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"eol" bedeutet "End of Life" - Teil 2

Januar 2015 - Auf der Seite "eol" 1 wurde der Grundig Receiver R3000 als Beispiel für die Alterung von Kondensatoren herangezogen. Dieser Receiver ist etwa Baujahr 1981. Ca. 5 Jahre vorher - also etwa Mitte 1976 - kam von Braun der Receiver Regie 550 in die Produktion. Das ungefähre Produktions-Datum läßt sich recht gut an den Zeit-Codes auf den dicken Netzteil-Kondensatoren (und auch auf den ICs) ablesen.

 

Im Moment stehen hier 2 von den CEV 550

unser Regie 550 von 06-1976
der zweite 550 von 05-1977

Es ist Herbst 2014 und wir haben noch einen Regie 550 zur Reparatur bekommen. Beide Geräte unterscheiden sich ganz deutlich vom Baujahr und der Seriennumer.

Unser 550 stammt von einem ehemaligen Mitarbeiter von Braun
(aus der uralten Finanzabteilung, inzwischen ist er weit über 90 Jahre alt) - und hat die absolut seltene Seriennummer CEV-500 - 014. Das zweite Gerät hat die Seriennummer 24119.

Beide BRAUN-Geräte haben die nahezu gleiche Bestückung von Kondensatoren und somit nahzu die gleichen Probleme wie auch die Geräte von Grundig und sicherlich weiteren Herstellern..

Bei dem neueren Gerät brummt der Vorverstärker
auf beiden Kanälen mit dem typischen 50Hz Netzteilbrummen, wenn die Sieb-Kondensatoren die Versorgungsspannung nicht mehr glätten können - oder von den Verstärkerstufen zuviel Strom "gezogen" wird.
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Es sind nahezu dieselben Typen,

wie bei Grundig und Telefunken und Saba und Wega usw., die so oft versagen. Die roten stehenden Topf-Kondensatoren stammen von Roderstein und haben alle das "ROE" Logo oben drauf - neben den eigentlichen Werten wie Spannung und Kapazität. Ich schreibe das hier so ausführlich, weil man auf den modernen (aufgeklebten) SMD Bauteilen so gut wie nichts mehr erkennen kann.
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Die Kondensatoren zeigen es nicht auf Anhieb, daß sie defekt sind. Nur wenige haben draußen so komischen weißen Schnee oder sogar Risse im Mantel oder Deckel. Doch wenn der Vorverstärker brummt, hilft schon ein Blick auf den Schaltplan, welcher ELKO (Elketrolykondensator) nicht mehr tut.
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Es gibt aber noch weitere "Merkmale"

noch mit den ELKOs
die deutlichen Brandstellen

Der Entwickler müßte es eigentlich wissen (gewußt haben), Kondensatoren vertragen keine Hitze. Elkos sind da besonders empfindlich und darum verbaut (plaziert) man die möglichst nicht neben starke Wärmequellen. In dem BRAUN Regie 550 steht dazu die Platine auch noch auf dem Kopf. Die Hitze kann gar nicht zügig weg, warum auch immer der Ingenieur soetwas konstruiert hatte. Es ist ein Fehlgriff. Man sieht hier auf diesem Bild ganz deutlich, daß dort erhebliche Hitze erzeugt wurde, über Jahre.

Daß eine Zehnerdiode so heiß werden kann, ist nicht normal. Und daß daneben ein Lastwiderstand "verbrotzelt" ist auch nicht normal. An der Einfärbung bzw. an den verbrannten Stellen erkennt man sofort, so geht das nicht lange gut.
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Ich beschreibe auch das hier so ausführlich, weil es ja ein edler BRAUN Receiver ist für ca 1600.- DM und nicht der etwa gleich starke Grundig R3000 für den halben Preis von nur 800.- DM.
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Nach 35 Jahren kommt noch mehr

Das RUWIDO Trimm-Potentiometer hat auch etwas abbekommen. Ob das von Kontakspray kommt oder von der Dauerhitze oder nur altersbedingte Korrosion ist, zur Zeit funktioniert es noch, darum nur nicht anfassen.
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Zum Glück - kein Kontaktspray zu sehen.

Nach dem Auspinseln und Ausblasen macht der Regie 550 einen sehr guten Eindruck. (Übrigens unseren Regie 550 mußt ich damals mit dem Gartenschlauch ausspritzen, dort war irgend ein Spray oder sonstwas drinnen.) Man muß eben nur genauer hinsehen und hinhören, um die schon aufgetretenen oder noch kommenden Fehler zu sehen.

Die Endstufe geht noch einwandfrei.

Ganz erstaunlich ist, daß die Endstufe von den beiden dicken silbernen Netzteilkondensatoren noch gut versorgt wird. Denn die gehen viel zu schnell und meist zuerst kaputt.

Der Netzschalter spratzelt sporadisch

Die Netzteile aller Hifigeräte haben eine Eigenschaft, die man vor allem von Halogenleuchten her kennt. Beim Einschalten wollen sie extrem viel Strom haben. Die großen Kondensatoren sind entladen und stellen kurzzeitig für den Transformator einen Beinahe-Kurzschluß dar. Damit benötigt auch ein 2 x 70 Watt Verstärker einen ganz dicken Netzschalter für 10 Ampere Strombelastung, das wären 2300 Watt Spitzenleistung. Und das war oft zu teuer. Sogar in alten extrem teuren SONY CD Playern sind die Netzschalterkontake verbrannt, also am Ende.

Und so sieht ein größeres Problemchen aus - das Netzeil :

zum Vergrößern einfach drauf klicken


Mit einer separaten Wicklung kommen vom Trafo neben der eigentlichen Endstufenspannung auch noch die 26V~ zum (2.) Gleichrichter und daraus werden dann 33 Volt= (rotes Kästchen rechts). Die werden mit einem Längstransistor (T 801) auf 25 Volt= reduziert. Dessen Kühlblech hängt unter der Platine und scheint jetzt schon zu klein. Das war ja alles mal für 220 Volt dimensioniert, nicht für 230 Volt und das macht schon etwas aus.

Doch diese 25 Volt werden mit einem 1 Watt Lastwiderstand weiter auf 15 Volt rediziert (zwei rote Kästchen links), sehr ähnlich wie bei den Grundig Geräten - wobei die Grundigs deutlich mehr der überflüssigen Spannung verbraten. Und dieser Widerstand (dicker roter Pfeil) ist arg verbrotzelt. Der Kondensator links neben dem Pfeil schwindet von ehemals 220 uF auf 60uF oder weniger, nach wenigen Minuten.

Die Bilder haben Sie bereits weiter oben gesehen. Die 15 Volt sind also nirgendwo stabilisiert oder geregelt, die werden durch die Last der versorgten Elektronik bestimmt. Wenn da im Vorverstärker- oder Tuner- Bereich ein Bauteil mehr Strom zieht als ursprünglich beplant, wird es thermisch eng und ungemütlich und die Bauteile fangen an zu heizen - alles in allem - keine gesunde Konzeption.
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Und jetzt die "Gretchen-Frage" :

Wie viele Kondensatoren muß ich tauschen, oder wieviele sollte ich zusätzlich tauschen - oder sollten alle ROE Kondensatoren getauscht werden ?

Am Ende ist es eine Frage des Preises, die das Gerät noch wert scheint.
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Hier kommt jetzt etwas über die Modifikationen des BRAUN Receivers 550

Also zumindest bei unseren Labor- und Museums- Geräten und bei Reparaturen müssen absehbar wiederkehrende Probleme elemeniert werden. Darum werden jetzt analoge Spannungsregler eingesetzt und die ganzen diskreten Bauteile entfernt.

Mehr darüber beginnt hier bei Modifikationen.
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