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Es gab verschiedene Versionen dieser beiden Verstärker

Grundig NF2 Version 2 mit 5pol Audioeingang
Grundig NF2 mit Netz und Ausgangs-Buchse
Die Röhren und die Ausgangsübertrager

Der Grundig NF2 war der erste Grundig Röhen-Endverstärker mit 2 x 2 Stück EL84 in Gegentaktschaltung und etwa 2 x 15 Watt Sinusleistung. Ich sage hier: etwa 15 Watt, weil das immer von der Meßmethode und der Impedanz der angeschlossenen Boxen abhing.

Vergleichen kann man diese Endstufe auch mit dem Braun Vollverstärker CSV 13, der genau diese 4 Stück EL84 in der Ausgangsstufe hatte wie der NF2. Bei Braun spezifizierte man die Hifi-Grenzbedingungen dieser Endstufen aber nur mit 2 x 12 Watt. Bei beiden Endstufen sind die Ausgangsübertrager in etwa gleich groß, was aber nicht bedeutet, daß sie auch die gleichen technischen Fähigkeiten hatten bzw. haben.

Für die maximale Nennleistung bei Stereo ist bekanntermaßen der Netztrafo von großer Bedeutung. Wir machen noch Fotos, bei denen die beiden Verstärker nebeneinander stehen werden.

Natürlich wurden (auch) diese frühen Grundig Verstärker von Testern genau unter die Lupe genommen und theoretisch und praktisch akribisch "zerlegt", also nicht mechanisch zersägt, sondern elektrisch auf Herz und Nieren geprüft.

Und bei solchen Tests kam nicht immer Gutes raus. Der kleinere Grundig NF1 zum Beispiel hatte bei 6 Watt Sinus und einem Kanal bereits etwa 10% Klirrfaktor bei 40 Hz. Bei 1kHz und 6W waren es immer noch über 1% und das war nun mal gar nicht Hifi -rühmlich. Der Grundig Prospekt sprach ja von 2 x 7,5 Watt Dauerleistung. Der NF2 war da schon etwas besser, kostete damals aber auch etwa "das Doppelte" eines NF1. Jedoch unter 60 Hz und oberhalb von 12 kHz waren alle Grundig Röhrenendstufen am Ende der Fahnenstange angelangt. Ale Rechtecksignale wurden arg verfälscht.
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Professionelles Übertrager-Wissen für Wißbegierige

Bei den allermeisten serienmäßig hergestellten Röhren-Endstufen / Verstärkern mit einer oder 2 x EL84 (auch noch mit EL 34) wurden (sowohl für damalige als auch für heutige Verhältnisse) recht primitive billige Übertrager verbaut, so auch bei den NF Endstufen von Grundig. Dabei lagen die im Prospekt angegebenen Klirrfaktoren viel zu oft weit unterhalb der propagierten Nennleistung, nämlich deutlich im 5% Bereich. Warum das damals schon so war und immer noch so ist, finden Sie auf zwei sehr langen ausführlichen aber dennoch lesbaren Technik-Seiten.

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Zurück zu den Grundig Endstufen . . .

frühe NF2 Type
Ein- und Ausgang des NF1

Die ganzen NF1 bis NF20 Verstärker waren preiswerte billigste Blechkästen in Großserie für einen "unsichtbaren" Betrieb. So waren sie speziell für den Anschluß eines Grundig (Röhren-) "Preceivers"  (ist neudeutsch) vorgesehen und entsprechend konzipiert. Beim NF1 (später NF10) und NF 2 (später NF20) gab es zwei große alte Röhrensockel (Oktalsockel) für die Steckverbinder zum Tuner-Vorverstärkerteil HF2 und HF10 und zu den Lautsprechern. Beim NF2 gab es anfänglich oben zwischen den beiden Vorverstärkerröhren eine 3pol DIN Buchse oder später vorne senkrecht die ganz normale 5pol DIN Buchse als NF Stereo-Eingang.

Das war die ganz einfache und idiotensichere (Steck-) Technik aus den gehobenen und Spitzen Konzert-Schränken des 1961er bis 1964er Grundig Programms, aus denen diese mäßig verzinkten Lochblechkästen stammten. Das dünne gelochte Stahlblech hat nämlich Feuchtigkeit nur kurz vertragen, dann fingen die Blechhauben an zu rosten. Auch das Chassis und die Trafobleche waren nicht besonders gut gegen Rosten geschützt. Die Teile waren ja in einem edlen Konzertschrank im trockenen geheizten deutschen Wohnzimmer eingebaut.

Der NF2 wurde dann zum NF20 leicht verbessert.

Grundig NF20 Röhren geschirmt und 5 pol DIN Eingang
hier ist am NF20 etwas modifiziert/verbastelt

Deutlich sichbar ist das jetzt hinten auf der Trafoseite zu sehen (zweites Bild). Dort sind die beiden Oktalsockel links für die Netzversorgung aus dem Tuner-Vorverstärker sowie rechts die Stereolautsprecher mit verschiedenen Ohmzahlen. Hier ist eine NF DIN Buchse nachgebastelt und ein Mono- Mittenlautsprecher- ausgang als LS-DIN Buchse ergänzt worden.
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Beim NF 20 wird die Endstufe über ein Netzkabel versorgt, nicht mehr vom Vorverstäker über den Oktalsockel her. Die beiden Ausgangsübertrager sind mit einem Winkel stabilisiert worden, warum auch immer. Die Vorstufenröhren haben beide eine Abschirmung bekommen. Auch haben die Endröhren jeweils Bügel aus dünnem Federstahl bekommen, damit sie beim Transport nicht aus den Sockeln herausgerüttelt werden. Der Trafo rostet an allen Ecken und die Sicherungshalter setzen mitsamt der Sicherung Grünspan an. Ich habe auch schon zwei Exemplare gesehen, bei denen die Übertrager nicht vergossen/getränkt waren. Da ist also Vorsicht angesagt.

Bei den allermeisten Endstufen ist die Verzinkung optisch schon arg lädiert. Da hilft kein Überlackieren, die Farbe hält nicht lange, da würde nur Neuverzinken helfen.
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Tunig ist fast unmöglich

Hier die Ausgangstransübertrager des NF20 links, oben drüber der STW-25W Verstärker und rechts der RIM-Organist mit ebenfalls 25 Watt.

Wenn in ebay selbsternannte Röhren- und Tuning-Spezialisten an einem NF1 oder NF2 oder NF10 oder NF20 goldene Lautsprechstecker sowie goldene Cinchbuchsen ergänzen, dann ist das nicht nur Unsinn, es ist regelrecht Blödsinn. Es ist nämlich hoffnungslos.

Lassen Sie sich nicht täuschen,
die Röhre EL84 (bzw. 2 Röhren) kann eine bestimmte Verstärkung leisten und eine bestimmte Impulshöhe verabeiten, dann ist einfach Schluss. Eine Gegentakt-Schaltung kann entweder wenig leisten und dafür linear verstärken (also z.B. 10 Watt) oder viel powern (das sind etwa 15 Watt) und damit nur 60 Hz bis 12.ooo Hz mit bis zu 5% Klirrgrad. So wird das nie Edel-Hifi werden.

Das absolute Kriterium bei allen EL84 basierenden Röhrenendstufen (und nicht nur bei denen) ist der Ausgangsübertrager. Was der nicht "transformiert", können auch goldene Stecker und 10 Quadrat Leitungen nicht wett machen.

Und dort liegt das Geheimnis verborgen, warum die alten Studioverstärker von Neumann, Telefunken und Siemens oder unsere STW 25 Watt Mono Verstärker und andere Fabrikate erheblich besser klingen als die Consumerverstärker von Grundig. Daß die auch das sechs- bis 10fache kosten bzw. gekostet hatten, sollte immer zu denken geben.
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Diese Röhren vom Typ EL34 haben deutlich mehr Leistung und werden in Studioverstärkern verbaut

Schaun Sie sich mal die beiden 25 Watt Mono Endstufen von STW an, die wir geerbt haben. Ein einzelner Ausgangs-Übertrager hat ein Bleckpaket eines 120 Watt Trafos - für eine "nur" 25 Watt spezifizierte Nennleistung. Damit ist jeder Übertrager fast 4 mal so groß wie bei einem Grundig NF20 oder Braun CSV13. Das muß doch zu denken geben.

Eine sehr rare Möglichkeit ist der Betrieb mit sehr sehr effizienten Lautsprechern wie zum Beispiel Klipsch Hörnern oder JBL oder Altec-Lansing Hörnern. So gut wie alle geschlossenen Boxen scheiden wegen des zu niedrigen Wirkungsgrades aus. Doch wer sich schon für 8.000 Euro zwei Klipschhörner zulegt, wird sich kaum eine 225.- DM Grundig NF20 davor setzen.
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Noch ein Wort zum Vorverstärker.

Grundig-HF2

Die Röhren-Vorverstärker in den HF-xx Typen von Grundig waren leider auch nur bescheiden. So um 1960 bis 1963 gab es auch noch keine hochqualitativen Programmquellen (wie die CD zum Beispiel), die das offensichtlich gemacht hätten. Das sollten wir schon bedenken, wenn wir diese Teile vergleichen und bewerten. Doch heute verwendet man ja diese Röhren-Endstufen wegen des so vielgepriesenen "weichen" oder "zarten" Klangbildes.

Ich jedenfalls habe schon deutliche Unterschiede zwischen dem kleinen Grundig MX100 und dem Grundig SXV6000 und dem Accuphase C280 gehört - und das, obwohl noch nicht restlos alle Kondensatoren getauscht waren.
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