Der Ur-Großvater unter den deutschen Hifi Verstärkern.
Juni 2010 - Sicher, es gab bereits vor dem Braun CSV 13 Hifi-Verstärker in Deutschland. Die Firmen Sennheiser und Klein & Hummel bauten solche Unikate und fast nur in Mono. Beide Hersteller waren auch fast nur im Studiobereich aktiv und so sahen diese Teile dann auch aus und waren damit auf dem Consumer Markt natürlich Flops. (Übrigens: Auch Grundig hatte Hifi Musiktruhen mit Hifi Röhenverstärkern.)
Und die Preisgestaltung von Sennheiser und K&H war ebenfalls im Studiobereich angesiedelt und dann noch ohne eine optische Kaufanimation.
Das mit der Optik machten die Brüder Braun anders.
Sie engagierten einen richtigen Designer, also keinen Techniker wie bei Grundig oder Saba, sondern einen, der die Radio- und Hifi- Geräte für damalige Zeiten extravagant skizzierte. Der CSV 13 mit dem Tuner CET waren mit die ersten Hifi Komponenten, die nach dieser neuen Strategie konstruiert und gebaut wurden.
Den Sound entwickelten die Techniker
Der Teamchef Audio-Entwicklung war Wolfgang Hasselbach, der mir sehr viel von "Damals" erzählte. Was uns heute am meisten fremd vorkommt, es gab fast nichts an Vorlagen oder Mustern zum Abkupfern. Herr Hasselbach reiste nach England zu Quad wegen der Lausprecher, flog nach Amerika zu "AR" (Acustical Research) auch wegen der Lautsprecher und zu anderen Amerikanern wegen der Verstärker. In Deutschland gab es Ende der 50er Jahre bereits wieder ein hartes Konkurrenzdenken, sodaß neben den obligatorischen 9-Röhren 10-Kreis Supern, so nannte man die Radios damals, jetzt auch hochwertige Lautsprecher und ebensolche Verstärker entwickelt werden mußten. Und mit dem CSV 13 setzte Braun auch schon Maßstäbe.
Fast 50 Jahre ist er alt.
Juni 2010 - Auf zwei gelben Elkos sind die Produktionsdaten drauf. Einmal KW 02 aus 1963 und einmal KW 05 aus 1963. Dieser Verstärker wurde vermutlich erst im späten Frühjahr oder Sommer 1963 produziert.
Wir haben die ganze 1961er Braun Anlage von einer älteren Dame aus Berlin geschenkt bekommen. Die Anlage war damals bestimmt sehr oft an und hat den Besitzer oder die ganze Familie erfreut. Die Oberflächen aller Schalter sind stark abgegriffen und die Regler wurden oft benutzt.
Und in Röhrenverstärkern sammelt sich wesentlich schneller ganz viel Staub an als 20 Jahre später in den geschlossenen Transistorvertärkern. Daß Röhrenverstärker nicht besonders efektiv sind, wußte man schon ganz kurz nach der Vorstellung der ersten Transistoren in den 60 Jahren. Doch es dauerte noch etwas, bis das Wissen gewachsen war, wie man mit den damals verfügbaren Transistoren Hifi machen konnte. Grundig war da mit dem SV40 (basierend auf Germanium Transistoren) der Vorreiter, stieg aber nach weniger als einem Jahr auch auf Silizium um.
Aus mindestens einem der beiden Netzteil Elkos kommt das ausgetrocknete Elektrolyt raus. Die sind also ganz bestimmt dahin und müssen ausgetauscht werden, bevor wir ihn wieder einschalten.
Jetzt kommt die Naßwäsche
Wie bei den Fachleuten aus der Brandschadensanierung hinreichend bekannt, kann man solche elektronischen Geräte mit entmineralisiertem (Regen-) Wasser, leicht auf etwa 40 Grad angewärmt, dazu mit einem Schuß Spülmittel oder Seife, bedenkenlos auswaschen. Man muß sie danach nur schnell und ausgiebig trocknen, damit nichts Metallisches rostet.
Das haben die alten großen extrem teuren Fernsehkameras vertragen und auch so mancher Transistorverstärker und die gehen alle wieder und sehen dazu noch wie neu aus, jedenfalls innnen.
Und hier - noch ein Datum
Von dem CSV 13 gab es nach Expertenangaben unterschiedliche Ausführungen oder Varianten mit diversen verschiedenen Netz-Transformatoren. In Kronberg im Fundus soll es sogar einen letzten original verpackten CSV 13 mit einem Schnittbandkern Trafo geben.
Hier auf dem Kondensator findet man die K(alender) W(oche) 5 aus 1963. Was das CSV13-020 bedeutet, sind uns die Experten bislang schuldig geblieben.
Unser "kleiner" CSV 13 . . .
geht nach der Ganzkörper-Wäsche und dem Superpolish außen erst mal zur elektronischen Generalüberholung und zum Durchmessen. Die Selengleichrichter und die vielen dicken Kondensatoren machen die Wiederinbetriebnahme sehr vage und sollen vorher getauscht werden.
Dez. 2010 - Jetzt ist das Prachtstück fast wieder wie neu
Unser Braun Röhrenspezialist Herr Herzberg aus Fankfurt hat sich seiner angenommen und erst mal die obligatorischen Messungen durchgeführt und dann Standard-Tests gefahren und dann die typischen "Verschleißteile" ausgetauscht.
Es sind eigentlich nur ganz normal gealterte Teile, die man aus alter Hifi-Röhren Zeit her kennt. Papierkondesatoren waren zwar recht spannungsfest, doch trocknen die besonders gern aus. In diesem Verstärker wurden die Endröhren bereits früher schon mal getauscht und auch die beiden größeren Siebelkos waren noch ok.
Der stärkere aber exakt gleich große Braun CSV 60 . . .
Den CSV60 haben wir noch nicht, ist uns aber brereits zugesagt worden. Noch eine Info zu dem größeren Bruder, dem Braun CSV 60. Nach den Angaben der Experten mußte der im Vergleich etwas dickere Netz-Trafo natürlich in das gleiche Gehäuse wie die CSV 13 Type passen. Doch der Platz war sehr knapp bemessen und der Trafo ist deshalb "auf Kante" dimensioniert, also recht knapp bemessen.
Ebensolches trifft auch auf die beiden Ausgangsübertrager des CSV 60 zu. Diese sollen zusammen mit den angrenzenden vier PL500 Röhren bei Power Musik so richtig ins Schwitzen kommen, also sind die Blechpakte der Übertrager auch zu klein. Beim CSV 13 sind die Übertragerwicklungen geschachtelt. Das kostet Platz. Und darum sehen die auch fast gleich groß aus.
Wichtig zum Verständnis, die Ausgangsübertrager sind zwar prinzipiell auch Transformatoren, jedoch mit ganz andren Kriterien. Der Netztrafo "überträgt" nur eine Frequenz, die 50 Hz, der Übertrager am Ausgang des Verstärkers überträgt ein (möglichst Hifi-) Frequenzband, dazu noch mit unterschiedlichsten Amplidtuden. Und dazwischen liegen Welten !!
Der MAC 275 - die Legende
Jetzt versteht auch der Laie, warum die McIntosh 275 Legende mit "seinen" gewaltigen Reserven in den Transformatoren und Übertragern so aussergewöhnlich war. Da gab es Stereo-Power satt und ohne zu Schwitzen, nämlich echte 2 x 75 Watt Sinus von 20 bis 20.000 Hz an allen Impedanzen und fast ohne Klirren. Angeblich wurden sogar über 2 x 85 Watt Sinus bei 1 KHz gemessen.
Das waren in jener alten Zeit gigantisch gute Werte.
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