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UHER - Wie man eine renomierte Marke in den Boden rammt

Es gibt Lautsprecherboxen, die sind so billig und schlecht, angeblich sogar Hifi, die hätte man gar nicht erst produzieren dürfen oder sollen. Ein Beispiel ist die "UHER W120 Hifi-Lautsprechereinheit".

Außer daß sie im ebay fälschlicherweise sogar als 3-Wege Box angeboten wurde und mit folgenden Daten angepriesen wurde, ist wirklich nicht viel drinnen.
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  • Sie bieten hier auf eine gebrauchte Lautsprecherbox UHER Hi-Fi Lautsprechereinheit W 120, 3-Wege-System, Imp. 4 Ohm, Musikbelastbarkeit: 60 Watt, Nennbelastbarkeit: 40 Watt, Abmessungen: 35 x 21 x 19 cm, Farbe: schwarz, Gewicht: ca. 4 kg.
  • Das Gerät ist getestet und meiner Ansicht nach voll funktionsfähig, allerdings bin ich kein Hi-Fi-Fachmann!
  • 1 Euro


Jetzt schrauben wir die mal auf und zeigen, was wirklich drinnen ist und warum die so bescheiden (bzw. überhaupt nicht) klingt.
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Verbaut wurde das billigste Innenleben

Das Gehäuse ist sicherlich stabil und auch vermeintlich schwer. Die Rückwand ist mit 6 ganz dünnen Spanplattenschrauben befestigt, besser gesagt fixiert, denn die Schrauben sind extrem dünn und schmächtig - also fast nur Nägel - und beim Herausdrehen merkt man, von dem angedeuteten Gewinde hatte da im Holz sowieso nichts mehr gehalten, die Schrauben - eigentlich die Löcher im Gehäuse - waren bereits überdreht.

Die eigentliche Box ist aus Einzelteilen verleimt, die CNC Fräs- und Klapptechnik (wie bei dieser ähnlichen Billigbox) hatte hier noch nicht Einzug gehalten. Man erkennt das daran, daß die Schallwand aus anderem Material besteht als die Seitenwände.

Die Rückwand ist auch recht dünn und so klingt diese Box auch. Sie klingt nämlich gar nicht. Die drei verbauten Chassis sind von der allerbilligsten Sorte und haben mit Hifi nicht viel zu tun.
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Die beiden ITT-Tieftonmembranen

Die Tieftonmembranen der beiden identischen Chassis sind mit einer vordergründig (scheinbar) gummierten (Leinen ? -) Sicke erstaunlich weich aufgehängt. Schaut man sich aber die Rückseite der Pappmembranen durch die großen Ausstanzungen im Chassis Korb mal etwas genauer an, so erkennt man nur eine aus einem einzigen Stück Pappe gestanzte und geprägte Pappmembrane. Die Gummierung wurde nur von außen auf den besonders bauchig gewellten Ring der vermeintlichen Sicke aufgetragen. Es sieht zwar nach einer angeklebten Leinensicke aus, ist es aber nicht.

Dennoch kommt aus diesem kleinen geschlossenen Gehäuse kein richtiger Bass raus. Der Hersteller ITT hat das mit dem Hifi zum Glück auch nicht hinten auf die Chassis aufgedruckt. So ist auch das Baujahr aufgrund des Aufdrucks auf den Chassis nicht zu ermitteln.
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Die technischen Daten - alles dummes Zeug

Zwei Tieftonchassis mit je 4,xx Ohm in Reihe geschaltet ergeben mit der Drosselspule etwa 9,4 Ohm Gesamtwiderstand, also nichts mit 4 Ohm Impedanz für die Box als Ganzes und schon gar nicht 40 echte Watt Nennbelastbarkeit. Diese beiden Chassis sind vielleicht mit je 10 Watt Dauer- oder Nenn-Belastbarkeit zu bewerten, mehr aber auch nicht. Es ist also fast alles gelogen, das da angegeben wurde und das mit dem "Hifi" sowieso.
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Ein paar Details etwas genauer nachgemessen :

Die beiden Tieftöner haben einen Innenwiderstand von 4,1 Ohm und 3,8 Ohm und sind mit der Drosselspule (1,4 Ohm) in Reihe geschaltet. Der Hochtöner hat einen Innenwiderstand von 7,6 Ohm und ist über einen Kondensator mit 6,8 µF angekoppelt. Der an den Klemmen gemessene Gesamtwiderstand der Box beträgt etwa 9,5 Ohm.
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Auch bei der Optik so gut wie alles getürkt

Durch das Alu-Lochblech scheinen drei edle Chassis "hindurchzuschimmern", die sich nach dem Entfernen dieses Lochblechs als billigste Imitationen heraustellen.

Der so monumental durchschimmernde Lautsprecherkorb ist mit silberner Farbe "aufgedruckt" !! So ähnlich hatte das zwar Max Grundig mit seinen hochwertigen Boxen - auch bei den aktiven XSM 3000 Standboxen - gemacht, indem man billigste silberne (oder broncefarbene) Plastikblenden vor die eigentlichen Blech-Chassis schraubte, doch diese voll aktiven Grundig Boliden hatten damals wie auch heute - im diametralen Unterschied zu diesen hier - noch einen enorm guten Klang.

Diese ITT Chassis hier sind also von der primitivsten Sorte und so erklärt sich auch der absolut miserable Klangeindruck - auch an einem Spitzenverstärker. Da ist nichts mehr rauszuholen.

So sehr bedupst worden bin ich schon lange nicht mehr. Der Niedergang der deutschen Weltmarken wie AEG und UHER als Beispiel wurde durch solche Produkte katapultartig beschleunigt.
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