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Lautsprechertests in den Jahren 1970 bis 1974

HS Heft 10 / 1974

Im Rückblick ins Jahr 1974 muß man Folgendes wissen: Das Maß der Dinge war damals die "Infinity Servo Static 1" und daran wurden (in 1974) die meisten neuen großen und teuren Boxen gemessen. Auch muß man wissen, daß (damals) viele Tests "erkauft" oder irgendwie sonst "gesponsert" schienen oder sogar waren. Zumindest im unteren Preis-Bereich deutlich unter 1000.- DM "verblieben" die Boxen ungefragt und lebens- länglich in der "Redaktion", also meist Zuhause bei dem oder den Rezensenten. Das hatte natürlich Auswirkungen auf die Art und Qualität der Beurteilung.

Manche Lautsprecher wurden nachweisbar zu über- trieben gelobt
, andere (weniger gesponserte Boxen) wurden "in die Pfanne" geklopft. - Karl Breh hat sich Zeit seines Wirkens (1962 bis 1995) gegen diese Art der Tests gewehrt und solche "gesponserten" Seiten in seiner Zeitschrift Hifi-Stereophonie ausgeschlossen. Andere waren da weit weniger zimperlich - oft notgedrungen.

Die OHM F war dagegen etwas Besonderes, auch mit besonderen Anforderungen an die Verstärker. Ich durfte damals (vermutlich aber nach 1974) mit diesen OHM F und einer Phase Linear 700 Endstufe spielen. Dieser Test ist aus meiner Sicht weitgehend wertneutral und durchaus aussagefähig. (Gert Redlich im Okt. 2011)

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1974 - Der „Ohm F" Lautsprecher

Die Ohm Acoustics Corp. ist eine junge amerikanische Firma, die es sich zur Devise gemacht hat, im Bereich des Lautsprecherbaus wissenschaftlichen Überlegungen den Vorrang vor Hobbytum und werbetechnisch wirksamen Gags zu geben.

Der „Ohm F" Lautsprecher ist Ausdruck dieser Haltung. Erfinder des neuartigen Lautsprechers, der im Bericht über das diesjährige "Festival du Son" in Paris schon einmal beschrieben wurde, ist Lincoln Walsh. Er ist 1971 gestorben, und es war ihm nicht vergönnt, die perfekte Version seines Lautsprechers noch zu hören.

Kurzbeschreibung

Kohärenz der von der „Ohm F" abgestrahlten „Wellenzylinder"

Das Bild zeigt die Box bei entfernter Abdeckung und mit Abdeckung. Die Schwingspule befindet sich bei diesen Konzept oben. Sie treibt einen rund 320mm hohen Konus an, der im oberen Teil aus Titaniumfolie, im mittleren aus Aluminiumfolie und im unteren Teil aus Membranpappe besteht.

Die Schwingspule regt im Konus Biegewellen an, die mit mehr als zweifacher Schallgeschwindigkeit - je nach Konusmaterial unterschiedlich - von oben nach unten laufen und dabei konzentrische Schallwellen gleicher Frequenz "abstrahlen".

Zur Bedämpfung dieser "wave transmission line", das man im Deutschen korrekt als Biegewellen-Leiter bezeichnen könnte, arbeitet der Konus auf das Luftvolumen eines Gehäuses. Eine Sicke schließt Konus und Gehäuse gegen die Außenluft ab. Die exakte Theorie dieses Wandlers mag reichlich kompliziert sein, einige Vorteile liegen jedoch auf der Hand.

Der ,,Breitband-Lautsprecher" benötigt keine die Phasenlage beeinflussenden Frequenzweichen und der Wandler strahlt in horizontaler Richtung perfekt symmetrisch 360° rundum ab. Hinzu kommt, daß dank des Konuswinkels und der unterschiedlichen Schallgeschwindigkeiten in der Luft und den im Konus verwendeten Festkörpern sozusagen kohärente Wellen abgestrahlt werden, was wiederum Phasenreinheit innerhalb des "Wellenzylinders" bedeutet (vgl. Bild 3).

Die Abmessungen der Box "Ohm F" sind: Höhe 112cm, Grundfläche 45 x 45cm, Konusdurchmesser 305mm. Nennimpedanz etwa 4 Ohm. Erforderliche Mindest-Verstärkerleistung 50W. Belastbarkeit 300 W eff. während 3s, 200W während 30s und 125 W Dauerbelastung. Schmelzsicherung gegen Überlastung nach Entfernen der Abdeckung zugänglich.

Ungefährer, unverbindlicher Ladenpreis 2.500.- DM pro Stück

Messergebnisse (Text korrigiert)

Schalldruckkurve, k2 und k3
Schalldruckkurven unter den Hörwinkeln 0°, 20° und 40°

Die Schalldruckkurve sowie die Verzerrungen k2 und k3, gemessen im Abhörraum, Mikrophon 97cm über Bodenhöhe (also etwa auf den Hochtonbereich des Treiberkonus gerichtet).

Dies Bild zeigt den nicht vorhandenen Einfluß der Hörwinkel 0°, 20° und 40°. Die Baßeigenresonanz liegt bei 35Hz. Die Impedanz erreicht dort 12 Ohm. Ihren minimalen Wert von etwa 5 Ohm hat sie im Bereich 200 bis 500Hz. Die praktische Betriebsleistung beträgt 25 bis 30 Watt!

Musik-Hörtest und Kommentar des Rezensenten

Wir haben die Box mit zwei verschiedenen Endstufen betrieben. An der Mclntosh 2105-Endstufe (Sinusleistung 2x105W), ergaben sich bei höheren Lautstärken Verzerrungen, z. B. bei Holzbläsern, weil die Endstufe nicht mehr mitmachte.

Darauf haben wir die Marantz-Endstufe Modell 500 mit den „Ohm F" verbunden. Was sich unseren Ohren sodann darbot, war eine höhere HiFi-Offenbarung. Die „Ohm F" sind eine Klasse für sich. Das Klangbild ist von einer Fülle, Natürlichkeit, Ausgewogenheit und Durchsichtigkeit, die man nur als außergewöhnlich bezeichnen kann. Die Baßwiedergabe ist von einer Substanzhaftigkeit und Sauberkeit, die an das Klipschorn erinnern. Das Klangbild hat fast eine gewisse Ähnlichkeit mit dem einer guten Quadrowiedergabe, zumindest was die Natürlichkeit und Perspektive betrifft.

Bei der Betrachtung der Schalldruckkurve muß man berücksichtigen, daß die Ohm-F Boxen bei der Messung auf dem mit Moosgummi gegen den Boden isolierten „Boxenboden" gestanden haben. Die von oben nach unten laufenden Biegewellen rufen Reaktionskräfte hervor, die die ganze, abgefederte Bodenplatte zum Mitschwingen brachten, wobei das baßverstärkend wirkte. Für den Musik-Hörtest haben wir die Box auf den „nackten" Boden gestellt.

Hifi pur

Vom HiFi-Standpunkt verdient diese Box höchstes Lob. Ihr großer Nachteil ist im extrem schlechten Wirkungsgrad zu sehen. Um die Vorzüge dieser Box wirklich nutzen zu können, sollte man eine Endstufe von 2 x 300W zur Verfügung haben, mehr schadet aber auch nichts, außer daß die Sicherungen (an der Box) öfter durchbrennen. Dem kann man jedoch dadurch abhelfen, daß man 6A Sicherungen einbaut.

Gesamturteil: Eine Klasse für sich. Setzt hohe Verstärkerleistungen (2 x 300 W) voraus. Produziert dann aber unverzerrt hohe Klangvolumina.

Zusammenfassung
Die Boxen ,,Ohm F" der Ohm Acoustic Corp. sind im so schwierigen Bereich des Lautsprechers als ein unverkennbarer Fortschritt in Richtung „mehr High-Fidelity" anzusehen. Sie bereiten auch dem abgebrühten HiFi-Experten wieder einmal Stunden der Begeisterung.

Den Vertrieb in der Bundesrepublik besorgt die Firma Michael Gießen HiFi-Vertrieb, 62 Wiesbaden-Freudenberg, Veilchenweg 63. (gibts schon lange nicht mehr !!!)

Rezensent: Dipl. Ing. Karl Breh / im Okt. 1974


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