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Der CSV 1000 ist eine qualitativ bescheidene Legende . . .

Fachhandels-Neuigkeiten Funkausstellung Aug. 1965
Der CSV 1000 von 1965
Die gesamte Anlage Studio 1000

Dieser 2 x 55 Watt Verstärker war einer der Bausteine der "Studio 1000" Anlage von Braun. Im August 1965 war der Verstärker eine Sensation, aber nur ganz wenige Jahre, besser Monate. Denn "die Anderen" waren auch alle ganz wild am Entwickeln oder Basteln, vor allem Max Grundig forderte seine Entwickler zu Bestleistungen auf und forderte damit die anderen Hifi-Spezialisten weit mehr heraus.

An Ideen hat der Braun Mannschaft um Chefentwickler Wolfgang Hasselbach ganz bestimmt nicht gefehlt, wie er mir erzählte. Doch erstens musste die ganze Entwicklungsabteilung auf allen Hifi-Hochzeiten zugleich "tanzen", nämlich Verstärker, Tuner, Plattenspieler und Lautsprecher und dann noch das Bandgerät TG60 und dann sollten auch noch Weltbestleistungen erzielt werden.

Doch die damalige Halbleitertechnik war fast wöchentlich im Umbruch. Der Umstieg von den temperaturanfälligen Germanium Transistoren auf Silizium war fast schon vorbei, doch diese neuen Transistoren hatten wieder andere Macken.

Am Ende war da noch ein neuer ehrgeiziger Chefdesigner Namens Dieter Rams, der den Ingenieuren die Bauformen - sprich Bauhöhen - vorgab und - beim TG-60 zum Beispiel - Geräte ähnlich einem Heizofen erzwang (sie wurden glühend heiß).

Rausholen, was machbar war . . .

Die Entstufentransistoren waren jetzt zwar etwas stabiler in ihren technischen Daten, doch die Spannungsfestigkeit oberhalb von 70V ließ zu wünschen übrig. Damit waren die 2 x 55 Watt bei 8 Ohm gerade noch machbar. Bei 4 und bei 16 Ohm gab es nur noch 32 Watt Sinus. Und die kommende Braun Boxengeneration (z.B. L710) hatte fast überall 4 Ohm Nennimpedanz.

Doch das war nur die Halbe Miete. Die bekannten und erprobten Schaltungen der Transistorverstärker dieser Jahre hatten im "Kleinst-Leistungsbereich" dicke Probleme.

So hat das Spitzengerät CSV 1000 zwar bei 55 Watt
nur 0,2% Klirrfaktor, jedoch unterhalb von 1,5 Watt Ausgangsleistung einen erheblichen Klirrfaktor von deutlich über 2% über alle Frequenzen hinweg, den man mit dieser Konzeption auch nie in den Griff bekam. Der Nachfolger, der CSV 500 (etwa 1967) war mit 2 x 40W Sinus an 4 Ohm nahezu gleich stark, aber klanglich schon deutlich verbessert und vor allem - nur halb so teuer.

Nach unseren Informationen war der CSV 1000 bereits 1967/68 nicht mehr verkaufbar, schon gar nicht für 2.400.- Mark. Man hätte das elektronische Innenleben kontinuierlich runderneuern müssen. Zumindest ab Seriennummer 10501 wurde etwas geändert.

Die Spannungsversorgung erfolgte mit einer Gleichspannung von 70V und am Leistungsausgang der beiden Endtransistoren lagen somit 35V Gleichspannung an, sodaß die Lautsprecher über 2 x 2000uF Kondensatoren angekoppelt waren. Solche Kompromisse wurden bei BRAUN später ab 1973/74 mit symmetrischer Spannungsversorgung und damit direkt angekoppelten Lautsprechern erheblich verbessert.

Wie auch immer, im August 1965 war es eine Glanzleistung.

Wolfgang Hasselbach hat eine mehrseitige Beschreibung für diesen CSV 1000 erstellt, die in der Funkt-Technik (?) abgedruckt wurde. Es ist verständlich, wenn dort (nur) alle Vorzüge ausführlich dargelegt worden waren. Die ganze Wahrheit samt der Hintergründe hat er mir erst 2010 und 2011 erzählt.

Da gab es die unendliche Geschichte mit dem dicken Netztrafo, der in dieses flache Gehäuse (mit Gewalt - eine Anweisung von ganz oben) rein musste und dazu auch nicht (mechanisch) brummen durfte. Die ersten Muster wurden glühend heiß und brummten deutlich vor sich hin.

Herr Chefdesigner Rams wollte keine Kühlkörper sehen, die sollten im Gehäuse "versteckt" werden. Bei echten 2 x 55 Watt Sinus und dieser Bauhöhe schließen sich damals solche Forderungen eigentlich aus. So wurde nur mühsam der hausinterne Knartsch zwischen Designer und Entwickler vermieden.

Was zum Beispiel damals überhaupt keine Rolle spielte, war die "Vergänglichkeit" der kleinen und großen Kondensatoren bei andauernder Überhitzung (= Austrocknung). Sie finden hier bei uns viele viel Beispiele, bei denen die Kondensatoren ganz dicht an irgendwelchen heißen Hochlastwiderständen oder Kühlblechen positioniert sind. Eigentlich sind das Sollbruchstellen, die einen Verstärker nach einer bestimmten Zeit ausfallen lassen (oder sogar sollen ?).
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Jedenfalls wurde der CSV 1000 für BRAUN kein Glanzlicht - im Gegensatz zum CE1000, denn diese Qualitäts-Probleme kamen recht schnell an die Oberfläche - sehr ähnlich zu den Eketrostaten LE1 in den Frankfurter Diskotheken. Es war schon damals ein gefährlicher Bumerang für das BRAUN Inage.
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