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2009 - Der kleine Grundig SV40M Stereo Vollverstärker (1965)

Der kleinste der Grundig Vollverstärker wird in der Grundig Historie bei den Geräteneuheiten 1965 (HiFi-Bausteine) als Weltspitzenklasse in Transistortechnik bezeichnet. Das ist natürlich arg weit hergeholt. Mit den (wenn auch bei Grundig vielleicht neuen) Germanium Transisitoren AD 166 in den Endstufen konnte keine Weltspitzenklasse erreicht werden, damals nicht und auch später nicht.
Wir werfen einen Blick in dieses dennoch tolle Teil, immer mit dem Fokus auf das Jahr 1965 !!

Es war 1965 und der Autor war 16 Jahre alt . . .

es hing innen an der Seite neben der Seriennummer

und ich schaffte es, für unsere Schule einen Traum zu verwirklichen. Die Oranienschule in Wiesbaden kaufte ein Grundig TK46, ein komplettes super Röhrentonbandgerät. Es kostete damals 695.- Markt und das war viel Geld. Von diesen komischen neuartigen Transistoren träumten wir bisher nur in (oder mit) der aktuellen Geräte-Werbung, wenn es hieß, dieses oder jenes Gerät habe schon 3 oder 5 Transistoren. Und dann "offerierte" Grundig diesen (zweiten) neuen volltransistorisierten Verstärker sogar mit getrenntem UKW Empfangsteil RT40M (Tuner genannt). Der SV50 war der este Transistorverstärker von Grundig. Die Vorvorgänger RT40 und SV40 hatten noch Röhren.
Zum Verständnis ist hier zu sagen, daß ich sehr genau trenne zwischen
den heutigen Erkenntnissen und dem damaligen Wissens- und Technologiestand. Es gab/gibt aber auch Geräteeigenschaften, die waren bereits damals schon zumindest "merkwürdig".

Grundigs Design war zeitlos elegant

Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern (aus ganz Europa) hatte Grundig ein Händchen für ein schlichtes, preiswertes und dennoch elegantes Design. Die handliche Plazierung der Bedienelemente und Drucktasten kam draußen im Markt gut an. Grundig wurde ja nicht umsonst (europäischer) Marktführer.

Die Frontplatte war zwar "nur" aus dünnem Alublech, doch beide Längsseiten waren abgewinkelt und so erstaunlich robust. Nicht ganz so "hübsch" waren die vier Kreuzschlitzschrauben zur Befestigung dieses Bleches.

mit Pappverkleidung
Einblick von unten

Der SV40M nun von unten gesehen

Bei Grundig hatten die Schreiner damals so ihre eigene Art, die Holz-Gehäuse unten zu verkleiden. Aufwand und Funktion stehen hier in keinem gesunden Verhältnis.

Der vertretbar stabile Lochdeckel/-Boden aus Hartfaserpappe wird mit diversen kleinen Plastik- Krampen gehalten, die einzeln positioniert und aufgetackert werden mussten. Das ist ein sehr zeitaufwendiges Werkeln, es war eigentlich damals bereits zu aufwendig.

Man sieht aber, daß das Holzgehäuse bereits alleine stabil war. Das Chassis war ebenfalls eigenstabil. Das gab es bei späteren Grundig Modellen nicht mehr.

Die edle Ecke oben links
Verbindnung zum Seitenteil
Stabilität durch eingeleimte Winkel

Das Gehäuse erfreut heute noch jeden Möbelschreiner.

Holzgehäuse waren Max Grundigs Spezialität. Die Stereo-, Hifi- und Fernseh- Musiktruhen waren seine Lieblingsprodukte. Die waren noch in späten Katalogen aufgeführt bzw. zu finden, als sie nahezu unverkäuflich wurden.

Beinahe könnte man unken, sie wurden mit Liebe zusammen- geleimt. Es war insgesamt eine Kombination aus edelhozfurnierten Press-Spanplatten und auch dünnen Tischlerplatten. Alles in Allem haben die Gehäuse ein halbes Jahrhundert gut überstanden.

Dieses Nußbaum Furnier gefiel damals und sah fast zeitlos elegant aus. Auch die Designer der Frontplatten mußten sich mit den Holz-Bauern zusammentun, damit alles paßte.

Heute fällt halt auf, daß die Produktion des Gehäuses durchaus bereits damals hätte vereinfacht werden können. Es ist zu kompliziert und damit zu aufwendig.

Das Hinterteil war typisch Deutsch

Din-Buchsen über alles, war die Devise. Schau nicht nach links oder rechts, "wir" (von Grundig) bestimmen den Markt. Und so wurden deutsche DIN-Buchsen verbaut. Die Firma Preh war glücklich. Die lieferten nämlich auch noch die Potentiometer.

Man sieht ganz deutlich, dieser SV 40M ist der kleinste Verstärker aus einem Baukastensystem, es sind noch Löcher für weitere Buchsen offen.

40 Jahre hinterlassen Spuren = Staub

Wie die meisten Kraftverstärker wird mit natürlicher Konvektion gekühlt. Damit kommt der Staub in die Geräte und das 40 lange Jahre lang.


Bei diesem Stereo-Verstärker mit nur 15 Watt pro Kanal war es nicht kritisch, die Kühlkörper waren gewaltig überdimensioniert, aus dem Baukasten dieser Familie natürlich. Auch war der Verstärker nicht für 40 Jahre Leben geplant, das wäre bereits damals geschäftsschädigend gewesen.


Ob dieser hier noch geht, muss sich erst noch zeigen.

Der Staub muss weg

mit lauwarmem entmineralisiertem Wasser und einem Schuß Spülmittel aus der Küche. Das klappt prima, macht auch nichts kaputt und trocknet in der Sonne recht schnell rückstandslos ab und aus.

An dem Kühlköper ohne den Staub sieht man den Platz für 4 weitere Endstufentransistoren sowie die eingeprägten / eingegossenen Teilenummern. Es ist nämlich kein lowcost Alu-Strangprofil von der langen Stange, es ist ein Druckgußteil.

Doch es springen die Siemens Germanium Bezeichnungen AD166 ins Auge. Oh weh, die waren nämlich nicht temper- aturstabil. Damit änderte sich die Kennlinie und somit der Ruhestrom und das brachte hohe Verzerrungen bei leisen Lautstärken.

Ein Lowcost Massenprodukt.

Bei Grundig dachte man bestimmt, jedenfalls so gut es ging, an große Stückzahlen und an die entsprechende Produktion. An manchen gelungenen Eigenschaften sieht man das, bei anderen (Schwächen) vermisst man es. Die Vorverstärkerplatine ist klapp- und abnehmbar. Die Leitungen sind aber alle fest verlötet. Die Zugentlastungen sind ausgestanzt ..... - na ja.

Die beiden Netzteil- Kondensatoren sind erfreulich erheblich überdimensioniert, vermutlich mit dem großen SV80M identisch.

Die hier zu sehende Bestückung der Platine ist der damaligen Zeit entsprechend großzügig und "weiträumig" mit allen Vor- und Nachteilen.

Die Vorstufenspannung wurde mit einem AD152 Transistor geregelt bzw. stabilisiert. Das Thermoelement auf dem Bld soll bestimmt (den größeren SV80M) vor Überhitzung schützen.

Warum so umständlich ?

Die Schwächen fallen auf, wenn man genauer hinschaut. Die 230 Volt Netzzuleitung ist von der Kaltgerätebuchse aus einmal zweipolig "ums Haus" geführt bis zum Netzschalter und zurück.

So etwas bremst die effiziente Massenproduktion erheblich aus.

Diese Schrauben sind Mist

Wer immer "den" Max Grundig oder "die bei" Grundig geritten haben mag, diese Blechschrauben mit Maschinenkopf sind absolut unhandlich und schon gar nicht mit selbstzentrierendem Werkzeug schnell und präzise zu verarbeiten. Da hätten wir von dem Amis lernen können. Die Kreuzschlitzschrauben gab es schon, die Torx Schrauben kamen erst etwas später.

Diese Sechskant-Schrauben sind nämlich haufenweise im Blechchassis zu finden. Und keine hat einen Schlitz zum einfachen Lösen. Die Ratsche hat mit der Nuß (dem eigentlichen "Werkzeug") vorne dran auch sehr häufig die Verzinkung des Blechs angeritzt und damit dem Rost Vorschub geleistet (siehe oben). Das war so sicher nicht gewollt.

Zum Glück ist das Chassis sehr stabil

Beim Chassis war ein Profi dran, im Gegensatz zu so manchem anderen Blechschmied (Beispiel der TED Bild- Plattenspieler von Telefunken).

Das U-förmige Grundchassis ist sehr sauber gestanzt und gebogen, das ist wirklich echte Wertarbeit.

Netz-Trafo und Kühlkörper finden einen stabilen Halt.

Die Treiberplatine ist ausziehbar.

Zusätzlich zur klappbaren Vorverstärkerplatine ist auch die Treiber Platine servicefeundlich. Nach einigen Vorarbeiten kann sie nach oben hochgezogen werden und vermutlich läuft der Verstärker dann immer noch.

Zum Schluß: Der Zahn der Zeit

Es war also kein Symtom der DDR Tonbandgeräte, daß die vernickelten oder verchromten Feinsicherungen in den Halterungen korrodierten und Grünspan angesetzt hatten, es kam sogar bei Grundig vor. Das hier hatte jetzt seit 1965 Zeit zu wachsen.




Bei dem Glühbirnchen der Netzkontrolleuchte sehen Sie an der Durchhängung des Glühfadens, dieser Verstärker war sehr oft in Betrieb.

Auch der kleine Käfer hier hat ihm kein Glück gebracht.

Mit seinen UKW Radios von 1956 und dann später 1965 diesen ersten erschwinglichen Hifi Geräten und natürlich auch deren Vorläufern hat Max Grundig unseren Eltern und Großeltern das Erarbeiten des Wirtschaftswunders versüßt. Dafür müssen wir ihm dankbar sein, es war wieder ein Stück Lebensqualität nach dem verheerenden Krieg.

Leider hat ihm (dem alten Max) auch der kleine Käfer kein Glück gebracht, ich habe es mit diesem Bordsteinfund auch erst viel später abbekommen. Dieser SV40M Verstärker stand nämlich im Okt. 2009 bei mir direkt nebenan beim Sperrmüll. Mal sehen, ob er noch geht.

Und eben (am 7.10.2009 um 16.30) ist der kleine bunte Käfer mit der Sonnne weggeflogen . . . . . . .


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