Die fünfzehnte Bilanz für 1976 stammt vom März 1977
Bericht des Vorstands zur Gesamtentwicklung

Geschäftsbericht
Die Geschäftsentwicklung von Braun war im Jahr 1975/76 durch eine weitere Stärkung der Ertragskraft des Unternehmens gekennzeichnet. Das Auslandsgeschäft nahm deutlich zu und erreichte einen Anteil am Gesamtumsatz der Braun-Gruppe von 60 %.

Diese wachsende Internationalisierung der Braun-Gruppe war auch entscheidender Anlaß, die Unternehmensstruktur umzugestalten. Dabei wurden die In- und Auslandsmärkte neu gruppiert. Gleichzeitig berücksichtigt die Neuorganisation die wachsende Bedeutung, die der Technik bei einem international marktgerechten Sortiment von Produkten zukommt. Beide Aspekte trugen bereits zum Erfolg der im Lauf des Geschäftsjahres auf verschiedenen Märkten neu eingeführten Braun-Produkte bei. Hand in Hand damit ging eine weitere Verbesserung der Kostenstruktur des Unternehmens. Sie wird auch der künftigen Entwicklung von Braun zugute kommen.

Umsatz
In der Braun-Gruppe (Braun AG mit in- und ausländischen Tochtergesellschaften) konnte eine Steigerung des Umsatzes um 9 % erzielt werden. Er wuchs von 706 Mio. DM im Vorjahr auf 772 Mio. DM. Der Anteil des Auslandsgeschäfts erhöhte sich von 54 % im Vorjahr auf 60 %. In der Braun AG stieg der Umsatz von 503 Mio. DM um rund 7 % auf 537 Mio. DM und im Konzern (Braun AG mit inländischen Tochtergesellschaften) von 518 Mio. DM um rund 5 % auf 546 Mio. DM.
Die Produktlinien waren an der Umsatzentwicklung unterschiedlich beteiligt. Ebenso ergaben sich auch durch die jeweilige
Wirtschaftssituation deutlich differenzierte Marktsituationen in den einzelnen Ländern.

Im Inland zeigte sich als Folge der Rezession noch eine gewisse Käuferzurückhaltung. Im Ausland nahm das Geschäft dagegen bei teilweise starken Inflationstendenzen und trotz entsprechender Währungsverluste gegenüber der D-Mark einen wesentlich positiveren Verlauf. Neben systematischer Expansion auf neu erschlossenen Märkten war dafür aber auch die Einführung neuer Produkte auf «traditionellen» Märkten maßgebend.

Ertrag
Das Betriebsergebnis des Konzerns konnte nochmals deutlich verbessert werden. Nach dem Anstieg im Vorjahr auf 29,8 Mio. DM wuchs es im Geschäftsjahr weiter auf 43,5 Mio. DM. Der Jahresüberschuß betrug 9,1 Mio. DM und lag damit um 0,7 Mio. DM über dem des Vorjahres.

Entscheidend für die Ertragsverbesserung waren neben der Umsatzausweitung mit einem verbesserten Sortiment die straffe Kontrolle von Material- und Vertriebskosten, der gezielte Abbau von Beständen, Außenständen und Krediten, die insgesamt verringerten Zinsaufwendungen und eine effektivere Personalpolitik. Dem standen jedoch erhöhte Aufwendungen für Altersversorgung (18,4 Mio. DM), negative Währungseinflüsse und höhere Steueraufwendungen gegenüber.

Der Jahresüberschuß von 9,1 Mio. DM stellt eine Umsatzrendite von 1,7 % dar
und ist damit nach wie vor nicht zufriedenstellend.

  • Anmerkung : Aus Sicht der Amerikaner war das absolut katastrophal. Die Amerikaner erwarteten und verlangten 10% Umsatzrendite.

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Investitionen
Der Umfang der Investitionen entsprach den gesetzten Marktzielen. Sie stiegen in Deutschland von 14 Mio. DM im Vorjahr auf 22,5 Mio. DM an.
Im wesentlichen wurden sie für Maschinen, Werkzeuge und Vorrichtungen zur Herstellung neuer Produkte in den Bereichen Haustechnik und Foto aufgewendet.

Kapital
Das Grundkapital beträgt unverändert 30 Mio. DM, die sich in 18 Mio. DM Stammaktien und 12 Mio. DM stimmrechtslose Vorzugsaktien aufteilen.

Organisation 1976
Die Ausdehnung der Geschäftstätigkeit, vor allem das Wachsen des Auslandsgeschäfts, machte eine Änderung der Unternehmensstruktur notwendig. Die 1976 vorgenommene Neuordnung berücksichtigt in erster Linie die zunehmende Bedeutung ausländischer Märkte und die noch größeren Aufgaben, die sich damit in Zukunft in besonderem Maße der Technik stellen.

Die Neugliederung betrifft vor allem drei Bereiche:
Die internationalen Märkte wurden in drei große Gruppen aufgeteilt.

Dabei ist der für Braun wichtigste Einzelmarkt, das Inland, mit den beiden anderen deutschsprachigen Märkten Österreich und Schweiz in der Gruppe «Mitteleuropa» zusammengefaßt.
Die Gruppe «Westeuropa» schließt die übrigen Länder der Europäischen Gemeinschaft und Skandinavien ein. Die Länder der iberischen Halbinsel bilden mit Osteuropa, Latein-Amerika und anderen Überseemärkten die dritte Markt-Gruppe. In ihr ist Spanien, wo wir eine produktionsstarke Fertigungsstätte unterhalten, ein besonders wichtiger Markt.

Für die Technik wurde ein eigener Bereich geschaffen. Ihm sind neben der für den Weltmarkt bestimmten Fertigung von Geräten der Haustechnik auch deren Forschung und Entwicklung zugeordnet, denen Braun gerade angesichts der rasch fortschreitenden technologischen Entwicklung eine überragende Bedeutung beimißt.

Unter den ausländischen Produktionsstätten sind neben Spanien die Anlagen in Argentinien, Brasilien und Irland zu nennen, in denen die Fertigung jetzt verstärkt läuft. Für die Bereiche Elektronik und Foto, deren Geschäft von der Haustechnik weitgehend unabhängig ist, hat der Bereich Technik beratende Funktion.

Das entscheidende Verbindungsglied zwischen den Märkten und der Technik ist der neue Bereich «Commercial» des Business Management.

Während die drei Marktgruppen für die wirtschaftlichen Erfolge in ihren regionalen Gebieten verantwortlich sind, ist es die Aufgabe des Business Management, für die weltweite kurz- und langfristige Rentabilität der einzelnen Produktlinien zu sorgen.

Diese Maßnahmen verdeutlichen die wichtigste Forderung an die neue Unternehmensstruktur - nämlich die ausgewogene Selbständigkeit in der Verantwortung auf regionalen Gebieten, in den Funktionen der Technik und des Business Management bei gleichzeitiger Verzahnung zu einem koordinierten Ganzen. Sie ist auf die Rentabilität des Gesamt-Unternehmens ausgerichtet.

Die Produkte
Die Nachfrage nach Braun-Produkten war bei Berücksichtigung der stark unterschiedlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten auf den nationalen Märkten des In- und Auslandes insgesamt erfreulich stark. Bei einer Reihe von Geräten übertraf sie die Liefermöglichkeiten und trug zu einem deutlichen Abbau von Lagerbeständen bei. Von wesentlichem Einfluß auf die Geschäftsentwicklung war in diesem Zusammenhang die Konzentration auf absatz- und ertragsstarke Produkte hoher Qualität in Technik und Design.

An vorderster Stelle ist hier das Rasierer-Hauptmodell «sixtant 8008» zu nennen, das sich auf allen Märkten hervorragend bewährte. Besonders deutlich zeigte sich das durch steigende Marktanteile auf «traditionellen» und bei der Einführung dieses Modells auf neuen Märkten. Als technische Neuentwicklung wurde in der Reihe der Braun-Elektrorasierer der «micron» erst zum Ende des Geschäftsjahres auf einigen Märkten eingeführt. Seine bisherigen Erfolge rechtfertigen die Hoffnung auf eine sehr positive Entwicklung auch auf den anderen Märkten.

Auf dem Gebiet der Haarpflege trugen vor allem die Haar-Styling-Sets zur anhaltend starken Aufwärtsentwicklung dieses Produktsegments bei. Die Dampflockenstäbe - vor allem das Modell mit Temperatur-Regelung - fanden sehr gute Aufnahme. Die Haartrockengeräte einschließlich der Trockenhauben blieben weiterhin erfolgreich. Bei den Küchengeräten dominierte nach wie vor die «klassische» Küchenmaschine, aber auch die Kaffeemühlen und -maschinen sowie die Geräte zur Zubereitung von Frischsäften trugen zur positiven Geschäftsentwicklung bei.

Im Uhrenprogramm war die Einführung der vollelektronischen Weckuhr «Braun electronic» ein sehr erfolgreicher Schritt. Die stärkste Nachfrage erlebte die batteriebetriebene Quarzuhr «exact». In der Feuerzeug-Linie wurden die hochwertigen Tisch- und Taschenfeuerzeuge durch die in der niedrigeren Preisklasse angesiedelten Modelle Duo und Dino ergänzt.

Bei den Geräten der Unterhaltungselektronik erfolgte die Vorstellung der jüngsten Neuheiten erst im Herbst 1976 auf der hifi-Messe in Düsseldorf. Unter den erfolgversprechenden Neuheiten ist wegen seines technischen Fortschritts vor allem der elektronisch gesteuerte Plattenspieler PS 550 zu nennen.

Das Geschäftsjahr war in diesem Bereich von den Braun-Geräten geprägt, die nach der vorangegangenen Berliner Funkausstellung im August 1975 auf den Markt gebracht worden waren. Dabei standen die «audio» Kompakt-Anlagen, der Receiver «regie 450» und das Cassetten-Tonbandgerät im Vordergrund. Beim Lautsprecherprogramm bewährte sich das breite Angebot von Dreiweg-Boxen und bei den kleineren Einheiten besonders der Mini-Lautsprecher «Output compact».

Auf dem deutschen Foto-Markt waren verspätete Rezessionsfolgen zu verzeichnen, die den Geschäftsverlauf allgemein stark dämpften. Um so eindrucksvoller war der gute Absatz der hochwertigen Modelle aus der Reihe der Nizo-Filmkameras. Die Nachfrage nach den neuen Pistenton-Kameras konnte aufgrund von Lieferschwierigkeiten nur zum Teil befriedigt werden. Unter den elektronischen Blitzgeräten fanden die VarioComputer den stärksten Absatz.

Zum Ende des Geschäftsjahres wurde auf der «photokina 76» neben einer ganzen Reihe neu entwickelter Elektronenblitze auch der Tonfilm-Projektor «visacustic 1000 stereo» vorgestellt. Diese neue Generation von Braun-Fotoprodukten fand beim Handel eine gute Aufnahme.

Die jüngsten Geräte aus praktisch allen Braun-Produktlinien sind durch die verstärkte Verwendung vollelektronischer Bauteile - sogenannter «chips» - gekennzeichnet, die auch in Zukunft in steigendem Maße die Technik des Braun-Angebots bestimmen werden.

Als Beispiele für diese zukunftsträchtige Entwicklung können elektronische Produkte gelten, die erst zu Beginn des laufenden Geschäftsjahres eingeführt werden konnten: der Taschenrechner, die erste Braun-Digital-Armbanduhr und der neue elektronisch gesteuerte Plattenspieler.

Mitarbeiter
Die allgemeine wirtschaftliche Situation und die daraus resultierende Arbeitsmarktlage wurde von Braun im Personal- und Sozialbereich zugleich als Verpflichtung und Chance verstanden. Waren auf der einen Seite - gerade im Hinblick auf die Sicherheit der Arbeitsplätze - Einschränkungen notwendig, so war das Unternehmen andererseits in der Lage, die Qualifikation seiner Mitarbeiter zu steigern, höhere Leistung zu honorieren und Aufstiegschancen zu geben.

Die Zahl der Mitarbeiter wuchs in der Braun-Gruppe seit dem 30. September 1975 zum gleichen Stichtag 1976 um 466 (5,5%) auf 8881. Davon wurden 288 Mitarbeiter für die starke Geschäftsausweitung im Ausland benötigt. Die erhöhten Produktionsanforderungen führten aber auch im Inland zu einer Zunahme der hier Beschäftigten um 178 auf 6173. In der Verwaltung war keine Steigerung der Mitarbeiterzahl zu verzeichnen. Der Zunahme um 3% im Konzern Inland stand ein Ansteigen der Löhne und Gehälter und der Sozialabgaben um 6,3% (10,5 Mio.DM) und einschließlich der Aufwendungen für die Altersversorgung um 11,4% (20 Mio. DM) gegenüber.

Besonders im Hinblick auf die Lage am inländischen Arbeitsmarkt kam der Zukunftsvorsorge eine besondere Bedeutung zu. Zahl und Qualität der Ausbildungsstellen wurden bei Braun erhöht. Das Fortbildungsangebot wurde entscheidend verbessert. Auf allen Ebenen sind damit größere Aufstiegsmöglichkeiten im Unternehmen verbunden.

In mehreren Braun-Werken begann die Arbeitsplatzgestaltung nach neueren arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen. Neben Produktionserfordernissen werden dabei auch die Erwartungen der Mitarbeiter stärker berücksichtigt.
Die werksärztliche Versorgung in den deutschen Fertigungsstätten und die Vorkehrungen für noch größere Sicherheit am Arbeitsplatz wurden ausgedehnt.

Die Förderung des betrieblichen Vorschlagwesens führte zu einer spürbaren Zunahme des Interesses der Mitarbeiter an diesem Programm. Im Geschäftsjahr konnte für einen Vorschlag die bisher höchste Prämie von rund 30.000 DM ausgezahlt werden.

Braun-Auszeichnungen
Braun-Produkte erhielten auch während des Geschäftsjahres 1975/76 im In- und Ausland Auszeichnungen für ihre technische Leistung und vorbildliche Gestaltung. Einen Gesamteindruck davon vermittelte die Ausstellung «Form - nicht konform», die als Rückblick auf 20 Jahre Braun-Design vom Institut für neue technische Form in Darmstadt und vom Haus Industrieform in Essen gezeigt wurde und lebhaftes Interesse fand.


Ausblick
Die im Berichtsjahr geschaffenen strukturellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen sowie der Verlauf der ersten Monate des neuen Geschäftsjahres berechtigen auch für die Zukunft zu Optimismus. Ihm setzen jedoch die Vielschichtigkeit der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung auf den Weltmärkten und die Fülle im voraus nicht kalkulierbarer Einflüsse Grenzen. Sie werden vom Unternehmen ein hohes Maß an Reaktionsvermögen erfordern. Aus dieser Sicht gewinnen die gestärkte Ertragskraft und die vielseitige Flexibilität von Braun ihr besonderes Gewicht.

Wichtige Elemente sind dabei die eigene Forschung und Entwicklung sowie die Aufgeschlossenheit gegenüber der fortschreitenden Technologie. Dazu gehört aber ebenso die Fähigkeit, sich nicht nur kurzfristigen Marktbedürfnissen anzupassen, sondern darüber hinaus eine langfristig tragfähige Unternehmensplanung zu realisieren.
Daß Braun im Berichtsjahr auf dem Wege zu einem neuen Unternehmenskonzept in diesem Sinne ein wichtiger Schritt gelungen ist und - als Bestätigung dafür - die ersten Monate im laufenden Geschäftsjahr Erfolge brachten, ist für uns eine Ermutigung.
Auch wenn durch Außeneinflüsse mit vielen Unsicherheitsfaktoren gerechnet werden muß, beurteilen wir deshalb die Aussichten für das Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr erneut positiv.

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