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Warum hat "stereoplay" für uns solch eine Bedeutung ?

Zum Jahresende 1983 wurde die Mutter der High-Fidelity im deutschsprachigen Raum - die Hifi-Stereophonie - nach 23 Jahren Selbständigkeit in "stereoplay" eingegliedert und ex Chefredakteur Karl Breh übernahm für 12 weitere Jahre auch dort die Chefredaktion.

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Das EDITORIAL 1/1993 von Karl Breh
"Entscheidungshilfen"

Schon aus biblischer Zeit ist uns die Vorstellung von den sieben fetten und sieben mageren Jahren überliefert. Wobei es, wie Thomas Mann am Präzedenzfall "Josef in Ägypten" herausgefunden hat, nicht immer genau sieben sein müssen, wenngleich dieser Zahl im-Karl Breh mer noch eine mysteriöse Magie anhängt. Wir Heutige haben uns an kürzere Zyklen gewöhnt: Selbst dem abgeklärten Zen-Buddhis-mus nahestehende, trotzdem aber erfolgsverwöhnte HiFi-Hersteller suchten ihr Heil immer noch in der ebenso hektischen wie eigentlich unrentablen jährlichen Erneuerung ihrer Produktpalette. Das Jahr 1992 - nach den fetten Spezies 1990/91 insgesamt eher in die Qualitätsklasse der mageren Jahre einzustufen - scheint nun auch in fernöstlichen Industriekreisen eine meditative Denkpause erzwungen zu haben.

Nun sind sie also beide wirklich da - die datenreduzierenden digitalen Nachfolger des in die Jahre gekommenen Cassettenrecorders. Zuerst mit dreimonatiger Verspätung die DCC-Zöglinge von Philips, Marantz und Panasonic. Jetzt - auch nicht gerade pünktlich - fix und fertig und sogar in marktgerechter Verpackung eigenhändig von Mitarbeitern der deutschen Sony-Pressestelle zum Testen in die Redaktionen der Fachmagazine getragen: der portable Mini-Disc-Recorder und sein nichtaufnehmender Verwandter.

Eigentlich ein Fehlstart - von beiden

In beschränkter Stückzahl hätten sie eigentlich wenigstens symbolisch noch ins Weihnachtsgeschäft eingreifen sollen. Von daher gesehen haben beide Bewerber um die Nachfolge des analogen Cassettenrecorders einen Fehlstart produziert.

Ob überhaupt und, wenn ja, wie schnell sie ihn vom Markt verdrängen können, bleibt angesichts der in dieser analogen Disziplin jüngst erreichten, geradezu unglaublichen Preis-Leistungs-Relation völlig offen.

"Welche Recorderart kaufen?"

Entscheidungshilfen bietet Stereoplays Super-Vergleichstest "Welche Recorderart kaufen?" im vorliegenden Heft.

Das verzwickte Thema Lautsprecher

Eine großangelegte und auf der Testarbeit von Jahren beruhende Entscheidungshilfe zum verzwickten Thema Lautsprecher mit 50 ganz konkreten Empfehlungen, Tips für Verkabelung, Aufstellung und Hörtests beim Händler bietet unser Lautsprecher Spezial.

Komplettanlagen

Schließlich wurde neben der Revox "Evolution" nun auch die zweite Komplettanlage wahr, diesmal aus deutschen Landen, die hohe Qualitätsansprüche mit ansehnlichem Design verbindet. Zwar fehlte stereoplay aus der Komponenten-Anlage Concerto von Burmester noch der CD-Spieler. Trotzdem lieferten die ohnehin kritischeren Tuner, Vor- und Endverstärker genügend Ergebnisse für eine auch in diesem Falle sichere Entscheidungshilfe.

"sine musica nulla vita"

Und eingedenk des schönen lateinischen Spruchs "sine musica nulla vita" (frei übersetzt: Ohne Musik kein Leben in der Bude) hilft stereoplay seinen Lesern nach der Zusammenstellung der 88 besten Klassik-CDs im letzten Heft diesmal mit ebensoviel Silberscheiben aus der Pop-und-Rock-Welt auf die Musik-Sprünge.

Ein friedliches, glückliches und erfolgreiches Jahr 1993 wünscht die ganze Redaktion allen Lesern, Freunden und Partnern und damit letztendlich auch sich selbst.

Karl Breh im Jan 1993
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Das EDITORIAL 2/1993 von Karl Breh
"Gefragt ist Normalität"

Stereoplay versteht sich als Fachmagazin. Zu seinen Themen zählen die schönsten Nebensachen des Lebens: Musik live und Musik innerhalb der vier Wände. Deshalb äußert sich die Zeitschrift auch grundsätzlich nicht zu politischen Tagesfragen, sofern sie sich nicht direkt oder mittelbar auf HiFi, Musik, Rundfunk, Kunst und Künstler, Konzertbetrieb und Publikum auswirken.

Ausländerhaß und Rassismus in Deutschland 1992

Was jedoch seit einigen Monaten mit wachsendem Trend unter den Stichworten Ausländerhaß und Rassismus in Deutschland abgeht, würde der Redaktion selbst dann eine Stellungnahme abverlangen, wenn diese Schändlichkeiten ihre Themenfelder in keiner Weise berührten.

Abgesehen davon, daß sie das auf unerträgliche Weise tun, können und wollen wir nicht schweigend zusehen, wie das Ansehen Deutschlands überall dort, wo wir die Ausländer sind, auf das nachhaltigste von einer so winzigen Minderheit fehlgeleiteter Dummköpfe beschädigt wird, daß die schweigende Mehrheit von ihr keinerlei Notiz nähme, würden sich diese Schergen nicht so abscheulicher Methoden wie Mord, Totschlag und Brandschatzung bedienen.

Die Intoleranz gegen Andersdenkende

Vor unseren zahlreichen ausländischen Partnern und Freunden aus der HiFi-, Musik- und Kulturszene schämen wir uns für jeden verbalen oder tätlichen Angriff auf Nichtdeutsche, gleich welcher Hautfarbe, Rasse oder Religion, die bei uns leben, unsere Gesetze achten und unsere Sitten und Gebräuche respektieren.

Ebenso lehnen wir jede Form gewalttätiger Intoleranz ab, die sich gegen Andersdenkende richtet, ob es sich nun um deutsche oder ausländische Minderheiten handelt.

Die Erwartungen an unsere Politiker

Was wir fordern, ist die ganz selbstverständliche Normalität im Umgang der Menschen untereinander und von Staats wegen mit Menschen, die schon legal oder als Asylsuchende korrekt in unserem Land leben. Diejenigen, die gegen das Gesetz verstoßen, ob Deutsche oder Ausländer, muß angemessene Bestrafung treffen.

Von den Politikern erwarten wir, daß sie mit mehr Nachdruck und Erfolg als bisher das soziale Umfeld schaffen und für die gesellschaftlichen Bedingungen sorgen, die für das Gedeihen solcher Normalität notwendig sind. Sie dürfen nicht immer nur von der wehrhaften Demokratie reden, sie müssen sie auch umsetzen.

Die Redaktion von stereoplay dankt den prominenten Vertretern der deutschen Rock- und Popszene für ihr Engagement gegen Ausländerhaß und Rassismus. Deshalb drucken wir in der Rubrik "In letzter Minute" einige ihrer Statements ab, mit denen wir uns voll identifizieren.

Karl Breh im Feb 1993
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Anmerkung : Dieses obige Editorial stammt aus Feb 1993 !!

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Das EDITORIAL 3/1993 von Karl Breh
"Plädoyer für Vernunft"

Managementfehler rächen sich nur selten in Zeiten überschäumender Konjunktur. Das gilt für alle Bereiche der Wirtschaft von der Autoindustrie bis zur Mode- und Textilbranche. Auch und ganz besonders für die Unterhaltungselektronik. Solange der Markt boomt, haben Produktstrategen und Entwickler leichtes Spiel. Um sich im Handel gegenüber den Mitbewerbern nur ja keine Präsenzblöße zu geben, nehmen sie sogar in Kauf, ihr Gerätesortiment halbjährlich oder noch öfter zu erneuern, und sei es nur durch kosmetische Korrekturen am Design.

Eine unsinnige Produktpolitik

Abgesehen von unsinnigen Gestehungskosten für neue Werkzeuge und geänderte Logistik - was den erzielbaren Gewinn schmälert - führt die Verkürzung der Laufzeiten zu einer Typenvielfalt, die der Handel seinen Kunden gegenüber nicht mehr glaubhaft vertreten kann. Darunter muß auch zwangsläufig die für das Vertrauensverhältnis zwischen Abnehmer und Anbieter so wichtige Beratung leiden.

Wenn erst mal die Kunden verunsichert sind . . .

Beim verunsicherten Kunden erweckt derart hektische Produktpolitik den fatalen Eindruck "kaum gekauft, schon veraltet" mit der umsatzschädlichen Folge, daß er zukünftig Kaufentscheidungen vor sich her schiebt.

Da jeder Neueinführung möglichst ein Ausverkauf der Altbestände vorausgehen soll, drückt zu häufiger Modellwechsel zusätzlich auf die Preise, was zunächst der Handel ausbaden muß. Spätestens bei der nächsten Runde des Spielchens schlägt die miese Stimmung an der Verkaufsfront dann aber auch auf die Hersteller zurück.

Man sollte die Vernunft fördern

Die Zeiten verringerter Nachfrage sind eher geeignet, die Korrektur solchen Fehlverhaltens und die Rückkehr zu marktpolitischer Vernunft zu fördern. Das hieße durchentwickelten und ausgereiften, sorgfältig auf Kundenwünsche abgestimmten Produkten längere Laufzyklen einräumen, die Typenvielfalt begrenzen und bei fairer Kalkulation die Preise stabil halten.

Der Handel könnte bei solider Ertragslage besser disponieren, seine Beratungsfunktion wieder wahrnehmen und das Vertrauen seiner Kunden zurückgewinnen. Die Hersteller würden wieder Gewinne erzielen, glaubhafter und wirksamer werben und so ihr Image verbessern können.

Eine Rezession hat andere Regeln

Ob solche Vernunft angesichts der Internationalisierung des Wettbewerbs und der Märkte sowie der Treibkraft immer neuer Chips sich unter den Zwängen der Rezession durchsetzen kann, mögen Kenner der Branche eher bezweifeln. Wahrscheinlicher ist da schon eine Bereinigung der Typenvielfalt dadurch, daß schwächere Hersteller - die meist die besseren Produkte anbieten - zusammenbrechen und manche Marke gänzlich verschwindet.

Karl Breh im März 1993

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Das EDITORIAL 4/1993 von Karl Breh
"Wider die Multimedia-Hysterie"

Unter dem Eindruck stagnierender oder gar rückläufiger Absatzzahlen ist nicht wenigen Managern der Branche der Glaube an und die Begeisterung für High Fidelity abhanden gekommen.

Die Folge: Sie erfinden und propagieren neue Schlagwörter, denen sie in gebührendem Abstand dann auch Produkte folgen lassen. Eines dieser Schlagwörter heißt Multimedia. Ließ nicht Goethe schon Mephisto sagen "Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt zur rechten Zeit ein Wort sich ein"?

Das Allerweltswort Multimedia

Was verbirgt sich hinter diesem Allerweltswort? Vermutlich die Kreuzungs-Ergebnisse verschiedener Medienarten. Das wichtigste zwischen Sehen und Hören. Ihm entsprang der Tonfilm. Und sobald es realisierbar war, das Fernsehen; von Anfang an mit (schlechtem) Ton und schwarzweiß, dann farbig. Noch später mit Stereoklang, schließlich mit HiFi. Video, sei es vom Recorder oder Camcorder, läßt sich in die gleiche Kategorie einordnen.

Veredelungsversuche von Multimedia

Allgemeine oder spezielle Veredelungsversuche dieser Paarung tragen die Namen Laser-Disc, D2 Mac, HDTV. Alles bewundernswerte Erfindungen, die jedoch auf der Bedarfseite nicht die zum Überleben erforderliche Resonanz fanden.

Also versuchte man die listige Kreuzung zwischen Computer und Sehen. Daraus entstanden die so beliebten, von manchen Pädagogen jedoch weniger geschätzten Computerspiele.

Dann zwischen Computer und Hören, mit dem Ergebnis Datenreduktion. MD und DCC heißen deren bereits existierenden Früchte. DAB, die teure Rundfunkvariante, ist womöglich schon gezeugt. Früchte, die - um anderer Vorteile willen - den Klang mindestens seiner Vitamine berauben.

Die Kreuzung zwischen Computer, Datenreduktion, Sehen und Hören zeitigte die CD-I. Im Grunde lexikalische Computer-Spiele für unterbeschäftigte, leseunwillige Bildungshungrige und Lernbegierige in der Altersgruppe 6 bis 80. Am Bedarf sind Zweifel erlaubt.

Toll! Aber wer braucht das?

Kodak entdeckte die CD als fabelhaften Bildspeicher. Jetzt gibt es CD-Spieler, die Musik-CDs abspielen und gleichzeitig zum Angucken von Dias taugen, oder umgekehrt. Toll! Aber wer braucht das?

Demnächst beschert uns die fruchtbare Kombination aller dieser Chipwunder das Supermedium "Virtual Reality". Dann ist Schluß mit Ferienreisen und der Liebe zu zweit. Das besorgt alles ortsgebunden, risikolos und in totaler Isolation die interaktive Computer-Software-Allianz mit Sichthelm und Handsteuerung.

Noch ist es nicht verloren

Keine Sorge, stereoplay wird zwar alle diese multimedialen Produktvarianten beäugen und auf Brauchbarkeit prüfen. Unser Hauptthema ist und bleibt jedoch die Musik und HiFi pur als ihr Vehikel. Und da fährt der Zug digitaler Neuerungen von der durch 20Bit-Mapping verbesserten CD über perfektionierte Wandler bis zur digitalen Korrektur von Boxenfehlern überhaupt erst ab. Denn nicht alle Hersteller haben ihre Begeisterung für High Fidelity verloren

Karl Breh im April 1993

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Das EDITORIAL 5/1993 von Karl Breh
"Und erstens kommt es anders ..."

Als Ende der 1970er Jahre nicht mehr zu übersehen war, daß der noch gar nicht so alten analogen Vinylscheibe in Gestalt der Compact Disc digitale Konkurrenz erwachsen würde, ging ein Ruck durch die für analoge Schallplattentechnik zuständigen Entwicklungslabors.

Die Direktschnitt-Platten

Mit dem Verfahren, bei der Aufnahme die beiden Stereokanäle ohne Umweg über das Band direkt auf die Schneidmaschine zu geben, hatte man versucht, die Untugenden der Analogaufzeichnung auf Magnetband zu umgehen. Direktschnitt-Platten, zum Teil mit 45 Umdrehungen je Minute, boten mehr Dynamik und bessere Impulstreue als von Mutterbändern abstammende Scheiben.

Aber der aufnahmetechnische Rückfall ins Akustikzeitalter ließ, da die Korrekturmöglichkeiten durch das Schneiden der Bänder und deren Montage entfielen, ökonomisch nur audiophile Kleinproduktionen zu.

Denon entwickelte die PCM-Aufzeichnung

Kein Wunder, daß man freudig die von Denon entwickelte digitale PCM-Aufzeichnung auf Magnetband aufgriff und Digitalaufnahmen auf Vinylscheiben anbot. Die Ergebnisse waren so gut wie Direktschnitte, aber man hatte wieder ein (elektronisch) schneidfähiges Masterband.

Teldec und das Direct Metal Mastering (DMM) von 1982

Erst Mitte 1982 propagierte die Teldec das Direct Metal Mastering (DMM). Die Rillen wurden nicht wie bisher in Lackfolien, sondern in Kupfermatrizen geschnitten. Dies verbesserte nicht nur auf geradezu dramatische Weise die Oberflächenqualität der Schwarzen Scheiben (Rumpelgeräusche, Rillenrauschen), sondern auch Impulstreue, Durchsichtigkeit und Präsenz, wie die Zeitschrift HiFi-Stereophonie in Heft 7/1982 bestätigte. Und sie kam damals zu folgendem Schluß: "Die Analogplatte kann mit dem DMM-Verfahren ein so hohes Niveau erreichen, daß man sich vielleicht am Ende nur schwer von ihr wird trennen können." Daß es schneller als erwartet anders kam, ist allgemein bekannt.

Der analoge Cassettenrecorder ist noch lange nicht tot

Mit DCC und MD sollte sich nach dem Willen ihrer Erfinder eine ähnliche Entwicklung zu Lasten der analogen Cassette und ihrer Recorder wiederholen. Doch das scheint nicht zu funktionieren.

Zum einen wurden die Analogrecorder in den letzten Jahren bei sinkenden Anschaffungskosten fast sensationell verbessert. Zum anderen arbeiten die mehr als doppelt so teuren digitalen Konkurrenten nur um den Preis der Datenreduktion. Und die wirkt sich zumindest bei MD hörbar klangschädigend aus.

Der analoge Cassettenrecorder wird daher so schnell nicht verschwinden. Für stereoplay Grund genug, ihm ein hochkarätiges Spezial zu widmen, das die besten Decks innerhalb der interessanten Preismarge 400 bis 1400 Mark und die für unterschiedliche Recordermarken besten Bänder testet. Dazu alle Tricks und Tips, wie auch klangverwöhnte HiFi-Freunde aus dieser schon totgesagten Geräteklasse maximale Klangqualität herauskitzeln können ... und zweitens als man denkt.

Karl Breh im Mai 1993

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Das EDITORIAL 6/1993 von Karl Breh
"Die digitale Zukunft des Lautsprechers"

Ein unmittelbar einleuchtender, für Soziales ebenso wie für die Mechanik zuständiger Lehrsatz lautet: Eine Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied. HiFi-Kenner pflegen prompt hinzuzufügen: Das schwächste Glied der HiFi-Kette ist der Lautsprecher.

Dieser inzwischen zur Binsenweisheit verkommenen Erkenntnis liegt das zweiteilige Grundproblem aller Elektroakustik zugrunde: Erstens Umsetzung der den Schall transportierenden Luft- oder Körperschwingungen in speicherbare, verstärkungs-und sendefähige analoge elektrische Größen. Und zweitens deren möglichst genaue Rückwandlung in hörbaren Schall.

Der Weg des Schalls zum Lautsprecher

Aufnahmeseitig besorgt das Mikrofon die Umwandlung mechanischer Schwingungen in elektrische gleicher Frequenz und Amplitude. Für die Speicherung auf Schallplatte ist eine Zwischenwandlung von der elektrischen Schwingung in die Rillenauslenkung der sich drehenden Scheibe (Schneidstichel, elektrischmechanischer Wandler) erforderlich. Die im Material der Platte "erstarrten" mechanischen Schwingungen transformiert der Tonabnehmer (ein mechanisch- elektrischer Wandler) des klassischen Plattenspielers dann wieder in elektrische zurück.
Die definitive Rückwandlung der elektrischen in Schwingungen der Luft obliegt dem Lautsprecher oder ersatzweise dem Kopfhörer.

Die Probleme der Wandler

Alle diese Wandler werfen ihre eigenen Probleme auf. Am schwersten macht es die Physik dem Lautsprecher. Er muß als Generalist das gesamte Schwingungsgemisch der Musik vom tiefsten, wuchtigsten Baß bis zu den höchsten, kaum mehr hörbaren Obertönen getreu in entsprechende Druckschwankungen der Luft übertragen, während die klangerzeugenden Instrumente aus gutem Grund auf ihre Tonlagen spezialisiert sind und zudem noch ihre individuellen Abstrahlcharakteristiken aufweisen.

Deshalb haftet dem Lautsprecher rotz aller unbestreitbaren Fortschritte bis heute quasi physikbedingt der Makel an, schwächstes Glied der HiFi-Kette zu sein.

Den Lautsprecher digitalisieren

Rettung verspricht dieselbe Digitalisierung, die schon den Plattenspieler in Gestalt des CD-Spielers von seinen mechanischen Untugenden wie Gleichlaufschwankungen, Rumpeln, Resonanz-und Abtastverzerrungen oder den DAT-Recorder von denen des Cassettenrecorders befreit hat.

Auch beim Lautsprecher vermag die Elektronik prinzipbedingte und daher unvermeidliche mechanische Fehler zu kompensieren: Das digitale Audio-Signal wird so beeinflußt, daß tiefe und hohe Frequenzen auf die Millisekunde gleichzeitig zum Ohr gelangen (Korrektur der Gruppenlaufzeit), daß den Folgen der Massenträgheit großer Baßmembranen entgegengewirkt, dadurch das Ein- und Ausschwingverhalten und somit die Klangdefinition der Instrumente verbessert wird und dergleichen mehr.

Die digitale Zukunft, die den Lautsprecher von seinem fatalen Ruf, schwächstes Glied der HiFi-Kette zu sein, befreien kann, hat schon begonnen. Sie verspricht die spektakulärsten Fortschritte der HiFi-Technik seit der Erfindung der Compact Disc (siehe Seiten 6 bis 8 in diesem Heft).

Karl Breh im Juni 1993

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Das EDITORIAL 7/1993 von Karl Breh
"Das Land der Morgenfrische im Aufbruch"

Für Europäer nicht weniger rätselhaft und fast so exotisch wie das Land der aufgehenden Sonne, meldet Korea mehr denn je den Anspruch an, in den frühen Jahren des 21. Jahrhunderts den Aufstieg vom Schwellenland zur führenden Industrienation zu schaffen.

Aus hiesiger Sicht mag man dies als unrealistischen Ehrgeiz abtun. Was, zum Beispiel, bedeutet dem normalinformierten Publikum ein Firmenname wie Samsung? Hersteller von Fernseh-, Video- und Audiogeräten der unteren Qualitäts- und Preisklasse, ein koreanischer Billigheimer, könnte die Antwort lauten.

Eines von 5 Werken mit 25.000 Mitarbeitern

Wie drastisch ändert sich jedoch die Einschätzung, wenn der Besucher das Firmengelände in Suwon (Foto) bei Seoul betritt, dem größten von fünf Werken in Korea, das auf der Fläche einer mittleren Stadt allein über 25.000 Mitarbeiter mit Herstellung und Vertrieb von TV, Video, Audio, HiFi, Elektro-Haushaltsgeräten und PCs beschäftigt.

Wie staunt der Laie, wenn er erfährt, daß Samsung als Koreas zweitgrößtes Industrie-Konglomerat mit Schwerindustrie, Maschinenbau, Luftfahrtindustrie, Chemie, Uhren, Öl, Versicherungen, Lebensmitteln, Hotels und Verlagen allein in Elektrotechnik und Elektronik 45.000 Menschen beschäftigt und etwa 10 Milliarden Dollar umsetzt.

Das "Advanced Institute of Technology" in Korea

Und selbst der Fachmann wundert sich, wenn er das erst 1986 gegründete, weitläufige, großzügig und extrem repräsentativ gebaute "Advanced Institute of Technology" besucht und hört, daß ein Entwickler-Team, dem auch russische Ingenieure angehören, auf der Basis des grünen Lasers an einem VDR (Video Disc Recorder) bastelt, dessen Scheibe mit 130 Millimeter Durchmesser, beidseitig bespielt, 120 Minuten Farbfilme aufnehmen und wiedergeben können soll.

Dann fällt ihm allerdings ein, daß andernorts schon über den noch kürzerwelligen blauen Laser diskutiert und die Entwicklungsstufe des grünen möglicherweise übersprungen wird.

Mit gemischten Gefühlen nimmt er überdies zur Kenntnis, daß sich der PR-Film im Show-Raum der Fabrik in Suwon durch grobe Mängel der Regie, dürftige Bild- und abscheuliche Klangqualität hervortut.

Ob die Bäume wirklich in den Himmel wachsen

Wenn in diesem Film bei einem fiktiven Autorennen der berühmten Unterhaltungs-Elektronik Marken die Firma Samsung zwar erst Sony, Panasonic und Philips hinterherfährt, dann aber nach einigen Runden als erste durchs Ziel rast, fällt ihm der Spruch ein von den Bäumen, die nicht in den Himmel wachsen.

Dennoch, dank ihrer Zielstrebigkeit, ihres Fleißes, ihrer Ausdauer, ihrer Genügsamkeit und ihres unbändigen Willens - übrigens alles Tugenden, die Koreaner aus der Ferne an den Deutschen bewundern - werden sie ihre Position unter den führenden Industrienationen festigen und ausbauen. Wie schrieb stereoplay schon vor Jahren: "Auch die Japaner fürchten die Gelbe Gefahr."

Sie droht ihnen aus dem Land der Morgenfrische, das sie 40 Jahre lang besetzt hielten.

Karl Breh im Juli 1993

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Das EDITORIAL 8/1993 von Karl Breh
"Vom Gewand der Musik"

Der Musiksoziologe Kurt Blaukopf, langjähriger Leiter der Wiener Redaktion der Zeitschrift "HiFi-Stereophonie", schrieb einmal von der "Akustik als dem Gewand der Musik".

Ohne das Gewand der Akustik wirkt Musik, um nicht zu sagen nackt, so doch ärmlich, trocken, glanzlos. Sie entfaltet bestenfalls den Charme einer vorüberziehenden Militärkapelle.

Daß das Gewand - um im Bild zu bleiben - zum Klangkörper passen muß, liegt auf der Hand: Einem Gewand von der Größe eines Symphonieorchesters steht eine andere, reichere Akustik als einem, zum Beispiel, auf extreme Transparenz getrimmten Streichquartett.

Die emotionale Wirkung und das akustische Kleid

Die emotionale Wirkung von Musik hängt entscheidend davon ab, daß sie mit dem zu ihrem Wesen passenden akustischen Kleid dargeboten wird. Das gilt auch und ganz besonders für die Wiedergabe aufgezeichneter Musik in Wohnräumen, also für HiFi.

Wobei HiFi eigentlich nur für die spektrale Klangqualität und das Fehlen von Störgeräuschen und Verzerrungen steht, was auch monaural übertragungsfähig ist.

Einen ersten, unvollkommenen Schritt in Richtung Übertragung der dazugehörigen Akustik verwirklichte die Stereophonie. Sie ersetzte die eine, monaurale Schallquelle im Wiedergaberaum durch unendlich viele auf der Verbindungslinie der Stereo-Lautsprecher, der Stereobasis.

Dies ermöglicht Richtungshören und eine Verbesserung im Bestreben, die Akustik des Aufnahmeraums mitzuübertragen. Aber die Eigenakustik des meist zu kleinen Wohnraums überspielt leider die ideale Akustik des Aufnahmeraums.

Eigentlich ideal - die Quadrophonie - dennoch ein Flop

Diesen prinzipiellen Nachteil beseitigte erst das in den 70er Jahren erfundene vierkanalige Übertragungsverfahren, die Quadrophonie. Bei richtiger Handhabung war sie in der Lage, die unzureichende Wohnraumakustik durch die Akustik des Aufnahmeraums zu majorisieren. Die zu engen Begrenzungswände des Wohnraums verschwanden, Musik erklang, wie sie im Aufnahmeraum bei der Aufführung geklungen hatte, sie konnte ihre volle emotionale Wirkung entfalten. Leider vermochte sich die Quadrophonie nicht durchzusetzen und erwies sich alsbald als ein ebenso aufwendiger wie teurer Flop.

Wenn man das Ziel aus den Augen verliert

Seither konzentrierte die HiFi-Industrie weltweit alle Anstrengungen darauf - und dies mit einigem Erfolg -, die wiedergabeseitige Klangqualität weiter zu verbessern. Das Ziel, die Akustik des Aufnahmeraums und damit die emotionale Komponente der Musik wirkungsvoller mitzuübertragen, wurde vorübergehend vernachlässigt.

Zwar wurde noch zur analogen Zeit die Möglichkeit der wiedergabeseitigen Signalaufbereitung zur Simulierung verschiedener Aufnahmeakustiken entwickelt. Sie führte im Zuge der Digitalisierung zum Digitalen Signal- Prozessor (DSP). Mit Hilfe solcher Prozessoren läßt sich die Musik in künstlerisch völlig unkontrollierter Weise manipulieren, nach dem Motto "erlaubt ist, was gefällt": Das Bar-Trio läßt sich in die Kirche verpflanzen und das Symphonieorchester in den Jazzkeller.

Dolby Surround Pro Logic könnte eine Lösung sein

Bei den in diesem Heft getesteten AV-Anlagen kommt ein anderes Verfahren, Räumlichkeit und die Bewegung von Schallquellen zu übertragen - eine Grundforderung des Kinofilms - zum Zuge. Dolby Surround Pro Logic heißt die Errungenschaft. Anders als bei DSP wird das akustische Medium vom Künstler und dem Aufnahmeteam verantwortet, was es merklich in die Nähe der Quadrophonie rückt.

Daß es dem AV-Bereich entwächst, fördert den Verdacht, die Klangqualität werde dem akustischen Effekt geopfert. Unser Test zeigt jedenfalls unmißverständlich, daß das wahre Erlebnis sich erst einstellt, wenn Dolby Surround sich mit echter HiFi-Qualität paart.

Das ist um so wichtiger, als - was noch weithin unbekannt ist - viele CDs bereits "gratis" Surround-kodiert sind. Damit bieten sie künstlerisch verantwortete absolute Musik in Quadro-ähnlicher Emotionsdichte an. Was meine Hoffnung nicht mindert, daß spätestens, wenn CD-Kapazitäten brachliegen, jetzt perfekt machbare Quadrophonie doch noch kommt.

Karl Breh im Aug 1993

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September 1993
Brehs Marantz 4400
Brehs CD-Wand

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Das EDITORIAL 9/1993 von Karl Breh
"Aber die Kabel stören hier"

Fast 20 Jahre lang verzichtete "Er" (Anmerkung : Karl Breh schreibt über sich selbst) zunehmend leidenden Ohrs darauf, seine Quadro-HiFi-Anlage lautsprecherseitig zu verändern. - Vier renommierte Boxen - je zwei pro Kanal -vorne, in das Flügeltür umschließende, bis an die Decke, also drei Meter zwanzig hohe und die acht Meter breite Stirnseite des Zimmers ausfüllende LP-Regal eingebaut.

Zwei weitere - auf Trompetenfüßen stehende - als Quadrorückboxen stehen auf der gegenüberliegenden Fensterseite.

Die Kabel hinter dem Regal vom Marantz-Quadro-Receiver 4400 unsichtbar zu den Frontboxen und, zu zwei Drittel den Blicken entzogen, hinter dem wuchtig eine Raumseite einnehmenden Bücherschrank zu den Rückboxen geführt.

Alles wächst und wächst - und braucht immer mehr Platz

Das Regal füllte sich zunehmend mit LPs. Als es rund siebentausend waren, verweigerte es jede weitere Eingliederung zusätzlichen Repertoires; also wurde Uninteressanteres ausgelagert. In ein Regal im Keller.(Amerkung : Ich glaube, auch das Gewicht der Platten bzw. die grenzwertige Deckenbelastung in Karl Brehs Altbau waren ein schlagendes Argument.)

Dann beanspruchte die CD mit ständig wachsendem Druck ihre Unterbringung. Die Entlastungsgänge in den Keller mehrten sich. Schließlich totale Obstruktion: sechstausend LPs und über viertausend CDs oben im Regal, hunderte Silber Scheiben samt Büchern auf dem Bücherschrank, viertausend LPs und schon wieder ein kleineres CD-Nest im Untergrund. Die Lage wurde allmählich unhaltbar.

Der Einfluß der (Ehe-) Frau

Sie, (Anmerkung : Hier ist die liebenswerte Frau Breh gemeint.) die in der Pionierzeit der High-Fidelity sogar monatliche Boxen-Hörtests mit dreizehnköpfig-rauchender Jury in diesem Zimmer geduldet hatte, revoltierte. Sie verweigerte sich und den ambientesensiblen Gästen den Zutritt zu dieser beleidigenden Verhöhnung jeglicher Wohnkultur.

Wohin mit den CDs und mit den Kabeln

Er, täglich mit den superlativsten Errungenschaften der High-Fidelity konfrontiert, war sauer, daß allein schon die hinterregalige Verlegung eines inzwischen absolut nicht mehr standesgemäßen Kabels verbessernde Eingriffe in die Zusammmensetzung der Anlage im wahrsten Sinne des Wortes unterband. Und außerdem, wohin mit den sich stapelnden CDs?

Seelenkämpfe jeden Tag. Dann ein heroischer Entschluß: Die LPs werden gestiftet. Toskanische Renaissance raus. Wenige moderne Möbel rein. Sitzgruppe gefällig überzogen. Regal, weiß gestrichen, CD-gerecht gerastert, bleibt. HiFi-Anlage "State of the art" umgerüstet. Dazu - Multimedia läßt grüßen - ein Top-Fernsehgerät plus Dolby Surround Pro Logic. (Als Ersatz wenigstens für die verlorene Quadrofonie).

Dann bauen wir mal schnell um

Gedacht, gesagt, getan. Dazwischen, Rest der Wohnung inbegriffen, 15 Wochen Umbau mit Überlebenstraining. Nettoergebnis ohne HiFi-Video-Ausstattung:

Sie: "Sehr gepflegt, hell, aufgeräumt und richtig modern."
Er: "Toll, aber jetzt muß das Beste an High-Fidelity her, das greifbar ist. Und ins Regal kommen weder Geräte noch Kabel. Es gilt, Flexibilität zu bewahren. Die Anlage läßt sich ja nur schrittweise optimieren."

Er, schleppt ein rollbares Rack herbei, bestückt es mit den edelsten Komponenten, wuchtet mit Sohnes Hilfe zwei Lautsprecher von je 88 kg Gewicht - gottlob weiß und leidlich gestylt - ins erste Obergeschoß - und macht sich daran, das ganze samt TV-Apparat kunstgerecht untereinander und mit dem unentbehrlichen Netz zu verbinden.

Sie, akzeptiert, o Wunder, die Lautsprecher, rügt aber als völlig indiskutabel den Kabelverhau hinter dem Rack. Das quer zum Eingang übers Parkett laufende Zwillingskabel (Netz und Cinch zur Endstufe des linken Kanals) bezeichnet Sie ungerührt als einen ausgewachsenen Skandal und fordert dessen Verlegung hinters Regal, dort hinauf, quer über die Tür, auf der anderen Seite wieder herunter und heraus.

Der Umbau war erfogreich

Er, schwelgt im Klang. Legt einen echten Teppich über die Kabel, zur Schonung desselben mit kabelversenkender Unterlage, und lehnt die Verlegung des Kabels mit dem Hinweis auf Klangverluste und die geforderte Veränderbarkeit der Installation entschieden ab.

Sie, glaubt das erste nicht und sieht das zweite nicht ein; sucht - wie rücksichtsvoll inkognito - einen Fachhändler auf und läßt sich von dem bestätigen, daß das mit den Klangeinbußen natürlich Quatsch sei.

Als dann noch zu allem Überfluß die Freundin des Sohnes, nach beifälliger Beurteilung des Klangs, sich ganz naiv erkundigt, ob die Boxen so stehenblieben, hat Sie erneut Oberwasser: offener Konflikt.

Schließlich akzeptiert Sie die Teppichabdecklösung, erwartet aber ultimativ - Flexibilität hin oder her - die Beseitigung des "Kabelchaos".

Ein paar Kabel fehlen noch

Er, grübelt seither ein bißchen melancholisch darüber nach, wie er ihr die für Dolby Surround erforderlichen Rücklautsprecher und - viel gravierender noch - die unvermeidlichen zusätzlichen Kabel unterschieben könnte.

Ein bißchen setzt er auf die Stereoversion eines hoffentlich bald marktreifen FM-Video-Nahsenders, der wenigstens das Kabelproblem lösen würde. High Fidelity: wunderbar. Die dazu erforderlichen Geräte: gerade noch akzeptabel.

Aber die Kabel . . .

Karl Breh im Sept 1993

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Das EDITORIAL 10/1993 von Karl Breh
"Es türmen sich die Türme"

Wenn trotz allgemeiner Rezession bestimmte Firmen - so beispielsweise der Marktführer Sony in seiner neuesten Bilanz - leicht gestiegene Umsätze bei allerdings drastisch geringeren Gewinnen ausweisen, so hat dies im wesentlichen zwei Gründe.

Zum einen hat sich gezeigt, daß der berüchtigte "Endgebraucher" in Zeiten wirtschaftlicher Schieflage - wenn überhaupt für Elektronisches - sein Geld lieber für HiFi ausgibt als für ein neues Fernsehgerät, einen Videorecorder, einen Camcorder oder Audiogeräte der untersten Konsumklasse. Über Multimedia gibt es mangels geeigneter Produktdefinitionen noch keine griffigen Aussagen.

Wenn die Preise im Eimer sind

Dies würden wir, die HiFi-Interessierten, die wir nun einmal sind, als eine tendenziell gute Nachricht bezeichnen. Weniger Freude bereitet uns der zweite Grund, dem Sony - um im Beispiel zu bleiben - die schmerzlich geschmolzenen Gewinne zuschreibt: Die Preise "sind im Eimer, Karl Otto"; und der hat überdies ein Loch.
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Weg von hochpreisig hin zu bequem und preiswert

Zwar sind HiFi-Geräte, je hochklassiger desto weniger, nicht durchgehend billiger geworden, aber es hat sich ab Ende 1991 ein Strukturwandel vollzogen: Weg von relativ hochpreisigen, individuell zusammenstellbaren 43cm-Komponenten, hin zu Systemanlagen, insbesondere Micro-, Mini- oder Midi-Türmen, deren einzelne Etagen alles bieten, vom Verstärker über Tuner und CD-Spieler bis zum Doppel-Cassettenrecorder für die Deckung des Eigenbedarfs autogerechter Software zum Nulltarif. Alles leicht von hinten zu verkabeln und von vorne fernsteuerbar.
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Neu : Digitale Raumsimulatoren

Manche locken ihren Käufer zusätzlich mit digitalen Raumsimulatoren oder zum AV-Einbezug der heimischem Mattscheibe mit cineastischem Dolby Surround Pro Logic.

Das Paar Lautsprecher - erbarmungswürdige Klangqualität

Der Anhäufung vielfach überflüssiger Bedienelemente sind ebensowenig Grenzen gesetzt wie der Entfaltung formathaltiger Phantasie hinsichtlich Gestaltung und Design. Daß diese Attraktionen - von Ausnahmen abgesehen - zu Preisen angeboten werden, die das Kostenniveau einer funktionell gleichwertigen, aus Komponenten zusammengesetzten HiFi-Anlage weit unterschreiten, trägt naturgemäß zur Verringerung der Gewinnspannen bei, zumal ja zwangsläufig ein Paar Lautsprecher zumindest optisch dazukalkuliert werden muß, sei deren Klangqualität auch noch so erbarmungswürdig.

Zwei Gefahren zeichnen sich ab :

Wir hätten an sich wenig Grund, uns über diesen Wandel der Produktpolitik aufzuregen, gäbe es da nicht zwei Gefahren.

  1. Die eine: daß Käufer solcher Türme deren Klangqualität schon für die ganze HiFi-Wahrheit halten und die Kunde über High Fidelity auf diesem Niveau ihre Kreise zieht.
  2. Die andere: daß die Hersteller opportunistisch diesem Trend folgen und schon gar keine höherwertigen HiFi-Komponenten mehr anbieten. Ein Szenario, das in Japan schon - hoffentlich vorübergehende - Wirklichkeit geworden ist.

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Verhältnisse wie derzeit in Japan wolle man nicht

In diesem Zusammenhang wies Sony unlängst darauf hin, daß selbst auf dem Höhepunkt des Booms von Systemanlagen deren Marktanteil zu 43er-Komponenten sich in Deutschland wie 40 zu 60 verhalten habe. Inzwischen sei dieser Boom deutlich abgeflacht, weswegen sich Sony nach dem Motto "tue das eine, ohne das andere zu lassen" innerhalb der neuen Produktlinie wieder deutlich den höherwertigen Komponenten zuwendet. Verhältnisse wie derzeit in Japan wolle man auf dem deutschen Markt nicht herbeiführen.

Bei den anderen japanischen Firmen liegen die Dinge ganz ähnlich. Auch sie haben trotz der widrigen Marktverhältnisse im eigenen Land das Vollformat nie ganz vernachlässigt. Auch sie werden es in näherer Zukunft wieder mehr pflegen.

1993 - Grundig setzt ein beachtliches Zeichen

Unter den großen europäischen Herstellern setzte Grundig zur diesjährigen Funkausstellung (1991) ein beachtliches Zeichen (siehe Testbericht Seite 10). Daß die im High-End-Bereich angesiedelten deutschen Mittelständler wie AVM, Burmester, Restek, Schäfer & Rompf, T + A und andere irgendwelchen Anfechtungen, Mini- oder Midi-Türme zu bauen, immer ebenso widerstanden haben wie amerikanische Edelmarken, hängt mit deren HiFi-Philosophie zusammen.

Karl Breh im Okt 1993
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Das EDITORIAL 11/1993 von Karl Breh
"Pressalien"

Am Dienstag, dem 14. September, veröffentlichte Karlsruhes Monopolzeitung "Badische Neueste Nachrichten" (BNN) untenstehende Würdigung eines Classic-Open-air-Konzerts (bitte zuerst lesen, wenn nötig, halt mit Lupe).

Einen Tag später gab ich den köstlichen Text unseres Klassik-Rezensenten in der stereoplay-Redaktionskonferenz zum besten. Wirkung: wie erwartet, große Heiterkeit.

Das dicke Ende kommt nach

Am Abend des nächsten Tages ruft "Trüb" an und teilt unter anderem mit, der BNN-Feuilletonchef, Michael Hübl, habe ihm eröffnet, daß Herausgeber und Verleger Hans W. Baur den Namen Thomas Rübenacker unter einem Beitrag in seinem Blatt nicht mehr zu lesen wünsche. Mit anderen Worten: "Trüb" war gefeuert.
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Sehr sonderbar : Herr Professor darf das - also kritisieren

Im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" Nr. 15 vom 10. April 1992 auf Seite 27 rechts unten antwortete Deutschlands Großkritiker Joachim Kaiser, nach seiner Meinung über Sergiu Celibidache befragt: "Als Dirigent weit überschätzt. Ich habe nichts gegen ihn, außer daß er ein Arschloch ist..."

Professor Dr. Joachim Kaiser ist ob dieser Verbalinjurie an die Adresse eines - unbeschadet seiner Marotten - genialischen Dirigenten keines seiner einträglichen Jobs verlustig gegangen.

Praktizierte Pressefreiheit oder nur Ausfluß der Tatsache, daß ein großer Hund mit dem richtigen Sprachrohr den Mond ungestraft anbellen darf ?

Ja . . ., wenn der Oberbürgermeister anruft . . . . .

Wenn aber das kaum weniger begabte, meist indes um vieles witzigere Multitalent Thomas Rübenacker sich erdreistet, das intellektuelle Niveau einer Provinzzeitung ebenso deutlich wie wohltuend zu heben, genügt das dem Verleger mitgeteilte Mißfallen eines Oberbürgermeisters, ihn - den Freischaffenden - um einen seiner Teilzeitjobs zu bringen.

Anmerkung : Und Karlsruhe liegt nicht in Bayern - dort wäre es ja normal.
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Schweben im Elysium lebender und entschlafener Mächtiger

Daß J. F. (Justus Franz ist gemeint) selbst sich über solch kleinkrämerischen Kritikasterausfluß aufgeregt haben könnte, ist völlig unwahrscheinlich. Allzu abgehoben schwebt er im Elysium lebender und entschlafener Mächtiger, selbstgefällig und gewinnbringend lächelnd, gegen miesmacherische Schmierereien neiderfüllter Schreiberlinge gefeit und tausendfach abgesichert über den Dingen . . . wahrer Kunst.

Zehn Millionen sind heuer allein aus der Bundeskasse für das SH-Festival (Anmerkung : Das Schleswig Holstein Festival wird erheblich aus Steuermitteln gesponsert, weil da ja sonst weiter nichts ist.) im Gespräch. Und da soll ein Justus Frantz sich wegen eines Rübenacker alterieren?

Karl Breh im Nov 1993

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Das EDITORIAL 12/1993 von Karl Breh
"Surround - muß es sein ?"

Als Beethoven die selbstgestellte Frage "Muß es sein?" (Finale des letzten Streichquartetts op. 135) mit einem klaren "Es muß sein!" musikalisch beantwortete, ging es - wie im vorliegenden Fall - um Mediales und ums Geld.

Allerdings in einem aus heutiger Sicht unvergleichlich höheren Sinn. Beethoven benötigte Geld, wie die meisten Sterblichen - und in dieser Hinsicht war er sehr sterblich -, hatte aber eigentlich keine Lust, das Quartett zu schreiben. So erklärt sich der in Musik umgesetzte "schwer gefaßte Entschluß".

In Stereo oder in Dolby Surround Pro Logic ?

Bei uns ginge es - um mit kühnem Gedankensprung die Verbindung zu unserem aktuellen Thema herzustellen - allenfalls darum zu klären, ob wir dieses Streichquartett (oder was auch immer unserem musikalischen Geschmack mehr entgegenkommt) nach wie vor in Stereo und selbstredend in Top-HiFi-Qualität über zwei Lautsprecher genießen sollen, oder ob uns der dank Dolby Surround Pro Logic mögliche Zugewinn an Räumlichkeitsempfindung das hierfür zu investierende Geld wert ist.

Die Frage ist 20 Jahre alt

Eine ähnliche Frage, allerdings in Verbindung mit der nur auf das Hören zielenden Quadrophonie, habe ich vor rund zwanzig Jahren - und ich würde es heute wieder tun - mit einem entschiedenen "Es muß sein!" beantwortet.

Sachkundig angewandte Quadrophonie vermittelte zu jeder Art Musik die emotional passende Raumakustik - vom Kirchenschiff bis zum Jazzkeller - in das meist viel zu kleine Zimmer und ließ so die beengenden Wände verschwinden: eine unmittelbar wirkende und - bei guten Quadroaufnahmen - werkgerechte Verbesserung der Hörsamkeit.

Surround - Der Klang zum Bild

Surround hingegen, da gibt es kein Vertun, liefert vorrangig zum farbigen TV-Bild einen Klang von kinoähnlicher räumlicher Struktur, der, wenn in HiFi-Qualität, dem zweidimensionalen, zu kleinen bewegten Bild weit überlegen ist. Nur unter diesem multimedialen Aspekt sollte man an das Thema Surround überhaupt herangehen.

Wenn aber HiFi, Video und TV zu einer Gesamtanlage zusammengewachsen sind, was - durchgehend hohes Qualiätsniveau vorausgesetzt - eine äußerst reizvolle Sache ist, stellt sich wie von selbst die Frage, was Surround bei schwarzem Bildschirm für das reine Musikhören bringt.

Da man zwischen Stereo pur und den verschiedenen Spielarten von Surround per Fernbedienung umschalten kann, läßt sich diese Frage bei jeder Aufnahme unterschiedlichster Musikarten vom Hörplatz aus individuell entscheiden. Mal bevorzugt man der absoluten Präzision wegen Stereo, mal dank größerer räumlicher Breite und Tiefe und dem Konzertsaalähnlicheren Klangeindruck Surround.

Nein, bildloses Surround muß nicht sein; aber wenn man die Wahl hat, um so besser.

Karl Breh im Dez 1993

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