Ein Artikel aus einer "Film + Funk" Zeitschrift im Juli 1949 aus Wien
von Gert Redlich im Okt. 2026 - Eigentlich sollten sich alle Themen in dieser österreichischen Wochen-Zeitschrift um den Film und den damaligen Rundfunk kümmmern, denn das Fernsehen gabs in 1949 in Wien noch nicht. Diese Zeitschrift ist leider sehr selten und wir haben nur 2 Exemplare aus 1949. Also die Artikel vorher und nachher sind nicht vorhanden.
1949 war immer noch die Mono-Zeit, Stereo Platten gab es ab etwa 1958 - vorerst nur in den USA, weil es bei uns gar keine Abspielgeräte gab. Stadard war die 78er Schellack Platte. Die Micro-Grooove Platte, unsere 33er LP sowie die 45 Single kam in 1949 gerade erst in den USA auf den Markt.
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Hier spricht der Funktechniker - vom 8. Juli 1949 - ein Artikel aus „FUNK UND FILM" NUMMER 27.
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- Anmerkung : Als diese Ausgabe am 8.Juli 1949 herauskam, konnte ich noch nicht lesen, denn ich war gerade mal 9 Tage alt.
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Krisiall-Pickup unter der Lupe
Im Jahre 1880 entdeckten die Brüder Curie die Erscheinung, daß bei verschiedenen Kristallen, wie zum Beispiel dem Quarz, Turmalin, dem Seignette und noch manchen anderen, elektrische Ladungen auftraten, wenn auf sie in bestimmten Richtungen Druck-, Dehnungs- oder Scherkräfte einwirkten; umgekehrt erleiden die Kristalle im elektrischen Feld mechanische Deformationen, das heißt, sie führen mechanische Schwingungen aus.
Diese immer wieder reproduzierbare Erscheinung wurde piezoelektrischer Effekt genannt. Die für den ursprünglichen als auch für den umgekehrten piezoelektrischen Effekt erforderliche Schaltanordnung ist in Abbildung 1 dargestellt.
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Aus dem verwendeten Kristall wird in einer bestimmten Achsrichtung ein dünnes Plättchen herausgeschnitten und beiderseits mit leitenden Belägen, also Elektroden, versehen. Versetzt man nun den Kristall in mechanische Schwingungen, so entstehen an seinen Flächen entgegengesetzte elektrische Ladungen; an den Anschlußklemmen liegt daher eine elektromotorische Kraft
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Den Quarz zu Schwingugen anregen
Legt man dagegen eine Wechselspannung an die Anschlußklemmen (Abbildung 3), winkt also zwischen den Belägen ein elektrisches Wechselfeld, so gerät der Kristall in mechanische Schwingungen, deren Frequenz jener der anliegenden Wechselspannung entspricht.
Es würde nun an dieser Stelle zu weit führen, die Entstehung der Piezoelektrizität an Hand der Molekulartheorie, beziehungsweise der Kristallphysik zu untersuchen; wir wollen uns vielmehr im folgenden mit den praktischen Auswirkungen der Piezoelektrizität in der Elektroakustik auseinandersetzen, die für die Entwicklung dieses Teilgebietes der physikalischen Wissenschaft großes Interesse gezeigt hat.
Diese Entwicklung hatte in den Jahren 1936 bis 1938 ihre praktische Reife erhalten. Seither wurden Kristallgeräte für elektroakustische Zwecke in steigender Zahl verwendet. Neben dem Kristallmikrophon ist der Kristalltonabnehmer (Kristall-Pickup) heute das am weitesten verbreitete Kristallgerät, ist doch fast jeder "moderne Plattenspieler" mit einem Kristalltonabnehmer ausgestattet.
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- Anmerkung : Gemeint ist natürlich der damals moderne elektrische Plattenspieler, also nicht der mit dem federmotor und der Stahlnadel und dem Trichter als Lautsprecher.
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Der piezoelektrische Effekt
Im Prinzip arbeitet der Kristalltonabnehmer nach dem ursprünglich entdeckten piezoelektrischen Effekt, das heißt, dem Kristall werden mit Hilfe einer besonderen Abtastvorrichtung die aus den Schallkanälen der Platte aufgenommenen mechanischen Schwingungen zugeführt. Die dadurch an seinen Flächen auftretenden elektrischen Ladungen führt man nun über die anliegenden Elektroden der Verstärkereinrichtung, zum Beispiel dem Niederfrequenzteil eines Rundfunkempfängers, zu.
Als Kristallmaterial haben sich für die Zwecke des Pick-ups das Seignette- und das Rochelle- Salzkristall infolge ihrer großen piezoelektrischen Erregbarkeit, die bis zu 400mal größer ist als bei Quarz, besonders vorteilhaft erwiesen. Derartige Pick-ups können Spannungen bis zu 10 Volt abgeben, wobei bereits die Gefahr einer Übersteuerung des Verstärkers besteht.
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Die Kristalle "züchten"
Die Kristalle selbst werden durch Züchtung, also künstlich, hergestellt. So erfolgt zum Beispiel die Bildung des Rochelle- Salzkristalls durch Kristallisation einer übersättigten Kalium-Natrium-Tartrat- Lösung an einem in diese Lösung eintauchenden Faden, bei langsamer Temperatursenkung. Hierzu dienen besonders stabile Thermostaten, die die Temperatur um einige Zehntelgrad pro Tag herabsetzen. In der Abb. 2 ist ein Rochelle-Salzkristall gezeigt; charakteristisch ist die Sechskantprismenform.
Aus den gezüchteten Kristallen werden Platten von zirka 0,15 bis 0,3 mm Dicke herausgeschnitten, wofür es zahlreiche Schneideverfahren gibt. Die genauesten Schnitte lassen sich mit der sogenannten Fadensäge herstellen, bei der ein über Rollen ständig umlaufender Faden, gegen den der Kristall gedrückt wird, die Kristallmasse langsam auflöst; auf diese Weise wird ein wirklich einwandfreier Schnitt ermöglicht.
Zum Schneiden größerer Stückzahlen werden diese Fadensägen so ausgebildet, daß eine größere Anzahl Fäden nebeneinander arbeitet. Man kann so aus einem Kristallblock bis zu 30 Platten auf einmal schneiden.
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Die Verbindung zu den Lötfahnen
Die zugerichteten Bestandteile, aus denen sich ein Kristall-Pick-up zusammensetzt, sind in Abbildung 3 zu sehen. An erster Stelle von links liegen die beiden Gehäuseteile aus Preßstoff; es folgt das Kristallplättchen, das bereits mit einem beiderseitigen Graphitbelag zur Spannungsabnahme und zwei Stanniolstreifen, die die Verbindung mit den in den Gehäuseteilen sichtbaren Lötfahnen herstellen, versehen ist.
Infolge des Graphitbelages erscheint der an sich glashelle Kristall dunkel gefärbt. Daneben liegen zwei Gummipolster, zwischen denen das Kristallsystem eingebettet wird, und ganz rechts schließlich der Nadelhalter.
Abbildung 4 zeigt den Aufbau des Kristallsystems mit dem Nadelhalter. Letzterer ist im oberen Teil mit einem Schlitz versehen, in den das Kristallplättchen eingeklemmt wird. Die durch die Schallkanäle der Schallplatte gesteuerte Nadel teilt die aufgenommenen Schwingungen dem Kristall mit und zwingt diesen zu Ausbiegungen, wodurch die piezoelektrische Spannung entsteht.
(Fortsetzung folgt.)
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