Die zehnte Bilanz für 1971 stammt vom März 1972
Bericht des Vorstands zur Gesamtentwicklung

Geschäftsbericht
Ein kräftiges Umsatzplus, jedoch ein deutlich abgeschwächter Ertrag kennzeichnen das am 30. September 1971 abgelaufene Geschäftsjahr. Der Berichtszeitraum war auch bei Braun durch konjunkturelle Abschwächungen im In- und Ausland, starke direkte und indirekte Auswirkungen der internationalen Währungssituation sowie erhebliche Kostensteigerungen auf allen Gebieten bestimmt.

Gleichzeitig wurden Vorleistungen für die künftige Unternehmensentwicklung erbracht.
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Umsatz
Die Braun-Gruppe (Braun AG mit in- und ausländischen Tochtergesellschaften) konnte eine 14%ige Steigerung des Umsatzes auf konsolidiert 404 Mio. DM (Vorjahr 354 Mio. DM) erzielen. Die Braun AG selbst erhöhte ihren Umsatz von 275 Mio. DM um 12% auf 308 Mio. DM. Die einzelnen Artikelgruppen Haustechnik, Elektronik und Foto waren an der Umsatzentwicklung unterschiedlich beteiligt.

Das Auslandsgeschäft der Braun-Gruppe
, das wiederum über die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachte, nahm trotz der Einflüsse der Währungssituation von 198 Mio. DM auf 213 Mio. DM zu. Es brachte 53 % des Gruppenumsatzes (Vorjahr 56 %). Der Exportanteil der Braun AG betrug 39 % (Vorjahr 44 %).

Ertrag
Im Konzern (Braun AG mit inländischen Tochtergesellschaften) und in der Braun AG selbst blieb der Jahresüberschuß erheblich hinter den Erträgen des Vorjahrs zurück. Er machte im Konzern 5,9 Mio. DM (Vorjahr 10,3 Mio. DM) und in der Braun AG 5,2 Mio. DM (Vorjahr 10,1 Mio. DM) aus.

Maßgebend für die Ertragsminderung
waren neben den Währungsauswirkungen und allgemeinen Kostensteigerungen für Personal, Material und Dienstleistungen, auch notwendige Investitionen für die Zukunft: in Forschung und Entwicklung, Marketing- und Produkt-Management im In- und Ausland, Materialwirtschaft, eine ertragsbewußte Sortimentsbereinigung sowie verstärkte Rationalisierungsmaßnahmen, die sich im Berichtszeitraum erst teilweise auswirken konnten.

Investitionen
Die Sachinvestitionen in Deutschland machten 14,9 Mio. DM aus (Vorjahr 16,5 Mio. DM). Die Bauvorhaben in Kronberg wurden zum Abschluß gebracht, die dazugehörenden maschinellen Anlagen eingerichtet. Auch die maschinelle Ausstattung verschiedener weiterer Braun-Werke wurde unter den Gesichtspunkten moderner, rationeller Fertigung teilweise ergänzt oder ausgetauscht. Eine neue Wasseraufbereitungsanlage im Werk Kronberg dient der Rationalisierung und dem Umweltschutz.

Beteiligungen
Wichtigste Änderung bei den Beteiligungen der Braun AG war am 1. Mai 1971 der Erwerb der Köllisch AG, Nürnberg, die nun als Consul GmbH Teil des Braun-Konzerns ist. Zu Beginn des Geschäftsjahrs gingen Betriebsvermögen und Produktion der Braun Elektromechanik GmbH, Marktheidenfeld, auf die Braun AG über.

Im Ausland erfolgte im Geschäftsjahr die Gründung der Companfa de Productos Braun S.A.I.C., Buenos Aires, Argentinien. Als Vertriebsgesellschaft wurde in Teheran die Braun Iran Ltd. gegründet, an der Braun mit 20% beteiligt ist.

Aus den Bereichen

Profitabel waren nur die Rasierer
Die Palette in 4 Bereichen, davon 3 defizitär.

Um die Marktstellung von Braun weiter zu festigen und auszudehnen, wurde die Marketing-Organisation im Laufe des Geschäftsjahrs in allen Bereichen des Unternehmens verstärkt ausgebaut. In erster Linie wurden damit Grundlagen für die künftige Geschäftsentwicklung im In- und Ausland geschaffen. Diese Initiativen brachten schon im Geschäftsjahr 1970/71 erste Erfolge.

Weitere Konzentration auf marktgerechte Produkte von hohem Anspruch in Technik, Funktion und Gestaltung sowie das Marketing- und Produkt-Management und die Pflege der Partnerschaft zum Handel in der Preis- und Vertriebspolitik waren die ausschlaggebenden Faktoren für Umsatzsteigerungen und hohe Marktanteile. Diese Politik und die Intensivierung von Forschung und Entwicklung werden den Braun-Vorsprung auf den speziellen Märkten des Unternehmens auch für die Zukunft sichern.

Die von Braun im Laufe des Geschäftsjahrs 1970/71 eingeführten neuen Produkte fanden eine positive Aufnahme auf den Märkten des In- und Auslands.

Anmerkung : Nicht explizit angesprochen wurde der immense Aufwand der "Intensivierung von Forschung und Entwicklung", der zu Lasten des Ertrages ging. Und der Ertrag von nur ca. 3% des Umsatzes war den Amerikanern deutlich zu gering.

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In der Produktlinie der Braun-Rasierer setzte sich das Spitzenmodell sixtant 6006 „synchron" mit besonders guten Verkaufsergebnissen durch. Im Inland lagen die Umsätze und Marktanteile dieses Geräts weit über den Erwartungen. Die Nachfrage war so stark, daß die ebenfalls erfolgreiche Einführung auf den ausländischen Märkten nur schrittweise erfolgen konnte. Unter den Batterie-Rasierern brachte der „cassett" ein gutes Ergebnis. Der neue Rasierer „Lady Braun" erschloß sich schnell seinen Markt.

Eine ausgesprochen positive Aufnahme fand die Luftkissen-Trockenhaube zu Beginn des laufenden Geschäftsjahrs. In der neuen Produktlinie Uhren wurde im Herbst 1971 eine Digitaluhr mit Erfolg eingeführt. Die bewährten Modelle der Küchengeräte, Saftzentrifugen und Kaffeemühlen hatten unverändert guten Absatz. Die neuen Braun Tisch- und Taschenfeuerzeuge entwickelten sich gut. Das von Consul eingeführte neue Feuerzeug-Programm ist sehr erfolgreich.

Seit Aug. 1969 ganz neu und endlich ein richtiger Renner, die Braun L710

Auf dem Gebiet der Unterhaltungselektronik ist Braun der einzige deutsche Hersteller, der ein vollständiges High Fidelity-Programm aus einer Hand anbietet und dabei neben der oberen auch die gehobene mittlere Preisklasse pflegt. Ihre Bedeutung auf dem HiFi-Markt nimmt ständig zu.

Die jüngsten Braun-Neuheiten einschließlich des gesamten Lautsprecher- Programms trugen stark zur Umsatzsteigerung bei. Neben den bewährten Baustein-HiFi-Stereo-Anlagen spielten die Kompaktanlage „cockpit" und das neue HiFi-Tonbandgerät TG1000, das bereits für Quadrophonie vorbereitet ist, eine besondere Rolle.
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  • Anmerkung : Das mit der Quadophonie war natürlich Marketing-Quatsch, es gab später mal einen Nachrüstsatz für das fertige Stereogerät (für Bastler).

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Der Foto-Bereich hat sich auf den insgesamt schwierigen Märkten erfreulich entwickelt. In der Produktlinie Filmkameras konnte die Nachfrage nach den neuen Nizo-Spitzenmodellen nicht voll befriedigt werden. Die neuen Film- und Dia-Projektoren kamen erst zum Ende des Geschäftsjahrs auf den Markt und liefen gut an. Eine bemerkenswerte Nachfragesteigerung verzeichneten die Computer-Blitzgeräte. Die Produktion im Foto-Bereich wurde durch Verlagerung der Blitzgeräte-Fertigung aus Waldkirch im Werk München zusammengefaßt.

Die Geschäftsentwicklung im Ausland
war insgesamt sehr erfreulich, jedoch regional unterschiedlich, zum Teil beeinflußt von der Währungs- und Konjunktursituation der einzelnen Länder. In Spanien, wo Braun eine eigene Fertigungsstätte unterhält, war das Geschäftsjahr 1970/71 besonders erfolgreich: Die Stellung von Braun als Marktführer auf dem Gebiet der Haushaltsgeräte wurde dort weiter ausgebaut. Die größten Zuwachsraten hatten daneben Japan, die Niederlande und Schweden. Die Konsolidierung der Weltwährungslage und größere Verfügbarkeit von Braun-Produkten für ausländische Märkte lassen gerade im internationalen Bereich auch weiterhin erfreuliche Wachstumsraten erwarten.

Mitarbeiter
Die Zahl der Mitarbeiter der Braun-Gruppe wurde - auch unter Ausnutzung der normalen Fluktuation - zum Ende des Geschäftsjahrs um 7,5% auf 7.212 (Vorjahr 7.797) gesenkt.

Konsequent durchgeführte Rationalisierungsmaßnahmen ermöglichten diese Reduzierung bei gleichzeitiger Umsatzausweitung. Im Inland machte die Abnahme sogar 9,7 % aus. Dem stand der Zugang von 360 Mitarbeitern der Consul GmbH gegenüber. Der systematische Ausbau der Auslandsorganisation erforderte eine Zunahme der dort beschäftigten Mitarbeiter um 2% auf 1.525 (1.496). Der Anteil der Lohnempfänger blieb in der Braun-Gruppe mit 60,6 % (61 %) fast gleich. Die in Deutschland tätigen ausländischen Arbeitskräfte machten 11,5% (13,6%) der im Inland Beschäftigten aus. In der Braun AG waren es 13,3% (17,1%).

Die Personal- und Sozialkosten sind im Geschäftsjahr 1970/71 außerordentlich stark gestiegen. Tariferhöhungen waren eine wesentliche Ursache. Außerdem wirkte sich unsere Entscheidung aus, zum Erreichen der Zukunftsziele des Unternehmens die erwähnten Personalinvestitionen vorzunehmen.

Im Braun-Konzern trug auch der Zugang der Consul-Mitarbeiter zu der Steigerungsrate von 23,3 % bei. Bei der Braun AG betrug die Steigerung 26,7%, machte allerdings durch die Übernahme der Mitarbeiter der Braun Elektromechanik GmbH, Marktheidenfeld, rechnerisch 41% aus.

Messen und Auszeichnungen
Die wichtigsten Messen des In- und Auslands, an denen Braun teilnahm, waren für die jeweiligen Produktbereiche erfolgreich. Das von Braun gepflegte Prinzip, hochwertige Technik mit guter Gestaltung zu verbinden, erwies sich als attraktiv für immer breitere Verbraucherschichten. So trafen die Braun-Neuheiten bei Handel und Publikum auf lebhaftes Interesse. In den entsprechenden Sonderausstellungen wurden sie mehrfach für überzeugende Form und Funktion ausgezeichnet: in Hannover, Frankfurt und im Design Center Stuttgart.

Für den Bereich Foto stand im Oktober 1970 die photokina in Köln, für den Bereich Elektronik im Sommer 1971 die Internationale Funkausstellung in Berlin im Mittelpunkt. Das gezeigte Braun-Programm fand beide Male eine entsprechend starke Resonanz. Für den Produktbereich Haustechnik waren die Fachmessen in Köln, Frankfurt und Hannover von größtem Gewicht und Erfolg.

Auf der Consumer Electronics Show in Chicago im Juni 1971 führte Braun als erster europäischer Hersteller quadrophonische HiFi-Wiedergabe vor.

Ebenfalls von besonderer Bedeutung und für Braun erfolgreich war die Beteiligung des Bereichs International an wesentlichen Messen des Auslands: in Marseille, Paris, Toulouse, Zürich sowie Brunn, Budapest, Warschau und Thessaloniki.

Ausblick
Die Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr wird im In- und Ausland stark von der Konjunktur und den Auswirkungen der Entscheidungen auf währungspolitischem Gebiet abhängen. Doch zeigt der Geschäftsverlauf seit Herbst 1971, daß Braun durch die vorausschauend im Unternehmen geschaffenen Grundlagen im neuen Geschäftsjahr ein befriedigendes Ergebnis erwarten kann.

Anmerkung : Auch in dieser Bilanz von 1970 wird nicht mal - endlich - von einem zu erwartenden "guten" Ergebnis gesprochen, immer nur von "befriedigend". Soetwas scheucht sogar schläfrige Amerikaner auf.

 

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