushaltsmesse in Chicago nahm Braun als einziger ausländischer Aussteller vom amerikanischen National Design Center vier Auszeichnungen entgegen. Eine Goldmedaille erhielt das von uns vertriebene elektronische Lehrmittel Braun Lectron auf der jugoslawischen Biennale in Ljubljana. In Moskau wurde der Braun-Messestand auf der «Interbytmash 1968» für seine vorbildliche Gestaltung ausgezeichnet. Die «Junge Wirtschaft» Frankreichs verlieh Braun für die Rasierer-Werbung des Jahres 1967 ein Diplom. Der von Braun gestiftete Preis für technisches Design in Höhe von 25.000 DM wurde 1968 zum erstenmal vergeben. Diesen Förderungspreis für junge Industriedesigner, der in Zusammenarbeit mit dem Gestaltkreis im Bundesverband der Deutschen Industrie für die hervorragende Lösung eines technischen Gestaltungsproblemes ausgeschrieben wurde, erhielten zwei junge Designer, ein Deutscher und ein Japaner.

In den USA wurde die Braun-Ausstellung «Das Gesicht einer Firma» erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Beginnend im New Yorker Pratt Institute wird sie bis ins Jahr 1969 in mehreren amerikanischen Universitäten und Design-Hochschulen zu sehen sein.

Organisation
Die Gliederung nach Artikelbereichen wurde in verschiedenen Funktionen weiter ausgebaut. Gleichzeitig wurden Aufgaben der zentralen Stellen für Gestaltung, Vertrieb und Verwaltung neu geordnet. Insbesondere die Aufgaben des Finanz- und Rechnungswesens erfuhren eine stärkere Zusammenfassung.

Anmerkung: Die Amerikaner führten relativ schnell die amerikanische Rechnungslegung ein und die war ganz explizit auf die Darstellung des Gewinns pro Quartal ausgelegt und erlaubte keine der bei uns üblichen Verschleierungen.

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In der deutschen Aussenorganisation konzentrierten wir Verkaufs- und Kundendienststellen. Die ausländischen Vertriebsgesellschaften sind ihrem wachsenden Geschäftsvolumen entsprechend weiter ausgebaut worden. In Japan, wo der Vertrieb bisher in den Händen einer selbständigen Vertretung lag, schufen wir eine eigene Aussenorganisation.
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Mitarbeiter
Innerhalb der Braun-Gruppe ist die Zahl der Beschäftigten im Laufe des Berichtsjahres von 5743 auf 6137 gewachsen. Bei der Braun AG stieg sie im gleichen Zeitraum von 2955 auf 3062. Der Anteil der Lohnempfänger betrug innerhalb der Braun-Gruppe 58% nach 61% im Vorjahr. Lohn- und Gehaltskosten der Braun AG stiegen um fast 11%, die Sozialabgaben um knapp 12%.
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Ausblick
Für die wichtigsten Teile des Braun-Programms sicherten wir weiterhin die Preisbindung. Wir halten sie nach wie vor für ein wirksames Mittel, das in der Vertriebspolitik für alle Marktpartner wesentliche Vorteile aufweist. Während sich noch nicht alle Folgen des Aussenwirtschafts- Absicherungsgesetzes mit seiner Exportverteuerung und Importerleichterung absehen lassen, ist auf jeden Fall mit einer Verschärfung des Wettbewerbs auf dem Inlandmarkt zu rechnen. Dennoch erwarten wir auch im laufenden Jahr eine befriedigende Geschäftsausweitung, nachdem mit dem ersten Quartal des Geschäftsjahres 1968/69 die Hauptsaison positiv verlaufen ist.

Artikelbereich Elektronik

Zu diesem Bereich gehören die Tätigkeitsgebiete Elektroakustik, Fotolichttechnik sowie Mess- und Regeltechnik.

Die Konjunkturabschwächung des Vorjahres konnte im Verlauf des Berichtsjahres 1967/68 aufgefangen werden. Der Umsatz wurde insgesamt gesteigert, überdurchschnittlich bei den hochwertigen HiFi-Anlagen.
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Anmerkung : Es gab also in 1967 eine deutliche Konjukturabschwächung bei Hifi und Elektroakustik insgesamt wie auch bei den Haushaltsgeräten. Sicher wurden die Amerikaner nach dem ersten Jahr auch darauf aufmerksam. Wieviel Verluste gemacht wurden, ist bislang nirgendwo zu erkennen.

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Auf dem HiFi-Sektor ist der Trend weiterhin steigend, wie unser Erfolg auf der Spezialausstellung «HiFi 68» in Düsseldorf gezeigt hat. Im neuen Geschäftsjahr wird der dort erstmals vorgestellte Tuner-Verstärker «regie 500» einen weiteren Umsatzschwerpunkt bilden. Das Gerätesortiment wird auf dem Gebiet der Elektroakustik durch Lehrmaschinen für Sprachlabors ergänzt. Dafür eignet sich besonders die relaisgesteuerte Grundausstattung unserer Tonbandgeräte.

Für die Fotolichttechnik war die «photokina» von besonderer Bedeutung. Dort wurden die in der Leistung verbesserten Amateurblitzgeräte und als Neuheit das Reportergerät F700 mit hoher Blitzzahl und kürzester Blitzfolgezeit vorgestellt. Das verstärkt verkaufte Studio-Blitz-System F1000 wurde durch wichtiges Zubehör ergänzt.

Auf dem Gebiet der Mess- und Regeltechnik fand das marktgerechte Sortiment von Temperatur-Fühlermessgeräten, vor allem der «Tasto-therm», und der neue Messumformer «Infratherm» zur berührungslosen Temperaturmessung bei steigendem Umsatz besondere Beachtung.

Die Rationalisierung des Aussendienstes im Inland durch Konzentration auf wenige grössere Kundendienstzentralen und Lager hat sich bewährt. Das Fertigwarenlager wurde im Geschäftsjahr 1967/68 weiter abgebaut und der Lagerumschlag erhöht.

Das Auslandsgeschäft wurde vor allem auf dem europäischen Markt erzielt. Den grössten Zuwachs erbrachten hier Frankreich, die skandinavischen Länder und die Schweiz.

Das neue Geschäftsjahr ist gut angelaufen. Insgesamt wird für 1968/69 mit einem befriedigenden Ergebnis gerechnet.

Anmerkung : Für das Auslandsgeschäft wurde bislang (außer bei den Rasierern Japan) nur der europäische Markt angepeilt, warum auch immer. In den besonders design-empfänglichen südlichen Ländern gab es keine Erfolge zu vermelden.

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Artikelbereich Foto

Im Weihnachtsgeschäft 1967 verspürte der Artikelbereich Foto noch die Auswirkungen der Rezession. Im Anschluss daran hat sich der Markt jedoch wieder normalisiert.
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Das Weihnachtsgeschäft 1967 muß wirklich katastrophal gelaufen sein, auch für Foto und Film. Auch wenn sich im Frühjahr 1968 alles wieder normalisiert haben soll, ist von Steigerung keine Rede.

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Besondere Erfolge hatten die neu eingeführten Filmkameras S80 und S56 der Braun-Tochter Niezoldi & Krämer GmbH, München, die zusammen mit dem Typ S36 das Programm der Nizo-Filmkameras weiter vervollständigen. Das Geschäft mit Dia- und Filmprojektoren war insgesamt befriedigend.

Im Ausland waren Umsatzsteigerungen vor allem in Überseemärkten sowie in Österreich, der Schweiz und Frankreich zu verzeichnen. Der Zuwachs wurde hier in erster Linie mit Filmkameras erzielt.

Der Rationalisierung innerhalb des Fotobereichs dient die Zusammenfassung der bisher getrennt in Kronberg und München liegenden Produktionsstätten in einem neuen Fertigungswerk in München-Allach. Sie wird im laufenden Geschäftsjahr abgeschlossen sein.

Der Beginn des neuen Geschäftsjahres brachte einen erheblichen Umsatzzuwachs. Für das gesamte Jahr 1968/69 erwartet der Artikelbereich Foto einen befriedigenden Geschäftsverlauf.

Artikelbereich Haushalt

Der Artikelbereich Haushalt konnte trotz schwieriger Marktsituation im In- und Ausland verbesserte Ergebnisse erzielen.

Bei allgemein stagnierendem Käuferbedarf ist die Steigerung im Inlandgeschäft höher als im Ausland, wo jedoch ein besonders starker Zuwachs in den EWG-Ländern zu verzeichnen ist. Das Fertigwarenlager konnte erheblich abgebaut werden.

Man sieht an dieser sehr ungenauen und verschwommenen Aussage, daß es auch hier einen starke Kaufzurückhaltung und damit einen deutlichen Umsatzrückgang gegeben haben muß, aufgrund dessen das Verkaufsprogramm ausgedünnt wurde.

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Verstärkte Marktbeobachtung veranlasste eine weitere Straffung des Verkaufsprogramms auf umschlagintensivere Geräte. Gemeinsam führten diese Massnahmen trotz höherer Material- und Lohnkosten zu einem verbesserten Betriebsergebnis.

Im Geschäftsverlauf waren vor allem im Inland die Kaffeemühlen und die Geräte zur Herstellung von Frischsäften besonders erfolgreich. Im laufenden Geschäftsjahr hält der positive Trend im In- und Ausland an, wie das Ergebnis der ersten Monate bestätigt.

Artikelbereich Rasierer

Intensives Marketing brachte dem Artikelbereich Rasierer im In- und Ausland eine weitere positive Entwicklung. An der Spitze standen die Geräte der sixtant-Reihe, darunter vor allem der neue sixtant S. Tests unabhängiger Institute bestätigten auch 1968 ihre Qualitätsstellung.

Der Aufschwung des Jahres 1968 glich das noch gedrückte Weihnachtsgeschäft des Jahres 1967 aus. Produktqualität, handels- und verbrauchergerechte Preise, Partnerpolitik gegenüber Gross- und Einzelhandel, informative Werbung und gezielte Verkaufsförderung halfen, die Marktstellung auszubauen.
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Warum das überdurchschnittliche Wachstum dieses Rasierer Bereiches so "dezent" beschrieben wurde, ist rätselhaft, denn damit verdiente die Braun AG ihren Ertrag.

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Die zunehmende wirtschaftliche Integration ermöglichte im Ausland eine zentrale und dennoch den einzelnen Märkten angepasste Verkaufspolitik. Positiv entwickelte sich der Absatz vor allem in Japan, Frankreich, Italien und Skandinavien.

Die ersten Monate des neuen Geschäftsjahres lassen erkennen, dass die Weiterführung der sixtant-Linie und die Intensivierung des Auslandsgeschäftes auch 1968/69 Erfolg bringen wird.

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