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Ein Artikel in Capital, der sich mit dem Verkauf beschäftigt

Die aus den Wirtschaftsnachrichten nach draußen lancierten Informationen müssen nicht immer stimmen. Insbesondere die Spiegel Redakteure hatten damals alles verrissen, das ihnen nicht ins (politische) Konzept gepaßt hatte. Auch hatten die Redakteure viel zu oft nur die Gerüchte im Ohr als detaillierte Auskünfte aus den Chefetagen. Der Spiegel-Artikel über den Aufstieg von Max Grundig spricht Bände.

Von Wolfgang Hasselbach haben wir viel mehr erfahren, was dort bei BRAUN im Hintergrund um 1966/67 abging als aus den Boulevard Blättern einschließlich dem Spiegel und dem Handelsblatt usw. . Damals wurde ganz ganz selten erwähnt, daß der Chef von Gillette - Vincent Ziegler - eine deutsche Mutter hatte und fließend !!! Deutsch sprach und sehr genau wußte, was er da kaufen wollte - einschließlich der BRAUN Hifi-Sparte.

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"Die müden BRAUN Brüder"
Artur Braun und Erwin Braun

Der Frankfurter Elektro-Konzern sucht US-Anschluß. (Aus Capital 11/1967 auf Seite 83)

Die Gebrüder Braun sind müde. Die beiden Haupteigner des Frankfurter Elektro-Unternehmens Braun AG, Diplom-Kaufmann Erwin Braun, 46, und Ingenieur Artur, 42, wollen verkaufen. Bald wird sich entscheiden, ob die Braun AG (Umsatz: rund 200 Millionen Mark) amerikanisch wird.

Favorit unter den Interessenten ist das US-Unternehmen Gillette Company aus Boston, das mit Naß-Rasierern, Klingen und Kosmetika etwa 1,6 Milliarden Mark umsetzt. Die Amerikaner machten den Braun-Brüdern ein sensationelles Angebot: Sie wollen für die Mehrheit des 18-Mil!ionen-Stammkapitals 200 Millionen Mark (Anmerkung : 50 Millionen US-Dollar) zahlen (95 Prozent halten die Brauns, den Rest eine Schweizer Finanzgruppe unter Führung von Braun-Aufsichtsrats- mitglied Werner Greuter und das Aufsichtsratsmitglied Dr. Fritz Eichler). Das entspricht einem Kurs bis zu 2.000 Mark pro 100-Mark-Aktie.

So gut wie die Haupteigner haben es die Inhaber der stimmrechtlosen Vorzugsaktien (6 Millionen Mark) nicht. An diesen Braun-Papieren sind die Amerikaner nicht interessiert.
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Ein kleiner Trick - Informationen lancieren

Damit aber die Vorzugsaktionäre (zu einem Großteil Braun-Einzel- händler) nicht leer ausgehen, taten die Frankfurter, was bei der vorsichtigen deutschen Industrie nicht üblich ist: Sie veröffentlichten das verlockende Gillette-Angebot vor einem Vertragsabschluß.

Prompt stiegen die Braun-Kurse an der Börse binnen fünf Tagen um 47 Punkte auf 695. Diese Taktik hat einen weiteren Vorteil: Sie treibt bei den Mit-Bewerbern (Brauns General-Direktor Dr. Rudolf Gros: „Bei uns gehen jeden Tag Angebote ausländischer Interessenten ein.8) den Kaufpreis hoch.

Unterdes rätselt die Branche, was die Braun-Brüder mit dem vielen Geld machen wollen. Erwin und Artur hatten auf Geheiß des Vaters Max Braun studiert; Erwin wurde Betriebswirt, obwohl er lieber Mediziner geworden wäre. Artur wurde Ingenieur. Beide teilten sich später in die Geschäftsleitung und lebten spartanisch. Erwin fuhr per VW ins Büro, Artur in uralten Gebrauchtwagen, die er liebevoll reparierte.

Erst als Dr. Fritz Eichler, Kriegskamerad von Erwin Braun und heute Aufsichtsratsmitglied, als Leiter der Braungestaltung anfing, wurde die Firma groß. Eichler, den man noch heute das „ästhetische Gewissen" von Braun nennt, machte Jung-Erwin mit dem modernen Design vertraut. Sein Lehrbuch war ein schon leicht vergilbter Katalog des New Yorker Museum of Modern Art, den Eichler stets bei sich trug.

Der Chef-Designer, der sich vorher in der Filmbranche abgemüht hatte (Eichler: „Besser gute Gebrauchsgegenstände entwickeln als schlechte Filme machen."), entwarf für die Braun-Produkte die spezielle Form. Ein Stab qualifizierter Techniker, geleitet von Artur Braun, verwirklichte die Eichler-Ideen.

Die neue Braun-Form erlangte Welt-Ruhm.

1958 standen die Frankfurter Produkte in den Vitrinen des New Yorker Museum of Modern Art als „schönste Industrieprodukte des 20. Jahrhunderts". Unterdes stellte es sich heraus, daß der unkonven- tionelle Erwin sich mehr um Medizin und Ernährungsphysiologie kümmerte als ums Geschäft. Braunmitarbeiter können in Schonkost- und Diätkantinen essen oder in der Braun-Sauna schwitzen. Ein frühdiagnostisches Labor hilft Krankheiten der Betriebsangehörigen rechtzeitig erkennen. Erwins Gesundheits-Wahn stieß oft auf die Kritik der Manager,die sich am Anfang um die Finanzen sorgen mußten.

1962 wurde Erwin Aufsichtsrats-Vorsitzer, als die Max Braun OHG in die Braun AG umgewandelt wurde. Drei Jahre später löste ihn Bruder Artur ab; er präsidiert noch heute dem Gremium. Der weltfremde Artur (die meisten Betriebsangehörigen haben ihn noch nie gesehen) hält die Festung in Frankfurt meist allein. Bis in den späten Abend steht sein Peugeot-Cabrio auf dem Direktorenparkplatz, während der Ingenieur in seinem bescheidenen Büro über technischen Details brütet. Erwins Büro indes ist verwaist. Der Diplom-Kaufmann führt seine Geschäfte (unter anderem die Braun Vermögensgesellschaft) von seiner Villa im Schweizer Samen.

Dort widmet er sich wieder seiner Medizin. In Samen traf er sich unlängst mit einigen Experten (darunter seinem Duzfreund, dem Frankfurter Diagnostiker Dr. F. Bode) und besprach ein neues Projekt. Denn Erwin will das Alpen-Klima nutzen und ein Sanatorium gründen.

Mit der Finanzierung des Mammut-Projektes hätte er keine Sorgen, wenn er seine Aktien verkauft. Den Zeitpunkt haben die Braun-Brüder gut gewählt. Denn das Unternehmen ist gewinnträchtig. Vor allem die Sparte Rasierer (Marke Sixtant) bringt den größten Teil des 8-Millionen-Mark-Gewinns.

Elektronik, Foto, Haushalt machten auch 1967 keinen Gewinn

Die anderen drei Bereiche (Elektronik, Foto, Haushalt) arbeiten mit wechselndem Erfolg, die Haushalts-Abteilung zur Zeit mit Verlust.
Mit Gillette (Vertriebsnetz in 145 Ländern) erhoffen sich die Frankfurter den Zugang zum Weltmarkt. Bislang verkauft Braun seinen Elektro-Rasierer weder in den USA noch in den übrigen Gebieten Amerikas. Diese Chance haben sich aber die Braun-Leute selbst verbaut, als sie 1954 einen kombinierten Liefer-Lizenz-Vertrag mit dem US-Konzern Ronson unterschrieben und alle Rechte bis 1976 den Amerikanern überschrieben. Zwischen Ronson und Braun kam es in diesem Jahr zum Krach, als "wir den Vertrag modifizieren wollten" (Braun-General Gros). Hier ist es dem finanzstarken US-Unternehmen Gillette eher möglich, Braun auszulösen.

»Gillette betritt bei Braun Neuland", sagt Gillette-Präsident Vincent C. Ziegler. „Jedoch eröffnen sich für uns interessante Wachstumsmöglichkeiten." Die Naß-Rasierer aus USA sind vor allem an Elektrorasierern außerhalb der USA interessiert. Das ist verständlich. Denn im eigenen Land wird den Rasierklingenmachern ein entsprechendes Engagement durch das Anti-Trust-Gesetz erschwert.

So weit ein authentischer Artikel aus CAPITAL 11/1967

Lesen Sie da irgend etwas von einem Professor oder von einem Design-Genie Dieter Rahms ? Ich habe das vergilbte Blatt aus dem Magazin aufgehoben, um es jederzeit in "echt" irgendwelchen Zweiflern vorzeigen zu können.

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