Sie sind hier : Startseite →  Hifi Hersteller (1) Deutschland→  BRAUN AG (Kronberg)→  Die Braun Hifi Historie→  Braun intern II (Bilanzen)

Zuerst ein Wort zu Bilanzen / Geschäftsberichten an sich.

20 Jahre Bilanzen Braun und Gillette

Eine Bilanz oder ein Geschäftsbericht einer größeren Firma, insbesondere einer AG, ist grundsätzlich öffentlich. Er ist halt nur für die Aktionäre und die Banken "besonders gestylt". Das Unternehmen zeigt sich von seiner schönsten und besten Seite. Jede Steigerung von "Irgendetwas" wird groß herausgehoben, negative Daten werden meist als eine Neuausrichtung, Korrektur oder Anpassung an den Markt beschrieben. Darum ließt ein erfahrener Finanzfachmann eine Bilanz ganz anders als wir Laien. Er ließt "zwischen den Zeilen".
Hat man aber eine "ganze Latte" von Bilanzen und kann diese chronologisch durchsehen und dazu Mengen von Prospekten und kann auch Zeitzeugen befragen, die das alles erlebt haben und hat man die Produkte und das Erscheinungsbild des betroffenen Unternehmens noch im Blickfeld der Erinnerung, dann kann man auch als Ingenieur "Vieles" aus den Geschäftsberichten herauslesen.

Die Bilanzen stammen von einer Führungskraft von Braun

Chefentwickler Dipl. Phys. Wolfgang Hasselbach wurde 1957 (er war mittlerweile 5 Jahre bei Assmann / Bad Homburg angestellt) von den beiden Brüdern Artur und Erwin Braun noch persönlich zum Vorstellungsgespräch eingeladen, nach seinen Interessen und Fähigkeiten befragt und dann eingestellt, als der "Laden" noch richtig klein und gemütlich war. Es war somit zeitlebens seine Firma, wie er mir traurig erzählt hatte. Zum Schluß (ab 1980) war er der Entwicklungsdirektor für Audioprodukte, vornehmlich für die Hifi-Geräte.

Und um den Bereich Hifi und das Ende von Braun-Hifi geht es mir hier in dieser Recherche. Und darum habe ich erstmal die vielen Prospekte und sonstigen Publikationen von Braun eingescannt und teilweise schon veröffentlicht. Und damit synchronisiere ich die Veränderungen der Hifi-Palette mit den in den Bilanzen gefunden Kommentaren und Beschreibungen.
Und so passen die Mosaiksteine jetzt immer besser zusammen.

Die Zahlen aus den Bilanzen interessieren hier fast nicht.

Ich entnehme den Bilanzen bzw. den Geschäftsberichten die Erläuterungen und Kommentare, denn dort steckt die jeweilige Situation des abgelaufenen Jahres zwischen den Zeilen.

.

Die erste Bilanz aus dem Stapel beschreibt das Jahr 1962.

der neue Rasierer sixtant

Geschäftsverlauf 1962 - aus der OHG wird die AG

Die Aktiengesellschaft ist durch Umwandlung der Offenen Handelsgesellschaft Max Braun mit Wirkung vom 1.10.1961 entstanden. Das am 30.9.1962 abgelaufene erste Geschäftsjahr nahm bei konsolidierter Umsatz- und Ertragslage insgesamt einen befriedigenden Verlauf.

Umsatz 1962 ca. 104 Millionen DM
Der Umsatz der Braun AG betrug rd. 104 Mio. Auf diesem Niveau hat er sich seit 1959 - mit einer Spitze in 1960 - trotz unterschiedlicher Marktentwicklungen und wachsender finanzieller Anforderungen, insbesondere aus der notwendigen höheren Lagerhaltung, stabilisiert. Bei Einbeziehung der zum Teil neu erworbenen Beteiligungsgesellschaften ergibt sich ein Umsatzzuwachs von ca. 4% auf rd. 108 Mio. Der Exportanteil ist mit etwas über einem Drittel nahezu gleichgeblieben.

Der Anteil der einzelnen Artikelgruppen am Umsatz hat sich auch im Berichtsjahr wieder unterschiedlich entwickelt. Die Steigerung bei Rundfunk ergibt sich teilweise aus der eingeleiteten Umstellung auf hochwertigere Einheiten. Die Umsatzausweitung auf dem Fotosektor beruht vorwiegend auf dem verbreiterten Projektorenprogramm. Bei Haushaltsgeräten hat sich demgegenüber die schon im Vorjahr beobachtete Marktverlagerung zu kleineren Geräten mit entsprechenden Umsatzreduzierungen fortgesetzt.

Anmerkung: In keiner der vorgelegten Bilanzen werden die 4 Bereiche/Gruppen umsatzmäßig verglichen oder Zahlen pro Bereich angegeben. Es wird bis zur letzten Bilanz 1981 nur der konsolidierte Umsatz genannt. Somit ist für mich eine Gewichtung innerhalb des Unternehmens sowie eine Trendbeobachtung schwierig.

.

Ertrag 1962 ca. 3,3 Millionen bei 104 Mio Umsatz
Die Ertragslage hat sich zufriedenstellend entwickelt. Das reine Betriebsergebnis - ohne Finanzergebnis und vor Steuerabzug - liegt bei über 5% des Umsatzes. Durch ständige Rationalisierungs- bemühungen in allen Bereichen konnten Kosten- erhöhungen, insbesondere aus den tariflichen Lohnerhöhungen (einschließlich Arbeitszeitverkürzungen und Urlaubsverlängerungen), teilweise aufgefangen werden.
.

  • Anmerkung: Hier in diesem Bereich der Bilanzen wird noch viel über die sogenannte Umsatzrendite berichtet. Das ist der Prozentsatz vom Umsatz, der pro Jahr an die Aktionäre oder Gesellschafter "ausgeschüttet" wird - quasi die Kapitalverzinsung. Eine Ertragslage von brutto nur 5,% (netto ist das noch viel weniger) ist wirklich "nur" zufriedenstellend.

.
Neue Geräte 1962
Von der technischen Entwicklung wurden neben laufenden Verbesserungen des vorhandenen Programmes wichtige Neuerungen geschaffen. Dazu gehören u.a.: die erste hochqualifizierte volltransistorisierte Rundfunkanlage audio 1, die das gleichzeitig ausgebaute HiFi-Programm für hochwertige Musikanlagen ergänzt, das nach Bausteinprinzip neuartig aufgebaute Elektronenblitzgerät F80 für professionellen Bedarf, Dia-Projektoren verschiedener Leistungsstufen, darunter eine interessante Kombination von Kleinprojektor und Dia-Betrachter in einem Gerät (D5), ein neuartiges Grillgerät für gehobene Ansprüche, der Rasierer sixtant mit einem neuen Scherblatt, das dem Schersystem eine wesentlich gesteigerte Leistungsfähigkeit gibt.

Die neue Tochtergesellschaft Braun Electronic befaßt sich erfolgreich mit der Entwicklung elektronischer Meß- und Regelgeräte für komplizierte Temperaturmessungen in Industrie, Medizin und Forschung.

Neue Produktionsstätten 1962
In der Produktion wirkten sich die in den letzten Jahren geschaffenen neuen Kapazitäten durch erhöhte Wirtschaftlichkeit aus. Im Geschäftsjahr wurde der erste Bauabschnitt des neuen Werkes in Kronberg (Ts.) fertiggestellt und zugleich eine benachbarte Fabrikanlage pachtweise übernommen. An diesem neuen Standort wurden Fertigungsstellen, insbesondere für Projektoren, und Kundendienststellen eingerichtet. Im fototechnischen Bereich erwarben wir die beherrschende Mehrheit an der Niezoldi & Krämer GmbH in München, die Schmalfilmkameras und -projektoren herstellt.

Absatz 1962
Der Absatz war auch im abgelaufenen Geschäftsjahr insbesondere im Inland durch eine Fortsetzung der für die Braun-Markenartikel angemessenen Vertriebspolitik bestimmt. Preiserhöhungen konnten im wesentlichen vermieden werden. Derweiterhin überwiegend von der selbständigen Handelsfirma Braun Electric International in Baden/Schweiz durchgeführte Auslandsvertrieb stand vor allem preislich unter starkem internationalen Wettbewerbsdruck.

Mitarbeiter 1962 fast 3.800
Ende September 1962 beschäftigten wir mit 2.870 Mitarbeitern rd. 7% mehr als am Ende des vorhergehenden Geschäftsjahres. Weitere 1.102 Mitarbeiter waren bei unseren Tochtergesellschaften tätig. Der Anteil der Angestellten betrug insgesamt 31 %. Löhne und Gehälter sind in 1961/62 um ca 10% gestiegen. Die ebenfalls erhöhten freiwilligen Sozialleistungen von ca. 2,2 Mio betreffen insbesondere Gratifikationen für alle Mitarbeiter, die Unterstützungskasse, Zuschüsse für Werksverpflegung einschließlich Diätkantine, sowie den besonders geförderten und durch eine Fernsehsendung weithin bekannt gewordenen Gesundheitsdienst.

Braun eröffnet eigene Beratungszentren in den Großstädten wie hier in Frankfurt

.

Ausblick 1963 (das neue Geschäfts-Jahr beginnt bei Braun am 1.10.1962)
In der Organisation des Unternehmens wurde ab 1. Januar 1963 eine seit längerem vorbereitete Neuordnung eingeführt, die verbesserte Voraussetzungen für die geplanten Expansionen schafft. Neben den (horizontalen) Fachbereichen Finanzen und Verwaltung, Technik und Vertrieb wurden vier relativ selbständige (vertikale) Artikelbereiche

  • (1) Elektronik (und das ist der uns interessierende Bereich auch mit Hifi)
  • (2) Foto (Nizo Schmalfilmkameras, Diaprojektoren, Blitzgeräte)
  • (3) Haushalt
  • (4) Rasierer - (der eigentliche Zukunftsträger)


geschaffen, die jeweils von der Entwicklung über die Produktion bis zum Absatz verantwortlich sind. Die Aufgabenverteilung in dem gleichzeitig erweiterten Vorstand wurde dieser Organisation angepaßt. Der Vorsitzer hat zugleich die Finanz- und Verwaltungsführung inne, während von den vier Mitgliedern, die je einen Artikelbereich leiten, zwei in Personalunion die fachliche Koordinierung für Technik und Vertrieb übernommen haben.

Für das Geschäftsjahr 1962/63 rechnen wir trotz der allgemeinen Konjunkturdämpfung und trotz verstärktem Wettbewerb bei den langlebigen Gebrauchsgütern auf Grund der bis jetzt vorliegenden Steigerung im Inlandsabsatz mit einer angemessenen Umsatzerhöhung.

Da diese Seite sonst zu lang wird, sind die Bilanzen (in Auszügen) bis 1981 auf separaten Seiten eingestellt.

 

.

- Werbung Dezent -
Zurück zur Startseite © 2007/2019 - Deutsches Hifi-Museum Wiesbaden - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - DSGVO - Privatsphäre - Zum Telefon der Redaktion - Zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos natürlich.

Privatsphäre : Auf unseren Seiten werden keine Informationen an google, twitter, facebook oder andere US-Konzerne weitergegeben.