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Eine Kauf-Empfehlung aus 1974

In den Zeitschriften jeglicher Art wurden seitenweise Kaufratschläge geschrieben, wer - was - wie kaufen sollte. Die wenigsten waren fachlich korrekt und damit von Wert. Andere waren fachlich überkorrekt und überforderten den Interessenten maßlos. Er kam mit den ganzen Begriffen gar nicht mehr mit - wolte das auch gar nicht so genau wissen und kam so auch gar nicht mehr zum Schluß des jeweiligen Artikels, in dem ihm geraten wurde, sein Ohr zu benutzen.

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"Lautsprecher kauft man mit den Ohren"

von Norman Eisenberg.
Gefunden in : STEREO INTERNATIONAL AUSGABE 1974
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Das menschliche Gehör ist das beste Prüfgerät

Die Lautsprecherauswahl durch Hörvergleich hat Ähnlichkeit mit einer Weinprobe. Man vergleicht unterschiedliche Marken und versucht, sich ein Urteil zu bilden. Je grösser die Auswahl der Proben ist, desto grösser ist auch die Vergleichsmöglichkeit und desto sicherer das endgültige Urteil. Der Kenner (sowohl von Wein als auch von Lautsprechern) weiss aber auch, dass der Geschmack sich wandeln kann.

Das Urteilsvermögen

Er hat bestimmte Grundsätze in seinem Urteilsvermögen, darüber hinaus ist aber auch er dem Einfluss des Zeitgeschmackes unterworfen. Etwa in Bezug auf die Tonfärbung oder die Trockenheit des Klanges, nur um zwei Beispiele zu nennen. Und, um ein altes Sprichwort zu zitieren: was dem einen "sin Uhl" ist dem anderen "sin Nachtigal" - das gleiche gilt sowohl für Weine als auch für Lautsprecher.

Die Relativität

Da gibt es Leute, die gegen die Behauptung protestieren, dass der hörbare Unterschied zwischen zwei Lautsprechern eine Aussage über die Natürlichkeit des Klangbildes zulässt. Einer muss dann relativ schlechter, der andere relativ besser sein.

Die Problematik liegt in der Frage, durch welche Norm das "relativ besser" oder "relativ schlechter" definiert werden soll. Das ist mit anderen Worten der alte Witz, in dem einer gefragt wird, "wie seine Frau sei", und die Antwort lautet: "Gemessen an wessen Frau?"

Was ist "der natürliche Klang"

Tatsächlich ist nämlich selbst der natürliche Klang keine fest definierte Grösse. Wir kennen Konzertsäle mit unterschiedlicher Nachhallzeit und damit unterschiedlichem Klang. Einige Dirigenten versuchen grundsätzlich, ein ausserordentlich helles Klangbild zu erzielen, andere suchen dies gerade zu vermeiden. Derartige Klangunterschiede lassen sich leicht auf den entsprechenden Schallplatten feststellen.

Schliesslich, wer fordert denn überhaupt ein uniformes natürliches Klangbild? Niemand!

Vive la difference - es lebe der Unterschied! Diese Lebensweisheit der Franzosen gilt für keinen Bereich besser als für die Musik. Wir würden in einer traurigen Welt leben, wäre die Musik, wäre die Kunst Computergesteuert.

Doch zurück zur Lautsprecherprüfung.

Schwimmt man mit dieser Erkenntnis in einem Wasser ohne Balken? Erfreulicherwise nicht. Es gibt nämlich eine ganze Reihe von Pfosten, an denen man sich halten kann. Sie sind einmal durch das menschliche Erinnerungsvermögen für natürliche Schallereignisse (mit ihren Variationen) gegeben. Zum anderen durch die Tatsache, dass jeder Lautsprecher im Grunde genau die gleiche Aufgabe hat: er muss die elektrischen Ströme vom Verstärker, die eine ganz bestimmte Information enthalten, in Schallwellen verwandeln - möglichst ohne diese Information zu beeinflussen.

In der Untersuchung der Frage, wie gut er diese Aufgabe "bewältigt", liegt die Lösung unseres Problems. Dazu muss es zunächst in die Begriffswelt des Hörens übertragen werden: ein Lautsprecher ist um so besser, je mehr er das Gefühl vermittelt, durch ihn das Programm selbst und nicht dessen Reproduktion zu hören.

Ein Idealzustand - oder wie nahe am Ideal ?

Vollständig wird dieses Ziel von keinem Lautsprecher erreicht, denn in jedem Umwandlungsprozess geht ein Teil der Information verloren. Gute Fabrikate kommen jedoch ziemlich nahe an den Idealzustand heran.

Die Frage lautet nun höchst einfach: wie nahe? Wie kann man diesen Abstand in Worte fassen? Zunächst einmal indem man sich vergegenwärtigt, dass der Lautsprecher beim Umwandlungsprozess die Information verändert (d.h. sie verzerrt) oder etwas hinzufügt. Tut er letzteres, so wird der Originalklang durch ihn gefärbt oder coloriert.

Beurteilung nach Datenblatt ?

Verzerrt er Schallanteiie, so wird der Klang weniger durchsichtig oder transparent. Derartige Vorgänge kann man allgemein kaum in Zahlen ausdrücken. Es ist zwar möglich, mit Zahlen oder Daten zu beschreiben, wie sich ein Lautsprecher unter bestimmten Messbedingungen verhält. Unter geänderten Bedingungen (Abhörraum, Schallquelle, Verstärker) haben solche Daten nur einen geringen Aussagewert.

Die Daten sind sicher nützlich, wenn man den Lautsprecher rein physikalisch als elektro-akustischen Wandler in einer Übertragungskette betrachtet - nur für die Auswahl eines Lautsprechers zur Anwendung im Heim sollte man sie nicht verwenden. Nichts gegen akustische Messverfahren, in diesem Fall ist das Ohr besser geeignet.

Es gilt sehr oft der erste Eindruck

Es ist tatsächlich so, dass oft der erste Eindruck, den man beim Hören eines an sich bekannten Musikstückes durch den betreffenden Lautsprecher gewinnt, der richtige ist. HiFi-Verkäufer beobachten immer wieder, dass auch unvorbelastete Kunden sofort richtige Entscheidungen treffen und dass ihre Mühe darin besteht, diese Entscheidung vor sich selbst zu bestätigen.

Dem eigenen Gehör vertrauen

Es ist überraschend, wie wenig der Mensch seinem eigenen Gehör vertraut. Dabei ist das Ohr eines der empfindlichsten und verlässlichsten Sinnesorgane, das der Mensch besitzt. Es kann ausserordentlich feine Schallunterschiede wahrnehmen, es kann sich aus einem Schallgemisch einen bestimmten Anteil auswählen und andere störende Anteile unterdrücken.

Es enthält eine grosse Anzahl von Bewertungskurven und dynamische Charakteristiken, die - wenn man sie alle in ein Testinstrument einbaute - sehr viel Geld kosten würden.

Das Ohr kann sehr gut lernen

Das Ohr wird beim Gebrauch sogar ständig besser. Abgesehen von der allgemein bekannten Erscheinung, dass beim alternden Menschen das Hörvermögen für die höchsten Frequenzen abnimmt, kann das Hören an sich, besonders die Fähigkeit zur Qualitätsunterscheidung bei Musik, trainiert werden. Leute, die aufgrund ihres Berufes mit Musik zu tun haben, wie Dirigenten und Tonmeister, trainieren ständig und unabhängig vom Alter.

Man kann also das akustische Erinnerungsvermögen trainieren und sich somit befähigen, zwischen zwei oder drei Lautsprechern der engeren Wahl eine Ausschliesslichkeitsauswahl zu treffen und derart häufig seinen ersten Eindruck bestätigen.

Klangeffekte, die man beachten soll

Obwohl Ausdrücke wie Transparenz (eine wünschenswerte Eigenschaft) oder Coloration (eine nicht wünschenswerte Eigenschaft) nicht eindeutig zu definieren sind, gestatten sie eine klare Beschreibung eines hörbaren Klangunterschiedes.

Bei der Coloration oder Tonfärbung werden einzelne Frequenzen oder ganze Frequenzbänder um mehrere Dezibel (Anmerkung : komische Frage : was sind Dezibel - das sollte erklärt werden) angehoben. Damit werden also bestimmte Töne bevorzugt wiedergegeben. Das könnten zum Beispiel die Höhen sein, die zu stark hervortreten. Besonders häufig findet man eine Betonung des oberen Bassbereiches, die dann eine nicht vorhandene
Tiefenwiedergabe vortäuscht.

Es scheint so, als ob der Laustprecher ein bestimmtes Instrument oder eine Instrumentengruppe bevorzugt. Bei einem ist es vielleicht der gezupfte Bass, ein anderer Typ lässt die Blechbläser besonders strahlend erklingen, während Holzbläser und Streicher vernachlässigt werden. Andere wieder übertragen die menschliche Stimme unnatürlich, während noch andere gerade dafür besonders geeignet erscheinen. (Anmerung : Goodmans Magnum K).

Eigene Platten benutzen - ohne Fehler

Natürlich können derartige Fehler bereits schon auf der Platte vorhanden sein, und vielfach werden solche Erscheinungen nicht vom Lautsprecher allein, sondern von dessen akustischem Zusammenwirken mit dem Abhörraum verursacht.

Daher ist es unbedingt notwendig, dass man für die Lautsprecherprüfung Schallplatten verwendet, die man selbst besitzt und in gutem Zustand hält.

Der Abhörraum

Was den Abhörraum angeht, muss man darauf achten, dass er in seinen akustischen Verhältnissen dem eigenen Wohnraum entspricht. Ein besonders kleiner Raum zum Beispiel ist für Lautsprecher-Beurteilungen ungeeignet.

In ihm werden meistens die Höhen bevorzugt, und die Tiefen klingen topfig. Ein Raum, der besonders schmal oder hoch ist, ist genau so schlecht. In ihm würde der obere Bassbereich überbetont werden. Änliches gilt für einen würfelförmigen Raum (der also gleiche Abmessungen für Länge, Breite und Höhe aufweist). Hier klingen die meisten Lautsprecher hohl.

Der Vorführraum

Ist der Abhörraum mit schweren Teppichen und Vorhängen versehen, so werden die Höhen unterdrückt. Eine gegenteilige Wirkung haben harte Wände, wie grosse Fenster oder Kachelflächen. Derartige Räume klingen hallig und bevorzugen die hohen Frequenzen.

Wenn die akustischen Eigenschaften des Vorführraumes beim Händler nicht sehr ähnlich den Gegebenheiten des eigenen Raumes sind, so sollte man unbedingt die Lautsprecher bei den Hörvergleichen an verschiedenen Stellen plazieren.

Noch besser : eine Probezeit

Die beste Lösung des Problemes besteht aber darin, mit dem Händler eine Probezeit zu vereinbaren, in der man den schliesslich ausgewählten Lautsprecher (oder das Lautsprecherpaar für Stereo) gegen ein anderes umtauschen kann. Eine Woche sollte dafür ausreichend sein.

Meist ungünstig : HiFi Ausstellungen

Besonders vorsichtig muss man bei Hörvergleichen auf HiFi Ausstellungen sein. Nur selten gibt es Vorführkabinen, die akustisch den Gegebenheiten zuhause ähneln. Nimmt man einen dort für gut befundenen Lautsprecher in die Wohnung, so kommt es oft zu bösen Überraschungen. Dies ist jedoch keine allgemeingültige Regel. Genau so gut kann es passieren, dass man anlässlich einer Ausstellung zu den besten Lautsprechern kommt, die man je gehört hat. Natürlich kennt die Industrie dieses Problem, und man findet immer mehr HiFi Ausstellungen, auf denen die Hersteller in Kabinen vorführen, in denen die akustischen Verhältnisse dem Durchschnittswohnraum nachgebildet sind.

Seltene Highlights - Berlin

Als besonders lobenswertes Beispiel sei hier die Funkausstellung in Berlin genannt, bei der manche Hersteller nahezu ideale Abhörverhältnisse geschaffen haben, nicht nur in akustischer Hinsicht und Schallisolation, sondern auch im Geschmack der Raumgestaltung, so dass man sich trotz des Messetrubels auf die Qualität des Dargebotenen konzentrieren kann. Es ist zu hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht, so dass im Idealzustand HiFi Ausstellungen besonders geeignet für den Qualitätsvergleich von Lautsprechern sind.

Weitere einzelne Methoden zur Beurteilung

Unabhängig vom Gesamteindruck gilt es aber, noch andere Methoden für die Beurteilung eines Lautsprechers in Bezug auf seine Tiefen, Höhen und Mitten, zu erhalten.

Ein gutes Hilfsmittel hierfür ist ein Tongenerator - zusätzlich zum Test mit Programmaterial. Mit einem Tongenerator kann man leicht Frequenzen einstellen, die der Lautsprecher bevorzugt abstrahlt, oder grundlegende Fehler ermitteln, wie zum Beispiel die Erzeugung von Harmonien im Lautsprecher (der Lautsprecher strahlt dann zusätzlich zum eingespeisten Ton weitere ab, die eine oder zwei Oktaven höher liegen).

Weiterhin gestattet der Tongenerator Aussage über die Richtcharakteristik des Lautsprechers. Viele Lautsprecher neigen dazu, den abgestrahlten Schall besonders bei hohen Frequenzen mehr oder weniger scharf zu bündeln. (Anmerkung : Elektrostaten machen das)

Jedoch gehört ein Tongenerator nicht unbedingt zu den Einrichtungsgegenständen eines normalen Haushaltes, und selbst, wenn man einen besitzt, werden sich nur wenige Händler bereit finden, ihn anzuschliessen. Beim Fachhandel ist man meistens der nicht ganz unberechtigten Meinung, dass ein Lautsprecher ganz anderen Zwecken dient, als Sinustöne abzustrahlen - nämlich Musik wiederzugeben.

Die richtige Musik zum Vergleich auswählen

Dagegen ist an und für sich nichts einzuwenden, aber es gibt solche und solche Musik. Und Musik als Testmittel zur Qualitätsbeurteilung muss bestimmten Kriterien genügen. Unterhaltungsmusik zum Beispiel ist sicher nicht von vornherein ungeeignet. Aber aus Erfahrung weiss man, dass bei "Pop" Musik die Qualität des Lautsprechers eine geringere Rolle spielt als bei (klassischer) sinfonischer Musik. Es ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, dass man für den Alltagsgebrauch die leichte Muse anspruchsvollen Werken vorzieht - nur eben nicht für die Qualitätsbeurteilung von Lautsprechern.

Sologitarren sind toll

So werden häufig Aufnahmen mit Sologitarren dafür verwendet, das Einschwingverhalten eines Lautsprechers eindrucksvoll zu demonstrieren. Schön und gut, wenn man ausschliesslich Solo-Gitarren Aufnahmen sammelt. Um beim Beispiel der Gitarre zu bleiben: erst die Reaktion des Lautsprechers auf eine Gitarrenstimme, verbunden mit Begleitinstrumenten, lässt eine Qualitätsaussage über ihn zu. Noch besser ist es, anstelle der Gitarre ein Schlagzeug einzusetzen und sich bei der Abhörkontrolle auf das Zusammenklingen der Schlaginstrumente mit den übrigen Instrumenten des Orchesters zu konzentrieren.

weitere Soloinstrumente

Ein derartiges Zusammenspiel, grosse Dynamikunterschiede, plötzlich einsetzende Schallereignisse, ganz typisch klingende Soloinstrumente, wie Violinen, Flöten oder Klarinetten, dies alles ist notwendig für die Lautsprecherbeurteilung. Opern und grosse sinfonische Werke bieten diese Vielfalt der Instrumente.

Obertonreiche und obertonarme Instrumente

Sehr brauchbar sind weiterhin Aufnahmen mit besonders tiefen Tönen, etwa Orgel oder gestrichener Bass im Zusammenspiel mit einem reinen hellen Instrument wie zum Beispiel einer Flöte. Man soll auch beachten, dass Instrumentengruppen wie Holzbläser und Streicher ein reiches eigenes Obertonspektrum aufweisen und damit unerwünschte Obertonbildungen im Lautsprecher überdecken.

Dagegen sind Soloinstrumente wie Klavier, Hörn und besonders die Flöte obertonarm und erleichtern damit die Verzerrungsprüfung. Übrigens: das Klavier ist eines der am schwierigsten aufzunehmenden und zu reproduzierenden Musikinstrumente.

Sehr aussgekräftig : die menschliche Stimme

Genau so diffizil ist die menschliche Stimme. Eine Männerstimme soll zwar "männlich" klingen, aber nicht für den Preis von unechten, zufällig oder fehlerhaft hinzugefügten Tiefen. Eine Frauenstimme angenehm und weiblich, aber keinesfalls schrill. Nach Meinung des Verfassers ist jede Renata Tebaldi-Aufnahme, genügend laut abgespielt, eine ausgezeichnete Programmquelle für Lautsprechertests.

Bei schlechten Lautsprechern wird man den Lautstärkeregler schnell wieder zurückdrehen, bei guten macht es richtig Spass, diese kristallklare Stimme in Originallautstärke zu gemessen. Ganz allgemein gesprochen: wenn man die Musik empfindet und nicht den Lautsprecher, dann ist man auf dem richtigen Weg bei seiner Auswahl.

Was ist eine gute Basswiedergabe?

Musik als Programmquelle gestattet nicht unmittelbar eine Aussage über die untere Grenzfrequenz des Lautsprechers. Durch genaues Zuhören kann man sich aber eine allgemeine Meinung bilden, ob die Basswiedergabe zufriedenstellend ist.

Eine gute Basswiedergabe ist nicht notwendigerweise eine Abstrahlung der extremen Tiefen, obwohl man umgekehrt sagen kann, dass die Basswiedergabe um so besser ist, je tiefer die unverzerrt abgestrahlte Grenzfrequenz liegt (wobei vorausgesetzt sei, dass die Mitten und Höhen uncoloriert und unverzerrt übertragen werden).

Mit den Bässen Felsen bewegen

Diese untere Grenzfrequenz ist durch die Lautsprecherkonstruktion und damit nicht zuletzt durch den Preis bestimmt. Man kann ohne Überteibung sagen, dass ein Lautsprecher, der mit seinen Bässen Felsen bewegen kann, dasselbe auch mit dem Bankkonto tut, wenn man ihn anschafft. Aber der Abbau von Felsen und überflüssigen Geldern ist nicht jedermanns Sache (manchmal besitzt man auch gar keinen Felsen). Zumal es Lautsprecher gibt, die fast genau so gut sind und diesen Nebeneffekt nicht aufweisen - sprich, um einiges billiger sind.

Innerhalb der durch die Konstruktion angegebenen Grenzen - jeder verantwortungsvolle Ingenieur wird zugeben, dass ein Lautsprecher ziemlich enge Grenzen hat - kann und muss man aber eines fordern: der Lautsprecher soll sauber klingen. Sauber im Bassbereich bedeutet vor allem, dass keine Dröhngeräusche vorhanden sein dürfen. Die Basstöne müssen klar erkennen lassen, von welchem Instrument sie kommen.

Kesselpauken und Jazzschlagzeug

Kesselpauke und die Bass Drum des Jazzschlagzeugs sollen klar und trocken kommen. Die unterschiedlich gestimmten Kesselpauken eines Orchesterwerkes sollen klar zu unterscheiden sein, und ideal ist es, wenn man die Schallenergie der tiefen Töne nicht nur hört, sondern auch fühlt.

Die tiefen Töne des Klaviers

Die tiefen Töne des Klaviers sollen so klar als solche erkennbar sein, dass man, etwas übertrieben ausgedrückt, heraushören kann, ob es sich um einen Steinway- oder Bechstein Flügel handelt. Schliesslich muss man noch nachprüfen, ob der Lautsprecher sogenannte Doppelverzerrungen aufweist, ob also hohe Töne durch gleichzeitig auftretende starke Tiefen verzerrt werden. Hierzu eignet sich besonders eine Flötenaufnahme mit einer Orgel oder gestrichenem Bass.

Was ist eine gute Höhenwiedergabe?

Die Beurteilung der Qualität in den Höhen beinhaltet nicht nur die allerhöchste Frequenz, die gegebenenfalls durch Verzerrungen oder Frequenzüberhöhungen (solche können im gesamten Übertragungsbereich auftreten) verfälscht werden, sondern auch die gleichzeitige Beachtung des oberen Mittenbereichs und dessen Zusammenwirken mit dem Hochtonbereich. Generell soll man eine offene, volle und kräftig klingende Hochtonwiedergabe fordern.

Die Bündelung oder Richtwirkung

Eine zu scharfe Bündelung der hohen Töne muss vermieden werden. Man erkennt sie daran, dass der Lautsprecher unterschiedlich hell klingt, wenn man sich, das Gesicht zum Lautsprecher gerichtet, in etwa zwei Meter Entfernung in einem Halbkreis um den Lautsprecher herumbewegt.

Verzerrungen in den Höhen erkennt man an einem harschigen oder gequetschten Ton, manchmal treten auch zischende Nebengeräusche auf. Ein geringerer Anteil an Verzerrungen ist daran zu erkennen, dass der Lautsprecher auffallend hart klingt.

Der oben beschriebene Bündelungseffekt kann auch durch Phasenverzerrungen verursacht werden. Sie treten häufig auf, wenn einzelne Frequenzbänder in den Tonweichen der Lautsprechersysteme unterschiedlich verzögert werden. Phasenverzerrungen sind auch häufig die Ursache für einen zu spitzen, harten Klang.

Das Einschwingverhalten - Impulswiedergabe

Wenn man sich auf die Kontrolle von Mitten und Höhen konzentriert, soll man auch das Einschwingverhalten beobachten. Also der Lautsprecherklang bei kurzen harten Tönen wie Trommelschlägen, das Anreissen von Saiten, sei es mit der Hand (Gitarre) oder mit Federkiel (Cembalo). Besonders dann, wenn gleichzeitig weitere Instrumente im Hintergrund spielen. Jeder Ton soll klar, ohne Vor- oder Nachscheppern, kommen.

Mit Plattenrauschen und UKW Rauschen testen

Ein weiterer sehr guter Test für das Einschwingverhalten ist das Plattenrauschen in Leerrillen. Knackgeräusche von Rillendefekten sollen scharf und kurz sein, keineswegs rauh oder gar rasselnd. Falls ein UKW-Empfänger vorhanden ist, stellt man seine Abstimmung zwischen zwei Sendern ein, so dass ein lautes Rauschen zu hören ist.

Ein ähnliches Geräusch nennt man in der Akustik "weisses Rauschen". Dieses Geräusch hört man nacheinander über die verschiedenen zu prüfenden Lautsprecher ab. Mit wenig Übung wird man erkennen, dass das Rauschen bei einigen Lautsprechern merkwürdig hohl klingt, der Lautsprecher coloriert also. Bei einem anderen wird das Rauschen besonders scharf empfunden, ein Zeichen für Verzerrungen, und manchmal wird man das Geräusch als besonders breit und vergleichsweise als am wenigsten störend empfinden. Diesen Lautsprecher sollte man in seine weitere Betrachtung mit einbeziehen.

Das "weisse Rauschen" gestattet auch eine Beurteilung der Bündelung oder Richtcharakteristik, wenn man, wie oben beschrieben, in einem Halbkreis um den Lautsprecher herumgeht. Der Richtcharakteristik braucht man jedoch keine zu starke Bedeutung zuzumessen. Besonders dann nicht, wenn bei der endgültigen Stereoinstallation die Lausprecher sowieso in Richtung Zuhörer angeordnet werden.

Das schlechte akustische Gedächtnis

Häufig wird auch empfohlen, die Schallwiedergabe des Lautsprechers mit den natürlichen Schallereignissen zu vergleichen. Diese Empfehlung ist aber nicht unproblematisch, weil das akustische Gedächtnis in der dafür notwendigen Perfektion recht schlecht ausgebildet ist. Dessen ungeachtet muss man ein solches Gedächtnis zumindest für kurze Zeit durch Training bekommen.

Das beste ist jedoch immer ein A-B Vergleich, bei dem die zu vergleichenden Schallquellen - und das ist besonders wichtig - bei gleicher Lautstärke !!! kurz hintereinander zu Gehör gebracht werden.

Möglichst mit großen Orchestern abhören

Unabhängig von allem bisher Gesagten sollte man dabei die Auflösung betrachten, d.h. die einzelnen Instrumentengruppen im Zusammenhang mit den anderen hören und heraushören. Bei einem guten Lautsprecher ist dies möglich. Die Qualitätsbeurteilung von Lautsprechern mit Musik benötigt eine gewisse Erfahrung. Sie ist aber erlernbar.

Noch besser : das Hören der Musik zu lernen

Genau so wichtig ist es, das Hören der Musik zu lernen. Wenn man es erlernt hat, besitzt man ein beinahe objektives Urteilsvermögen, mit dem man die Qualität von Lautsprecher-Reproduktionen sowie die von natürlicher Musikwiedergabe messen kann.

Ein Artikel aus 1974 !!
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