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Glorien, Mythen, Geschichten und die "Wahrheit" ?

Grundig Prospekt 1950
Grundig Revue 1959
Grundig Revue 1961

Max Grundig ist jetzt seit 1987 tot und "seine" Firma (besser : eine Firma mit seinem Namen !!) ist in 2005 endgültig in Konkurs gegangen. Mehr über den Chef Max Grundig finden Sie auf den Magnetbandseiten, denn dort hatte ich in 2006 angefangen, über Max Grundig mal so Einiges zu sammeln und aufzuschreiben, also mehr, als hier im Hifi-Bereich und auf manch anderen Seiten im Internet geschrieben stand.

Auf unseren Magnetbandseiten ist aber der Hifi-Gedanke fast schon Nebensache, weil Max Grundig mit seinen mutigen Entscheidungen bereits in der frühen Tonbandgeräte Technik eine große Rolle gespielt hatte.

Auch in der Rundfunktechnik hatte sich Max Grundig hervorgetan. Er unterminierte die immer zu hohen (Kartell ähnlichen) Radiopreise der "renomierten" Vorkriegshersteller mit progressiven Ideen und seiner von Anfang an geplanten Großserien- bzw. Massenfertigung.

Hier in der Hifi-Branche war Max Grundig auch "der" Vorreiter, weil er wirklich gute Qualität für die Massse der Deutschen und der Europäer erschwinglich machte, im Gegensatz zu den beiden Braun Brüdern aus Kronberg, die sich auf die kleine elitäre (und finanzkräftige) Nische am oberen Ende der Preisskala konzentriert hatten.

Und das alles stand wiederum im Gegensatz zu den Versandhäusern von Quelle und Neckermann, bei denen zwar Hifi drauf stand, aber nur magerste (teilweise DDR-) Qualität oder sogar ganz billiges "Ostblock- Hifi" (virtuell) drinnen war.
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Grundig produzierte wahre Sternstunden . . .

Es begann mit den Bausteinen HF1 und NF1 bis hin zum Grundig Hifi Studio 50 aus 1963/64, einem mehr als progressiven Edelmöbel. Als 1969/70 der RT 100 und der SV 140 auf den Markt kamen, war die gesamte andere Hifi- Branche nur noch am stöhnen. Denn der Preis war einfach nur gut. Diese beiden Geräte markierten einen Qualitäts-Standard, den die meisten Deutschen Hersteller nur mühsam erreichen würden.

Der Tuner RT100 zählt heute noch zu den besten Spitzengeräten
beim UKW Empfang (wenn er denn noch geht !!). Auch die anderen Hifi-Geräte (so gut wie aller Hersteller) haben alle die gleichen Alterungsmacken mit den Kondensatoren. Sie gehen fast alle nicht mehr.

Max Grundigs Problem lag anders . . .

Es stellt sich die Frage: Warum kam Grundig in der Hifi Branche nie in die Köpfe der Hifi High-End Kunden so richtig rein ?

Dazu muss man in der Historie den Aufstieg von Max Grundig zurückverfolgen. Grundig setzte bereits Ende der 1940er, Anfang der 1950er Jahre nur auf seine 10 oder 15 (west-) deutschen Großhändler und den gesamten damaligen Rundfunk- und Fernseh- Facheinzelhandel.

Mit den Großhändlern wurde dabei rigoros umgegangen (umgesprungen), es ging nämlich am Ende weniger um Freundschaft, sondern um Umsatz und um große Stückzahlen. Sonst hätte das (preisliche) Grundig- Konzept der Massenproduktion (und der darunter liegenden Kalkulation) gar nicht funktioniert.

Irgendwann gab es auch hier (im Fachhandel) die sogenannten Boxenschieber
, die den gefragten Grundig Fernseher oder die leicht verkäuflichen Grundig Hifi-Geräte einfach nur noch über den Ladentisch oder noch besser unten drunter (gewinnbereinigt) durch- "schoben".

Die anfangs gebundenen Festpreise, dann die empfohlenen Verkaufspreise und damit die Rendite waren somit im Eimer. Das hatten zur Hifi-Glanzzeit die Japaner und auch die BRAUN AG besser im Griff. Sie "regulierten" den Markt zu "un"-gunsten der höheren Stückzahl.

Und damit war das Interesse der ernsthaften Hifi-Händler
(meist kleineren Hifi-Studios) an Grundig Geräten - und seien sie noch so gut - absolut minimal. Ausnahmen waren negative Vergleichsgeräte, also hört mal, wie schlecht dieser Grundig klingt. Als Interessent oder Kunde konnte man sich nur mit Hilfe der damaligen Hifi- oder Testzeitschriften informieren. In so gut wie keinem Hifi-Studio konnte man auch Grundigs mit in den Vergleich einbeziehen. Das wäre sicher öfter eine Erleuchtung gewesen.

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Eine Pressinfo vom März 1985 : (leicht ! überarbeitet)
"Massenkündigungen bei Grundig"

Der Unterhaltungselektronik-Hersteller Grundig will und muß Arbeitskräfte entlassen. Firmenpatriarch Max Grundig hatte noch vor dem Verkauf an Philips am 1. April letzten Jahres (1984) vollmundig von dicken Gewinnen gesprochen. Jetzt ist klar, daß sich die vermeintlichen 60 Millionen Gewinn, die der Konzern noch unter seiner Ägide offiziell ausweisen konnte, nach der notwendigen (quasi erzwungenen) Philips- (Nach-) Berechnung in ganz reale satte Verluste umkehrten. Die neuen Eigner aus Holland wollen (müssen) deshalb mit harter Hand rationalisieren. Rund 7.000 Kündigungen sind im Gespräch, die allerdings, so behaupten die Philips-Manager, zum größeren Teil in den ausländischen Grundig-Betrieben den Mitarbeitern ins Haus flattern sollen.

Als der große Max 1984 das "Kommando" bei Grundig an Philips abgeben mußte, versuchten danach die Philips Manager noch einmal, das Ruder herum zu reißen und auch edle Referenzgeräte zum Aufpolieren des Grundig Images zu präsentieren.

Leider war aber der gesamte Radio- und Fernsehmarkt schon dermaßen am Zusammenbrechen, daß auch das von der eigenen Händlerschaft zwecks kurzfistigen Miniprofits unterhöhlt wurde. Die Fine Arts Geräte waren nach knapp einem Jahr "im Preis kaputt" und flogen aus den renomierten Hifistudios meist mit Verlust wieder raus. Und das drückte den Preis nochmals.

Übrigens ging es Sony etwas später sehr ähnlich.
Als Sony die Umsätze einbrachen und die Regionalverkaufsleiter ganz gezielt auf Stückzahlen getrimmt wurden, gingen den Hifistudios die Margen kaputt und Sony wurde uninteressant.

Zu dieser Zeit hatte ich meinen letzten CD Player XA 50 ES mit knapp DM 1.800.- (der offizielle Bruttopreis lag bei etwa DM 2.598.-) extrem preiswert gekauft (er war zu der Zeit nahezu unverkäuflich, zum Bruttopreis sowieso), einen der letzten schweren CD Boliden, der heute noch CD Referenzklasse ist.

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