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Hifi-Stereophonie - 1982 - Heft 3 - Editorial von Karl Breh


Liebe Leser!
Erstmals in diesem Heft veröffentlichen wir mehrere Leserbriefe und geben damit eine 20 Jahre lang geübte Enthaltsamkeit in Sachen Leserbriefe auf. Tatsächlich sind Leserbriefe bei allen Publikumszeitschriften eine recht beliebte, von den Redaktionen sorgsam gepflegte Rubrik, lassen sich doch Leserbriefe trefflich manipulieren. Man muß ja nicht gleich so weit gehen, daß man begeisternd zustimmende oder auch massiv ablehnende Meinungsäußerungen nach ausgeklügelten dramaturgischen Gesichtspunkten selbst verfaßt oder von mehr oder weniger freien Mitarbeitern konfektionieren läßt, um beim naiv gläubigen Leser Identifikationsmechanismen auszulösen und den Unterhaltungswert der Zeitschrift um prickelnde Lektüre zu erhöhen.

Manipulation läßt sich auf halbwegs ehrliche Weise auch allein durch die Auswahl und durch Kürzung tatsächlich eingegangener Leserbriefe erzielen. Damit wollten wir nichts zu tun haben, und wir wollen es auch in Zukunft nicht.

Zwar haben wir Leserbriefe immer sehr ernst genommen; wir haben sie, soweit die meist zu knapp bemessene Zeit es zuließ, einzeln beantwortet, insbesondere wenn es sich um kritische Äußerungen oder um Verbesserungsvorschläge handelte. Das tun wir auch heute noch und werden diese Übung auch in Zukunft beibehalten. Wenn trotzdem der eine oder andere Leserbrief unbeantwortet blieb, dann lag es meist an zwei Gründen.

Der häufigste war und bleibt Zeitmangel. Die Aufgabe einer Redaktion besteht nun einmal in erster Linie darin, eine Zeitschrift zu machen, und dies möglichst gut, und weniger in der Beantwortung von Einzelfragen, die meist auch noch ganz konkrete Empfehlungen erwarten. Und hier haben wir schon den zweiten Grund. Unverblümte Geräteempfehlungen über das hinaus, was wir in der Zeitschrift aufgrund einwandfreier Tests an Werturteilen veröffentlichen, können, wollen und dürfen wir nicht erteilen. Anfragen dieser Art bleiben daher häufig unbeantwortet oder werden nur der Höflichkeit wegen beantwortet, aber nicht so, wie der Briefschreiber dies erwartet.

Gibt es doch gelegentlich recht merkwürdige Vorstellungen: Da sollten wir gerade in jüngster Zeit fortwährend knifflige Fragen aus Preisrätseln anderer Zeitschriften beantworten. Manche Ratsuchenden scheuten sich nicht, uns ganze Listen mit solchen Fragen zuzusenden oder sonntags um die Mittagszeit bei mir privat anzurufen. Selbstverständlich möchten wir keinen unserer Leser verärgern, aber es ist doch klar, daß wir schon aus Gründen der Fairneß nicht in die Preisrätsel anderer Zeitschriften eingreifen können. Allerdings haben wir uns in der Redaktion schon darüber unterhalten, daß wir vielleicht aus reiner Notwehr die Lösung von Preisrätseln dieser Art am besten gleich in der Zeitschrift veröffentlichen sollten, dann wäre allen geholfen und wir hätten unsere Ruhe.

Aber Spaß beiseite: Wenn wir also fortan trotz unserer Bedenken Leserbriefe veröffentlichen werden, so ganz bestimmt keine, bei denen es um individuelle Geräteanfragen geht. Es muß sich schon um Zuschriften handeln, die allgemein interessierende Fragen anschneiden, uns auf Fehler hinweisen, sinnvolle Anregungen geben oder berechtigte Kritik üben. Verbale Kraftakte um ihrer selbst willen werden wir nicht veröffentlichen.

Auch möchten wir Leserzuschriften nicht nennenswert kürzen oder bearbeiten müssen, denn dies geriete schon wieder in die Nähe der Manipulation. Leserbriefe, die wir gerne veröffentlichen werden, sollten klare Meinungen ausdrücken, zustimmende, ablehnende, ergänzende, zur Zeitschrift, zu Themen, die in der Zeitschrift behandelt wurden, oder zum gesamten publizistischen Umfeld.

Die im vorliegenden Heft getroffene Auswahl mag nach dem Ausgeführten zu positiv erscheinen. Das liegt jedoch am Thema „20 Jahre HiFi-Stereophonie", zu dem wir erfreulicherweise bisher fast nur zustimmende Briefe erhielten. Einige davon drücken das, was wir selbst über die heutige publizistische Landschaft denken, so trefflich aus, daß wir der Versuchung, sie zu veröffentlichen, nicht widerstehen konnten. In einem dieser Briefe haben wir übrigens allzu konkrete Bezugnahmen entschärft. Der verehrte Schreiber möge uns das nachsehen.
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In der Erwartung hochkarätiger Leserzuschriften bin ich wie immer
herzlichst Ihr
Karl Breh

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