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Ähnlich wie in 1992 ein Test-"bericht" (oder mehr ein Werbetext) im März 1993 - die JBL Ti 1000

Quasi als Nachschlag zur JBL Ti 5000 kam etwa 8 Monate später der Bericht oder Test über die Ti 1000 in der Stereoplay 3/1993 auf Seite 33. Auch hier wurde mit geschwungenen Worten das Feinste vom Feinsten propagiert.

Da ich selbst solche Ti 1000 Boxen bei uns in der Redaktion
zur allgemeinen Berieselung während der redaktionellen Arbeit stehen habe, kann ich mir hier ein kritisches (positives) Urteil in Bezug auf die Ti 1000 Box und die Lobeshymnen erlauben.

Was ich von den vielen "Tests" halte und wie ich die aus heutiger Sicht beurteile, lesen Sie bei den "hochglänzenden Hochglanz- magazinen" auf diesen Seiten.

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Test: Kompaktlautsprecher JBL Ti 1000 - Lady Ti

kein Bericht - ein "Test"

Die JBL Ti 1000 ist eine stark verkleinerte Ausgabe der testerprobten Ti 5000.

Sprößlinge berühmter Eltern haben es schwer, aus dem Windschatten ihrer prominenten Ahnen zu treten. Überkritisch beäugen die Medien jede Lebensäußerung der Prinzen und Prinzessinnen; entsprechend hoch sind die Erwartungen.

Wer den Test der großen Ti 5000 in Heft 12/92 gelesen hat oder - noch viel eindrucksvoller - die attraktive und gemessen an ihren Leistungen preiswerte Superbox einmal mit eigenen Ohren gehört hat, weiß, welch schweres Erbe auf den beiden kleineren Modellen Ti 3000 und Ti 1000 lastet.

Immerhin konnte die 5000er mit Pauken und Trompeten die alleroberste Rang-und-Namen-Klasse erobern. Dank ihrer auch für kleine Verstärker unkritischen Last und der phänomenal sensiblen Verarbeitung klanglicher Details dient sie immer häufiger als Arbeitsreferenz und Schiedsrichter bei kniffligen Elektroniktests.

Preis und Größe im Vergleich zur Ti 5000

Qualität hin oder her, nicht jeder hat den Platz für eine Ti 5000 oder 11.000 D-Mark in der Portokasse, was einen Flirt mit der erheblich kleineren Ti 1000 nahelegt. 4.600 D-Mark für ein Pärchen Zweiwegeboxen reduzieren den monetären Bedarf zwar auf weniger als die Hälfte, sind aber auch kein Pappenstiel für einen 44 Zentimeter kleinen Lautsprecher.

Weitere 800 Mark werden fällig, wenn die zur Ti 1000 passenden Boxenständer mit ins Kalkül gezogen werden.

  • Anmerkung : Aus meiner Sicht ist es wichtig, nicht nur auf das enorme Gewicht hinzuweisen, sondern auch auf die extreme Bautiefe dieser kleinen Box. Manches Regal ist von der Kopflast - die 18 Kilo und damit der Schwerpunkt wirken nämlich ziemlich weit vorne - schlicht überfordert.

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Ein stolzer Preis

Perfekt verarbeitet: Die Anschlußklemmen sind ebenso finger- wie kabelfreundlich.

Für den stolzen Preis bietet JBL allerdings auch High-Tech vom Feinsten.

Da wären die bitumen-bedämpften Dreischichten- gehäuse, die zwecks höherer Steifigkeit schrägstehenden Wände - ein Heidenaufwand für die Schreiner -, das Bi-Wiring-fähige, grundsolide Anschlußterminal, die Innenverkabelung mit High-End-Strippen und die komplexe Frequenzweiche mit luxuriösen Bauteilen.

  • Anmerkung : Mann kann es deutlich lesen, diese Box - jedenfalls das Gehäuse wurde in Dänemark gebaut und dann dort mit den amerikanischen Chassis zusammengebaut.


Original aus der Ti 5000 stammt der extrem belastbare und resonanzarme Titan-hochtöner. Von den großen JBL-Baßchassis mit extrem symmetrischem Magnetfeld abgeleitet wurde eine 17-Zentimeter-Variante zur Wiedergabe aller Frequenzen bis etwa 2500 Hertz.

Meßtechnisch verhielt sich Lady Ti absolut vorbildlich. Der Frequenzgang ist selbst im Übergangsbereich bei 2,5 Kilohertz bemerkenswert glatt, und das Baßfundament mit einem Maximum bei 70 Hertz und einer unteren Grenzfrequenz (-3 Dezibel) bei 45 Hertz kann sich für die Größe absolut sehen lassen.

Die Ti 1000 ist etwas niederohmiger als die auf 6 Ohm gezüchtete 5000, 4 Ohm werden allerdings an keiner Stelle unterschritten, so daß auch die 1000 als kabel- und verstärkerunkritisch gelten darf.

  • Anmerkung : Da in dem Test nur kurz auf die JBL Ur-Ti 250 Bezug genommen wird, hier eine Information zu dieser ersten Ti 250. Im Gegensatz zu den späteren Ti 250 Jubile, den 5000ern und den 3000ern und auch der Ti 1000 war diese Ur-Ti extrem kritisch für die allermeisten - auch sehr starken - Verstärker und hatte bei so vielen "Testern" und Besitzern einfach nicht geklungen. Die kleine Ti 1000 klingt bei uns an einem 2 x 20 Watt Onkyo Kompaktverstärker A-905 hervorragend.


Dickes Lob auch für das Ausschwingen der kleinen JBL, das sogar im für Zweiwegeboxen problematischen Präsenzbereich (Region um 2 Kilohertz herum) zügig vonstatten geht.

Ein "neugieriger" Vergleich, der nicht funktionieren kann

Neugierdehalber - Tester sind eine besonders gemeine Spezies Mensch - erprobte die Jury die schmächtige Ti 1000 auf Ständern neben der "fetten" 5000. Da beide einen sehr linearen Frequenzgang bewiesen hatten, müßten sich auch klanglich deutliche Parallelen einstellen.

Zumindest was das Grobtonale, also das Mengenverhältnis von Bässen zu Mitten zu Höhen, anging, war die Verwandtschaft auch in aller Deutlichkeit gegeben.

Die Kleine produzierte einen fast ebenso satten Baß, der dennoch völlig anders klang. Die 5000 gab bei aller Wärme das von sich, was man einen trockenen, konturierten Baß nennt, während das Fundament der 1000er nachgiebiger wirkte und sich anhörte, als würde eher gepustet denn getrommelt.

Darin liegt kein Widerspruch zu den Meßergebnissen, denn das kleine 1000er Chassis muß bei gleichem Pegel sehr viel höhere Hübe ausführen. Zudem gewinnt die 1000er ihren 70-Hertz-Kick hauptsächlich aus dem Luftbaß des Baßreflexrohres, während bei der viel tiefer abgestimmten 5000 in dieser Region die feste Membran den Löwenanteil erzeugt.

Größer als erwartet waren auch die Unterschiede im Mitteltonbereich. Das präsenter wirkende Klangbild der kleinen Ti gaukelte einem kurzfristig mehr Griffigkeit vor, in Wirklichkeit aber klang die 5000 weitaus zarter, feiner und besser durchhörbar.

Vor allem bei komplizierteren Strukturen und nicht nur bei höheren Lautstärken wurde die 1000er viel schneller zäh, und ihre Präsenzdynamik schlug in eine gewisse Schreihalsigkeit um.

Die Aussage für den JBL-Fan ist deshalb eindeutig: Wenn Preis und Maße nicht die Entscheidung diktieren, ist der großen (Box) absolut der Vorzug zu geben. Auch wer hofft, durch eine der Preisdifferenz entsprechend höherwertige Elektronik die kleine auf das Niveau der großen zu heben, wird enttäuscht sein; die Lautsprecherphysik ist mächtiger.

Echte realistische Vergleiche

Nach diesem ebenso spannenden wie ernüchternden Ausflug in die Welt der Superboxen mußte die JBL Ti 1000 gegen Konkurrenz aus ihrer Preis- und Größenklasse antreten. Auch in der Region um 4.000 D-Mark pro Paar tummeln sich schon jede Menge ausgewachsene Standboxen, zum Beispiel eine Canton Ergo 100 DC (Referenz Spitzenklasse I seit Heft 10/92).

Auch die Canton mit immerhin zwei 22er Bässen und rund vierfacher Membranfläche ließ der deutlich kleineren JBL keine Chance, wenn's im Baß zur Sache ging oder einfach nur Konturenschärfe gefragt war. In den Mittellagen und im Hochtonbereich aber konnte die vergleichsweise niedliche JBL erstaunlich gut mithalten.

Auch dieser Vergleich wird all jene kaltlassen, die in kleinen Räumen keine Standboxen stellen möchten. Entscheidender ist der Bezug zu Kompaktboxen wie der Dynaudio Contour 1.3, die in Heft 12/92 als stimmigste aus einem Testfeld hervorgegangen war und es immerhin zur Referenz in der Spitzenklasse III gebracht hatte.

In dem dänischen Wunder an Ausgewogenheit und klanglicher Eleganz hatte die JBL endlich einen vergleichbaren Spielpartner gefunden. Nun, da ungefährer Gleichstand beim Boxenvolumen und bei der Membranfläche herrschte, wurden die Qualitäten der JBL offensichtlich.

Der Dynaudio hatte sie bei vergleichbaren tonalen Qualitäten noch eine kleine Portion an Spielfreude voraus, und wenn es denn sein mußte, gelangen ihr auch die etwas höheren Pegel ohne Stöhnen.

Das genügte, um die JBL Ti 1000 knapp oberhalb der Contour 1.3 in der Spitzenklasse II einzusetzen. Dort steht sie neben durchweg viel größeren Standboxen, vergleichbar allerhöchstens einer weiteren Dynaudio-Kompaktbox, der Crafft (Heft 2/92), wovon ein Pärchen allerdings die Kleinigkeit von 6000 Mark kostet
WE (wer war das ?)
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