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Der BRAUN Receiver R4 war ein a/d/s/-Gerät

Und auf dem a/d/s/-Gerät (made in ROC-Taiwan) stand unten drauf : "Do not open - Shock". Da muß etwas dran gewesen sein. Jedenfalls der Ex-Chefentwickler Wolfgang Hasselbach war davon gar nicht mehr so begeistert, weil er um die Schwächen dieser Fernost-Produktionen wußte.

Eigentlich wollte ich schon immer mal in die nicht mehr bei BRAUN gefertigten Geräte rein schaun, doch die Geräte waren exorbitant teuer und das zu völlig unangemessenen Mythen- und Sammlerpreisen. Daß ich mit den irren und bekloppten ebay-Preisen nicht übereinstimme, hatte sich ja schon herumgesprochen. Und so wartete ich auf den Zufall und etwas Glück und im Februar 2017 haben wir einen vermutlich defekten R4 geschenkt bekommen.
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Der BRAUN R4 Receiver gehörte zur "Last Edition".

Wo das Innenleben entwickelt wurde, hier in Deutschland oder in Fernost oder bei den a/d/s/-Leuten in Boston, ist nicht mehr bekannt. Jedenfalls fallen beim genaueren Betrachten einige Eigenschaften auf, sowohl positive wie auch negative Eigenschaften.
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Von Herrn Hasselbach weiß ich, daß die 1968er Anfänge mit den extrem flachen Trafos haarsträubende Ergebnisse brachten. Die Abwärme der Verlustleistung konnte nicht vernünftig abfließen, die Geräte wurden bei Zimmerlautstärke bereits glühend heiß. Auch war bekannt, und das kam aus dem Haus Grundig, daß mit diesen flachen M-Kern Trafos die Betriebsverluste sehr groß waren. Grundig verwendete damals nur noch teure Schnittband- kerntrafos. Ein solches geniales Musterbeispiel ist der extrem flache Grundig SV 2000.
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Die Zeit der Watt-"Lügen" war ab 1985 voll entbrannt . . .

Die BRAUN AG als Mutterfirma hatte ja nicht ohne Grund die Hifi-Sparte an a/d/s/ "abgegeben". Der Hifi-Markt sprach eine merkwürdige Sprache. Da gab es einen DUAL Turm mit 1000 Watt Power. Doch dessen billiger Hongkong Trafo konnte gerade mal knappe 450 Watt liefern, und er glühte fast dabei.

Also mußte auch a/d/s/ beeindruckende Zahlen auf die Geräte bzw. die Prospekte drauf schreiben. So soll der BRAUN R4 stolze 2 x 130 Watt Musikleistung "erbringen". Schaut man aber in "den Bauch" rein, bleibt das Herz stehen. 4 eigentlich mikrige Netzteil- Kondensatörchen mit 8.000 und 10.000uF bei 27/35 Volt strafen mit einem Blick diese Zahlen der Lüge. Auch ist der innenliegende Kühlkörper für solche Leistungen viel zu klein. Liest man dann genauer, so sind es 130 Watt Musikleistung bei 1 KiloHertz und unbekanntem Klirrfaktor, aber nur, wenn nur ein Kanal betrieben wird.

Natürlich vergleiche ich die die Leistung bestimmenden Komponenten mit anderen hochwertigen Fabrikaten, die auch 2 x 80 Watt Sinus liefern sollen. Da sieht der BRAUN R4 dann gar nicht mehr gut aus. Und der sollte mal 2.500.- DM kosten.
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Heute in 2016 kostet der "Strom" richtiges Geld

Das mag ja um 1988 noch anders gewesen sein, obwohl der Strom auch da schon aus der Steckdose kam. Der BRAUN R4 wie auch die anderen "Last Edition" Komponenten waren alle fernsteuerbar. Und dazu gehört ein kleiner Hilfstrafo, der mit seiner Empfängerplatine und dem Prozessor Tag und Nacht auf Befehle wartet, . . . . und dabei etwa 10 Watt verbraucht.

Das brauchten übrigens fast alle damaligen Hifi-Geräte mit dem komfortablen Standby Modus. Nur in der heutigen Zeit ist das fatal, wenn da auf einmal Tag und Nacht 20 oder 30 Watt "fließen" (wenn also mehrere Einzelgeräte nicht an der Steckdosenleiste des R4 angeschlossen sind) und dem kein echter Netzschalter Einhalt gebieten kann. Doch BRAUN Kunden hatten schon immer etwas mehr Geld, jedenfalls damals.
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Die Anschlußleiste hinten ist endlich mustergültig.

Warum hatte das bei BRAUN damals so lange gedauert, bis man sich auf das "DUALE System" konzentriert hatte. Doch schon am Namen "Last Edition" sehen Sie, es war bereits zu spät. Man hätte ein Jahrzehnt früher umlenken müssen. Auch die Lautsprecher- Klemmanschlüsse sind pfiffig, jedenfalls deutlich besser als die von ganz vielen Japan-, Taiwan- und späteren China-Verstärkern und -Receivern.
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Billige Schrauben halten die Kiste zusammen

Es ist etwas übertrieben, doch die Menge der Blechschrauben, die die Bodenplatte und die (Kunststoff-) Seitenteile zusammen halten, ist schon sonderbar. Denn eigentlich dachte ich, verwöhnt vom echten BRAUN RA1 und vom echten BRAUN RS1, daß die beiden Seitenteile zum Kühlsystem dazugehören. Doch weit gefehlt, das ist alles nur noch Plastik und dient nur der Verkleidung. Doch die Menge der Schrauben macht einem Yamaha RX-550 alle Ehre, und der Yamaha Receiver hat wie der Braun jede Menge selbstschneidende Blechschrauben.
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Die thermische Konvektion ist zugebaut

Damit wird die Kühlung (der Endstufe und der analogen Spannungsregler) doch zum Problem, denn bei jedem analogen Verstärker fällt einiges an Verlustleistung ab. Selbst mit dem Trick der stufenweise hochgeschalteten Versorgungsspannung wird eine gewisse Leistung verbraten. Ob die Technik, mit mehreren Relais die Versorgungs-Sekundärspannung der Endstufen je nach Bedarf hoch zu schalten, so glücklich war, sei erst mal dahingestellt.

Bei unseren modernen analogen Labornetzgeräten ist das Stand der Dinge und durchaus sinnvoll. Da macht das Klacken der Relais sowie deren Kontakt-Verschleiß auch kein Problem. Doch bei einem Edelreceiver sehe ich das anders. Und heute in 2016 liest man in den Foren, die Relais hatten das Schalten unter Last nicht ganz so gut "vertragen", wie die oder der Entwickler das geplant hatte(n).
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Beschreibung und Schaltplan waren dabei

Bei den Schaltplänen bin ich natürlich verwöhnt, was das Gruppieren der logischen Baugruppen abweichend von der physikalischen Lage und den Platinen angeht. Hier muß man Abstriche machen, denn der Plan kommt auch aus Taiwan, so wie der von dem UHER verstärker und Harmann Kardon Verstärker. Und natürlich fordert die analoge/digitale Steuerung mit ihrer Komplexität ihren Tribut. Also das Lesen des Plans ist nicht ganz so einfach wie noch ein paar Jahre zuvor.
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Wenn dann noch die Klappe klemmt . . .

. . . . dann ist bei jedem BRAUN Fan ganz schnell die mentale Luft raus. Hinter der Klappe mit den Bedientasten wackelt ein deutlich sichtbares Flachbandkabel rum, das sich in den Schlitz rein schummelt und das das Rausklappen und Hereinklappen behindert bzw. blockiert. Und wer traut sich schon, dieses Kabel mit Heißkleber zu fixieren, wenn man dazu das gesamte Gerät zerlegen muß.
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Die positiven Seiten nicht vergessen . . . .

Der BRAUN R4 ist extrem flach und dafür haben "sie" viel reingebaut. Ein MC und MM Vorverstärker sind integriert, die Bedienfunktionen sind weitgehend elektronisch und fernbedienbar ausgelegt. Die Eingänge sind direkt an den Buchsen per Operationsverstärker geschaltet. Die Netzzuleitung ist auf dem kürzesten Weg an den Trafo herangeführt und geht nicht zwei mal durch ein ganzes Gehäuse - wie immer noch bei vielen vielen Japanern. Die gesamte Frontblende ist ein massives ALU-Profil, jedoch mit Siebdruck daruf. Das Chassis ist einigermaßen verwindungssteif. Laut einem BRAUN "Spezialisten" soll es inzwischen eine Software geben, mit der man den Receiver vom PC aus steuern könne.
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