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Die JBL Ti250 produziert einen gewaltigen Bass

Ein Traum von Lautsprecher 1988
Ein Eigenbau von 1974 ging zwar laut, aber das war trotzdem nicht berauschend oder gar gut

Und wir reden hier nicht von einem Schwabbelbass wie viele andere Riesenboxen, sondern abgrundtief, knallhart und trocken und das in einen 120qm Raum mit bis zu 6m Deckenhöhe. Die klangliche Wiedergabe hat auch keine Verfärbung in Richtung Holzkiste oder Blechbüchse wie die vielen Regalboxen, selbst die Studiomonitoren, die hier bei mir stehen. Das muß mit der Konzeption / Konstruktion des asymmetrischen Gehäuses zusammenhängen.

Warum ich das so betone ? In meiner Sturm und Drang Zeit ab etwa 1972 wusste ich alles besser als die Anderen und kaufte für 420.- Mark die 38cm Basschassis von Isophon und die 560.- Mark 35cm Chassis von JBL und baute meine Gehäuse nach diversen Anleitungen, Zeitschriften und Büchern selbst.

Viele dieser Gehäuse sind in Diskotheken und Tanzschulen gelandet und die Betreiber waren zumindest zufrieden. Meine Bass-Boxen waren zumindest irre laut. Einige dieser Gehäuse hatten diverse Umzüge meiner kleinen Firma bis zum jetzigen Domizil überlebt und wurden in den späten 80ern reaktiviert.

Im Nachhinein war es fast schon Dilettantismus (es wird wirklich mit nur einem L geschrieben - Danke Markus), denn alle diese großen extrem schweren Kisten klangen im Vergleich zu fertigen Boxen katastrophal. Und so kam ich auch zu den JBL Ti250.

Der Bass bei meinem Freund in einer Wald-Villa tief im Taunus war völig neu und urgesund und der gesamte Rest des Klangspektrums absolut begeisterungsfähig. Ich hatte es zwar bemerkt, daß da zwei Accuphase P1000 Monoblöcke mit einem Accuphase C280 "powerten" und daß der Raum an die 100qm groß und 3,5m hoch war, dachte mir aber vorerst nichts Näheres dabei. Zu der Zeit hatte ich bei mir gerade die Tannoy Arden als "die" Überbox. Doch diese schräge Pyramide hatte (fast) keinen Eigenklang, ging extrem gut und extrem laut.

Ein Zufallsbesuch bei Canton in 2011

es ist schief, das Gehäuse
und hat hinten ein Loch

Wie auch schon an anderer Stelle positiv angemerkt, hatten wir bei einem Zufallsbesuch bei Canton im Taunus von dem dortigen Lautsprecherentwickler die allerneueste Software zur Gehäusesimulation ganz kurz vorgeführt bekommen. Als langjährigem EDVler war mir sofort die Tragweite dieser modernen Simulationstechnologie bewußt. Alle kennen das vom optimierten Luftwiderstand eines Autos per Simulation.

Bei den Boxengehäusen aller Größen
sind Eigenresonanz und Eigenbewegung des Gehäuses die größten Übel, mit denen die Entwickler kämpfen. Und die kann man über eine asymmetrische oder halbrunde bzw. richtig schiefe (oder eine "krumme") Bauform in den Griff bekommen. Heute in 2010 kann man das bereits ganz früh am PC per Software simulieren. Früher mußte man das empirisch durch Ausprobieren ermitteln.

Die Schräge des Ti250 Basskastens
scheint also ein Baustein für diesen nahezu verfärbungsfreien Bass zu sein. Das Gehäuse resoniert (fast nicht) und die Wände "pumpen" nicht und erzeugen allein dadurch keine merkwürdigen Zusatzfrequenzen. Sicher ist die große Bassreflexöffnung hinten auch noch ein Grund, warum das Gehäuse nicht pumpt. Auch sind die anderen Gehäuseteile für Mittelton und Hochton vom Bassgehäuse luftdicht abgekoppelt.

Zwei asymmetrische Dimensionen

Die Wände des Boxenkastens sind vorn und hinten nicht parallel und ebenso von links nach rechts nicht. Somit ist auch die Grundfläche von unten mit der Deckelfläche oben ebenfalls ungleich bzw. asymmetrisch. Also nichts ist irgendwie planparallel bzw. gerade. Das scheint also der Vorläufer des modernen nahezu eigenresonanzfreien Gehäuses zu sein.

Ein Frequenzweiche zum Staunen

Ein blick in das Innenleben
Die Bass-Zuleitungen

Eigentlich wollte ich schon immer mal in den "Bauch" reinschaun, seit über 20 Jahren. Jetzt kam zwangsläufig die Notwendigkeit, die beiden Bass-Chassis auszubauen und da offenbart sich das Innenleben.

Beim Ausbau des Basschassis fällt auf, es sind dicke 1 oder 1,5qmm Kabel, die die mehreren 100 Watt Leistung zum Chassis leiten. Dann sieht man hinten an der Rückwand eine gigantische Frequenzweiche mit 7 unterschiedlich großen Drosseln bzw. Spulen. Dazu kommen jede Menge an Hochlast- widerständen und Kondensatoren, alles fein säuberlich typisch amerikanisch mit Heißkleber festgeklebt.

Vergleiche ich das mit den dünnen 0,5er Drähtchen sowohl bei der aktiven Braun LV720, der aktiven Heco P7302 oder aktiven Canton Ergo Aktiv, so ist bei diesen drei recht teuren Boxen noch Einiges zu verbessern, auch nach 40 Jahren.

Noch ein Blick auf das Bass-Chassis

JBL war schon immer auf die Qualität seiner Chassis bedacht. Denn Musiker sind anspruchsvoll und kritisch und (wenn es nicht funktioniert) fast bösartig nachtragend.

Wenn also bei einem großen Konzert
die Basschassis oder die Hörner reihenweise ausfallen, ist der Hersteller eigentlich schon tot, bevor das Konzert zuende ist. Es spricht sich erstaunlich schnell in allen jenen Musiker-Kreisen rum. In Diskotheken gilt übrigens Ähnliches und dort war ich mit meinem Service fast 10 Jahre (als Mr. Music) zuhause.

Darum waren die JBL- "Speaker" berühmt für Ausdauer und "Unkaputtbarkeit" (ist Neudeutsch und steht für "geht immer"). Wobei sich dieser damals von mir eingesetzte 38cm Isophon Bass auch immer super geschlagen hatte.
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