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Die Deutsche Welle ist uns Deutschen nahezu unbekannt.

Da wir ja täglich "am Ball" sind, nehmen wir kaum wahr, daß es Menschen auf dieser Welt gibt, die von Deutschland ein mehr oder weniger "anderes" (manchmal auch verschobenes) Bild haben. Dafür haben unsere Gesetzesväter einen Rundfunkdienst ins Leben gerufen, das wieder etwas gerade zu rücken. Zu lange haben die Demagogen des 1000-jährigen Reiches das Bild "des Deutschen" in aller Welt geprägt. Das hat sich in den vielen Jahren seit dem April 1945 zum Glück erheblich zum Guten gewendet. Zwar nicht überall, denn manche können das Erlebte nicht vergessen, doch die Jüngeren haben ein durchaus positves Bild von uns Deutschen. Erstaunlicher Weise ist deren Bild deutlich besser als unser eigenes Bild von uns Deutschen.

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1978 - Megawatt für Millionen
Die Deutsche Welle - Sendetechnik und Programmauftrag

Ein Bericht von Michael Heysinger und Henning Knebel inder ELO 1978 Heft 12
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Der Auftrag

Die Deutsche Welle gibt den Rundfunkteilnehmern im Ausland ein umfassendes Bild des politischen, kultu­rellen und wirtschaftlichen Lebens in der Bundesrepublik. Dazu kommen deutsche Auffassungen zu wichti­gen Fragen des nationalen und internationalen Ge­schehens.
Damit hat sich die Deutsche Welle eine Menge vorge­nommen: sie sendet auf Kurzwelle 93 Programme in 34 verschiedenen Sprachen. Die Studios sind in Köln, die Sender in Deutschland und auch im Ausland statio­niert. In Jülich arbeiten neun Sender mit je 100 Kilowatt (kW); im Wertachtal stehen acht Sender mit einer Lei­stung von je 500kW; in Kigali (Rwanda) senden zwei Sender mit je 250kW Leistung; auf der Insel Malta ste­hen ein Mittelwellensender mit 500kW und drei KW-Sender mit je 250kW, und auf der Antillen-Insel Anti­gua teilt man sich zwei KW-Sender mit je 250kW mit der BBC. Ein weiteres Senderzentrum ist in Sri Lanka auf Ceylon geplant.
Mit diesen KW-Sender-Giganten erreicht man fast je­den Hörer in der Welt, wenn er über ein gutes KW-Empfangsgerät verfügt. Dennoch gibt es in einigen Teilen der Erde "Versorgungsschwierigkeiten", sie sollen durch die Sender in Asien beseitigt werden.

Im Detail :

Die Deutsche Welle gibt den Rundfunkteilnehmern im Ausland ein umfassendes Bild des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens in der Bundesrepublik. Dazu kommen deutsche Auffassungen zu wichtigen Fragen des nationalen und internationalen Geschehens.

Damit hat sich die Deutsche Welle eine Menge vorgenommen: sie sendet auf Kurzwelle 93 Programme in 34 verschiedenen Sprachen. Die Studios sind in Köln, die Sender in Deutschland und auch im Ausland stationiert. In Jülich arbeiten neun Sender mit je 100 Kilowatt (kW); im Wertachtal stehen acht Sender mit einer Leistung von je 500kW; in Kigali (Rwanda) senden zwei Sender mit je 250kW Leistung; auf der Insel Malta stehen ein Mittelwellensender mit 500kW und drei KW-Sender mit je 250kW, und auf der Antillen-Insel Antigua teilt man sich zwei KW-Sender mit je 250kW mit der BBC. Ein weiteres Senderzentrum ist in Sri Lanka auf Ceylon geplant.

Mit diesen KW-Sender-Giganten erreicht man fast jeden Hörer in der Welt, wenn er über ein gutes KW-Empfangsgerät verfügt. Dennoch gibt es in einigen Teilen der Erde „Versorgungsschwierigkeiten", sie sollen durch die Sender in Asien beseitigt werden. Die logarithmisch-periodischen Antennen versorgen Zielgebiete in einer Entfernung von 500km bis 2000km.

Ein beeindruckends Winterbild

Durch die diesige Winterlandschaft sehen die Sendetürme im Wertachtal südlich von Augsburg wie Hochspannungsmasten aus. Erst wenn man sich nähert und den Drahtwirrwarr zwischen den Masten erblickt, weiß man, daß hier Hochfrequenz abgestrahlt wird. Seit den Olympischen Spielen 1972 ist die Stimme der Bundesrepublik in der weiten Welt besser zu empfangen. Eine Besichtigung dieser posteigenen Sendeanlage machte uns deutlich, daß hier modernste KW-Sendetechnik angewendet wird.

Warum eigentlich nur KW-Sender?

Kurzwellen sind elektromagnetische Schwingungen mit einer Wellenlänge von 100m bis 10m; das entspricht Frequenzen von 3MHz bis 30MHz. Im Gegensatz zu Lang- und Mittelwellen werden Kurzwellen in den Raum abgestrahlt - im Wertachtal beispielsweise in einem Erhebungswinkel von 7° und 45° - wobei sie an der Ionosphäre, der sogenannten F-Schicht in 200km bis 400km Höhe, einer Schicht mit einem Maximum an Elektronen-und Ionen-Dichte, wie an einem Spiegel zur Erde reflektiert werden. Die Erdoberfläche wirft die an der Ionosphäre reflektierten Wellen wieder zurück. Dieser Vorgang kann sich mehrmals wiederholen: Kurzwellen können also zielgerichtet große Entfernungen überbrücken, ja sie können sogar die ganze Erde umrunden. Auf diesen kurzen Wellenlängen ist also ein weltweites Rundfunk-Programm möglich.

Hunderte von Kilowatt, damit man durchkommt . . .

Das erste Lebenszeichen der neuen Sendeanlage im Wertachtal - sie ist für uns am interessantesten, weil neueste Technik angewendet wurde - vernahm man im Vorderen Orient am 25. Februar 1972; 500kW wurden damals in Richtung Osten abgestrahlt. Das KW-Sendergedränge, die immer höheren Leistungen der ausländischen Sender und die Störsender in den Ostblockstaaten zwingen auch die Deutsche Welle (DW) zu hohen Senderleistungen, obwohl Funkamateure auch mit nur einigen Watt Überseegebiete erreichen. „Wir treiben diesen Aufwand", so Dr. Hans-Dieter Godtmann, Leiter der Zentralen Technik der DW, „weil wir einfach durchkommen müssen; wer hört schon gerne ein schwaches verrauschtes Signal, das sich von den Nachbarsendern oder Störern unterkriegen läßt". Vor 20 Jahren genügte noch ein 50kW-Rundfunksender, um die Erde zu umrunden, wenn die Sendetechniker die richtige Frequenz zur richtigen Zeit einstellten. Heute würde so ein „Senderchen" in den überfüllten KW-Rundfunkbändem von den Hunderte von Kilowatt starken Nachbarsendern geradezu erdrückt.

Der Sender erzeugt die nötige Hochfrequenz

Im Prinzip funktioniert ein Sender so: er erzeugt in einem Oszillator (HF-Schwingschaltung) Hochfrequenzschwingungen, die in mehreren Leistungsstufen auf Kilowattstärke erhöht werden. Dieser verstärkten HF wird dann ebenfalls in Kilowattgröße die Niederfrequenz - Musik und Sprache - aufmoduliert. Im Wertachtal stehen KW-Sender, die wegen ihrer hohen Sendeleistung, ihrer Fernbedienbarkeit und ihrer Abstimmautomatik modernste Sendertechnik verkörpern. Sie bestehen aus einem quarzgenauen Steuersender (Oszillator), hier wird die HF erzeugt und die Sendefrequenz bestimmt, einem nachfolgenden vierstufigen HF-Verstärker, einem sechsstufigen Modulationsverstärker und der Stromversorgungsanlage. So ein 500kW-Sender kostete 1972 einschließlich der Montage 2,8 Mio. DM; acht Sender sind mittlerweile im Wertachtal in Betrieb. Für vier Sender ist noch Platz. Sie wären auch nötig, aber das ist ein finanzielles Problem.

Professionelle Technik

Ein geöffneter Schrank zeigt uns die komplizierte Technik moderner KW-Sender. Die Leistungsendstufe mit den Verdampfungskühlanlagen sieht ganz nach Installationsarbeit aus; man vergißt, daß es sich hier um einen Sender handelt. Plötzlich drehen sich, von Motoren verstellt, Abstimm- und Leistungskoppelkreise; der Sender wird gerade ülper einen Prozeßrechner auf eine neue Frequenz eingestellt. Nach etwa einer Minute ist er neu abgestimmt; das Leistungsmeßgerät zeigt nahezu 500kW an. Eben noch wurde ein Programm noch Südamerika abgestrahlt und jetzt, nachdem Sender und Antenne automatisch umgeschaltet wurden, bekommt Nordamerika sein Programm. Schon „klirrt" das Pausenzeichen der Deutschen Welle durch die Röhren: „Es ruft der Bruder seine Brüder," aus Beethovens Oper Fidelio...

Stromverbrauch: 5 Mio. kWh im Monat

Klar, daß solche leistungsstarken Sender viel Energie brauchen. Ein Umspannwerk am äußersten Nordende der Antennenanlage - im toten Winkel - liefert über zwei Drehstromkabel bei die 20kV direkt an die Sender. Jeder Sender hat vier Leistungsendröhren, die auch Wärme erzeugen. Der größte Teil der Verlustwärme entsteht an den HF- bzw. NF-Anoden der Röhren, die mit aufbereitetem, entsalztem Wasser umspült werden. In einem Dampfrohr wird aus dem Sender innerhalb eines geschlossenen Kreislaufs druckloser Wasserdampf abgeführt; dann geht's zum Wärmeaustauscher und Wabenkühler. Diese Energie heizt alle Gebäude des Sendezentrums. Die nichtverwendete Energie wird durch Kühlgitter auf dem Dach an die Außenluft abgegeben. „Keiner will die überschüssige Wärme haben", bedauerte Helmut Wiedmann, technischer Leiter im Wertachtal, „das liegt sicher am teueren Abtransport dieser Wärme". Aber nicht nur die Röhren werden gekühlt, sondern auch Spulen und Sendergehäuse: das erfordert eine gewaltige Maschinentechnik.

Jeder Sender kann mit jeder Antenne verbunden werden

Die Hochfrequenzenergie von den Sendern führt über eine HF-Energieleitung durch den Keller zu den Wahlschaltern, über die die acht Sender mit den Antennen verbunden sind - jeder Sender, mit jeder beliebigen Antenne.
Helmut Wiedmann, Leiter der Sendestelle Wertachtal: „Wir haben den empfangsgestörten Bewohnern hier unbürokratisch geholfen, nachdem wir unseren Sendebetrieb aufnahmen."
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Allein für diese Wahlschalter war ein zweistöckiges unterkellertes Gebäude nötig: die 74 mal 12 Koppelpunkte (in Endausbau mit 12 Sendern) der 74 Antennen erfordern ein Doppelgestell von 26m Länge und 12m Höhe - das sieht so aus wie im Maschinenraum eines Schiffes. Von den Sendern nämlich kommen 28cm dicke Aluminiumrohre, in denen, von Keramikstäben abgestützt, ein Innenleiter aus Kupfer von 12cm Durchmesser liegt. Man glaubt es kaum: hier handelt es sich um 50 Ohm Kabel, die an die Antennenwahlschalter angeschlossen sind. Zur Verbindung eines Senders mit einer Antenne wird an dem Kreuzungspunkt der beiden Leitungen eine Verbindung zwischen den beiden Innenleitern hergestellt.

Zu jedem Kreuzungspunkt gehört deswegen ein Stellmotor. Diese Motorschaltwerke an den Antennenumschaltern werden auch vom Prozeßrechner gesteuert, können aber auch von einem Ortsbedienfeld geschaltet werden.
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Auch hier, bei den vielen Antennenumschaltern, schwingt irgend etwas mechanisch im Rhythmus der Modulation mit. Eine Stimme kommt aus den Aluminiumröhren-Koaxialkabeln: „Hier ist die Deutsche Welle..., the Voice of Germany, la voix de l'Allemagne, la Voz de Alemania..."

Ab zur Antenne!

Koaxialkabel mit einer Gesamtlänge von 53km übertragen die HF-Energie vom Antennenwahlschalter zu den Antennen, dabei sind Teilstrecken von 250m bis 1900m zu überbrücken! Diese HF-Kabel zu den 74 Antennen erwärmen sich ürigens auch. Um den Wärmeaustausch zwischen dem Innen- und Außenleiter zu verbessern, werden alle Kabel mit Luft gefüllt. Dabei sind sie ständig unter einem Druck von 4 bar gehalten; eine Druckluftüberwachungsanlage kontrolliert den Druckzustand.

Ein Antennen-Stern für die weite Welt

Am beeindruckendsten bei jeder Sendestelle sind die Antennen. Zwischen den bis zu 123m hohen Türmen - noch etwas höher ist der Berliner Funkturm - spannt sich ein Netz von Spezialantennen.

Entsprechend der Aufgabenstellung, Rundfunkprogramme der DW in fast alle Erdteile auszustrahlen, ist die Antennenanlage im Wertachtal für zehn Grundrichtungen ausgebaut. Diese zehn Richtungen sind jeweils um 30° versetzt.

In jede dieser Grundrichtungen werden Sendungen auf Frequenzen von 6 MHz bis 25 MHz mit 500 kW Leistung abgestrahlt:

• 63 Vorhangantennen (11 davon für Nahverkehr)
• 5 logarithmisch-periodische Antennen
• 6 Rundstrahlantennen

Die Antennenanlage ist als dreiarmiger Stern aufgebaut. Um in Zielgebieten mit Entfernungen von mehreren tausend Kilometern eine ausreichende Empfangsfeldstärke erreichen zu können, wird die horizontal polarisierte Vorhangantenne mit einer horizontalen Bündelungsschärfe (Öffnungswinkel) von 30° und einem mittleren Antennengewinn von 20dB eingesetzt. Die strahlenden Elemente bestehen aus 16 gefalteten Halbwellendipolen. Im Abstand von einem Viertel der Wellenlänge hinter den Dipolen ist ein Netz aus vertikalen und horizontalen Drähten als Reflektor. Um eine mehrfache Ausnutzung der teuren Antennenträger zu erreichen, sind die Vorhangantennen auf beiden Seiten des Reflektornetzes angebracht; der Reflektor hängt also in der Mitte.
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Das Strahlungsdiagramm kann um ±30° und ±15° gegenüber der Grundrichtung elektrisch geschwenkt werden: die Antennen-Ingenieure bezeichnen das als „schielende" Antennenabstrahlung.
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Wir sehen uns einen Teil der Antennenanlage an und begeben uns an den Rand des Hochfrequenzfeldes - dabei werden unsere Köpfe zum Glück nicht heiß - und schauen in eine der elf Unterstationen. Hier sind Umsetzeinrichtungen der Fernwirkanlage, die Motorschutzschalter für die Motoren der Phasenschieber und Antennenwinden, die bei Vereisung der Antennen Seil ablassen.
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Ein Prozeßrechner sorgt für den Betriebsablauf

In der Steuerzentrale sitzt nur eine Person von 16.00 Uhr bis 7.00 Uhr früh. Sonst sind in der Sendestelle Wertachtal 25 Personen mit dem technischen Betrieb beschäftigt. Es wären weitaus mehr, wenn nicht ein Prozeßrechner Sender und Antennen vollautomatisch abstimmen würde. Hier laufen alle Meldungen von Sendern, Antennen, Antennenwahlschaltern und sonstigen technischen Einrichtungen zusammen und geben Auskunft über den Betriebszustand. Neben dieser Steuerzentrale steht in einem abgeschirmten Raum der Prozeßrechner: graue Schränke - wenig fotogen.

Der programmierte Rechner - er kann insgesamt 429 Betriebsprogramme und drei Meßprogramme aufnehmen - sucht sich zur Startzeit des jeweiligen Sendeprogramms, das von Köln kommt, einen freien Sender. Dann stellt er die Sendefrequenz am Steuersender ein, schaltet die richtige NF-Rundfunkleitung vom Studio der DW über Leitungen der Post zum Modulationsverstärker des Senders und wählt den richtigen Antennenschalter mit der dazu passenden Antenne.

Der Rechner ist ungeduldig, denn er läßt den angesprochenen Anlagenteilen nur 60s Zeit, dann fragt er sie nach ihrem Betriebszustand ab. Kommt keine oder eine falsche Rückmeldung, dann wiederholt er die Abfrage noch einmal. Kommen fehlerhafte Rückmeldungen, schaltet der Prozeßrechner auf einen anderen freien Sender. Der Rechner kümmert sich um alles: er überwacht sogar die Flugwarnleuchten auf den Antennentürmen, zeigt Undichtigkeiten im Kühl- und Druckluftsystem an und gibt Vorwarnung. Außerdem führt er ein Betriebstagebuch; es zeigt u. a. auch die Ausfallrate der Sender an. Sie liegt derzeit unter 1%; das ist ein niedriger Prozentsatz. „Der ist aber auch nötig", betont Helmut Wiedmann, „wenn man bedenkt, daß es keinen Reservesender gibt. Wir haben lediglich einen Sender, der für Wartungsarbeiten zur Verfügung steht".

Die günstigste Frequenz für jede Jahreszeit

Etwa alle drei Monate, das weiß schon der Leser von unserem aktuellen ELO-KW-Radiotip her, werden die KW-Sendefrequenzen geändert. Die Ionenkonzentration in der Ionosphäre ist nämlich nicht konstant, sondern von Jahreszeiten, Sonneneinfluß und Sonnenflekken abhängig. Die DW arbeitet deshalb vier verschiedene Frequenzpläne für jedes Jahr aus, damit sind übertragungsgünstige Frequenzen für bestimmte Zeitpunkte und Sendegebiete gewährleistet. Das bedeutet natürlich auch ein neues Programmieren des Prozeßrechners im Wertachtal. Aber auch die Sendestation in Jülich sowie die Relaisstationen im Ausland richten sich nach diesen vierteljährlichen Festlegungen.
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Relaisstationen schließen Versorgungslücken

Das Modulationssignal gelangt entweder von der Sendestelle Jülich, vom Wertachtal oder über Einseitenbandsender der Post zu den Relaisstationen in Portugal, Antigua, Malta und Afrika. Die Qualität ist nicht immer befriedigend, aber die Hörer sind zufrieden. Kigali in Afrika wird zur Zeit im Versuchsbetrieb über den Symphonie-Satelliten versorgt. Dort von Afrika aus wird Asien und Südamerika besser erreicht als von Deutschland. Die Sender in Portugal versorgen die Ostblockstaaten.

Warum, deutsche KW-Sender liegen doch näher dran? „Wir arbeiten hier mit einem Trick", sagt Dr. Hans-Dieter Godtmann, „die KW-Station liegt geografisch so günstig, daß sie von Störsendern in den Ostblockstaaten fast nicht unterlaufen werden kann." Auf Malta steht zusätzlich noch ein MW-Sender. Dr. Godtmann sagt uns den Grund dafür: „Der aufmerksame KW-Hörer ist doch noch nicht so weit verbreitet in der Welt wie der MW-Hörer, der genau weiß, immer an der gleichen Stelle seiner Skala höre ich die DW". Der MW-Sender versorgt die angrenzenden Mittelmeerstaaten.

In den Relaisstationen versucht man möglichst auch einheimisches Personal einzusetzen. In Kigali, wo ebenfalls rund um die Uhr gearbeitet wird, sind zehn deutsche Ingenieure beschäftigt. Im Schichtdienst arbeiten jeweils ein Deutscher und ein Afrikaner. Die Relaisstation auf Ceylon ist in der Planung; sie steht schon lange auf der Wunschliste der DW. Zur Zeit läßt das Verhältnis von Programmstunden zur Senderkapazität, verglichen mit anderen großen Auslandsdiensten, noch einige Wünsche offen.

Ein Mann für 3 Programme

Hauptbahnhof Köln. Taxistand. „Bitte fahren Sie uns zur Deutschen Welle." Der Taxifahrer: „Zur Deutschen Welle? Die haben wir hier 5- oder 6mal..."

Noch gibt es kein zentrales Funkhaus der Deutschen Welle, noch sind die verschiedenen Dienste in unterschiedlichen Gebäuden untergebracht. Trotzdem sind wir überrascht: In der Brüderstraße, in der die 93 Programme in 34 Sprachen produziert und an die Sendestationen weitergegeben werden, findet man moderne Computertechnik und automatische Programmsteuerung ebenso wie unmögliche Produktionsstudios, in denen Sprecher und Regie nicht einmal Sichtkontakt miteinander haben. Dieser Zustand - so hoffen die Verantwortlichen der Deutschen Welle - soll im nächsten Jahr, spätestens Anfang übernächsten Jahres, beendet sein. Denn dann zieht man in das neugebaute Funkhaus, in dem alle Dienste, die Technik und die Verwaltung zentral untergebracht sind.

Schon im Jahre 1968 wurde die erste automatische Senderegie bei der Deutschen Welle in Betrieb genommen. Mit ihr lassen sich von einem Tontechniker zentral drei Sendestudios betreuen.

Hans-Dieter Godtmann: „Wir haben gleichzeitig bis zu 6 Sendestraßen in Betrieb. Und wenn Sie da jedes Mal ARD-Maßstäbe anlegen würden, rund um die Uhr, dann würde das eine Unzahl von Personal bedeuten." Selbstverständlich ist auch der Programmablauf flüssiger und sicherer geworden. Wer allerdings glaubt, daß diese Senderegie, die dreimal bei der Deutschen Welle existiert, von einem Computer gesteuert wird, der irrt sich. Die einzelnen Programm punkte werden nämlich nur in der richtigen Reihenfolge eingetastet und dafür reichen festverdrahtete Schalter aus.

Was aber passiert nun, wenn, etwa bei Nachrichten, ein Sprecher live eingeblendet wird? Den 50Hz Impuls, der jeweils der Automatik anzeigt, daß der nächste Programmschritt zu beginnen hat, wird von dem Sprecher selbst per Tastendruck ausgelöst.

Die Relaisstationen in Kigali, Portugal und Malta sind ebenfalls mit Automatik-Studios ausgerüstet, wobei die Senderegien in erster Linie für den Programmablauf der von den jeweiligen Empfangsanlagen oder als Tonbandaufzeichnungen angelieferten Programmteile benutzt werden.

Aber zurück nach Köln.

Für die Durchschaltung der einzelnen Programme auf die verschiedenen Kurzwellensender sorgt nun schließlich doch ein echter Computer. Er kennt die genauen Zeiten, wann ein Programm beginnen muß und wann es beendet ist. Er dient aber auch dazu, daß über dem ARD-Sternpunkt in Frankfurt Beiträge anderer Hörfunkstationen in der Bundesrepublik automatisch auf die Tonbandmaschinen der Deutschen Welle überspielt werden können. Was der Computer tut, kann man prinzipiell natürlich auch von Hand fahren. Dieser Zustand wird mit Sicherheit ein paar Tage lang eintreten, wenn die Deutsche Welle in ihr neues Funkhaus übersiedelt und die ganze Computerei innerhalb einiger Tage in den neuen Räumen installiert werden muß. „Dann kann ich mir vorstellen," so Jürgen Engel von der DW-Be-triebstechnik, „wird das unseren Technikern so viel Spaß machen, daß sie sicher enttäuscht sein werden, wenn unser Computer wieder funktioniert."

Der Auftrag: Programme an den Mann bringen

Natürlich soll die Deutsche Welle ein Bild Deutschlands für die gesamte Welt vermitteln und die Standpunkte der Bundesrepublik zu internationalen oder nationalen Fragen verdeutlichen. Das würde sicher nicht gelingen, wenn man ausschließlich Nachrichten aus Deutschland mit klassischer Musik verbindet.

DW-Pressechef Gerald Hübner erläutert: „Sicherlich machen wir unsere Programme nicht nach den Buchstaben des Gesetzes, sondern wir machen sie im Geist des Gesetzes. Und so bestehen diese Programme aus einer geschickten Mischung von Nachrichten und Musik aus den Zielgebieten des jeweiligen Programms und Nachrichten und Musik aus Deutschland. Daß uns das gelingt, bestätigt uns die Hörerpost, und zwar fast 300.000 Briefe im Jahr."

Die zentrale Versorgung der DW-Redaktionen mit Material durch die zentralen Dienste sowie die Nachrichtenabteilung wird ergänzt durch die Arbeit in den verschiedenen Sprachredaktionen selbst, die auch eigene Manuskripte erstellen, Reportagen machen und Live-Sendungen durchführen. Soweit diese Arbeiten von überregionaler Bedeutung sind, werden sie ins Deutsche übersetzt und in das zentrale Angebot übernommen. Selbstverständlich wird ständig in größerem Umfang Programmmaterial zwischen Abteilungen gleicher Sendesprache ausgetauscht, vor allem aber zwischen den englisch-, spanisch- und portugiesisch- sprachigen Redaktionen, so daß Doppelarbeit vermieden wird.

Mit 19 cm pro Sekunde um die Welt

Wer an die Deutsche Welle denkt und wer sie kennt, der weiß im allgemeinen nicht, daß eine Vielzahl weiterer Dienste von dieser Rundfunkanstalt projektiert, überwacht oder selbst durchgeführt werden.

Für etwa 800 Kunden rund um den Erdball produziert der Transkriptionsdienst Hörfunk Hunderte von Rundfunkprogrammen, die von ausländischen Rundfunkanstalten über ihre eigenen Senderund Frequenzen ausgestrahlt werden.

Im Grunde handelt es sich dabei um einen Programmexport, wobei die Verschickung per Tonband erfolgt. Die Gründe für diese Transkriptionsarbeit liegen auf der Hand. Wenn es gelingt, ein Programm in einer fremden Rundfunkanstalt zu plazieren, erreicht man zusätzliche Hörer. Die Zahl dieser Hörer ist oft größer als die Zahl derer, die im gleichen Zielgebiet mit Kurzwelle ansprechbar sind. Im Jahre 1977 lieferte der Transkriptionsdienst 110.000 Tonbänder mit 50.000 Stunden Programm aus. Wort und Musik (diese zum Teil in Stereo) hielten sich dabei die Waage.

Die DW macht sogar Fernsehen

Einen ähnlichen Dienst gibt es natürlich auch für das Fernsehen. Hier liegt die Anzahl der ausländischen Kunden bei 80. Die bei der Deutschen Welle synchronisierten, teilweise von der ARD übernommenen und dann überarbeiteten Beiträge werden nicht nur per Film, sondern neuerdings auch auf Video-Band verschickt. Technisch gesehen ist man bei der Deutschen Welle für alle Eventualitäten gerüstet. Hans-Dieter Godtmann stolz: „Wir haben in Deutschland den ersten digitalen Normwandler."

Ausbildungszentrum für ausländische Rundfunk-Fachkräfte

Diese Einrichtung, die als Abteilung der Deutschen Welle besteht, wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert. Geboten werden Aus- und Fortbildungskurse für Rundfunkjournalismus und Programmgestaltung (Kurs 1) und Studio- und Meßtechnik (Kurs 2). Kurs 1 dauert 8, Kurs 2 dauert 14 Monate. Beiden Kursen geht ein 4- bis 5monatiger deutscher Sprachlehrgang in einem der Goethe-Institute in der Bundesrepublik voraus. Dem Ausbildungszentrum stehen 2 Hörfunkstudios, 1 Sprachlabor, audiovisuelle Lehrgeräte, technisch vielseitig ausgestattete Lehrplätze und eine große Zahl sachkundiger und sprachkundiger sowie auslandserfahrener Lehrkräfte zur Verfügung. Die Auswahl der Kursteilnehmer erfolgt auf Vorschlag der zuständigen Regierungsstellen und der Rundfunkanstalten des entsendenden Landes.

Was die deutsche Welle noch bietet

Das wichtigste, das hier zu nennen ist, dürfte der DW-Sprachdienst sein. Hierzu liefert das Goethe-Institut die deutschen Grundmanuskripte, mit dessen Hilfe die Deutsche Welle dann das Mutterband produziert, das die Basis aller Fremdsprachenversionen ist. In jeder Folge gibt es gedrucktes Begleitmaterial und zusätzlich ggf. auch noch eine Aussprachekassette. Beides wird dem Hörer auf Anforderung kostenlos zugestellt.

Seit Sendebeginn der „Familie Baumann" am 11.11.1971 (einem nach modernen, pädagogischen Gesichtspunkten produzierten Sprachkurs) sind weit über 200.000 Begleitbücher an die Hörer der Deutschen Welle verschickt worden. Zu erwähnen ist auch das „Verlagsprogramm" der Deutschen Welle. Hier sind zu nennen die Programmhefte in den verschiedenen Sprachen, die in unterschiedlicher Auflagenhöhe veröffentlicht werden. Ferner eine in regelmäßigen Zeitabständen erscheinende Geschichte des Kurzwellenrundfunks, die sich bis heute schon aus fünf Bänden zusammensetzt und ein Handbuch der Deutschen Welle, das jeweils einem Kontinent gewidmet ist, über aktuelle Fragen des Rundfunkwesens sowie über die Rundfunkanstalten in den einzelnen Ländern des jeweiligen Kontinents informiert.

Schließlich befaßt sich der technische Stab der Deutschen Welle auch mit der Projektierung und dem Aufbau von Senderketten und Sendernetzen im Ausland. Neuestes Projekt: Sendestationen für Sri Lanka, mit dem der Aufbau der geplanten asiatischen Relais-Stationen der Deutschen Welle einhergehen soll.

Und was kostet das alles?

Im Jahre 1977 rd. 167 Mio. DM. Den überwiegenden Teil davon verschlingt die Technik. Warum das so ist, sei an einem kleinen Beispiel klargemacht. Für den Betrieb eines einzigen Kurzwellensenders in Wertachtal muß die Deutsche Welle im Monat rd. 440.000 DM an die Bundespost berappen. Trotzdem, der Aufwand lohnt sich. Die Werbung für die deutsche Sache, für das Geistesleben, für die Wirtschaft, wird in alle Welt hinausgetragen. Einen „Beitrag zum Frieden" nennt der Intendant der Deutschen Welle, Walter Steigner, die Arbeit des Kurzwellendienstes der Bundesrepublik Deutschland.

Ein Bericht von Michael Heysinger Henning Knebel im Jahr 1978 !!

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