Die fünfte Bilanz für 1966 stammt vom März 1967
Bericht des Vorstands zur Gesamtentwicklung

Die Braun AG hat das Geschäftsjahr 1965/66 am 30. September 1966 mit insgesamt gutem Ergebnis abgeschlossen.

Im Hinblick auf die abgeschwächte Gesamtentwicklung der Elektroindustrie kann die Zuwachsrate der Gesellschaft als gut bezeichnet werden.
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Anmerkung: Nach unseren Unterlagen gab es im gesamten Elektronik- und Elektrotechnik Bereich in 1966 einen Einbruch. Den hat die Braun AG als Ganzes offensichtlich gut überstanden. Wie weit dabei Hifi abgesackt ist, geht aus den Zahlen nicht hervor, da die Rasierer wieder mal erheblich zugelegt hatten.

Weiterhin fällt auf, daß diese Bilanz zwar mit den üblichen Grafiken aber mit einer Vielzahl von absolut nichtssagenden Fotos bestückt bzw. aufgepeppt worden ist.

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Umsatz in 1966 ca. 197 Millionen DM
Die Braun AG hat ihren Umsatz um 12,9% auf 197 Mio. DM gesteigert, die Braun-Gruppe (Braun AG mit in- und ausländischen Beteiligungsgesellschaften) um 16,7% auf 245 Mio. DM. Die Artikelbereiche waren an der Steigerung unterschiedlich beteiligt.

Im Berichtszeitraum ist der Umsatz im Ausland stärker als im Inland gestiegen. Bei der Braun AG betrug der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz rund 37%, bei der Braun-Gruppe fast 50%. Davon wurden rund 3/4 in Europa, 1/3 in Übersee erzielt.

Ertrag 1966
Der Jahresgewinn ist um 6,8 % auf 8,0 Mio. DM gestiegen. Erhebliche Aufwendungen für den Ausbau der Marktstellung im Ausland und Kosten zur Inbetriebnahme neuer Fertigungsstätten haben sich hier ausgewirkt. Dazu kamen erhöhte Kosten für Personal, die nicht voll durch Rationalisierung ausgeglichen werden konnten. Die Preise blieben im wesentlichen unverändert.

Investitionen 1966
Die Sachinvestitionen der Braun AG sind von 4,3 Mio. im Vorjahr auf 10,9 Mio. DM gestiegen. Dieser Betrag wurde hauptsächlich für den zweiten Bauabschnitt der Fertigungshalle und den Rohbau des Mehrzweckgebäudes in Kronberg verwendet. Weitere 4,4 Mio. DM wurden zum Ausbau der Fertigungskapazität von den Beteiligungsgesellschaften in Marktheidenfeld und Walldürn investiert.

Finanzierung 1966
Zur Deckung des Finanzbedarfs im Ausland wurde im Mai 1966 von der Braun Electric International S.A., Baden/Schweiz, eine Anleihe in Höhe von 12 Mio. Schweizer Franken zum Zinssatz von 5 1/2% aufgelegt. Die von der Braun AG verbürgte Anleihe konnte gut plaziert werden. Die geplante Kapitalerhöhung aus dem genehmigten Kapital von 6 Mio. DM wurde wegen der ungünstigen Entwicklung des Kapitalmarktes zurückgestellt.

Diese ELA Anlagen waren ein einziger Flop

Auszeichnungen 1966
Auch in diesem Jahr wurden Braun-Geräte international ausgezeichnet. Mehrere Haushaltgeräte erhielten amerikanische Auszeichnungen. Braun-Elektrorasierer, Elektronik-, Haushalt- und Fotogeräte wurden in Verbrauchertests erneut hervorragend bewertet. Mehrere Museen im In- und Ausland zeigten die Ausstellung «Das Gesicht einer Firma», die das gesamte Braun-Programm, die Produkt- und Werbegestaltung vorstellt. In 17 Repräsentativausstellungen der Bundesrepublik Deutschland wurden zahlreiche Braun-Geräte aufgenommen.

Neue Produkte 1966
Im Geschäftsjahr wurde der Bereich neue Produkte geschaffen. Er hat die Aufgabe, der Braun AG neues Entwicklungspotential, neue Verfahren und Produkte zu erschliessen. Das erste Erzeugnis ist ein elektromagnetisch zündendes Tischfeuerzeug.

Technik 1966
Die Teilefertigung, die den Schwerpunkt des Geschäftsbereichs Technik bildet, wurde zum Teil von Frankfurt in die erweiterten Produktionsstätten in Kronberg verlagert. Teile der Kunststoffbearbeitung übernahm das Haushaltgerätewerk Marktheidenfeld.
Teilefertigung, Werkzeug- und Formenbau waren im Geschäftsjahr durch die Aufträge aller Artikelbereiche voll ausgelastet.

Vertrieb 1966
Der Geschäftsbereich Vertrieb koordiniert die Vertriebspolitik der Gesellschaft. Seine Arbeit betraf vor allem Probleme der Preis- und Vertriebsbindung im Inland und im EWG-Raum.

Die zum Geschäftsbereich gehörende deutsche Aussenorganisation war im Geschäftsjahr durch den Vertrieb der Braun-Erzeugnisse voll ausgelastet.
Die Werbung durch Informationszentren und kleinere Beratungsstellen wurde verstärkt.

Ausland 1966
Der Geschäftsbereich Ausland koordiniert die Auslandstätigkeit der Braun-Gruppe. Der Schwerpunkt der Tätigkeit betrifft die Planung der ausländischen Beteiligungsgesellschaften.

Der Umsatz der ausländischen Beteiligungsgesellschaften hat sich erfreulich entwickelt. Insgesamt erzielten sie ein befriedigendes Ergebnis.

Mitarbeiter 1966
Am Stichtag hatte die Braun AG 2983 Mitarbeiter (Vorjahr 2979). Davon waren 55% (60%>) Lohnempfänger. Die Braun-Gruppe hatte 5677 (5387) Mitarbeiter, davon 64% (67%) Lohnempfänger.

Die Personalkosten der Braun AG sind durch tarifliche und ausser-tarifliche Lohn- und Gehaltserhöhungen und durch höhere Sozialleistungen erheblich gestiegen. Die freiwilligen Sozialleistungen betrafen in erster Linie die Schwerpunkte Gesundheitsdienst, Werksverpflegung und Gratifikationen.

Neu ab 1967, die 40-Stunden-Woche

Mit dem 1. Januar 1967 wurde die 40-Stunden-Woche eingeführt. Diese Arbeitszeitverkürzung mit ihren Folgekosten und die bereits beschlossene Tariferhöhung müssen im kommenden Jahr durch erhöhte Produktivität ausgeglichen werden.

Ausblick 1966
Die bereits abgeschlossene Hauptsaison des neuen Geschäftsjahres hat gegenüber dem Vorjahr wieder eine erfreuliche Steigerung gebracht.

Für das Gesamtgeschäftsjahr muss jedoch mit einem stärkeren Einfluss des Konjunkturrückganges in Deutschland gerechnet werden.

Braun hat sich durch die Konzentration auf Schwerpunkte des Programms und durch die Intensivierung des Auslandsgeschäfts auf diese Entwicklung vorbereitet. So ist auch für das Geschäftsjahr 1966/67 mit einer befriedigenden Entwicklung zu rechnen.

Artikelbereich Elektronik

Der Artikelbereich hat sich im vergangenen Geschäftsjahr weiter gut entwickelt. Alle drei Tätigkeitsgebiete - Wieder- gabeanlagen, Elektronenblitzgeräte und Temperaturmessung - konnten ihren Umsatz steigern. Das gilt sowohl für den Inlandsmarkt als auch für das Ausland. Die Steigerung im Ausland wurde vor allem durch den Ausbau der Vertriebsorganisation und durch besondere Massnahmen der Verkaufsförderung und Werbung erreicht.

Bei den Wiedergabeanlagen hat sich der Bereich weiter auf das HiFi-Gebiet konzentriert und seinen Marktanteil gefestigt.

Anmerkung: Das ist die verschleierte Umschreibung dafür, daß es bei Hifi trotz aller Anstrengungen mit neuen Produkten keine deutliche Steigerung gegeben hatte, wie es eigentlich erwartet wurde. Die Fernsehgeräte von Braun waren sowohl vom Verkauf her ein Flop als auch vom Service, denn die Fernseh-Chassis der unterschiedlichsten Hersteller waren jeweils in ein Braun Design gezwängt worden.

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Das Geräteprogramm reicht von der (vom Braun-Programm) meistverkauften HiFi-Anlage «audio» bis zum Studio 1000 für höchste Ansprüche. Es umfasst sämtliche Glieder der Wiedergabe: Plattenspieler, Tonbandgerät, Empfangsteil, Verstärker und Lautsprecher.

Anmerkung: Mitnichten ist die "audio" Anlage von Braun eine der meistverkauften Hifi-Anlagen auf dem Hifi-Markt. Das gilt nämlich nur innerhalb der Braun Produkte und wird hier sehr mißverständlich formuliert.

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Im Vertrieb dieser Anlagen wurde die Zusammenarbeit mit dem Fachgrosshandel durch zusätzliche Einführung der Preisbindung der ersten Hand gefördert.

Die Lichtleistung fast aller Amateurblitzgeräte konnte im vergangenen Jahr gesteigert werden. Mit diesen Geräten hatte der Bereich besonders in den USA starke Zunahmen. Zur Photokina 1966 wurden zwei neue Blitzgeräte vorgestellt: das Amateurgerät F 100, das eine gute Lichtleistung bei niedrigem Preis bietet, und Atelier 1000, eine Blitzanlage für Berufsfotografen. Als Bausteinsystem kann sie bis zur Anlage für grosse Ateliers erweitert werden.

Die bereits abgeschlossene Hauptsaison lässt für das laufende Geschäftsjahr wieder ein befriedigendes Ergebnis erwarten.

Artikelbereich Haushalt

Im Artikelbereich Haushalt entwickelte sich das Geschäft trotz weiter verschärften Wettbewerbs insgesamt befriedigend. Die deutschen Marktanteile wurden mit dem verbreiterten Sortiment im wesentlichen gehalten. Eine gewisse Zurückhaltung beim Kauf kleiner elektrischer Haushaltgeräte durch veränderte Verbrauchergewohnheiten war nicht ganz auszugleichen.

  • Anmerkung: Im Klartext, es gab einen Umsatzrückgang trotz neuer Geräte. Dieser Bereich Haushalt war damals genauso defizitär wie Hifi oder Foto. Alle diese bereiche wurden von den Rasierer Erfolgen gestützt.

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Die «klassischen» Braun-Küchengeräte wurden von diesen Marktverschiebungen weniger betroffen. Neue Kleingeräte kamen gut ins Geschäft. Das gilt vor allem für die Mahlwerk-Kaffeemühle Aromatic.
Im Ausland war das Geschäft im grossen und ganzen gut. Allerdings machten sich die Zollerhöhung in England und der Konjunkturrückgang in Finnland deutlich bemerkbar. Zum aufnahmefähigsten Teilmarkt entwickelten sich die USA. Dort war die Heissluftdusche am stärksten gefragt.

Die Hauptsaison hat sich relativ günstig entwickelt. Vor allem die Küchenmaschinen, die Mahlwerk-Kaffeemühle, der Toaster und die Frischsaftzentrifuge erzielten beachtliche Absatzerfolge. Die verbesserte Markttendenz lässt für 1966/67 eine befriedigende Entwicklung erwarten.
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Artikelbereich Rasierer

Das hier ist die Kurzform, da der Schmus doch nicht weiter interessiert.
Also: Preise und Handesspannen wurden reduziert und dennoch ist der Umsatz erheblich gewachsen. Das rettete die Konzernzahlen von 1966.

 

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