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Grundlage ist eine 1990er Firmen Broschüre von
Braun über Braun von 1921 bis 1989

In 1990 brachte die Braun AG (Abteilung Kommunikation) eine Broschüre über die Menschen und die Produkte der vergangenen 60 und mehr Jahre heraus, die im Original den Zeitraum von 1921 bis 1989 umfaßt.

Hier werden die Inhalte weiterer Braun Chroniken mit eingepflegt, damit es eine gemeinschaftliche Übersicht ergibt.

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Der Originaltext ist inzwischen erheblich ergänzt.
Hier das "Vorwort" von 1990

Die moderne Braun Verwaltung in Kronberg

Diese Broschüre erzählt nicht die Firmengeschichte von Braun. Sie kann nur wenig über die Antriebe und Motive aussagen, welche die Entwicklung des Unternehmens vom Zweimannbetrieb - Meister und Lehrling - im Jahre 1921 bis zu der Weltfirma der Gegenwart (das war dann 1991) befördert haben.

Diese Broschüre soll lediglich in chronologischer Folge und in Wort und Bild Ereignisse auflisten, an denen sich eine solche Geschichtsschreibung orientieren müßte und die sie zu kommentieren hätte.

Anmerkung: Das stimmt jetzt nicht mehr, da wir mehrere Chroniken migrieren und auch Inhalte anderer Artikel und Presseinfos hinzufügen bzw. ergänzen.

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Die Braun Ausstellung nebenan

Werksgründungen, Produkteinführungen, Auftritte auf Ausstellungen und Messen, öffentliche Auszeichnungen u. a. Insbesondere für die Datierung von Braun Produkten will sie eine verläßliche Hilfe sein.

Es ist dies die dritte, wiederum bis auf die Gegenwart fortgeführte Ausgabe der Zusammenstellung von Daten und Fakten zur Braun Geschichte. Einige Unstimmigkeiten in vorhergehenden Ausgaben konnten korrigiert, ein paar fehlende Informationen ergänzt werden. Die Herausgeber bedanken sich für entsprechende Hinweise. (Bitte jetzt an unsere Redaktion mailen, dort bei a/d/s ist schon lange keiner mehr.)

1921 - Max Braun (1890 Ostpreußen - 1951)

Max Braun, gebürtiger Ostpreuße, kommt über Hamburg und Berlin nach Frankfurt am Main und läßt dort im Frühjahr 1921 eine eigene Werkstatt für Apparatebau ins Handelsregister eintragen. In gemieteten Räumen in der Jordanstraße 12 beginnt er mit der Produktion einer eigenen Erfindung: eines Apparates zum Verbinden von Treibriemen.

(Er wird am 25. Oktober 1890 geboren. Im selben Jahr stirbt sein Vater. Unter der Knute einer harten Mutter, die mit sieben Jungen und einem Bauerhof fertig werden muss, wächst er auf und bringt es vom Maschinenschlosser zum Ingenieur. In Frankfurt am Main eröffnet Braun 1921 eine kleine Werkstatt für den Bau elektrischer Apparate, Keimzelle der späteren Braun AG. Schnell erkennt er die große Zukunft des Rundfunks und bringt Radios, sogar tragbare, auf den Markt.)
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1923

Mit selbstgebrannten Steinen gelingt es Max Braun, Detektoren — Herzstück der frühen Radioempfänger — herzustellen, die Vorzüge gegenüber den üblichen Kristall-Detektoren haben. Damit ist ein Einstieg in die junge, rasch expandierende Rundfunkindustrie gemacht.

1925

Die neuen Kunststoffpulver, die er auf der Frankfurter Frühjahrsmesse kennenlernt, interessieren Max Braun. Er konstruiert Verarbeitungsmaschinen und stellt Röhrensockel, Drehknöpfe und andere Kunststoffteile her.

1926

In den ersten eigenen Fabrikräumen in der Kiesstraße arbeitet bereits eine stattliche Zahl von Mitarbeitern. Sie produzieren Röhrensockel, Transformatoren, Kondensatoren, Sperrkreise, Skalenscheiben, Stecker.

1928

Die Firma bezieht in Frankfurt am Main, Idsteiner Straße, ein neues Fabrikgebäude, das nach den Erkenntnissen der Architektur-Avantgardistengruppe «Das Neue Frankfurt» gestaltet ist.

1929

Als erstes komplettes Gerät wird ein Kraftverstärker gebaut. Radioempfänger folgen. Daneben werden in wachsenden Stückzahlen Bauteile wie Plattenspieler- Motoren und Tonarme («Pickups») hergestellt.

1932

Als einer der ersten Hersteller in Europa vereinigt Max Braun ein Radio und einen Plattenspieler zur Radio-Phono-Kombination. Grammophon-Chassis werden in viele Länder exportiert.

1933

Braun paßt sich der Ausweitung des internationalen Geschäftes an und betreibt Fabriken in Frankreich und England. Ein Netz von Auslandsvertretungen wird aufgebaut — die ersten in der Schweiz, Holland, Frankreich, Spanien, Tunis und Tanger.

Die Nationalsozialisten kommen an die Macht

1934

Dank guter Technik und einer auffallend klaren Gestaltung seiner Geräte ist der Erfolg so groß, dass Braun 1928 eine neue Fabrik für seine inzwischen 800 Mitarbeiter baut. Mit dem hochgezogenen "A" entwirft er 1934 das noch heute prägnante Design-Markenzeichen aller Braun-Produkte.

1935

Nachdem Max Braun die bisher auf den Namen Sevecke laufende Lizenz erworben hat und seine Radiogeräte nunmehr unter dem eigenen Firmennamen auf den Markt kommen, erhält auch das Markenzeichen Braun seine signifikante Prägung durch das hochgezogene «A».

  • Anmerkung: Telefunken besaß immer noch das Patent auf die Röhre an sich und lizensierte diese grundlegende Technik per Sockel an die Fabrikanten von Radios und Verstärkern. Offensichtlich hatte die Firma Sevecke solch eine Lizenz.

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1936

Braun baut den ersten Batterie-Kofferempfänger.

1937

Auf der Weltausstellung in Paris wird die Braun Radio GmbH mit einer Goldmedaille für besondere Leistungen in der Phonographischen Industrie ausgezeichnet.

1938

Weitere Fabrikräume werden in der Mainzer Landstraße angemietet. Braun hat ungefähr 1000 Arbeitskräfte.

1939 - Deutschland beginnt den 2. Weltkrieg

1939-1944

Während des Krieges muß Braun Rüstungsaufträge übernehmen und fertigt vor allem Funkgeräte und Funksteuergeräte. 1944 werden beide Werke nahezu vollständig durch Bomben zerstört.
Max Braun stellt seit 1941 Überlegungen und Versuche zur Konstruktion eines Scherblatt-Trockenrasierers an.

1945

Mit 150 Mitarbeitern beginnt Max Braun den Wiederaufbau seines Unternehmens. Erstes wieder gefertigtes Erzeugnis ist die Handdynamolampe Manulux, die während des Krieges in großen Stückzahlen gebaut worden war. Dann werden Phonochassis hergestellt.

1947

Braun produziert wieder Rundfunkgeräte.

1948

Zum Zeitpunkt der Währungsreform und des Beginns wirtschaftlichen Wiederaufstiegs beschäftigt Braun 394 Mitarbeiter.

1949

Das Werk in der Idsteiner Straße wird wiederaufgebaut. Die ersten Vertretungen im In- und Ausland fangen zu arbeiten an. Max Braun beginnt mit der Entwicklung von Küchenmaschinen.

1950

Das erste Gebäude eines neuen Werkes entsteht in der Rüsselsheimer Straße. Die Söhne des Firmeninhabers, Artur und Erwin Braun, übernehmen nach Abschluß ihrer Studien technische und kaufmännische Funktionen im Unternehmen.
Der erste Scherfolien-Trockenrasierer und das Küchengerät Multimix werden vorgestellt.
Der erste Elektrorasierer von Braun wird, wie alle Braun Geräte, nach seinem Geburtsjahr benannt; S 50 ist seine Chiffre.

1951

Überraschend stirbt Senior Max Braun, 61 jährig, am 6. November 1951 an seinem Schreibtisch.

1951

Die beiden Söhne Erwin (30) und Artur (26) übernehmen von jetzt an die Leitung der Firma.

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1952

Braun erweitert sein Produktionsprogramm um eine neue Gerätegattung: Das Elektronenblitzgerät Braun Hobby eröffnet einen zukunftsträchtigen Markt.

Mit einem zweiten Küchengerät, Multi-press, beginnt eine andere erfolgreiche Gerätelinie.

Radio-Neuheit ist der Kofferempfänger Commodore.

Wolfgang Schmittel, als Werbegrafiker neu im Hause, gibt dem Markenzeichen seine bis heute gültige Form.

1953

In Walldürn/Baden beginnt der Bau eines Werkes für die Rasiererfertigung.
Eine Allensbacher Analyse über modernen Wohnstil wird Ausgangspunkt zukünftiger Braun Produktgestaltung. Dr. Fritz Eichler tritt als Verantwortlicher für die Gesamtgestaltung in die Firma ein.

Die Brüder Braun links bei der Unterschrift

1954

Mit der Firma Ronson, USA, wird ein Lizenz-Vertrag über die Produktion von Rasierern abgeschlossen, der als das bis dahin größte Konsumgütergeschäft zwischen den USA und Deutschland nach dem Kriege gilt.

1954 - Für einen Zeitraum von 22 Jahren hat Braun die Exklusiv-Rechte für sein Rasierer-Patent an die Ronson Corp. verkauft. Nach diesem Vertrag, dessen Bedeutung die deutschen Vertragspartner / Initiatoren damals gar nicht ermessen konnten, durfte Braun keine eigenen Rasierer in den USA, dem nordamerikanischen Kontinent und dem Commenwealth anbieten bzw. verkaufen. Bereits nach weniger als 10 Jahren stellte sich das als kapitaler Fehler heraus.

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In Walldürn beginnt die Rasiererproduktion.
Im Werk in der Rüsselsheimer Straße in Frankfurt werden weitere Gebäude fertiggestellt.

1955 (Braun stellt ein völlig neues Design vor)

Auf der Funkausstellung in Düsseldorf stellt Braun neue Radio- und Phonogeräte vor. Sie sind gemeinsam mit führenden Designern, darunter vor allem Hans Gugelot von der Hochschule für Gestaltung in Ulm, Herbert Hirche und Wilhelm Wagenfeld entwickelt worden.

Gestützt ist die neue Konzeption auf eine Untersuchung über Wohnstile des Instituts für Demoskopie in Allensbach aus dem Jahre 1954 und auf eigene Marktbeobachtungen.

«Wir wissen», schreiben Artur und Erwin Braun in den Werksnachrichten an die Mitarbeiter, «die Durchsetzung wird nicht leicht sein. Wenn sie aber gelingt, haben wir für längere Zeit eine gute und gesunde Entwicklung zu erwarten.»

In der Presse und bei großen Teilen des «meinungsbildenden» Publikums finden die neuen Formen ein überaus positives Echo.

Auf Anregung von Erwin Braun entsteht der «Verbundkreis», dem neben Braun u. a. die Firmen Knoll International, Rosenthal und WMF angehören.

Mit gemeinsamen Auftritten und gegenseitiger Werbeunterstützung wollen die Verbundfirmen beim Publikum «die Unsicherheit bei der Suche nach dem guten Wohnstil» überwinden.


Wichtige Weiterentwicklung auf dem Blitzgerätesektor ist das Profigerät Braun Hobby Automatic.

Braun führt als erster Betrieb der Branche in Hessen die 45-Stunden-Woche ein.
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1956

Die Max Braun OHG hat jetzt knapp über 2000 Mitarbeiter.

Der von der jungen Braun Produktgestaltungsabteilung unter Mithilfe von Hans Gugelot entworfene Phonosuper SK4 wird vorgestellt. Für lange Jahre wird er zum prototypischen Gerät des neuen Designs.

Das Fernsehgerät FS-G ergänzt die Modul-Bausteine G 11 (Tischradio) und G 12 (Plattenspieler).

Eine Messesensation der Photokina ist der erste serienmäßig hergestellte vollautomatische Kleinbildprojektor in Europa, der Braun PA 1.

1957 - eine neue "Mannschaft" wird angeworben

Im Oktober 1957 wird der junge Dipl. Physiker Wolfgang Hasselbach von Assmann Bad Homburg abgeworben. Artur Braun braucht junge Köpfe für Radios bzw. Musikgeräte mit deutlich höherer Qualität als bislang gebaut. Er hatte die (ersten) Hifi-Geräte der Amerikaner und Engländer gesehen.
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1957

Auf der 11. Triennale in Mailand wird Braun mit dem Grand Prix für das Gesamtprogramm ausgezeichnet. Die Musterwohnungen der Internationalen Bauausstellung «Interbau» in Berlin, von führenden Architekten aus aller Welt entworfen und eingerichtet, sind nahezu ausschließlich mit Braun Radio-, Phono- und Fernsehgeräten ausgestattet.

Die neue Küchenmaschine wird eingeführt und erreicht bald die Spitzenposition auf dem Markt. Im Rasierer Braun Combi ist zum erstenmal die Kombination von Scherblatt und Langhaarschneider realisiert, die typisch für die zukünftigen Entwicklungen wird.

Mit atelier 1 erscheint erstmals ein Steuergerät mit getrenntem Lautsprecher; studio 1 begründet die HiFi Linie von Braun; transistor 1 ist Grundgerät einer neuen Serie von Kofferempfängern.
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1958

Die Küchengeräte Multimix und Multipress und die Braun Hobby Blitzgeräte Standard und Spezial erscheinen in neuem Design. Die Neugestaltung aller Produktgruppen ist vollzogen.

Als Muster beispielhafter Formgebung nimmt das Museum of Modern Art in New York verschiedene Braun Geräte in seine Design-Sammlung auf. Im Deutschen Pavillon der Weltausstellung in Brüssel werden 16 Braun Produkte als «hervorragende Beispiele deutscher Produktion» vorgestellt, «jazz hören — jazz sehen» heißt eine Ausstellung, die Braun in der "göppinger galerie" in Frankfurt veranstaltet.

Neue Niederlassungen entstehen in Kanada, Finnland und Holland.

1959

Mit der erstmaligen Verwendung einer Tangential-Lüfterwalze wird ein neuartiges Formkonzept für einen Heizlüfter verwirklicht.

Als tragbare Kombination von Taschenradio und Plattenspieler - mit Abtastung von unten - erscheint das Gerät TP 1.

studio 2 heißt die erste HiFi Anlage aus Einzelbausteinen im Braun Programm.

Besonderen Eindruck machen auf der Funkausstellung in Frankfurt, auf der sie erstmals vorgestellt werden, die elektrostatischen Lautsprecher- einheiten LE 1, ein Lizenznachbau der englischen Firma QUAD.

1960

Zum zweiten Mal erhält Braun in Mailand auf der 12. Triennale den Grand Prix für sein Produktprogramm. Für eine Braun Anzeigenserie gibt es eine Medaille vom Bayerischen Werbefachverband.

Zu den Neueinführungen des Jahres gehören der Rasierer SM 3 — der unmittelbare Vorläufer des berühmten «sixtant» - und der Handrührer Multi-quirl.

Tochtergesellschaften entstehen in zahlreichen Ländern. Sie werden in einer Holding, der Braun Electric International S. A., Baden (Schweiz), zusammengefaßt.

Im Frankfurter Werk wird eine Diätkantine - alternativ zur regulären Kantine - eingerichtet, die seither als beispielhaft für sinnvolle Sozialleistungen in Unternehmen gilt.

1961

In Marktheidenfeld (nordwestlich von Würzburg an der A3) wird in einem neuerrichteten Werk die Fertigung von Haushaltgeräten aufgenommen. In Kronberg im Taunus beginnt die Bebauung auf dem Gelände, das in späteren Jahren Sitz der Firmenzentrale werden wird.

Neue Produkte sind u. a. der Diaprojektor D 40, der Tangential-Tischlüfter HL 1, ein Toaster (HT 1), ein Expresskocher (HE 1), ein Kofferradio neuartiger Formkonzeption (T52) und - erstmalig - ein einteiliges, kompaktes Elektronenblitzgerät (F20).

Für hervorragende Kunststoffanwendung erhält Braun den höchsten Design-Preis der internationalen Ausstellung «interplas» in London.
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1962 (Braun wird eine AG)

Seit dem 1. Januar 1962 ist Braun eine Aktiengesellschaft mit 12 Mio DM Stammkapital.

Braun erwirbt die Schmalfilmgerätefabrik Niezoldi und Krämer in München, die seit ihrer Gründung 1925 wesentlichen Anteil am Fortschritt auf dem Amateurfilm- Sektor hat.

Als "braun electronic gmbh" wird eine Apparatebaufirma für elektronische Temperatur- Meß- und Regelgeräte in Waldkirch an der A5 nörlich von Freiburg im Breisgau in die Braun-Gruppe eingegliedert.

Niederlassungen in Dänemark, Frankreich und Japan werden gegründet.

In Barcelona beginnt Braun Espaniola als erste Beteiligungsgesellschaft mit der Produktion von Haushaltgeräten.

Die Eröffnung eines Informationszentrums in Frankfurt ist Ausdruck der auf gründliche Verbraucherberatung gerichteten Unternehmenspolitik.

Wichtige neue Produkte im Herstellungsprogramm sind :

  1. der Elektrorasierer «sixtant»;
  2. das erste volltransistorisierte Stereo-Steuergerät audio 1;
  3. der HiFi Plattenspieler PCS 5 (im Bild kombiniert mit dem Vorjahrs eingeführten Verstärker CSV 13);
  4. die HiFi Flachbox L 45 als erste ihrer Art;
  5. und das nach dem Baukastenprinzip konstruierte Profiblitzgerät F 80.


In Mailand wird die Braun AG mit einem der renommiertesten Design-Preise, dem «Compasso d'Oro» (Goldener Zirkel) des La Rinascente Wettbewerbes für gute Gestaltung von Industrieprodukten ausgezeichnet.
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1963

Zum zweiten Mal erhält Braun den höchsten Preis der «interplas» in London. In Paris wird eine Produktverpackung von Braun mit dem «Eurostar» ausgezeichnet; sie und drei weitere Packungen waren vorher im Ersten Deutschen Verpackungswettbewerb prämiiert worden.

  • Braun übernimmt für Deutschland den General-Vertrieb von amerikanischen Shure Tonabnehmern und Shure Mikrofonen.


Auf der Funkausstellung in Berlin wird - als erster seiner Art - der Weltempfänger T 1000 vorgestellt.

Mit der (noch handaufzuziehenden) Schmalfilmkamera FA 3 erscheint die erste von Braun überarbeitete und redesignte Nizokamera. «Commander» heißt der erste batteriebetriebene Trockenrasierer.
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1964

Das Museum of Modern Art in New York eröffnet eine neue Design-Galerie mit einer Ausstellung des gesamten Braun Programms. Das audio 1 erhält in Mailand eine Goldmedaille. Die Dokumenta in Kassel zeigt in der Sonderausstellung «Industrial Design» mehrere Braun Produkte.

Die Werke in Walldürn und Marktheidenfeld werden erweitert. In Hamburg eröffnet ein weiteres Informationszentrum.

Braun Aktien kommen in den geregelten Freiverkehr der Frankfurter Börse.
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1965

Im Produktprogramm der Mitte der 60er Jahre erscheinen mit der Bausteinanlage studio 1000 eine neue Generation von HiFi Geräten und Brauns erstes Tonbandgerät TG 60.
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Das Fernsehgerät FS 80 ist drehbar auf einer Säule gelagert. Die neue Form eines Kompaktblitzes (F 200) wird charakteristisch für die Produktgattung. Auf der IPEX in New York erregt die Nizo S 8 als eine erste Kamera für das neue Super-8 System Aufsehen.

In Kronberg wird der Grundstein für das zukünftige Hauptgebäude gelegt; in Düsseldorf ein weiteres Informationszentrum - in Verbindung mit Knoll - eröffnet.

Das Designer-Team der Braun AG unter der Leitung von Dieter Rams erhält den «Berliner Kunstpreis der jungen Generation», der erstmals in der Sparte Formgestaltung ausgeschrieben ist.

Brauns Werbegestaltung bekommt eine Goldmedaille vom Art Directors Club (ADC).

Braun Ausstellungen werden in Tokio (veranstaltet vom Japanese Council of Industrial Design) und in Prag (im Rahmen einer Ausstellung über Marke und Verpackung) gezeigt.
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1966

Mit dem elektromagnetisch gezündeten Tischfeuerzeug «permanent» wird eine neue Produktlinie im Braun Programm begründet. Auf dem Elektronenblitz-Sektor erweitert eine Atelieranlage die Produktpalette.

Die Wanderausstellung «Braun — Gesicht einer Firma» wird im Focke-Museum in Bremen, sowie in weiteren Städten in Japan gezeigt.

1967

Die neuen Gebäude in Kronberg werden bezogen.

  • Anmerkung: Ein Kaufangebot der größten Rasiererfirma der Welt - Gillette - für die Aktienmehrheit an der Braun AG wird in die Presse lanciert

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Braun erhält wiederum einen «Eurostar» für gute Produktverpackungen. Im Beitrag der Bundesrepublik Deutschland auf der Weltausstellung in Montreal werden 13 Braun-Erzeugnisse ausgestellt.

Die Braun AG erzielt in diesem Jahr mit 5700 Mitarbeitern einen Umsatz von 276 Mio DM.
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1967 Dez. - Die Brüder Braun verkaufen die Aktienmehrheit von Braun an die Gillette Company, Boston, Mass.


Ende des Jahres erwirbt die Gillette Company, Boston, Mass., die Aktienmehrheit von Braun.
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1968

Erstmals wird in diesem Jahr der 1967 gestiftete «Braun Preis für technisches Design» vergeben. Er ist als Förderpreis für junge Designer deklariert und soll helfen, die Öffentlichkeit designbewußter zu machen. Die besten Arbeiten werden in einer Ausstellung zusammengefaßt, die in verschiedenen Städten des In- und Auslands gezeigt wird. Die Ausstellung «Braun - Gesicht einer Firma» wandert durch mehrere Städte der Vereinigten Staaten.

Brauns Messestand auf der Moskauer «Interbytmash» erhält eine Auszeichnung.
Neue Produkte des Jahres sind der erste sixtant- Nachfolger: sixtant S; das zylindrische Tischfeuerzeug TFG 2; der Handrührer M140; die Kaffeemühle KSM1; der Receiver regie 500. Das Lectron System wird auf der Biennale in Ljubljana ausgezeichnet.

1969 - Die Japaner kommen mit Macht auf den europäischen Markt

Die Hifi-Anzeigen in den beiden deutschen Hifi-Zeitschriften sprechen eine eindeutige Sprache, "Sie kommen". Die Europäer wehren sich so gut sie können.

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1969

(Anmerkung: Da ist im Bereich Hifi nicht viel passiert)
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1970

Auch beim diesjährigen Bundespreis Gute Form - speziell ausgeschrieben für Haushaltkleingeräte - wird Braun ausgezeichnet - mit vier von sieben vergebenen Preisen.

Das Braun Buchlabor wird als «Schönstes Deutsches Jugendbuch 1969» prämiert und auf dem Internationalen Buch-Festival in Nizza durch eine «mention speciale» der Jury anerkannt.

Die Braun AG selbst vergibt zum zweiten Male ihren Braun Preis für technisches Design.

Neue Geräte sind der sixtant 6006 (als erste entscheidende Weiterentwicklung seit dem sixtant des Jahres 62), der Batterierasierer cassett und ein Redesign der Saftzentrifuge Multipress (MP 50).

Im HiFi Bereich erscheinen das Tonbandgerät TG 1000 und die Kompaktanlage «cockpit». - Im Unternehmen wird das Betriebliche Vorschlagswesen eingeführt.
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1970 - erste taktischer Fehler bei Hifi

Die Spitzen-Anlage System 1000 wird auslaufen lassen und - so gut es geht - abverkauft. Braun hat ab jetzt (und damit bereits seit einiger Zeit) für viele Monate keine Spitzenprodukte oder Leitprodukte in der Hifi-Welt mehr und schiebt sich damit selbst langsam aus dem Blickfeld der High-End- und Design- Kunden.

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1971

Braun erwirbt die Köllisch AG in Nürnberg, Hersteller von Feuerzeugen mit dem Markennamen «Consul».

Brauns erstes Taschenfeuerzeug wird eingeführt. Eine neue Produktlinie entsteht mit der Tisch-Weck-Uhr phase 1. Die erste Luftkissen-Trockenhaube bringt einen ganzen Markt in Bewegung.

1972

Der Jahresumsatz (ganz wichtig - der kumulierte Jahresumsatz über alle Produkte) erreicht knapp 500 Mio DM; die Mitarbeiterzahl übersteigt 8000. Unter den Produktneuheiten sind die Kaffeemaschine «Aromaster», das thyristorgesteuerte Blitzgerät «Braun 2000 VarioComputer» und der Receiver regie 510 bemerkenswert.

Auszeichnungen und Anerkennungen für das Design von Braun gibt es in Essen und in Buenos Aires, in Hannover und in Tokio.

  • Braun gibt (oder muß abgeben ) die Shure Tonabnehmer- Vertetung für Deutschland nach 9 Jahren (1963) an eine Firma Sonetic in Eschborn ab.


Die Bandgeräte-Entwickler um Herrn Cerener verlassen Braun
und gehen zu ASC nach Aschaffenburg. Braun vergibt (angeblich aber erst 1974 ??) die Produktion des Tonbandgerätes TG1000 (als nunmehr TG1020) komplett an die UHER Werke nach München.

Es war genau das eingetreten, das Willy Studer auf einer Messe um 1970 herum mal gesagt haben soll, nämlich, daß Braun diese super tolle Maschine nie für diesen Preis rentabel geschweige denn kostendeckend fertigen könnte.
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1973

Überall war Quadro gefragt
von jetzt an aus Plastik

Lagerung und Versand der Fertigwaren aller Braun Werke werden in einem Zentrallager in Dietzenbach bei Frankfurt zusammengefaßt.

Eine Vielzahl von Neuheiten auf dem HiFi-Sektor wird auf der Funkausstellung in Berlin präsentiert.

  • Anmerkung: Leider zum Teil nur billiges Plastik Design - laut den Kommentaren der Besucher.


Das erste Hair Styling Set eröffnet einen bedeutenden Produktionszweig. Nach elektrostatischem Prinzip funktioniert der neue Luftfilter «Air-Control». Der neue schnurlose Rasierer «intercontinental» ist besonders flach.

Als einzige Unternehmen Europas sind Braun und Olivetti eingeladen, ihre Design-Philosophie auf dem in Kyoto veranstalteten 8. Kongreß des ICSID (International Council of Societies of Industrial Design) zu präsentieren. Die damit verbundene Ausstellung «Braun Design - die Realisierung eines Unternehmenskonzeptes» wandert anschließend durch mehrere japanische Städte.
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1974

Zum 4. Mal wird in diesem Jahr der Braun Preis vergeben.

Für das HiFi Steuergerät audio 400 gibt es Preise auf dem Internationalen Musik- und High-Fidelity-Salon in Mailand. Die Galerie Reckermann in Köln veranstaltet eine Ausstellung «Braun - Prototypen richtungsweisenden Designs».

In diesem Photokina-Jahr erscheinen mehrere Fotoneuheiten, darunter das Profiblitzgerät F 900, die semiprofessionelle Super-8-Kamera Nizo professional und der Doppelprojektor Tandem.

Neues Spitzenmodell im Rasiererprogramm ist der 8008.
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1974 - Das Produktspektrum Hifi wird weiter reduziert . . .

Das TG1020 wird schon nicht mehr beworben und es gibt auch keine Braun Spitzenprodukte mehr.

und bei den technischen Daten wird angefangen zu mogeln oder zu übertreiben. Die High-End Kunden bleiben aus und die aktuellen Geräte haben es trotz Dieter Rams Design gegen die japanische Konkurrenz immer schwerer.

Die Produktion des Braun TG1000 wird bei Braun eingestellt und es wird ab Mai 1974 (bis Anfang 1977) bei UHER in München als TG1020 gebaut. Das neue (Fernost / Funai) Kassettengerät TGC 450 entwickelt sich zu einer finanziellen und imagemäßigen Katastrophe.

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1975 (20 Jahre Braun Design)

Das neuerrichtete Werk in Carlow in Irland hat gegen Ende des Vorjahres mit der Produktion begonnen.

Im Uhrenprogramm gibt es neu die vollelektronische Digitaluhr «functional» und den Quartz-Wecker «exact». Das HiFi Programm wird durch ein Cassettendeck erweitert.

Die Funkausstellung in Berlin ist Anlaß, in einer Sonderschau auf die zwei Jahrzehnte des neuen Braun Designs (seit seiner ersten Präsentation auf der Funkausstellung 1955) zurückzublicken.
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1976

Mit einer Neuorganisation des Unternehmens ersetzt Braun seine vor vielen Jahren an kleineren Maßstäben orientierte Gliederung durch eine Struktur, die dem starken internationalen Wachstum des Unternehmens gerecht wird.

Die im Vorjahr veranstaltete Sonderschau über zwei Jahrzehnte Braun Design wird zu einer Ausstellung mit dem Titel «Form - nicht konform» erweitert und in mehreren Städten gezeigt.

Eine neue Produktlinie wird mit dem Taschenrechner ET 22 begonnen. Als erste Braun Armbanduhr erscheint die «Quartz LCD». Weitere Neuheiten des Jahres sind der Elektrorasierer «micron», die Tonfilmkamera Nizo 2056 und der Tonfilmprojektor Visacustic, das Stabblitzgerät 420 VC, der vollelektronisch gesteuerte Plattenspieler PS 550 und die HiFi Minibox «Output compact».
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1977

Braun erzielt mit etwa 8500 Mitarbeitern einen Umsatz von über 800 Mio DM.

Der in diesem Jahr zum fünften Mal vergebene Braun Preis ist mit einem erhöhten Betrag ausgestattet.

Mit dem Studienprojekt einer Funkuhr, die die Zeitsignale der Physikalisch- Technischen Bundesanstalt verarbeitet, erprobt Braun ein neuartiges Systemkonzept der Zeitmessung.

Neu im Vertrieb ist die Kaffeemaschine KF 30.

Auf dem HiFi Sektor löst das «audio System» die bisherigen Kompaktgeräte ab.
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1978

Eine Demonstrationsschau über die Anwendung moderner Technologien bei Braun ist Teil des Braun Ausstellungsstandes auf der «Domotechnica» in Köln.

Beispielhaft für den Einsatz modernster Technik ist das erste mit Solid-State- Elektronik temperaturgeregelte Haarpflege-Gerät, das «electronic sensor hairstyling-set».

Im HiFi Bereich dokumentiert eine ganze Reihe neuer, extrem flacher Bausteine, unter ihnen ein nach dem Syntheziser-Prinzip abgestimmter Tuner, den technologischen Fortschritt.

Neue Produktlinien bei Braun werden durch eine Elektro- zahnbürste und ein batteriebetriebenes Uhrenradio eröffnet. Neue Spitzengeräte im Super-8-Programm sind die Universalkameras Nizo 4056 und 4080.
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1979

In Kronberg wird ein weiteres Verwaltungsgebäude bezogen. Sein Erdgeschoß beherbergt ein neues großes Betriebsrestaurant.

Braun ist eines von sieben europäischen Unternehmen, deren Produkt- und Kommunikations-Design im Rahmen einer Ausstellung im Pariser Centre George Pompidou gewürdigt werden.

Eine Ausstellung, die durch mehrere Einkaufszentren in der Bundesrepublik wandert, gibt in «12 Lektionen am Beispiel Braun» Antworten auf die Frage «Was nützt die gute Form?».

Mit dem Zerkleinerer Multiquick (plus Zusatzgeräten Mixer und Schnitzelwerk) kommt nach vielen Jahren erstmals wieder eine Neuentwicklung aus dem Küchenmaschinen-Bereich auf den Markt.

Das Uhrenprogramm wird durch Wanduhren, die elektronische Digitaluhr visotronic und eine Reihe von Batterie-Quarz-Weckern erweitert. In der Universalkamera Nizo integral sind neue Konzepte der Bedienungsvereinfachung verwirklicht.
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1979 - im März

Der kleine Wettbewerber bei Hifi - die Firma ASC aus Hösbach - geht im März in Konkurs. Hätte Braun nicht die profitable Rasierer Sparte gehabt, wäre sie vermutlich dem gleichen Schicksal erlegen. ASC wird im April mit neuen Kapitalgebern (aus dem Revox Umfeld) wiedererweckt. Mehr über solche wirtschaftlichen Entwicklungen und Hintergründe finden Sie hier.
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1980 - Der Mutterkonzern soll feindlich übernommen werden.

Jetzt brauchte Gillette alles an Barvermögen, also mehrere hundert Millionen Dollar, nur keine verlustbringenden Töchter, auch nicht in Europa.

1980 (Braun-Nizo Fotogeschäft wird verkauft / entsorgt.)

Der neue Chef - Lome Waxlax

«Bei aller Vielfalt der Programmstruktur», formuliert der Geschäftsbericht für das Jahr 1980, «liegt der Schwerpunkt bei Elektrokleingeräten des täglichen Bedarfs.»

Eine Konsequenz dieser neuen Leitlinie der Unternehmensführung unter (dem Gillette Mann) Lome Waxlax, die die Voraussetzung für einen weiteren Ausbau der Marktanteile bei den bestehenden starken Produktlinien wie Rasierer und Haushaltgeräte schaffen soll, ist die Aufgabe des hochspezialisierten und kapitalintensiven Fotobereichs.

Das Braun-Nizo Fotogeschäft wird im Laufe der nächsten Jahre stufenweise auf die Robert Bosch GmbH "übertragen".

  • Anmerkung: Hier hatten die Braun Manager eine der inzwischen seltenen weisen Vorahnungen und verkauften die 8mm Schmalfilmsparte an den Wettbewerber Eugen Bauer in Stuttgart, eine 100% Bosch-Tochter. Nur wenige Jahre danach merkte die Führung bei Bosch, daß es ein richtiger Flop war und daß Bauer in große Turbulenzen kam. Paillard Bolex hatte zu der Zeit bereits den Konkurs beantragt und die Österreicher von Eumig waren kurz davor.


Die wachsende internationale Bedeutung des Braun Preises spiegelt sich in den Einsendungen zu seiner 6. Ausschreibung: Erstmals gibt es mehr ausländische Bewerber als deutsche.

Die führende Rolle Brauns im Bereich des Design wird vom Internationalen Design Zentrum, Berlin, durch eine Ausstellung und ein Buch über den Leiter der Designabteilung, Dieter Rams, unterstrichen. Im Lauf der nächsten Jahre soll diese Ausstellung durch die wichtigsten europäischen Design-Institutionen und Museen wandern.
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1981 Braun-Hifi wird an a/d/s "übergeben" bzw. auch entsorgt.

Lächeln ist angesagt
Der micron ist das Produkt

Als weitere Konsequenz der Konzentration auf das ertragreiche Kerngeschäft der umsatzstarken Produktlinien von Braun wird das HiFi- Geschäft aus der Braun AG ausgegliedert und auf eine eigene Firma, die Braun Electronic GmbH, "übertragen", deren Gesellschafter die Gillette Company und die Firma Analog & Digital Systems, a/d/s, sind.
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  • Anmerkung: Im Prinzip war natürlich Hifi für die meisten Gillette Rasierermenschen immer fremd (mit Ausnahme des alten Chefs Vincent Ziegler) und dazu dann auch noch defizitär. Alleine der damalige Chef von 1967 Vincent Ziegler, der zudem fließend Deutsch sprach, war von dem damals neuen Produkbereich "BRAUN Edel-Hifi" sehr angetan. Doch die Unterhaltungs- elektronik schrieb immer "dickere" rote Zahlen mit der Tendenz steigend.

    Damit die Hifi-Produkte weiterhin unter dem Namen BRAUN segeln konnten und durften, wurde eine fiktive Hülle geschaffen, die BEL, die Braun Electronic GmbH, bei der aber der Chef von a/d/s, Dr. Günter, das Sagen hatte. Die Kundschaft hatte das durch die sehr geschickten Formulierungen nur bedingt mitbekommen.

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Nach einem, durch die allgemeine Wirtschaftslage bedingten, Rückgang im Vorjahr kann das Geschäftsergebnis in diesem Jahr wieder gesteigert werden.

Beim Umsatz wächst der Auslandsanteil überproportional und übersteigt erstmals die 70%-Marke.

  • Anmerkung: Es gab - wie immer - keinerlei genaue Zahlen, welche Sparte rentabel war und welche nicht.


Wichtigstes neues Produkt ist der Rasierer micron plus universal mit Zweiweg-Technik.

Dieter Rams, Leiter der Braun Produktabteilung, nimmt im Einvernehmen mit der Firma eine Berufung zum Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg an.

1982 (Braun Hifi wird ist jetzt völlig separat geführt)

Hifi ist nicht mehr dabei

Gillette verstärkt sein Engagement bei Braun durch Abschluß eines Beherrschungsvertrages.

Wichtigste Produkteinführung des Jahres ist die Kompakt- küchenmaschine Braun Multipractic Plus; aus ihr entwickelt sich in der Folgezeit eine der erfolgreichsten Linien in der Produkthistorie des Braun Haushaltgerätebereichs.

  • Anmerkung : Dennoch war der gesamt Haushaltsbereich nach wie vor defizitär.


Auf einer andersartigen Heiztechnologie, ohne Strom und Batterie, beruhen die neuen Lockenstäbe und -bürsten der Braun independent-Reihe.

Zu den auch in diesem wie in jedem Jahr zahlreichen Design-Auszeichnungen für Braun Produkte gehört die Aufnahme des Taschenrechners ET 55 in das Museum of Modern Art in New York.

Im Braun-Werk in Marktheidenfeld wird ein neues Hochregallager für Bauteile mit modernster computergesteuerter Logistik in Betrieb genommen.
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1982 (Die gesamte Hifi-Entwicklung wird bei a/d/s aufgelöst)

Der Chefentwickler und Entwicklungsdirektor des Bereiches BRAUN Audio und BRAUN Hifi, Wolfgang Hasselbach, "verlässt" das neue Unternehmen BEL-a/d/s. Aus seinen eigenen Unterlagen geht "anderes" hervor. Die Entwicklung von Edel-Hifi sei zu teuer geworden, "man" müsse Consumerware in Fernost fertig einkaufen.

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1983 im Frühjahr - Dual in St.Georgen macht Konkurs.

Dual hatte für a/d/s/ (oder BEL oder BRAUN) in 1985 zuletzt die Plattenspieler gefertigt bzw. hergestellt. BRAUN kauft (laut Zeitzeugenbericht von Heinz Werner - ehemals Ronson) bei der DUAL Versteigerung im März 1983 die Spritzgußwerkzeuge, die für die für BRAUN hergestellten Plattenspieler wichtig waren.

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1983

Das Auslandsgeschäft macht jetzt 75% des Umsatzes der Braun Gruppe (das sind aber fast nur noch die Rasierer) aus.

Unter den Produktlinien steigern Haushaltgeräte und Haarpflegegeräte ihren Anteil am Gesamtumsatz beträchtlich. Zu den wichtigsten Neueinführungen des Jahres gehört eine im Braun Sortiment bisher nicht vertretene Produktlinie: Bügeleisen.

Braun gehört zu den ersten Firmen, denen von der nunmehr 30 Jahre tätigen Sonderschau Gute Industrieform in Hannover der Corporate Design Award verliehen wird. Diese Auszeichnung bezieht sich nicht auf ein einzelnes Produkt, sondern auf die «vorbildliche Gesamtkonzeption von Produktdesign, -Information und -Präsentation».

Die dem Presse- und Informationsamt der Bundesregierung angeschlossene Gesellschaft Inter Nationes würdigt mit einem Film über das Leben und die Arbeit des Braun Chefdesigners, Dieter Rams, die Designleistung des Unternehmens als Kulturbeitrag der Bundesrepublik Deutschland.
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1983 - ganz dicke Marketing-Fehler

Die alten Braun Produkte werden so langsam vom bekannten "Braun"- Logo in "BEL" und "a/d/s/" umbenannt. Die langjährigen Braun-Kunden sind verwirrt und das Ganze ist extrem erklärungsbedürftig. Keiner kann sich unter BEL oder a/d/s/ etwas vorstellen, das mit Braun in Verbindung steht. Was sind digitale Lautsprecher ?
In der originalen Gillette/Braun Bilanz bzw. in den Geschäftsberichten kommen die dicken roten Zahlen der ehemaligen Hifi-Sparte nur noch ganz tief versteckelt vor. Man muß sie suchen bzw. man muß es wissen, wo sie stehen, die roten Zahlen.

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1984 - Der Mutterkonzern ist in Schwierigkeiten

Um eine weitere feindliche Übernahme für gewaltige 4,1 Milliarden Dollar abzuwehren , müssen eigene Aktien für 560 Millionen Dollar zurückgekauft werden. Das übersteigt auch die Portokasse von Gillette. Im Konzern wird aufgeräumt.

1984 - Nur noch zwei Bereiche - Haushalt und Rasierer

Der Gesamtumsatz der Braun AG übersteigt in diesem Jahr erstmals die Milliarden-DM-Grenze. Alle drei Hauptproduktlinien: Rasierer, Haushaltgeräte und Haar- und Mundpflegegeräte, tragen mit zweistelligen Steigerungsraten zum Umsatzzuwachs gegenüber dem Vorjahr bei.

  • Anmerkung: Von der ehemaligen Produktlinie 4 (Hifi und Audio) redet jetzt schon niemand mehr. "a/d/s/" /BEL bekommen verdeckte Beihilfen. Man "finde" das versteckt unter "Ausbuchungen" von (nicht benannten - also namenlosen) Rückstellungen.


Wichtigste Produkteinführungen sind
die neue Rasiererlinie micron vario 3, die Kaffeemaschinen Aromaster KF 40/60 und die Weckuhren mit dem neuartigen «voice control» Feature. Von den 1982 eingeführten Kompaktküchenmaschinen Multipractic Plus wird das einmillionste Stück gefertigt.
Als einzige europäische Firma neben Olivetti ist Braun zu einer Ausstellungs- Präsentation ihres Designs im Rahmen des internationalen Design Festivals in Osaka (Japan) eingeladen. Brauns Beitrag steht unter dem Motto «Keine reine Formsache».
Die Entsafter Multipress MP 50 und Citromatic MPZ 2
erhalten den von Rido Busse gestifteten Longlife Award.
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1985

Neue Tochtergesellschaft der Braun AG ist die Braun Inc. in Lynnfield, Massachusetts, USA. Mit ihrer Gründung sollen die USA, in denen Braun Geräte bisher nur geringe Umsätze erreichten, zu einem bedeutenden Markt für Braun entwickelt werden.
In Marktheidenfeld und in Carlow (Irland) werden Werkserweiterungen in Angriff genommen. In der Unternehmenszentrale Kronberg wird das Gebäude der Hauptverwaltung durch neue Flügel vergrößert.
In allen Hauptproduktlinien gibt es Neueinführungen. Besonders wichtig die «silencio»-Reihe von Haarpflegegeräten mit wesentlich vermindertem Lüftergeräusch, sowie eine neue Serie netzbetriebener Lady shaver.
Auf dem 14. Weltkongreß des internationalen Designerverbandes ICSID in Washington, D. C, präsentiert Braun Geschichte, Grundsätze und Auswirkungen seines Design im Rahmen einer Ausstellung.
Im Braun Vorstand übernimmt Robert J. Murray den Vorsitz. Lome Waxlax wird mit einer übergeordneten Funktion in der Gillette Zentrale in Boston betraut und übernimmt den Vorsitz im Aufsichtsrat der Braun AG.
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1986

Die Hälfte des Gesamtumsatzes dieses Jahres wird von Produkten getragen, die weniger als drei Jahre alt sind.
Zu den Produkteinführungen dieses Jahres gehören eine neue Reihe von Rasierern, die sich in Preis und Erscheinungsbild betont an jüngere Käufer wenden, sowie ein neuartiges Bartpflegegerät. Von der Kaffeemaschine Aromaster läuft das 2millionste Exemplar vom Band.
Erstmals geht eine Lieferung von Braun Geräten in die Volksrepublik China. Die Stiftung Warentest vergibt zweimal ein «Sehr gut» für Rasierer der vario-3-Reihe. Im größten und renommiertesten Gestaltungswettbewerb Amerikas, dem Annual Design Contest, erhalten der Braun micro vario 3 universal einen ersten, die voice control Uhr AB 45 vsl einen zweiten Preis.
Zum 8. Male wird der Braun Preis für technisches Design vergeben. Im Februar feiert die Braun AG den 75. Geburtstag von Dr. Fritz Eichler, dem langjährigen Geschäftsleitungs- und jetzigen Aufsichtsratsmitglied, den eine große Zeitung einmal das «ästhetische Gewissen von Braun» tituliert hat.
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1987 - Wieder sind feindliche Übernahmen im Anmarsch

1987 machen Hedgefonts den Gillette Managern erneut das Leben schwer. Sie wollen den Konzern billig kaufen und mit gewaltigem Profit zerlegen/zerschlagen. Mit großer Mühe hält das Gillette Management die Aktienmehrkeit von 52%, muß sich aber erheblich verschulden mit über 600.000.000 (das sind 600 Millionen) Dollar. Für diese 600 Millionen Dollar muß Gillette jetzt jedes Jahr 52 Millionen Dollar an Dividende bzw. Zinsen ausschütten, egal, ob Gewinne geschrieben werden oder nicht. Der Preis ist hoch und jegliches Risiko wird zum Stolperstein. Es wird darum weiter aufgeräumt im Konzern und bei den Töchtern.

1987

Schon im zweiten Jahr des Bestehens der amerikanischen Tochtergesellschaft von Braun sind die USA drittgrößter Markt des Unternehmens (nach Deutschland und Großbritannien) geworden.
Besonders erfolgreich verkaufen sich Kaffeemaschinen, Stabmixer und Rasierer. Das Braun Werk in Mexiko, nicht zuletzt für die Versorgung des nordamerikanischen Marktes bestimmt, exportiert den millionsten Stabmixer dorthin.
Die Kaffeemaschine KF 80 wird im Annual Design Contest, dem größten Design-Wettbewerb der Welt, ausgezeichnet.
In Deutschland gewinnen der Rasierer micron plus und der Taschenrechner ET 33/55 den Busse Longlife Award.
Die Braun Produktpalette wird wieder durch eine Reihe neuer Geräte erweitert, u. a. einen Solar-Scheckkarten-rechner, eine Getreidemühle, einen Stabmixer mit Zerkleinerer-Zusatz und eine Weckuhren-Serie mit neuartigem «reflex-control» Feature.
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1988 (50 Jahre Braun Rasierer)

Die USA rücken im Umsatz an die zweite Stelle (nach Deutschland) der internationalen Braun Märkte; an dritter Stelle folgt Japan. Das vorwiegend für die USA produzierende Werk Mexiko wird erweitert.
In Carlow (Irland) erhält das dortige Braun Werk - nicht zum ersten Mal in seiner Geschichte - eine begehrte Auszeichnung für Produktqualität.
In der deutschen Rasiererfabrik Walldürn läuft - gebührend gefeiert - der einhundertmillionste Braun-Rasierer seit Produktionsbeginn 1950 vom Band.
Bei der Unternehmenszentrale in Kronberg sind Neustrukturierungen in der
Vertriebsorganisation einerseits, dem Bereich Technik andererseits darauf gerichtet, die Resourcen für das Erreichen selbstgesetzter anspruchsvoller Ziele in den kommenden Jahren zu stärken.
Im Frankfurter Architekturmuseum präsentiert eine Ausstellung das «Design der Gegenwart in einer begründeten und argumentativen Auswahl».
Braun Geräte von heute und (als Teil einer dem Braun Chefdesigner Dieter Rams gewidmeten Retrospektive) aus früherer Zeit nehmen eine zentrale Stelle in dieser Präsentation ein.
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1989

Neue Tochtergesellschaft im Verband der Braun Familie ist Braun de Portugal, S.A.
Braun ist Erster in einer Liste der besten Unternehmen aus dem Bereich Elektro/ Elektronik, welche die Wirtschaftsredaktion der Zeitung «Welt am Sonntag» anhand verschiedener Indexberechnungen über die Leistungsfähigkeit deutscher Unternehmen erstellt.
Wieder mit Auszeichnungen bedacht wird auch das Braun Design. Das Haus Industrieform in Essen, das zu den renommiertesten Institutionen seiner Art
gehört, wählt das Designer-Team der Braun AG zum «Team des Jahres».
Die Braun Kaffeemaschine KF 40 ist eines von 13 Produkten internationaler Hersteller, an Hand deren die Harvard Business School im Rahmen des «TRIAD Design Projects» das Potential des Produktdesigns als Marketing- und Image-Faktor untersucht.
Einen neuen Beteiligungsrekord gibt es bei der 9. internationalen Ausschreibung des Braun Preises, mit dem sich die Braun AG für die Förderung des Designer- Nachwuchses einsetzt.
In Kronberg feiert der Braun Gesundheitsdienst 35jähriges Bestehen - seit seinen Anfängen unter Artur und Erwin Braun «Ausdruck einer Unternehmenshaltung», wie es stellvertretender Vorstandsvorsitzender Jacques Lagarde formuliert.
Zu den wichtigsten Geräte-Neueinführungen gehören ein Toaster mit Sensorautomatik und das Haarentfernungssystem Silk-epil.
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Rückblick - 1987 - Die Firma a/d/s/ kommt in Turbolenzen.

Dieser Text fehlt in der offiziellen güldenen BRAUN Historie und kommt aus der eigenen Feder. Das BRAUN-Hifi Geschäft - immer noch unter Namen und Logo von BRAUN - eskaliert in Richtung Konkurs. Die Händler draußen merken, daß da etwas nicht mehr stimmt bei BRAUN. Gillette muß die "a/d/s/" Anteile von Dr. Günter an der gemeinsamen Firma BEL GmbH zurückkaufen, um weitere Image-Schäden zu vermeiden. Weitere Informationen zu dieser Aktion stehen auf den 1991 "Last Edition" Seiten.

1988 Ein Sanierer für "Braun Hifi" alias BEL oder a/d/s/

Dr. Günter war mit all seinen Aktivitäten gescheitert. Um den drohenden und für die Edelmarke recht unrühmlichen Zusammenbruch zu verhindern, wurde der AEG- Mann Ernst F. Ortmann als neuer Geschäftsführer und Sanierer geholt, um das schwankende stark angeschlagene Schiff entweder wieder flott zu machen (oder ganz zu versenken). Doch in dem wirtschaftlichen Umfeld der deutschen Wiedervereinigung um 1989 und 1990 war das absehbar extrem schwierig. Im Mai 1990 beschlossen dann die Amerikaner aus Boston, die Hifi Sparte endgültig, aber umwelt- schonend aufzugeben.

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  • Anmerkung : In den Jahren 1981 bis 1987 wurden fortlaufend rote Zahlen mit Braun Hifi alias BEL und a/d/s/ geschrieben. Genaue Zahlen gibt es nicht mehr. Eingeweihte Kreise (man nennt sie auch "Die Buschtrommel") sprechen von erheblichen Verlusten von jeweils 10 Millionen DM pro Jahr, insbesondere von 1987/88 und 1989.

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1991 - Braun Hifi wird abgewickelt - eine Epoche ist zuende.
Und damit endet die für uns interessante Hifi Historie.

Ein trauriges Kapitel des Niederganges einer ehemals zum Spitzenreiter bei Hifi aufgestiegenen Firma wird abgeschlossen. Kein Manager gab den Hifi-Leuten eine Chance. Und der "Retter" Dr. Günter war vermutlich nur ein Werkzeug, um Braun-Hifi in a/d/s oder BEL umzufirmieren und dann in der Fremde sterben zu lassen. Die Farbwerke Höchst und andere große Firmen lassen grüßen.
Auch aus meiner Sicht wäre da ein Potential gewesen, das in einer Image-Nische hätte gesunden können - jedoch nicht mit den Anforderungen an Stückzahlen und Marktführerschaft. So war Braun-Hifi am Ende leider doch nur ein Klotz am Bein von Gillette. Die US-Manager waren zwar sehr lange tolerant, aber da waren sie nicht lernfähig.

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Braun ab 2000 exorbitant erfolgreich und profitabel

Nach der Jahrtausenwende spielt Braun seine Kompetenzen und Fähigkeiten unter dem Dach von Gillette voll aus und überschreitet die Milliarden Umsatz Grenze bei für die Aktionäre sehr erfreulichen Umsatzrenditen von deutlich über 10%.
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Nachtrag 2005 :
Gillette geht für 57 Milliarden US$ an Procter & Gamble

In 2005 hat es den Rasiererriesen Gillette mit 1 Milliarde Dollar Umsatz selbst getroffen. Es wurde ein "Deal", der aufgrund seiner Größenordnung auch in den USA Geschichte geschrieben hat. Und danach wurde im Management bestimmt auch wieder kräftig aufgeräumt.

Nur zum Vergleich, bei den ersten feindlichen Übernahmeversuchen 1984 und 1987 war von 6 bis 10 Milliarden US-Dollar die Rede, jetzt sind es 57 Milliarden US-Dollar !!!!! Und der Wert der Konzern-Marke BRAUN war dabei mit Sicherheit ganz ganz oben dabei.

Von der ehemaligen Braun Hifi-Sparte ist dabei schon lange keine Rede mehr.
Auch auf der aktuellen P&G Homepage wird akuell (in 2005) Braun-Hifi mit keinem Wort mehr erwähnt, selbst in der Historie des Werks Frankfurt bzw. Kronberg nicht. Braun-Hifi ist nun wirklich Geschichte - schade.

Doch das P&G Marketing ist lernfähig
und unterstützt die inzwischen eingespielte und sehr bekannte BRAUN Börse in den heiligen Hallen der deutschen Firmenzentrale in Kronberg, im Atrium. Auch wird der außerordentlich gepflegte umfangreiche BRAUN Fundus mitsamt der ganzjährigen BRAUN-Ausstellung unter der Leitung von Herrn Kaupp wohlwollend unterstützt.

Doch ob "Braun-Hifi" jemals wieder aufersteht, das steht in den Sternen.

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