Bei den Lautsprechern gab und gibt es viel Unsinn . . .
In der Sturm und Drang Hifi-Zeit vom Anfang der 70er Jahre bis zum Ende der 80er Jahre stand fast jeden Morgen eine neuer Guru auf, der die alleine selig machende Lautsprecher-Box entwickelt hatte. Dies wurde dann von der ewig hungrigen Presse sogleich aufgeschnappt, schillernd ausgemalt, sehr oft im Vorfeld bereits in den Himmel gelobt, natürlich ohne Probehören und dann mehr oder weniger qualifiziert weiter verbreitet.
Die uralte klassische Lautsprecherbox (wenn man von Box überhaupt reden konnte) hatte aber immer noch ein oder mehrere ganz normale Trichter-Chassis nach vorne gerichtet und war hinten anfänglich noch (bis etwa Anfang der 60er Jahre) offen, später (ab etwa 1963) dann geschlossen. Irgendwann kamen die Kalotten- Hoch- und Mitteltöner (etwa 1965) sowie die sogenannte Bassreflex-Box dazu und dann kamen aus der Profitechnik die exponentialen Basshörner und sonstigen Konstrukte.
In den 70er gab es dann eine Menge ganz "besonderer" Konstruktionen, die alle meist einen einzigen Vorteil (vielleicht sogar mehrere) gegen (ziemlich oft) ein Vielfaches an Nachteilen anzubieten hatten.
Eine dieser besonderen und sehr erfolgreichen Ausnahme- Konstruktionen war die Bose 901 Konzeption. Mit 9 (eigentlich sehr simplen Langhub-) Breitbandchassis und einem elektronischen Entzerrer machte dieses Konzept eine erstaunlich wirkungsvolle beeindruckende Musik, vor allem eine überragende Stereo-Perspektive. Im Laufe der Zeit wurde dieses Konzept von der Serie 1 bis zur Serie VI (6) weiter entwickelt und dabei deutlich verfeinert. Die Bose 901 Box ist jetzt über 35 Jahre alt und insbesondere die Serie II Lautsprecher sind noch gefragt, weil sie (angeblich) nicht die Sickenprobleme der Serie III und folgende (die Sicken lösen sich auf) hatten und auch nicht die Probleme mit den Magneten aus der Serie I.
Fast gleichzeitig kamen noch diverse Elektrostaten, Bändchenhochtöner, Ionenhochtöner, Plasmastrahler, Kugelstrahler, dann die OHM F und sonstige "geniale" Entwicklungen auf den Markt . . . . . und sind alle wieder verschwunden.
Geblieben ist bis heute (wir haben 2011) die direkt abstrahlende mehr oder weniger schlanke Lautsprecher- Säule und die fast unsichtbaren Mehrkanal Satelliten samt aktivem Basswürfel. Alle dicken großen Superboxen erfreuen sich nur noch geringer Beliebtheit. Nur noch wenige Gourmets lauschen den wirklichen Spitzenklasse Boxen. Der Markt und auch das Niveau der Ansprüche haben sich seit den 90er Jahren völlig geändert.
An den physikalisch technischen Möglichkeiten des Wandelns von elektrischer in akustische Energie und den reproduzierbaren Qualitäten hat sich dennoch nichts Wesentliches geändert.
Die moderne Elektronik der Simulation jedweder physikalischen Eigenschaft und Prozedur hat bei den "Lautsprecherschmieden" Einzug gehalten und die empirische Entwicklung eines in der Legende verklärten Herrn Seikritt bei Braun und Heco und Canton ist lange überholt.
Bei Canton zum Beispiel wurde die Resonanz und Reflektion des Schalls innerhalb des Boxengehäuses sorgfältig im PC simuliert und so kamen optisch eigentlich merkwürdige Gehäuseformen auf den Markt. Fast wie ein Wunder klingen die aber alle nicht nach einer Holzkiste wie manche Braun L710 oder Heco P4302 von vor 40 Jahren.
Auch die anderen Hersteller haben fast alle nachgezogen und sind im höheren Preissegment weggegangen von den rechteckigen Kästen hin zu optimierten Konstruktionen.
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