Die L90 sind meine Abhörlautsprecher
April 2010 - Für jede Art von akustischer Kontrolle sind diese Boxen super geeignet. Man muß aber wiederum die Konstruktionsprinzipien beachten. Irgendwo in einem JBL- oder einem anderen Tonstudio- Prospekt aus England stand es dann:
Tonstudio-Abhörlautsprecher sind nie Wohnraum-Boxen und klingen nur in ganz bestimmten (räumlichen) Konstellationen. Und zweitens: Studiolautsprecher sind nie "schön".
Darum ein Blick zurück auf den Kauf dieser Boxen in 1998. Ich hatte mich nach dem Kauf der JBL Ti250 (in 1987) schlau gemacht, was denn die Nachfolger der angeblich so tollen (alten) JBL L100 (auch JBL 4311 und 4312) seien und was dieses Modell jetzt besser könne. Damals war der Hochtöner der L100 und auch der anderen genannten Typen eine Krücke, der Mitteltöner der L100 und der 4311 auch. Diese Dinger gingen einfach nur laut, aber nie richtig gut, wie es die lancierte Legende vielfach weiß machen will, dennoch für manche Amis gut genug.
Die L90 Box hatte da die neuen Chassis drinnen, vor allem den neuen Titan-Folien- Hochtöner der Ti250 und sollte umwerfend besser klingen. Und bei Saturn in Mainz standen sie dann, doch oh weh, wo hatte man sie aufgestellt ?
Die JBL 90 werden als symmetrisches Paar geliefert
Die beiden JBL L90 wurden als (symmetrisches) Paar geliefert und haben (in schmalen Räumen) durch die außen liegenden Hoch- und Mitteltöner eine breitere Stereobasis. Weiterhin erkennt man hier, daß die Hoch- und Mitteltöner senkrecht übereinander plaziert sind. Das war nämlich ein gravierender Nachteil der (ersten) Braun- und Heco Boxen der frühen Anfänge, der vom Entwickler Wolfgang Seiktritt erst bei den Canton Boxen korrigiert wurde. Auch bei der JBL L80 sind alle Chassis in einer senkrechten Flucht positioniert.
Die Mitarbeiter bei Saturn hatten keine Ahnung . . .,
was sie dort verkaufen. Obwohl es bei Saturn eine große, sogar edle, Hifi Abteilung gab, hatte man die JBL L90 Studio-Abhörlautsprecher draußen im 400qm großen Laden ganz oben unter der Decke auf ein Regal gestellt, aber ohne rückwärtige (Reflektions-) Wände. Und so klangen sie dort auf dem Regal einfach grausam dünn und schmalbrüstig und somit total unverkäuflich für diesen horrenden Preis von angeblichen UVP von 2500.- Mark je Stück !!
Das fiel mir mit meinen 197cm sofort auf, das klingt ja richtig nach Murks. Weiterhin war es mir möglich, wegen meiner Länge, dem Verkäufer die dicke Staubschicht auf dem einen Lautsprecher direkt mit dem Finger unter die Nase zu halten. Der verstand zumindest, daß diese beiden "neuen" Vorführ-Lautsprecher dort bereits viel zu lange gestanden hatten.
Da hatte es gestanden - das mit den Studio Monitoren
In einem uralten englischen Spendor Prospekt stand es: Normally monitor speakers are placed directly at the Window to the Studio. Der Regieraum war allermeist mit einem großen Doppelglasfenster vom eigentlichen Studio abgetrennt. Und direkt vor dieser oft sehr großen Glasscheibe standen links und rechts die Abhörboxen oder sie hingen in den beiden Ecken unter der Decke über der Glasscheibe.
Taktisch geschickt einen Super Preis erhandelt.
Der Verkäufer wollte mir sodann 500.- Mark nachlassen auf die 2.499.- DM . Ich lachte und sagte, dann doch lieber verheizen, daß die Kunden nicht so frieren. Es war kalt draußen. Weiter hinten im Studio fielen mir die beiden JBL Ti1000 auf, ebenfalls "leicht" verstaubt, also vermutlich (mit diesem hochkarätigen Personal) auch unverkäuflich.
Nachdem sich der Verkäufer davon überzeugt hatte, daß die beiden JBL L90 wirklich miserabel klingen, auch bei volle Pulle, bot ich ihm taktische 4000.- Mark in bar ohne Rückgaberecht für alle 4 Boxen zusammen an. Es dauert eine ganze Stunde, bis er alle Geschäftsführer des Konzerns davon überzeugt hatte, daß er endlich einen "Blinden" (oder vielleicht sogar "Bekloppten") an der Angel habe, der diese Dinger mitnehmen würde und auch noch "Bares" dabei hätte, also keine Sprüche mache.
Und so nahm ich sie mit, alle 4 Boxen unverpackt und staubig für DM 4.000.- mit Rechnung natürlich und JBL Garantie.
Eines der weich aufgehängten Baßchassis bewegte sich nicht.
Es fiel mir Zuhause sofort auf, das war der Fehler, mit nur einem Baß reicht es nicht für große Räume. Nach ca. 1 Stunde fing das Chassis an, sich wieder leicht zu bewegen (ich hatte etwas nachgeholfen) und nach 2 Stunden kam leidlicher Sound aus den Boxen. Am nächsten Tag ging das gleiche Spiel von vorne los und schon war ich am Telefon bei JBL in Heilbronn. Ja, das käme schon mal vor, daß sich der Kleber der Schwingspule im Magnetspalt breit macht, also gleich samt Rechnung einschicken.
Nach drei Tagen kam ein neues Bass-Chassis und das geht jetzt schon seit über 10 Jahren, übrigens ganz hervorragend.
Dann kam die (sehr mühsame) Arbeit mit der Aufstellung.
An den Stellen, an die sie hin sollten, klangen die Boxen überhaupt nicht. So etwas Dünnes und Schwächliches hatte ich selten gehört. In Erinnerung an die Regieboxen Expertise fing ich an, die Boxen vor bzw. unter meinen schrägen Dachflächenfenstern zu positionieren. Und siehe da, es kam langsam näher, das Erfolgserlebnis. Aber es dauerte lange. Das Umstellen und Hören dauerte mehrere Stunden an mehreren Tagen mit vielen markierten Einstellungen.
Die Aufstellung der L90 ist also kritisch. Die Baßreflexöffnung geht nach hinten raus. Also muß da genügend Raum sein, den Schall im Tiefbassbereich zu reflektieren. Und direkt dicht an der Wand kann der Lautsprecher auch nicht klingen, es sind mindestens 15cm bis 30cm erforderlich. Und ganz ohne Wand klingt der Lautsprecher überhaupt nicht, er braucht hinten die harte Wand.
Darum werden diese Lautsprecher oft im ebay regelrecht "verhökert". Die ebay-Verkäufer haben sie nie zum Klingen gebracht und haben resigniert, trauen sich aber nicht, das auch so zu schreiben. - Schade.
Sie sehen ja hier die Fotos von meiner Eckenposition im Studo unter dem schrägen Dach vor den Dachflächenfenstern.
Die Lautsprecher mit der eingbauten Loudness
Die L90 klingen jetzt super, vor allem sowohl leise als auch laut und (sogar !) ohne eine Loudness (-Korrektur), denn so etwas hat der Revox B251 Verstärker nicht. Es klingt mit diesen Lautsprechern trotzdem (- im Gegensatz zu den Braun L715, die ohne die gewaltige Loudness des Regie 550 unten rum recht dünn klingen und leise sogar sehr dünn).
Aber es klingt auch "nur" hier an diesem Stellplatz. An fast keiner anderen Stelle in dem über 100qm Raum, die auch nur annähernd in Frage kam, war ein Erfolg zu erzielen. Das muß man wissen und auch akzeptieren.








