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Kommentar (aus 2014) zu den alten Zeitschriften-Artikeln über Stereo und mehr :

von Gert Redlich im Jahr 2014 recherchiert - Viele dieser recht alten euphorischen und auch richtig fordernden "Editorials" oder "Berichte" sind arg "getuned" oder "gehübscht", wie wir heute sagen würden. Denn die ureigensten Interessen an diesem "Rundfunk-Stereo" lagen überwiegend bei der Industrie. Dazu muss man akribisch viele Bücher und ganze Stapel mit Jahrgängen von Zeitschriften durchlesen und so das Puzzle zusammenzählen bzw. kombinieren. Es ging nur ums "Geldverdienen".
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Und so fängt das Stereo-Puzzle an :

Da gibt es zum Beispiel das Fachorgan Funkschau, das sehr "industrienah" ausgerichtet ist (wenn man das wohlwollend formuliert). Weiterhin ist der Konkurrent Funk-Technik auch nicht weit. Wir haben alle Ausgaben seit 1946. Dann gibt es den Verband des Deutschen Rundfunkhandels, der mehrfach im Jahr die Abssatzzahlen der zur Veröffentlichung verpflichteten Hersteller publiziert - oder besser ausgedrückt - an die damaligen gierigen Medien "lanciert".
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Und dann gibt es die kritischen Zeitschriften mit den sogenannten "investigativen" Reportern wie den Spiegel und den Stern, in denen dann zu lesen stand - also publiziert wird, daß deren (Verkaufs-) Zahlen - also sowohl die der Hersteller- wie auch die Verbands-Angaben - überhaupt nicht stimmen, denn der Wettbewerb war damals schon gnadenlos egoistisch gewesen.

Die  neue Hifi-Stereophonie ist erst ab Ende 1963 mit absolut sauber recherchierten und fachlich hervorragenden Artikeln "dabei". Das etwas ältere "fonoforum" war eine von der deutschen Plattenindustrie (in Hannover) initiierte und lancierte (und damit abhängige Schallplatten-) Fachzeitschrift. Und UKW-Stereo war zukünftig eine gefährliche Konkurrenz zur verkauften Schallplatte. Das wußte man dann schon recht geschickt zu "torpedieren".
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Die Wahrheit kommt immer erst Jahre später raus.

Nach einigen überschwenglichen Jahren mit enormen Wachstumsraten im Bereich Fernsehen und richtig guten Gewinnen wurde das Überangebot bei dieser (Rundfunk-) Monokultur deutlich. Der Absatz brach ein, eine Verunsicherung bezüglich der Zukunftsfähigkeit mancher Produkte brach aus. Einige Firmen hatten bereits alternative Produktlinien aufgebaut. Max Grundig avancierte zur weltgrößten Tonbandgerätefabrik. SABA und auch Telefunken konnten aber an den Vorkriegserfolg nie mehr anknüpfen. Auch andere "Große" wie Siemens und Blaupunkt bekamen Probleme, von den vielen kleineren Firmen mal gar nicht zu reden.

Dann kamen die Steigerungszahlen der Verkäufe der neuen 33er Langspielplatten von den Pressekonferenzen der Phonografischen Industrie und machten die Rundfunk-Hersteller nicht nur neidisch, sonder auch zunehmend nervös. Also Plattenspieler braucht der Markt und bald bauten alle wie verrückt Plattenspieler.

Schaut man sich die Modelle von vor 1963 heute mal an, waren es alles "Gurken" aus einem Brei - nämlich aus Plastik und alle sehr sehr ähnlich. Wer kaufte aber noch Radios, die nicht Stereo können ? Also auch alle Radios sollten Stereo können - aber nur von Platte oder Band ?. Viele dieser Radios hatten damals auch gar keinen Tonbandanschluß.
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Man muß also einen Bedarf einfach erst mal wecken und dann gemütlich und problemlos befriedigen .... oder nicht ?

. . . . so auch heute noch das Credo junger Marketing Fachleute. Was liegt 1961 und 1962 näher, als nun die UKW Rundfunk-Stereophonie vehement und lautstark zu fordern ?

Der Hintergrund ist : Die Industrie "muß" neue Geräte verkaufen mit wünschenswerten Eigenschaften, die der Kunde im Moment aber noch gar nicht haben möchte oder gar verlangt. Denn er kennt es - wenn überhaupt - nur von der Vinyl-Platte, wie es mit dem Stereo vielleicht klingen könnte. Und man kann ja auf alle Geräte einfach nur draufschreiben - "für Stereo vorbereitet". Ob das dann wirklich stimmt, vertagt man einfach auf später. Das gnadenlose informative Internet gabs ja noch nicht. Und Stereo-Sendungen gabs vorläufig auch nur sehr selten.

Und natürlich noch viel besser, die richtig dicken teuren und lanfristigen Investitionen müssen ja sowieso "die Anderen" - die Rundfunkanstalten und die Rundfunk-Studios - und damit der Staat oder indirekt die Bürger selbst - vornehmen. Und man muß es nur immer wieder und vor allem lautstark fordern - in allen nur möglichen Publikationen.
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Ein Beispiel aus Jan. 2015 - von der CES 2015 (aus der FAZ)

Von 3D zu 4K
"Die Hersteller rufen den nächsten großen Trend aus. 4K-Fernseher sollen die Fernsehbranche verändern. Aber die Verheißungen gehen nicht immer in Erfüllung."

An dieser Formulierung erkennen Sie bereits, daß die Hersteller schon wieder tüchtigen (teils existenziellen) Leidensdruck haben und uns "blöden" (oder bereits verblödeten oder auch nur vermutlich blöden) Konsumenten schon wieder irgend einen "Unsinn" aufschwatzen wollen, den eigentlich niemand braucht. Und von den Programmen oder den Filmen redet auch niemand so richtig. Da werden fast nur Demo-DVDs oder Demo-Bluerays abgespielt.

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Auch Presse-Menschen (also die Redakteure) sind vergeßlich :

Viele derer, die jetzt (1961-1963) vehement nach Stereo im Rundfunk schreien, vergessen, daß die öffentlich-rechtlichen Rundfunk-"anstalten" vom Gesetzgeber Satzungen erhalten bzw. auferlegt bekommen haben, in denen NICHTS von der Befriedigung eines Genusses steht, sondern von einer Befriedigung eines politisch und weltanschaulich neutralen Informationsbedarfs.

Und das muß ganz klar vorangestellt werden, STEREO soll ja nichts weiter bewirken als den "Musikgenuß" zu verbessern !!!!.

  • STEREO wäre also das "Viagra des Rundfunk-Musik-Liebhabers".


Es ist also aus meiner Sicht völlig verständlich, wenn sich die Mehrzahl der Intendanten gegen die Kosten solch einer teuren Genußsteigerung für vermeintlich wenige Hörer - auf Kosten aller Rundfunkhörer - wehrt.

Auch die Verpflichtung der ARD Sender für ein Fernsehprogramm - oder besser von zwei Programmen - steht im Gesetz und ist den Anstalten auferlegt.

Damit war nämlich auch die Farbe ab 1967 von den im Gesetz formulierten bzw. gestellten Aufgaben gesetzlich NICHT abgedeckt. Ich muß noch recherchieren, wie sie - die Intendanten - sich (beim Bundesrechnungshof) da rauslamentiert hatten.
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Die Parallelen zum Farbfernsehen 1967 sind frappierend

Insbesondere im Bereich Fernsehen hat sich der Autor Gert Redlich ab 2006 intensiv kundig, - ja fast schon schlau - gemacht. Durch die Befragung vieler sehr alter Zeitzeugen kam heraus, Telefunken stand schon mit dem Rücken gefährlich dicht zur Wand, da mußte etwas geschehen. Telefunken brauchte neue Produkte oder ein Alleinstellungsmerkmal irgend einer Art. Und da kam der populäre Walter Bruch mit der PAL Konzeption gerade recht.

Wenn Sie die Funkschau ab 1960 Woche für Woche aufmerksam durchlesen, so stammen 50% aller abgedruckten Pressinfos von Telefunken, weitere 40% von Philips und der Rest "vom Rest" der Hersteller. Die Marketingabteilung von Telefunken hatte wirklich "jeden Mist", und war er noch so trivial unbedeutend, an die Presse lancert.

Und alle großen Fernsehhersteller warteten ab 1963 sehnsüchtig auf den Beginn der Farbe.
Die Anbieter von Fernseh-Sendern und Fernseh-Studioanlagen wurden (terminlich) völlig überfordert und konnten so schnell gar nicht "an alle" liefern. Die "Anstalten" und freien Studios waren überfordert und hatten fast keine Zeit, das technische und künstlerische Personal zu schulen. Im Nachhinein wurde es fast ein Fiasko.

Sicher suhlten sich einige wenige Firmen im Erfolg, so die amerikanische RCA, die Firma Philips aus Holland und die Darmstädter Fernseh GmbH. Lesen Sie aber das SABA Buch des SABA Chefs stellvertretend für all die anderen Hersteller, dann stand SABA ab Ende 1964 am Abgrund. Denn die Verkäufe von Schwarz-Weiß Geräten brachen abrupt zusammen. Und das mit dem "mal schnell" Entwickeln eines Farbfernsehers war auch gar nicht so einfach. Da wurde (von Philips, Telefunken und anderen) regelrecht gemauert und abgeblockt, was das Zeug hielt.
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Die nicht eingeplante Durststrecke dauerte fast bis zur Olympiade 1972.
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Auch beim UKW Stereo klappte es nicht auf Anhieb

Der Bedarf wurde geweckt, die Rundfunkanstalten wurden recht geschickt über die Politik und die Medien in einen unumkehrbaren medialen Zugzwang gebracht. Die angeblichen Bremser bei den ARD Anstalten wurden beinahe schon öffentlich diffamiert, echte fachliche Argumente wurden nicht akzeptiert, "man" brauchte unbedingt dieses neue Produkt "UKW Stereo". Zumal viele deutsche Hersteller seit etwa 1961 mit dem Attribut "stereotauglich" bzw "Für Stereo vorbereitet" warben, aber gar nicht wußten, was da denn nun wirklich kommt.

Es gab das schon einige Probleme, die überhaupt nicht trivial waren, so die geringere Reichweite der testweise umgerüstetetn UKW-Sender und die mangelnde Kompatibilität von Musik-Aufnahmen in Stereo bei der Wiedergabe über ein Mono Gerät. Also die Stereo Aufnahmen im Studio hatten es technologisch in sich. Professor Schwarze hat da einen langen fundierten Artikel dazu geschrieben und einen Korrellationsmesser entwickelt. Auch Peter Burkowitz schreibt einiges über die Anfänge der Stereotechnik in den Plattenstudios. Auf einmal merkte man auch noch, daß UKW über den Mehrwegeempfang durchaus verzerrt rein kommen kann.

Nur wenige Redakteure haben es überhaupt kapiert

Die besonders abenteuerlichen Artikel habe ich weggelassen, die verwirren den heutigen Leser nur. Alleine das UKW-Multiplex Pilotton-Verfahren einem Laien zu erläutern, der einfach nur Musik hören möchte, ist nicht einfach. Muß der Kunde oder Hörer es überhaupt verstehen ? Aber warum wird dann der Käufer seitenweise oder seitenlang mit völlig irrelvanten technischen Daten erschlagen, die er gar nicht verstehen kann, und mit denen wir Techniker bereits (Verständnis-) Probleme hatten.
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UKW Stereo kam nach 1963 schleppend ....

Auch hier wieder ähnlich zum Farbfernsehen - viele Intendanten mauerten einfach, bis ihr Sender die Technik installiert hatte. Denn die Technik war ja nicht alles, das Programm sollte ja auch auf hohem Niveau sein und das kostet wirklich viel Geld. Im IRT wurde auch nach 1963/65 noch geforscht, wie man Stereo Aufnahmen optimal und kompatibel zu mono aufnimmt und sendet.

So waren es anfänglich wenige Stunden Stereo am späten Abend, wenn wir jungen Fans gespannt am Radio saßen und auf die Stereo Lampe oder Anzeige starrten und auf erste imposante Stereo-Effekte hofften.
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Das mit dem : Man wecke einfach einen Bedarf oder Wunsch - das klappt heute noch.

Da dachten die klugen Leute, selbst der einfache Mensch hätte es jetzt endlich geschnallt, aber dem ist nicht so.

  • Wir haben bei der Einführung vom Stereo-Ton beim Fernsehen erkannt : eigentlich braucht es keiner.
  • Dann kam 1986- bis 1992 ein super tolles ganz edles HDTV. Bis vielleicht auf den Sport und wenige Kultur-Sendungen mit irren Landschaftsaufnahmen brauchte auch das auch keiner. Geworben wurde nur mit Sportsendungen.
  • Als dann das 16:9 Bild kam, standen die Techniker wieder vor einem Scherbenhaufen. Alle alten Schinken (Filme wie Magnetband-Aufzeichnungen) mußten irgendwo, oben oder unten, kastriert werden - obwohl man die einfach mit schwarzen Balken links und rechts hätte senden können.
  • Und dann kam digitales HDTV und die Fernsehansagerinnen rannten flugs zum LVD oder gleich zum Intendanten, so gehe das nicht, man sähe jetzt jede einzelne Runzel und die Pickel und vor allem die Falten in den (ihren) Gesichtern. Also wurden elektronische Weichzeichner eingschleift (das sind digitale Retuschen in Echtzeit), um das natürliche Alter (der Damen) zu verschleiern.


Und eigentlich braucht das alles auch keiner. Die Amerikaner haben dazu die Übersetzung : "Nice to have = schön zu haben".
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Und so kommt ganz langsam raus, fast alle solche "Innovationen" werden lanciert.

Die Lobby der Industrie pusht jetzt erst mal 2K HDTV, dann 4K HDTV und jetzt Ultra HDTV. Dazu kommen jetzt "völlig neue" Curved Fernseher fürs Wohnzimmer. Das ist bei dem geringen Betrachtungs-Abstand zwar völliger technologischer Quatsch - aber : "Sie müssen ja etwas produzieren."

Und damit schließt sich der Kreis mit dem ewigen Wachstum, das es in Wirklichkeit nicht gibt bzw. so nicht geben kann.

An Telefunken und Grundig und vielen Anderen hatte man es ganz deutlich gesehen, es ist (trotz des ehemals gigantischen Wachstums) nichts mehr da - von den Firmen. Und nachdem auch die so erfolgverwöhnten Japaner ganz ganz dicke Probleme bekommen haben, erkennen die Wissenschaftler, daß ein Fehler im Konzept vorliegt bzw. vorliegen muß.
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Irgendwann wird das Wecken eines Bedarfs oder das Wecken von Wünschen zum Bummerang.

Betrachten Sie mal die Entwicklung des Tonfilms im Kino. Es begann mit dem Stummfilm, dann kam die Orgel hinzu oder das Klavier mit mehreren Mitsppielern, dann kam der ganz simple 1-Kanal Schallplatten-Ton (Nadelton), und etwas später kam der Lichtton, dann die "volle" Bild-Größe mit Cinerama und 6 Kanal Stereo-Ton und dann kam TODD AO mit 7Knala Ton und Cinemascope mit (nur noch) 4 Kanal Magnetton. Auch IMAX verfügt über 6+1 digitale Tonkanäle. Doch das reichte irgendwie immer noch nicht ..... oder ?

Denn dann kam George Lukas und sein THX und auch Zuhause im Plattenbau "mußte mann" mindestens 5+1 haben, dann 7+1, dann 9+1 und jetzt sogar 12 Kanäle.

Und dann vielleicht 15 Kanäle im Wohnzimmer, in das dann vor lauter Boxen nicht mal mehr der Fernsehsessel rein paßt und die Schallplatten, CDs und CDVs auch nicht mehr - also die eigenen 4 Wände - so langsam nach außen vibrieren ??

Stimmt da noch alles ? Werden wir oder sind wir bereits "irre" oder "gaga" ?
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