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Detektorempfang noch bis 1932

Am Anfang war der Detektor

Der Beginn des Rundfunk-Empfanges startete etwa 1923 mit dem legendären Detektor-Empfänger. Das war kein Wunderwerk - aus heutiger Betrachtung gesehen - damals jedoch war es schon ein geheimnisvolles Teil, weil aus den Kopfhörern Sprache und Musik herausquäkte.

Das hat sich mit der Erfinding der Elektronen-Röhre alles geändert. Doch an dem Gequäke (zum Beispiel des Volksempfängers) konnte man sich wirklich nicht begeistern. Dann kam der zweite Weltkrieg und alles war anders, es war nämlich erst mal alles geheim, was dort entwickelt wurde.
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Von AM zu FM, zu unserem UKW Radio

30 bis 20.000 Hz - Max Grundig übertrieb gerne
Doch das war ein tolles UKW-Gerät

Bis etwa 1950 wurde fast nur auf Mittelwelle gesendet und empfangen. Die Qualität war leidlich gut, man - also die Masse der Völker - wußte es nicht besser. Das galt auch für das riesengroße Amerika und für Europa galt es sowieso. Aber auch die anderen großen Kontinente stellten nur AM Sender auf, wegen der Reichweite.

Und dann kam der Zahltag der Deutschen nach dem verlorenen Krieg, "wir" bekamen auf der Kopenhagener Wellenkonferenz fast keine AM Frequenzen mehr. Neben allen reichlich bösen und teils auch gehässigen Kommentaren war fast niemandem hier in Deutschland bewußt, welche Chance sich für unser zerstörtes Land bot. Keiner hatte hier die Vision einer Zukunftstechnologie, so würden wir es heute benennen. Die Siegermächte und der rest der Welt wurden verteufelt, was das Zeug hielt. Die Zeitschriften von damals liegen alle hier in der Redkation.

So wurde aus der Not die noch völlig rundfunkfreie Ultrakurzwelle aus den Ruinen hervorgekramt und es wurde ein Welterfolg.

Es war nicht leicht, aber es wurde ein Welterfolg

Einer der bekanntesten "Antreiber" dieser neuen Technik war Max Grundig. Er baute relativ schnell hervorragende UKW Radios, in der altbekannten Gehäuse-Form mit Goldrähmchen, Rüschen und fast sogar mit Schleifchen dran. Die Sound-Qualität war (aus heutiger Sicht) leidlich ok, doch für damals absolut umwerfend. Der Empfang war deutlich stabiler als bei Mittelwelle und die ganze Welt schaute auf einmal auf Deutschland. Was machen die denn da schon wieder ? Und Grundig und andere Firmen wie SABA und Telefunken fingen an, deutsche Radios nach USA zu exportieren. Denn dort wurden nach und nach lokale UKW-Sender gebaut, für eine Umkreis von 100 Kilometern ideal geeignet.
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Die Amerikaner lernten schnell

Ein Grundig Locarno für die USA
The Fisher Model 50R Mono FM-AM Tuner und Vorverst.

Die Amerikaner waren ja als Besatzer in Deutschland relativ schnell mit dieser neuen FM Technik in Berührung gekommen, denn sie mußten das ja alles genehmigen. Die US-Militärsender des AFN arbeiteten alle auf Mittelwelle und nicht auf UKW. Für viele Ingenieuere war FM damals immer noch Neuland. Und sie staunten nicht schlecht, wie gut und wie schnell UKW auf dem deutschen Markt akzeptiert wurde.

Was wir nicht verdrängen dürfen, auch viele amerikanische Firmen standen nach den Krieg im Regen und suchten mühsam nach neuen Produkten. Und so entwickelten mehrere amerikanische Radio-Firmen erstaunlich gute UKW Empfangsteile.

Sie trennten das deutsche Radio-Konzept einer einzigen gemeinsamen großen Holz-Kiste in separate Geräte (Tuner, Verstärker und die Box) auf. Auf den "The Fisher" und "H.H. SCOTT" Seiten und auch auf den US Magazin-Seiten sehen sie die damaligen Schrankwände in den Wohnzimmern "der oberen 10.000", lange vor der STEREO-Zeit.
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Die ersten amerikanischen UKW Tuner waren große Kisten

Ein Grundig Tuner Vorverstärker HF02
Der Referenz-Tuner Fisher FM-1000 von innen

Während bei uns die deutsche Bundespost die "Senderdichte" mit typisch deutscher Präzision akribisch auslotete und festlegte, waren das in den USA überwiegend kleine private Stationen, landesweit weit über 5.000 Stück. Die bauten den UKW-Sender mitten in die Stadt und das wars dann auch. Aber die Entfernungen (der vielen Farmen) lagen zum Teil deutlich außerhalb des propagierten 100km Radius. Darauf mußten die Hersteller eingehen, denn die wollten und mußten ja verkaufen. Und so wurden die damals neuen Röhren-UKW-Tuner mit hohem Aufwand bis an die Grenze des Machbaren hochgezüchtet.

Solche Spitzentuner der 1950er Jahre hatten bis zu 15 Röhren, also mehr als das ganze Grundig-Radio. Und die hatten noch gar kein Stereo dabei. So langsam bröckelte der anfängliche Verkaufserfolg der Deutschen, denn das konnten "wir" nicht anbieten. Bei uns funktionierte fast jedes UKW-Radio nur im Ortsbereich. Dafür war es ja auch nur konzipiert.
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UKW-Stereo kam in den USA früher als bei uns

Relativ schnell hatten die USA die Deutschen überflügelt und wollten mehr, nein sie mußten mehr machen. Das Fernsehen kam in den USA auch mit 5 Jahren Vorlauf und der Radio-Genuß mußte gesteigert werden. Die neue 33er Schallpaltte gab es seit 1958 auch bereits in Stereo und "STEREO" steigerte den Absatz. So wurden dann die UKW-Tuner "stereovorbereitet". Es war ein Trick, denn es gab anfänglich nur weitere (Cinch-) Buchsen für einen MPX Decoder. Man hatte sich bei der Rundfunk-Behörde FCC noch nicht auf eine gemeinsame Technologie geeinigt, wie damals beim experimentellen US Farbfernsehen auch.

Die großen US Stereo Tuner

Mit den Entwicklungen im UKW-Bereich überholten uns die Amerikaner recht schnell. Gleiches galt auch für die Verstärker an sich. Der Hifi-Gedanke wurde in den USA von der deutlich größeren und mächtigen Radio Industrie forciert. Einige Namen aus der Röhrenzeit sind heute noch bekannt, McIntosh, Harman Kardon, Fisher und Scott, andere wie Shwerwood und Bogen findet man nur noch selten.

Der Absatz von hochwertigen Hifi-Stereogeräten stieg erstaunlich schnell an und in den US-Magazinen wurde angefangen, die Qualitäten zu vergleichen. Bei uns gab es vor 1962 nur das "fonoforum", das sich mit der Hardware - den Geräten - sehr schwer tat.

Die Hifi-Boliden aus den USA wurden relativ schnell auch bei uns angeboten und so konnten wir die Entwicklung viel besser verfolgen.

1962 - die Transistoren kamen mit Macht

Transistoren im MT 100

Die Stero-Tuner Röhrenzeit ebbte ganz schnell ab, als 1963 fast jede Verstärker-Anzeige mit den neuen Transistoren warb und die "heiße" Röhrentechnik in Grund und Boden verdampfte. Die Geräte blieben zwar optisch fast so groß wie früher, doch innen war bald so gut wie nichts mehr drinnen. Eines dieser Beispiele ist der SCOTT Stereomaster 312D, den ich mir (noch vor meinem SONY STR 6120) zugelegt hatte. Ich hatte ihn mal aufgeschraubt, das war fatal - gähnende Leere für so viel Geld.

Die Empfangs-Qualität des SCOTT 312D war exorbitant super. Mit einer großen Hirschmann U8 UKW-Rotor-Antenne konnte ich hier in Wiesbaden-Bierstadt (oben auf dem Berg) einen schweizer Sender in Stereo empfangen (oder war es Mühlhausen?), fast rauschfrei. (Ich kann optisch fast bis Worms sehen - bei klarer Sicht.) Auch Saarbrücken kam in UKW Stereo erstaunlich gut rein. Das sind aber das ganze Rheintal runter mehr als 300 Kilometer.

UKW Radios mit 2 Transistoren

Dann kam wieder ein solcher AHA Effekt. Die Japaner boten UKW Mini-Taschenradios mit 2 Transistoren an. Zwar absolut miserable Qualität, doch die gingen wirklich. Damit war der Trend der Mineaturisierung vorgegeben. Und alsbald kamen die ersten ICs, die auch im UKW Tuner einzelne Transistoren einsparten. Nur wenige Jahre später zeigten uns die Japaner, daß in einem Tuner fast gar nichts mehr drinnen sein mußte und er ging auch noch (immer noch), sogar in DIN-Hifi.

Ein Sprung nach 1994

Ich habe (in 2015) einen nagelneuen Karton aufgemacht und eine PC-Radio-Karte vorgefunden, funkelnagelenu, noch nie benutzt. Diese PC-Karte hat noch den allerersten IBM 8Bit ISA Bus, dafür gibts heute schon gar keine Mainboards mehr.

Diese Karte zeigt aber den Stand der Entwicklung so schön. Denn zu dieser Zeit waren die deutschen Hersteller bereits fast alle abgehängt worden. Wenige Hersteller wie AVM (Fritz-Box) und Terratec (Audiokarten) konnten sich mit Nischenprodukten halten.

und dann ging es Schlag auf Schlag

Das hier - in diesem Chip von Philips - aus 1994 ist der gesamte UKW Tuner mit allem drum und dran. Der Chip kann so gut wie alles, in hervorragender Empfangsqualität und er macht Hifi mindestens nach der deutschen DIN Norm.

und das ist der elektronische Lautstärkeregler

Damit kann man - von der grafischen Oberfläche eines PC Programmes - die Lautstärke sowei Bässe und Höhen in jeweils 255 Stufen und dann auch noch für beide Kanäle zusammen oder getrennt einstellen.

Verblüffend ist die logaritmische Kennlinie und die Pegelgleicheit auf beiden Kanälen. Das ist nur mit teuersten mechanischen ALPS Potentiometern zu erreichen. Und dieser Regler kratzt auch nicht nach 40 Jahren.

Ein (analoger) 2 x 2,3 Watt Verstärker

Das war dann der Überhit von 1990. Ein integrierter Endverstärker mit 2 x 2,3 Watt Sinus Dauerton, natürlich nur für Kopfhörer, sonst wäre er zu schwach gewesen. Die Kühlung erfolgt über die beieden "Fahnen" und die Platine.

Und das ist ein komplettes Internet radio 2012

Das Philips Internet Radio NP 3700 aus demjahr 2012 ist jetzt bereits "hochintegriert" mit eigenem Prozessor und einer Digitalendstufe mit akustischem Kennlinien Prozessor. Der Sound des kleinen Teils ist erstaunlich und die Möglichkeiten übertreffen alle alten analogen Technologien.

Doch der Spaß-Faktor fehlt jetzt, es geht alles automatisch und alles ist nahezu perfekt - jedoch nur nahezu.

Mehr finden Sie auf unserer Streaming Seite mit den Streaming Clients aus 2012.
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