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"off duty" 1970 - 1997 - eine Werbezeitung für's US Militär

Die in diesem amerikanischen (Freizeit-) Shopping-Magazin angeprie- senen Produkte waren auschließlich amerikanischen und kanadischen Militärangehörigen ausserhalb der USA zugänglich - also zu kaufen - vor allem zu ganz ungewöhnlich (verblüffend) niedrigen US $ Military-Preisen. Zu der einführenden "off duty" Seite geht es hier lang.

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Resumé - die "off duty" ist jetzt 15 Jahre alt.

von Gert Redlich im Oktober 2020 - Bis hierhin habe ich nur 12 Jahrgänge (die Ausgaben bis 1985) durchgesehen. (Die Ausgaben aus 1970 ab Sept. und 1971 sowie 1980 fehlen komplett.) 1981 ist erst ab Juni vorhanden.

Aus diesen verfügbaren Jahrgängen ist viel von der Entwicklung des amerikanischen und des US-Military- (Hifi und Photo-) Maktes - (im Vergleich zum japanischen und zum europäischen Markt) zu entnehmen. In den deutschen Hifi-Magazinen stehen sehr oft einzelne Zusammen- fassungen über den japanischen Markt, die mir als Vergleich dienen, denn Japanisch werde ich nicht mehr lernen.
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Wenn die monatlichen Ausgaben immer dünner werden .....

... dann fehlen die deutschen und internationalen Anzeigenaufträge und damit ist auch weniger Raum für die redaktionellen Artikel für diese Zielgruppe verfügbar. "off duty" finanziert(e) sich ausschließlich über die Werbeanzeigen, sehr ähnlich zum neuen bundesdeutschen Privatfernsehen ab 1984 (der böse RTL Sender über Satellit).

Die immer häufiger auftauchenden Kernthemen ...

Nach dem Durchsehen und Vergleichen der Inhalte von 12 Jahrgängen fällt auf, bestimmte Themen wiederholen sich fortwährend. Das sind ......
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  1. Audio - Bereiche Tuner, Verstärker, Receiver,
  2. Audio - Bereiche Lautsprecher, Kopfhörer
  3. Audio - Bereiche Tonbandgeräte, Kassettengeräte
  4. Audio - Bereiche Plattenspieler, Tonarme, Abtastsysteme
  5. Audio - Bereiche Tonbänder und Leer-Kassetten
  6. Audio - Bereiche Spezialzubehör und Geräte
  7. Audio - Typenlisten und Preislisten für obige Bereiche

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  1. Photo - 35mm Kleinbildkameras
  2. Photo - 6x6 Großbildkameras
  3. Photo - 8mm Schmalfilmkameras
  4. Photo - 8mm Filmprojektoren
  5. Photo - Kleinbild-Diaprojektorern
  6. Photo - Filme, Filmmaterial aller Art
  7. Photo - Foto- und Film-Zubehör aller Art
  8. Photo - Typenlisten und Preislisten für obige Bereiche

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Die monatlich wichtigen Oberbegriffe dabei sind AUDIO-Shopper, PHOTO-Shopper und später VIDEO-Shopper.
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Ab dem 5. Jahrgang kommt einem fast alles bekannt vor ....

Der Inhalt von "off duty" unterliegt den gleichen Zwängen wie der Inhalt der deutschen Magazine. Der Unterschied ist nur, das haben der/die Herausgeber ignoriert oder verdrängt, "was nichts kostet, das ist nichts wert" und das gilt auch bei Amerikanern.

Die deutschen Hochglanz-Magazine waren teilweise richtig teuer, im Vergleich zu dem Mist, der darin geschreiben stand. "off-duty" war aber kostenlos und wurde oft noch im gleichen Monat entsorgt. Bei meinen amerikanischen Freunden lagen sie in den 1970er Jahren alle herum, die US-Hifi-Zeitschriften, die Geld kosteten, und auch off-duty. Von off-duty ist nichs mehr übrig geblieben. Die Suche in google im Okt. 2020 ergab gerade mal 2 Treffer.
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Der Niedergang einer Branche begann in den USA 1975

Auf anderen Seiten hier im Museum hatte ich bereits geschrieben, daß sich bestimmte Markt-Entwicklungen in den USA immer ein paar Jahre vorher abzeichenn, so auch im Photo- und Hifi-Bereich. Als bei uns in Europa so etwa ab 1978/79 der Audio-Markt zusammenbrach, (der Photo-Markt war bereits vorher kaputt) hatten die Amerikaner (und vor allem die Japaner als Massen-Hersteller) dieses "Erlebnis" bereits ab 1975. Der Absatz stockte - immer schneller.

Die auf Halde (also auf riesige Halden) gebauten Geräte wollten im größten Markt der Welt einfach keine Käufer mehr finden. Europa und das Militär sollten deshalb der Ausweg aus der Krise werden. In den deutschen Magazinen hatte ich immer wieder besonders erwähnt, wenn die Stellenanzeigen für Gebiets-Vertreter und Hifi-Verkäufer die der Kleinanzeigen- Seiten übertraf.

Jetzt wurden auch in der "off-duty" (auf der letzten gelben Seite) immer wieder Suchanzeigen eingeblendet, daß in den ganzen Military Audio- und Photo-Shops dringend Hifi-Verkäufer gesucht würden. Das fällt mir mit dem inzwischen sensiblen Blick für solche nur scheinbar nebensächlichen Feinheiten auf.
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Eine gigantische Schwemme von neuen Produkten

Beim Durchblättern der alten Ausgaben kommt die Erinnerung an unsere (Hifi-) Sturm und Drang Zeiten der 1970er Jahre wieder hervor. Die US-Magazine, auch off-duty, zeigten fast immer Hifi-Produkte, die es bei uns noch nicht gab oder Produkte, die so neu waren, daß bei uns völlig unrealistische Preise "aufgerufen" wurden. Mein damaliger SONY STR 6120 war solch ein Edel-Produkt, bei dem der deutsche Marktpreis in einem diametralen Gegensatz zum Audio-Club Preis stand.
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Und so ab 1976/77 legten alle japanischen Hersteller gnadenlos zu, bei der preislichen und qualitativen Abstufung von Receivern und Verstärkern und Tunern und natürlich auch den anderen geräten wie Plattenspielern und Bandgeräten. Bei den CC-Kassettengeräten sollen angeblich bereits weit über 10.000 Modelle auf dem markt gewesen sein. Auch die verbliebenen US-Hersteller tummelten sich auf einmal auf fachfremden Gebieten, die sie lieber hätten sein lassen sollen.

McIntosch zum Beispiel baute Lautsprecher, Koss baute auch Lautsprecher, Infinity baute Verstärker, KLH und AR bauten auch Receiver und Verstärker. Und alle bekamen mit diesen sogenannten "me too" Produkten große Probleme. Der Audio-Markt war satt bis oben hin.
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Wir Jungspunde schwelgten in einer gigantischen Auswahl ...

... und machten uns 1972 bis 1978 überhaupt keine Gedanken, wohin das mal führen würde. Immer mehr völlig unbekannte japanische Kleinst-Hersteller - wie zum Beispiel Dokorder - drängten auf den Markt und zusätzlich kamen die Koreaner dazu, die auch etwas ab haben wollten von dem vermeintlich großen Kuchen. Die anderen "Fernöstler" hatten den Braten noch gar nicht gerochen, Hongkong zum Beispiel.

Ab 1978 hatten sie sich die Preise um die Ohren gehaun, dabei war es dem einfachen GI in der Kaserne völlig wurscht, ob der 2 x 250 Watt Receiver nun 1.150 oder 1.250 Dollar kostete, er mußte nur lauter "gehen" als der im Nachbarzimmer.

Bei den ganzen Geräten in der "off-duty" - übrigens wie fast überall im Hifi-Markt - dominierte die "Watt" Angabe. Die wurde zwar dann vom IHF auf die RMS Angabe reglementiert, doch alle Boxen und Verstärker wurden nur noch nach Watt spezifiziert und beurteilt. Je mehr Watt, desto besser und desto lauter.

Die Lautsprecher hatten außer der Watt-Zahl noch den Durchmesser des Tieftöners auf der Frontseite aufgedruckt, also 16" war der Maßstab für "besonders laut". Von leise und gut war da schon lange keine Rede mehr.
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Die "off duty" Werbung glitt ins Irrationale ab.

Wenn man heute die alten Werbeanzeigen für die Militärangehörigen anschaut, fällt das ganz besonders auf. Da wurden Eigenschaften beworben, die spielten für die Hifi-Qualität überhaupt keine Rolle mehr. Es ging fast nur noch um Power und Watt, "je lauter desto BUMMS". Und billig mußte es auch noch sein, suggerierten die Japaner in ihren Anzeigen.
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Und dann - ein fataler Fehler, das mit der "ignorierten" CD

Während bei uns in den deutschen Audio- und Hifi-Zeitschriften schon seit 1980 fortlaufend von dieser neuen digitalen Schallplatte berichtet wurde, findet man in der "off-duty" nur ganz ganz wenig und zwar ganz klein und nur auf den BOSE 901 Anzeigen.

Ansonsten wird die CD dort ganz einfach tot geschwiegen, sogar noch im Dezember 1984. Wir Hifi-Fans wissen inzwischen alle, daß die damals neue Philips/SONY CD mit einem riesen Rummel auf der Funkausstellung 1983 endgültig "aus der Taufe" gehoben wurde.

In Japan wurden bereits Anfang 1982 die ersten SONY CD Player vom Typ CDP 101 verkauft, bei uns (auch still und heimlich) erst ab dem Jahresende 1982.

Dieses uramerikansche Problem der Ignoranz hatte sich dann wiederholt, als die ersten SONY Camcorder mit dem 8mm Video8-Band heraus kamen, also eine Video-Kassette mit genau 8,00 mm Band, keine Inches und kein Zoll-Maß.

Bei der CD war es ja genauso, genau 12,0 mm Durchmesser und wieder hatten die Amerikaner keinen Einfluß und bekamen es fertig vor die Nase gesetzt. Das wurmte natürlich alle nativen Patrioten, da sie doch sonst alles auf der Welt genormt hatten, vom 1/4" Tonband angefangen bis sonstigen Inch- und Fuß-Standards bei den Flugzeugen zum Beispiel.
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Und als sie es gemerkt hatten, war der Abwärtsgang bereits in voller Fahrt

Als bei uns in Deutschland immer mehr von der CD erzählt, berichtet und geträumt wurde, baute sich ein Investitionsstau auf, der manchem weltweiten Hersteller sehr weh tat. Alle starrten gespannt auf dieses neue Super-Hifi Medium, das von Philips natürlich entsprechend populistisch - über mehrere Jahre - vorgestellt wurde.

Bei den Lautstärke-Kämpfen der GI's in den Barracks (das waren die US-Kasernen) konnte mit Hilfe des Plattenspielers eine gewisse Laustärke nicht überschritten werden, weil dann die Rückkoppelung einsetzte. Vom Tonband kam viel zu oft nicht mal die Plattenqualität wieder runter, dafür ging es viel viel lauter (als bei den anderen).

Jetzt Von der CD kommend, ging es nicht nur viel lauter, es war dazu ein irrer Sound, und vor allem mit einem fundamentalen Bass ungeahnter Stärke. Das war super. Leider waren die allermeisten GI's schon wieder zuhause in den Staaten und somit konnten die Military-Sales people nichts mehr verkaufen und die Audio-Clubs wurden der Reihe nach geschlossen.
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Ab Winter 1985 die 2. Generation CD-Player - aber zu spät ...

In den off-duty Winter-Ausgaben wird die CD erstmals ernsthaft beschrieben und es werden CD Player der 2. Generation angeboten und gelistet. Die ganzen Senkrecht-Lader der ersten Generation sind nicht beworben worden und so fehlt der zeitliche Vorlauf, die Leser mit dieser neuen Sound-Technik zu beglücken. Stattdessen werden weiterhin die alten Kompaktkassetten aller Art sowie Vinyl-Records in Mengen samt billigster Plattenspieler angedient, die bei uns in der Community schon seit 1980 out waren. Das war ein großer Fehler, auch in den Staaten.
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- Werbung Dezent -
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