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Hifi-Stereophonie - 1980 - Heft 9 - "Editorial" von Karl Breh

Karl Breh geb. 1932 in Baccalaureat in Toulon (Südfrankreich), Violinunterricht am Staatlichen Konservatorium Toulon, Studium der Physik an der Universität Karlsruhe, Diplom 1956. Tätigkeit am Institut für Strömungslehre und Strömungsmaschinen, ab 1959 nebenberufliche Lektoratstätigkeit im Verlag G. Braun, Karlsruhe, 1962 Gründung der HiFi-Stereophonie, ab 1964 Chefredakteur dieser Zeitschrift.

Seit 1968 Vorsitzender des Deutschen High-Fidelity Instituts und Vorsitzender des Beirats der Internationalen HiFi-Ausstellung mit Festival in Düsseldorf, seit 1968 Autor fachbezogener Sendungen im Südwestfunk Baden-Baden, Lehrbeauftragter für Akustik, Elektroakustik und Instrumentenkunde an der Staatlichen Hochschule für Musik  Karlsruhe, seit April 1980 Verlagsleiter bei G. Braun, Mitglied der AES und der UIPRE

Das mußte mal gesagt werden :
Ist High Fidelity schon selbstverständlich ?

Vergleicht man die Leistungsfähigkeit und die Übertragungsdaten einer Mittelklasseanlage von heute mit dem Stand der sechziger Jahre, so stellt man mit Erstaunen fest, daß in der Mittelklasse heute zu weitaus niedrigeren Preisen mehr Qualität geboten wird als in der Spitzenklasse vor fünfzehn Jahren.

Läßt sich aus dieser Tatsache schon der Schluß ziehen, daß High Fidelity etwas Selbstverständliches geworden ist?

In gewisser Beziehung ist dieser Schluß zulässig. Dennoch wäre die Annahme kühn, ein uneingeweihter HiFi-Interessent brauche nur in einen Laden zu gehen, dort einen Betrag hinzublättern und könne dann ganz selbstverständlich für sein Geld einen reellen Gegenwert einhandeln.

Man wird ihn möglicherweise zwar erstaunlich preiswert mit gediegener Elektronik versorgen - denn in diesem Bereich liefert sich der Handel unter dem Überdruck des Angebots einen schon selbstmörderischen Preiskampf. Da vom Drauflegen aber niemand leben kann, läuft der unbedarfte HiFi-Käufer Gefahr, daß ihm unter Nutzung falscher Schlagworte wie „Leistung" und „Watt" Lautsprecherboxen angedreht werden, die der Händler aus dubioser Quelle für dreißig oder achtzig Mark pro Stück angekauft hat und die er, ohne rot zu werden, mit bis zu dreihundert Prozent Aufschlag an den Mann bringt.

Daß auf diese Weise die Klangqualität auf der Strecke bleibt, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Und nun soll niemand denken: „Das kann mir nicht passieren." Es gibt einige Tricks, miserable Boxen als wahre Klangwunder erscheinen zu lassen, und dies auch bei vergleichenden Vorführungen. Ähnliches Mißgeschick kann auch beim Kauf eines Tonabnehmers passieren, denn auch in diesem Bereich läßt sichs munter im Trüben fischen.

Setzen wir einmal voraus, dies alles könne man vergessen, weil unser Kunde einen Fachhändler aufsucht, einen, der eine Idealmischung aus Sachkenntnis und Ehrbarkeit darstellt. Auch dieser Idealtyp eines Fachhändlers muß sich für einige Fabrikate entscheiden und sein Angebot danach ausrichten. Auch er wird die Rabattpunkte zählen müssen, die er mit dem einen Fabrikat mehr als mit dem anderen auf seinem Konto gutschreiben kann.

Ganz gleichgültig, wie hoch der durchschnittliche Quafitätsstandard zur Zeit auch liegt und in Zukunft liegen wird, die Frage der Preis-Qualiät-Relation bleibt immer aktuell. Das ist heute auch beim Automobil noch so, obwohl Qualität da eigentlich noch selbstverständlicher sein müßte als in der wesentlich jüngeren HiFi-Technik.

So hoch kann der Qualitätsstandard in der HiFi-Technik gar nicht werden - auch dann nicht, wenn in einigen Jahren das digitale Zeitalter anbricht -, als daß ein Interessent, wenn er sein Geld nicht gleich zum Fenster hinauswerfen will, drauflos kaufen kann, ohne sich vorher über Qualitätskriterien zu informieren.

Ich bin in Sachen High Fidelity gewiß kein Greenhorn mehr, dennoch würde ich keinen HiFi-Baustein kaufen, ohne zuvor einen Test gelesen zu haben. Allerdings muß es schon ein Test sein, der diese Bezeichnung auch verdient. Leider wird mit dem Testwesen da und dort unter dem Vorwand, es müsse nur alles leicht verständlich sein und der Laie könne die vielen Kurven und Daten ohnehin nicht verstehen, publizistische Augenwischerei getrieben.

HiFi-Technik ist gewiß besser geworden, aber um den Preis gesteigerter Kompliziertheit. Diesen Umständen müssen auch die Tests gerecht werden, und wer testet, muß nachweisen, daß er ihnen gerecht wird. Die aus den Messungen gezogenen Schlüsse verständlich zu machen, ist dann Aufgabe des Textes.

High Fidelity ist besser, auch preiswerter geworden - aber selbstverständlich ist High Fidelity noch lange nicht.

Karl Breh

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