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Compact-Disc und Quadrophonie
Eine neue Chance?

Es gibt im HiFi-Bereich ein kleines, aber ungebrochenes und hartnäckiges Völkchen, das ein bißchen im Schatten lebt, sich aber immer wieder einmal zu Wort meldet. Die Rede ist von der Gemeinde der Quadro-Fans, deren Wünsche einstweilen in der Vergangenheit begraben sind.

Wirklich für alle Zeiten?
Immerhin bietet die Compact Disc theoretisch auch die Möglichkeit der vierkanaligen Übertragung. Und wer ein gestandenes Mitglied des Vereins „Quadro-Aktion" ist, läßt sich die Gelegenheit nicht entgehen, alte Anliegen neu vorzutragen. Hier der Kurzbericht eines engagierten Quadro-Fans zur Lage - von Dieter Räsch im März 1983

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Weltweit 3 Quadro-Clubs (im Jahr 1983)

Alleine auf Magnetband war Quadro gut anzuhören

Über 1000 besonders begeisterte Quadro-Fans sammelten sich seit dem Ende der analogen Quadro-Ära in 3 Quadro-Clubs (Evolution und Quad In-corporated in USA, Quadro-Aktion in Deutschland).

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit gab es im Jahre 1981 bei der Plattenindustrie in Deutschland eine Umfrage nach den Möglichkeiten, die Quadrophonie wieder einzuführen. Das Ergebnis war recht erfreulich: Es scheint tatsächlich Chancen zu geben, daß mit der Digitaltechnik auch die Quadrophonie wiederkehren kann.

Statements der Industrie

Hier ein paar Statements:

„ Wir sind uns aus den eigenen Erfahrungen heraus sehr bewußt, daß die Quadrophonie eine wesentliche Klangverbesserung darstellt und glauben deshalb auch an eine technisch kompromißlose Lösungsmöglichkeit in Verbindung mit Digital-Audio" (Teldec).
„. . . und teile mit Ihnen die Vermutung, daß die Digitalplatte auch der Diskussion über die Quadrophonie wieder neuen Auftrieb geben wird" (Polygram).

„ Was die digitale Zukunft anbelangt, so ist es durchaus möglich, daß mit dem zukünftigen PCM-Tonträger die Quadrophonie wieder bessere Chancen hat als zur Zeit" (EMI-Electrola).
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Und die Hardware ?

Mit einer weiteren Umfrage Ende 1982 wurden die hiesigen Hersteller von CD-Abspielgeräten auf deren Bereitwilligkeit zum Bau späterer 4-Kanal-Spieler „getestet". Auch hier war die Resonanz durchaus positiv (mit Ausnahme der Deutschen Thomson-Brandt):

„Das System Compact-Disc bietet von der Spezifikation aus auch die Möglichkeit der Quadrophonie. Ob die (erforderlichen) Änderungen bei herkömmlichen (Stereo-)CD- Geräten nachträglich vorgenommen werden können, läßt sich heute noch nicht definitiv sagen ..." (Philips).

„Wir werden bezüglich Quadrophonie den Markt sehr sorgsam betrachten und notwendigenfalls Quadrophonieanlagen in unserem Programm führen" (Grundig).

„ Wenn es in ausreichendem Maße Vierkanal-Aufzeichnungen gibt, die den Hörer überzeugen, dann wird es der Hardware-Industrie relativ kurzfristig möglich sein, darauf zu reagieren" (Nordmende).

Perspektiven :

Auf der hifivideo '82 hatte ich Gelegenheit, mit einem der JVC-Ingenieure über den möglicherweise späteren quadrophonen Einsatz der heute bereits 3kanalig ausgelegten AHD-Digital-platte zu sprechen.

Seinen Antworten war zu entnehmen, daß man das Thema Quadrophonie bei JVC keinesfalls in der Vergangenheit angesiedelt sieht. Die Überlegungen beziehen die Quadrophonie durchaus ein. In einem Gespräch mit einem der USA-Quadro-Clubs anläßlich der letzten Consumer-Electronic-Show äußerte einer der führenden Technics-Manager dort, daß die Ergänzung durch zusätzliche Digital-Analog-Wandler für den Quadro-Betrieb der CD-Abspielgeräte prinzipiell kein Problem darstelle. Auch preislich sei dies, bei entsprechender Stückzahl, durchaus machbar.

Wer ist am Zug ?

es gab nur wenige 4-Kanal CDs
ein SQ Versuch von 2011

Es scheint also: Jetzt ist die Plattenindustrie wieder einmal am Zuge. Sicher können wir aus ökonomischen Gründen nicht erwarten, daß die CD-Platte gleich von Anfang an 4kanalig erscheint. Die Zeit der Test- und Konsolidierungsphase sollte aber nicht zu lange ausgedehnt werden - für 1985 müßte eine CD-Quadroplatte möglich sein. Sollte die Plattenindustrie hierzulande weiter zögern, möchte ich den Geräteherstellern sogar die Bildung einer gemeinsamen Platten-Gesellschaft vorschlagen, um nicht erneut von fernöstlichen Aktivitäten - diesmal quadrophoner Art - überrascht zu werden.

Alle drei Quadro-Clubs planen für Anfang 1983 eine weltweite Ansprache insbesondere der Plattenhersteller mit der Forderung, die Digital-Quadrophonie möglichst bald zu realisieren.

Ehrgeizige Träume ?

Schließlich ist die Quadrophonie schon einmal gescheitert, werden unsere Kritiker sagen. Aber ich denke, daß die Voraussetzungen Anfang der 70er Jahre und heute nicht so ohne weiteres vergleichbar sind.

Die analoge Quadrophonie mit verschiedenen Systemen, zu justierenden Decodern, Demodulatoren und speziellen Tonabnehmern, überforderte so manchen technisch nicht bewanderten Musikhörer. Auch hatte kaum ein Interessent die Gelegenheit, in Fachgeschäften zu prüfen, ob sich der Mehraufwand auch lohnt - mangels Quadro-Vorführungen. Die Marktsättigung mit Stereogeräten war bei weitem noch nicht erreicht. Daher war die Quadrophonie für viele Musikfreunde der zweite Schritt vor dem ersten. Eine abwartende Haltung auch interessierter Verbraucher war die Folge.

Die 4-Kanal-CD-Platte hingegen wird auch einem technisch nicht allzu bedarften Hi-Fi-Verkäufer und den Musikhörern die Handhabung erleichtern. Bei den technischen Daten wird selbst der High-End-Freak nichts zu nörgeln finden. Die hohe Kanaltrennung wird für einen optimalen räumlichen Eindruck sorgen. Die Unterbringung von vier Boxen ist auch in ganz schwierigen Fällen kein Problem mehr - notfalls kann man Subwoofer in Verbindung mit kleinen Satelliten verwenden.

Die CD- eigentlich nur Vorteile

Inzwischen bedienen sich bereits der Film und die Bildplatte des mehrkanaligen Sounds, und Multivisions-Schauen werden mit Quadro-Ton vorgeführt. Für die reine Hörplatte ist die Quadrophonie ein Muß, wenn sie nicht an Attraktivität einbüßen soll. Die Quadrophonie bietet hervorragende künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten. Der Hörer fühlt sich in das Klanggeschehen einbezogen, was bei exzellenter Technik einfach begeistern muß - sofern man überhaupt Musikhörer ist und mehr verlangt als Hintergrundgeplätscher.

Wir Quadro-Anhänger meinen, daß die Zeit für die Quadrophonie reif ist.

Dieter Räsch, Quadro-Aktion - Hamburg - März 1983
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