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Große Deutsche Funkausstellung

in Berlin vom 30.Aug. - 8.Sept. 1963

vom damaligen Chefredaktuer der Hifi-Stereofonie Ernst Pfau im August 1963 als Vorausschau im Editorial geschrieben:
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Berliner Funkausstellung im Zeichen der Stereophonie

Nun wird es endlich wahr. Die Große Deutsche Funk-Ausstellung 1963 Berlin vom 30. August bis 8. September steht im Zeichen der Stereophonie.

75 Jahre nach der Entdeckung der elektromagne-tischen Wellen durch Heinrich Hertz und 40 Jahre nach dem Beginn des Rundfunks in Deutschland - es war am 22. Oktober 1923, als in Berlin der erste deutsche Rundfunksender auf einer Wellenlänge von 400m und mit einer Leistung von 250 Watt mit den Sendungen der Gesellschaft Radiostunde AG zum ersten Male zu hören war - werden wir mit der üblichen Verspätung die neueste Errungenschaft der Rundfunktechnik kennen lernen.

Endlich wieder ein Fortschritt

Ein Bericht zur Funkausstellung

Zwölf Jahre übrigens nach dem zuletzt verwirklichten Fortschritt des frequenzmodulierten UKW-Rundfunks. Die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Rundfunkanstalten (ARD) hat den Sender Freies Berlin (SFB) beauftragt, für die Ausstellung ein Stereo-Programm nach dem amerikanischen Multiplex-Pilotton-Verfahren auszustrahlen, um der Industrie Gelegenheit zu geben, ihrerseits den Stand dieser Technik und der seit geraumer Zeit schon exportierten Empfangsgeräte zu demonstrieren.

Daß dies endlich zustande kam, ist im wesentlichen der Initiative des anerkennenswert aktiven SFB und dem Drängen der Industrie zu danken. Wenn das Publikum den verdienten Beifall spenden wird, mag die Schar der mehr oder weniger mißmutigen Intendanten sich mit in der Sonne des Erfolges zeigen.

Dem Farbfernsehen zuvorkommen

Es ist wahrscheinlich auch die letzte Gelegenheit, mit der Hochfrequenz- Stereophonie auf einer großen Ausstellung an die Öffentlichkeit zu treten, ist man sich doch bei allen Fachleuten darüber einig, daß die nächste Funk-Ausstellung, wahrscheinlich in drei Jahren, dem Farbfernsehen gewidmet sein wird. Auf dieses starren die optisch infizierten Rundfunkanstalten seit langem so gebannten Blicks, daß sie die Stereophonie im Rundfunk als sowieso keine neuen Hörergebühren einbringende lästige Ablenkung empfinden. Sie sehen dem Berliner Start mit zwiespältigem Herzen entgegen.

450.000 Besucher werden erwartet

Nicht so die Berliner Ausstellungsleitung, die deutsche Industrie und der Sender Freies Berlin. Selbstverständlich wird das Fernsehen einen beachtlichen Teil der Ausstellung in Anspruch nehmen, vor allem in der Deutschlandhalle, in welcher Fernseh-Großstudios mit 5.000 Zuschauerplätzen eingerichtet wurden.

Der interessanteste Teil der 15 Hallen und 9 Pavillons auf diesem schönsten Ausstellungsgelände Europas um den altehrwürdigen Funkturm wird der zweikanaligen Musik gewidmet sein, die man etwa 450.000 Besuchern um die Ohren klingen zu lassen hofft. Das neue Klangerlebnis wird sich in allen Varianten zeigen, man wird es vom Rundfunk, von der Schallplatte und vom Tonband erleben können.

Schon in der Ehrenhalle mit ihrem phantasiegeborenen Stereo-Symbol wird ein drei Minuten langer Endlosfilm auf die neue Technik hinweisen. 122 Aussteller der Rundfunk-, Fernseh-, Tonband- und Phono-Industrie werden insgesamt vertreten
sein.

Stereophonie - aber kein akustisches Chaos

Es wird, wie man uns versprochen hat, kein akustisches Chaos geboten, wie wir dies jedes Jahr in Hannover zu ertragen haben. Der Industrie soll endlich Gelegenheit gegeben werden, die Stereophonie so vorzuführen, wie sie der Käufer zu erleben wünscht oder wünschen sollte.

Man will Vorführräume in den Dimensionen und mit der Ausstattung von Wohnzimmern aufbauen, um Stereo-Rundfunkgeräte, Stereo-Truhen und HiFi-Anlagen in Stereo zu präsentieren. Ein größerer Vorführraum für 60-80 Personen im Belgischen Pavillon wird als „Kammerorchester-Studio" bezeichnet, in dem die Zweikanaltechnik von der Schallplatte, dem Tonband und vom Rundfunk über HiFi-Anlagen zu hören sein wird. Fachmännische Erklärungen werden dabei nicht vergessen.

Ein "Feriendorf im Stereo-Land"

Die Schallplattenindustrie wird unter dem gemeinsamen Dach der „Schallplattenstadt" in der Halle 12 eine Art Feriendorf im Stereo-Land vorführen.

Die Besucher werden einen Tunnel zu durchschreiten haben, in dem Stereo-Lautsprecher zwei-kanaliges Entzücken zur optischen Darstellung der Musik zubereiten. Kinder können sich während der Fahrt auf einem kleinen Zug in die Abteilung „Märchen und Abenteuer" als kopfhörerbewehrte Raumklangfahrer erleben.

In der Abteilung „Oper" stehen dem Besucher zwei Logen mit „Opernhörern" zur Verfügung. Der Niederländische Pavillon wird als ruhender Pol klassische Musik, und der Französische Pavillon als Nervenreizanstalt unterhaltende Wunschkonzerte bieten. Selbstverständlich all dies in schizophoner Technik.

Federführung bei UKW-Stereo durch den SFB

Das Fundament der ganzen Veranstaltungen und das bisher noch nicht Dagewesene wird der Sender Freies Berlin mit seinen täglichen Stereo-Programmen tragen, die von 10,30 bis 12 Uhr und 17 bis 18,30 Uhr täglich dem Äther anvertraut werden.

Die Abendprogramme sind aber nicht vergessen und auch nicht die Zutat etlicher musikalischer Leckerbissen. So wird sogleich zu Beginn der Ausstellung am 30. August das Eröffnungskonzert aus dem Großen Sendesaal im Hause des Rundfunks von 20 bis 22 Uhr unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch in Stereo direkt übertragen.

Am 3. September wird die dramatische Kantate „Libertas cruciata" von Max Baumann unter Ljubomir Romanski vom Zweikanalband laufen. Am 5. September wird Pablo Casals persönlich sein Oratorium „Die Krippe" zu einer Direktsendung dirigieren.

Der 6. September ist der Verbreitung einer stereophon auf Band genommenen Oper vorbehalten. Wir hoffen, daß derartigem Bemühen auch der verdiente Erfolg beschieden sein wird. Wir wünschen dies nicht zuletzt im Interesse der Stereo-Schallplatte, die seit Jahren das Klangerlebnis bereit hält, das wahrscheinlich erst mit der Breitenwirkung des Rundfunks allgemeine Beachtung finden kann.

Viele Intendanten sind dagegen ?? Warum nur ??

Aber wird es mit Berlin nicht bei der halben Wahrheit bleiben, um auf den optimistischen ersten Satz unserer Betrachtung zurückzukommen ? Offenbar unter dem Eindruck einer höheren Einsicht erkannte die Mehrheit unserer Rundfunkindendanten die Hoffnungslosigkeit berlinweltlicher Anstrengungen.

Bereits am 8. März hatten sie in Hamburg einen Plan abgelehnt, der Hochfrequenz-Stereophonie eine achtzehnmonatige Bewährungsfrist nach der Berliner Ausstellung zu genehmigen, innerhalb derer in den großen Bevölkerungszentren die Reaktion des Publikums auf Probesendungen ergründet werden könnte.

Die Rundfunkanstalten meinen offensichtlich, die Kosten für die Verbesserung der Hörfunktechnik scheuen zu müssen. Der technische Direktor des Süddeutschen Rundfunks schätzt den Betrag für den Ausbau seiner sämtlichen Sender und der künstlerischen Produktion auf 3-3,5 Millionen DM und nennt den Betrag enorm. Und dies, nachdem die gleiche Anstalt aus der Kasse des Hörfunks ganze 26 Millionen DM für den Ausbau des Fernsehens abzuzweigen imstande war.

Die Berliner Funk-Ausstellung wird vom Wert der Stereophonie zu überzeugen haben, und die Öffentlichkeit ihrerseits die Rundfunkanstalten von der Notwendigkeit, ihre interne Entwicklungsholfe gerecht zu kanalisieren.

Ernst Pfau (Chefredakteur) im August 1963

  • Anmerkung : Herrn Pfau schleicht zur der Zeit bereits der Schatten der Vergangenheit nach - also einer industriehörigen Befangenheit oder einer zu leichten Beeinflußbarkeit - sagt die Buschtrommel.

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