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Der Tuchel Stecker (bei uns Groß-Tuchel) war der Standard- Studio- Steckverbinder - zumindest in Deutschland.

Wenn man heute alte Studio-Mikrofone oder Studio-Verstärker oder Studio-Bandmaschinen vor sich hat, ist man immer mit einem dicken großen verschraubbaren 3-pol Steckverbinder konfrontiert. Die zugehörigen Einbausockel in den Geräten sind entweder männlich oder weiblich, wie die Fachleute sagen.
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Im Internet findet man wenige kompetente Quellen, wo dieser uralte deutsche Steckverbinder wirklich her kommt und wieso er bereits 1938 der Norm-Steckverbinder in der damaligen Studiotechnik, der Rundfunk- Fernleitungstechnik und später auch in der professionellen ELA-Technik geworden war.
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Erst bei der langen Aufarbeitung
(also den Büchern) von Gerhart Goebel über das Thema "Der Deutsche Rundfunk bis zum Inkrafttreten des Kopenhagener Wellenplans aus 1950" bin ich dann fündig geworden.


Hier die dortigen Absätze: (der original Artikel steht hier)
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Der wegweisende Tuchel Stecker wurde bereits 1936 entwickelt.

Eine erste Zeichnung aus 1936

Bei den geringen Spannungswerten der Kondensatormikrophone traten infolge der hohen Übergangswiderstände der in den Rundfunk-Studios anfangs benutzten Steckverbindungen (Europa- oder Bananenstecker) störende Kratzgeräusche auf, die erst verschwanden, nachdem die Kontakte durch mehrfaches Stecken von der ihnen anhaftenden Korrosions- oder Oxydschicht befreit waren.

Diese Kontaktschwierigkeiten wirkten sich umso unangenehmer aus, je mehr Modulationskanäle bei sogenannten "Reichsauflagesendungen" gleichzeitig geschaltet werden mußten (1936 anläßlich der Olympischen Spiele von einem Ausgang bis zu 46 Übertragungswege gleichzeitig).
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Genial - selbstreinigende Mehrfach-Messerkontakte

Tuchel Stecker an Telefunken M15

Die RRG (Reichs- Rundfunk- Gesellschaft) führte deshalb von 1936 an versuchsweise zunächst in den Mikrophonleitungen selbstreinigende Mehrfach-Messerkontakte mit sehr hohem Kontaktdruck (2 ... 3kg) ein, deren Übergangswiderstände sich selbst nach 900-stündigem Lagern unter Tropenbedingungen praktisch nicht änderten, während sich unter denselben Bedingungen der Übergangswiderstand von guten Bananensteckern um mehr als den 12-fachen Wert, der von geschlitzten Vollsteckern um mehr als den 120-fachen Wert erhöhte (nach Messungen der PTR (Post technische Reichsamt) vom 27.5.1942). Diese Tuchel-Stecker (Bild 63) sind seit 1943 in allen deutschen Rundfunk-Studios u. ä. Betrieben im Gebrauch.

Ein Blick auf die selbstreinigenden Tuchel-Kontakte . . .

Um einen Eindruck zu bekommen, was die Firma Tuchel da 1936 für tolle Ideen hatte, hier ein paar Detailbilder aus 2015.
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Einfach
auf die Bilder
einzeln klicken

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Was hier noch fehlte, ist (war) der Büschel-Stecker

das sind modernere Büschelstecker

Vermutlich war der sogenannte Bananenstecker um 1936 noch nicht weiter entwickelt worden. Damals 1970 in den Labors in der Fachhochschule Rüsselsheim und später auch bei mir Zuhause hatte ich diverse Bananenstecker, die mit federnden Leisten und Klingen den Übergangswiderstand schon deutlich reduzierten.

Als dann wiederum später die sogenannten "Büschelstecker" erhältlich waren, hatte man einen Steckverbinder, der auch im Hochstrombereich "fast" keinen Übergangswiderstand mehr hatte. Mit meinen aktuellen Labor-Meßschnüren konnte ich bei 50 Volt und 50 Ampere noch erstaunlich gute Werte messen - (aber immer nur kurzzeitig !!). Mehr über unsere elektronische Last steht hier.
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